{"id":14149,"date":"2020-04-01T10:30:03","date_gmt":"2020-04-01T08:30:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=14149"},"modified":"2020-04-01T11:36:54","modified_gmt":"2020-04-01T09:36:54","slug":"thailand-2020-wenn-ein-virus-dich-einholt-teil-iii-inselleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=14149","title":{"rendered":"Thailand 2020. Wenn ein Virus dich einholt. Teil III: Inselleben"},"content":{"rendered":"<p>Ich geb\u2018s zu, ich habe den ersten Sonnenuntergang schlicht verpennt. Mittags kam Bj\u00f6rn von der Massage zur\u00fcck, nat\u00fcrlich gab es ein gro\u00dfes Hallo. Diesmal ist er mit Freunden hier, Menschen stellen sich vor, Namen werden behalten und vergessen &#8211; mir steckt die Aufregung der letzten Tage und nat\u00fcrlich die Fahrt in den Knochen. Nachmittags lege ich mich in die H\u00e4ngematte &#8211; manchmal h\u00f6re ich Gewisper, d\u00f6se wieder weg. Als mich Pia sachte weckt, funkeln die Sterne. Ein paar Schritte vor uns rauscht das Meer.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Und so langsam blicke ich durch. Bj\u00f6rn wohnt oben, im Bungalow nebenan Susi. Unten in der Mitte hat Kerstin ihr Domizil, w\u00e4hrend Tina, