{"id":14254,"date":"2020-05-07T09:42:28","date_gmt":"2020-05-07T07:42:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=14254"},"modified":"2020-05-08T08:56:36","modified_gmt":"2020-05-08T06:56:36","slug":"wahnsinn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=14254","title":{"rendered":"Wahnsinn"},"content":{"rendered":"<p>Ganz ehrlich: Ich versteh das alles nicht. Es geht ja schon damit los, dass es allerorten hei\u00dft: Die Wissenschaftler d\u00fcrfen nicht die Politik bestimmen. Mit der Folge, dass etliche Wissenschaftler wie Christian Drosten unter \u00fcbelsten Beschimpfungen bis hin zu Morddrohungen zu leiden haben. Dabei ist die Sache doch relativ simpel. Wer sich lange mit einem Thema besch\u00e4ftigt, sammelt Erkenntnisse. Und diese Erkenntnisse sind Grundlagen f\u00fcr Entscheidungen. Oder besser: K\u00f6nnten sein.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wenn ich wei\u00df, dass ich mir die H\u00e4nde im Feuer verbrenne, scheint die logische Folge, dass ich nicht ins Feuer greife. Zumindest nicht ohne Schutz wie stabile Handschuhe. Nicht der Wissenschaftler bringt mich dazu, sondern die konkrete Kenntnis der Folgen. Daf\u00fcr kann ich nicht den Wissenschaftler verantwortlich machen. Selbst wenn unter den Flammen ein kleiner Schatz verborgen ist. Klingt logisch. Gut, in den modernen Zeiten wird sich schon jemand finden lassen, der auch ohne Schutz gegen einen kleinen Obulus ins Feuer greift. So l\u00e4uft es ja auch ohne Corona. Wie in der Textilproduktion in Bangladesh. Zum Beispiel.<\/p>\n<p>Die Folgen aber von Corona und vor allem die Entwicklung sind derzeit nicht konkret bestimmbar, wir haben es erstmals mit diesem Problem zu tun, die Erkenntnisse stecken in den Kinderschuhen. Es scheint auf alle F\u00e4lle so zu sein, dass es derzeit keine wirksamen Medikamente gibt und keinen vorbeugenden Schutz. Au\u00dfer Distanz und Masken. Und dennoch wird gelockert, was das Zeug h\u00e4lt. Bei allem Respekt f\u00fcr diejenigen, denen die Felle davon schwimmen, die gro\u00dfen und die kleinen Felle, so scheint doch klar, dass die Aufhebung dessen, was die Pandemie scheinbar handhaben lie\u00df, die Problematik in wenigen Tagen verst\u00e4rkt. Verst\u00e4rken muss. Es sei denn, wir sind alle einem gigantischem Betrug aufgesessen. Ich bin ja gerne bereit, jeder mafi\u00f6sen Verstrickung das Wort zu reden &#8211; sobald ersichtlich ist, wer davon profitiert. Und meist ist es nur zu offensichtlich, wer davon profitiert. Die Protagonisten der Gro\u00dfindustrie und des Handels, wobei immer wieder Kr\u00fcmel f\u00fcrs Volk abfallen. Bei Corona sehe ich allerdings nicht, wer von den Ma\u00dfnahmen konkret profitiert. Niemand hat etwas im gro\u00dfen Stile von den getroffenen Schutzma\u00dfnahmen. Sie scheinen dem Schutz aller zu dienen.<\/p>\n<p>Wer von den Lockerungen profitiert scheint auch klar. Wer die Folgen tr\u00e4gt, allerdings noch nicht. Von daher fand ich erstaunlicherweise den Umgang von Kanzlerin Merkel oder Bayerns Ministerpr\u00e4sident S\u00f6der mit der Pandemie gegen meinen Willen stark nachvollziehbar. Die Mahnung zur Geduld, der Wille zur Beratung, zur Erkenntnis, derweil andere genau diese Haltung aus Kalk\u00fcl, Lobbyismus oder Selbstdarstellung wissentlich attackierten. Klar, Kinder wollen in die Kitas, Schauspieler Theater spielen, Fu\u00dfballer kicken, Sportjournalisten dar\u00fcber schreiben, Kneipen ihre G\u00e4ste bedienen, etcpp. Nachvollziehbar. Aber zu welchem Preis? Was ist gesellschaftlich notwendig, was guten Gewissens vertretbar? Oder um mit Boris Palmer zu sprechen: Auf wen k\u00f6nnen wir verzichten?<\/p>\n<p>So war es in den letzten Wochen augenscheinlich, wer aus welchen Gr\u00fcnden etwas gefordert hat. Verborgenes Eigeninteresse wurde versucht in einer objektiven Blase zu verstecken. Sehr deutlich wurde dies im Fu\u00dfball. Letztlich hat dort die Allianz aus DFL, Fu\u00dfball GmbHs, Bild, sowie einigen Journalisten daf\u00fcr gesorgt, dass unter gro\u00dfer Anstrengung dem gemeinen Volk schmackhaft gemacht wurde, den Ball wieder rollen zu lassen. Und es hat geklappt. Ab dem 15. Mai wird wieder in der Bundesliga gekickt. Geisterspiele. Wer dagegen spricht, wie der Spieler Verstraete vom 1.FC K\u00f6ln wird rund gemacht. Kalou und die Hertha? Einzelfall. 14t\u00e4gige Quarant\u00e4ne f\u00fcr alle Betroffenen? Geschenkt.<\/p>\n<p>Der Rubel muss rollen, damit die Vereine nicht kaputt gehen? Die so wichtig sind f\u00fcr das Wohlbefinden des Volkes, diese wunderbare Ablenkung vom tristen Alltag &#8211; mir kommen die Tr\u00e4nen. Ich habe in den letzten Jahren viele Interviews mit Fans gef\u00fchrt, nicht die, sie sich alle paar Jahre ein F\u00e4hnchen auf die Backe malen, nein, mit denjenigen, die Woche f\u00fcr Woche ihren Verein, in diesem Falle Eintracht Frankfurt, begleiten. Und fast alle sagten mir, dass das Spiel als solches nicht unbedingt im Vordergrund steht. Es sind die sozialen Kontakte, die Begegnungen, die Reisen, die Aufhebung kultureller oder materieller Unterschiede, das soziale oder politische Engagemet des Clubs, welches die Leute an den Verein bindet, der ja im Profibereich l\u00e4ngst eine AG ist. Und fast alle dieser Momente sind auch durch Geisterspiele nicht wiederbelebbar.<\/p>\n<p>Geisterspiele sind per se nicht schlecht. Nahezu alle Begegnungen unterhalb der, sagen wir Regionalliga, sind Woche f\u00fcr Woche Geisterspiele. S\u00e4mtliche Jugendpartien sind Geisterspiele, das Gekicke in den Parks und auf den Bolzpl\u00e4tzen sind Geisterspiele wie auch die Partien auf dem Dorf oder in den Stadtteilen. Frauenfu\u00dfball. Und dennoch gibt jede\/r der oder die kickt immer alles. Das ist Fu\u00dfball. Geisterspiele wirken nur absurd, wenn sie in einem 50.000 Zuschauer fassenden Stadion ausgetragen werden. Das ist wie bei Konzerten. Die lokale Band, die im kleinen Club auftritt, begeistert ihre Anh\u00e4nger, die Stimmung ist prima. Die gleiche Band mit der gleichen Anzahl von Zuschauern in der Festhalle wirkt befremdlich. So stellt sich ganz simpel die Frage, weshalb solche Geisterspiele, so sie denn stattfinden m\u00fcssen, nicht auf dem Dorfplatz nebenan ausgetragen werden. Was bei Seckbach gegen Bornheim klappt, sollte doch auch bei Schalke gegen Dortmund klappen. W\u00e4re g\u00fcnstig. Okay, die Antwort ist einfach. Einerseits muss die geglaubte \u00fcbergeordnete Bedeutung heraus gestellt werden, andererseits brauchen die Kameras der \u00fcbertragenden Sender massiv Licht, um die Inszenierung des Besonderen zu gew\u00e4hrleisten. Und die digitalen Werbetafeln m\u00fcssen ja auch leuchten.<\/p>\n<p>Sportplatz. Bl\u00f6derweise w\u00fcrde sich dann noch massiver die Frage stellen, weshalb Schalke gegen Dortmund auf dem Sportplatz kicken darf, die F-Jugend von Seckbach aber nicht. DIE SICHERHEITSKONZEPTE h\u00f6re ich sie schon rufen. Klar, so wie in Berlin. Wer \u00fcbernimmt, ob Sportplatz oder Arena, aber die Verantwortung, wenn ein Protagonist ernsthaft erkrankt? Wie ist die sportliche Relevanz einzusch\u00e4tzen, wenn mehrere wesentliche Spieler eines Clubs in entscheindender Phase ob Corona in Quarant\u00e4ne geschickt werden? Was passiert, wenn ein Club komplett verseucht ist und gar nicht mehr antreten kann? Und so ganz nebenbei ist ein Zeichen der Normalisierung in Zeiten des Abnormalen zumindest sonderbar &#8211; und es birgt die Problematik, dass die uns suggerierte Gefahr der Pandemie herunter gespielt wird, das Verhalten der B\u00fcrger sich ebenso normalisiert, wer will es verdenken? Und was geschieht bei einer n\u00e4chsten Welle? Welche Konzepte liegen auf dem Tisch, so die Dinge nicht so funktionieren, wie gew\u00fcnscht?&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist ja nicht der Fu\u00dfball, der zugrunde gehen w\u00fcrde. Es ist der Businessfu\u00dfball mit seinen goldumrandeten Cateringh\u00e4ppchen f\u00fcr die Protagonisten, der bei ung\u00fcnstiger Entwicklung sich im Zweifel auf den Sportpl\u00e4tzen wiederfinden w\u00fcrde. Das w\u00e4re dem Fu\u00dfball wahrscheinlich v\u00f6llig egal. Doof nur, dass die uns\u00e4glichsten Protagonisten wahrscheinlich weiter im Rampenlicht stehen w\u00fcrden, die fremdfinanzierten Bastarde der Fu\u00dfballindustrie. Das kann dann auch niemand wirklich wollen. Wobei, vielleicht interessiert dann die Partie Leipzig gegen Wolfsburg wirklich niemanden mehr. Damit k\u00f6nnten wir leben.<\/p>\n<p>Bleiben die Arbeitspl\u00e4tze. Diese heilige Kuh der Wirtschaftsprotagonisten, die das Argument immer dann vorschieben, wenn sie andere Interessen verschleiern wollen. Bei genauerer Betrachtung aber wei\u00df eine Gesellschaft die Verschiebung der Verh\u00e4ltnisse ganz praktisch zu kompensieren. Wo sind denn beispielsweise all die Fotolabore geblieben? Die Bergleute? Vereinzelte Dramen spielen sich ab, sicher. Aber dies ist ja permanent der Fall. \u00dcberall. Wo altes vergeht, entsteht neues. Es w\u00e4re halt nur sch\u00f6n, wenn das Neue klimaneutral und resourcenschonend w\u00e4re. Denn dieses Thema, das Klima, klopft ja immer noch an unsere T\u00fcr. Man h\u00f6rt es ob Corona nicht so laut, aber wie man h\u00f6rt, scheint Corona ein Kindergeburtstag zu sein, sobald sich in dieser Hinsicht wenig \u00e4ndert. Aus den gleichen Gr\u00fcnden \u00fcbrigens wie beim Fu\u00dfball. Die Basis unserer Gesellschaft br\u00f6ckelt schon jetzt. Die Landwirte klagen schon jetzt, Wasser k\u00f6nnte zuk\u00fcnftig ein massives Problem werden. Darauf sollten wir uns einstellen. Und nicht mit aller Gewalt einen Status Quo aufrecht zu halten, der eigenlich nicht mehr haltbar ist. In fast allen Bereichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ganz ehrlich: Ich versteh das alles nicht. Es geht ja schon damit los, dass es allerorten hei\u00dft: Die Wissenschaftler d\u00fcrfen nicht die Politik bestimmen. Mit der Folge, dass etliche Wissenschaftler wie Christian Drosten unter \u00fcbelsten Beschimpfungen bis hin zu Morddrohungen zu leiden haben. Dabei ist die Sache doch relativ simpel. 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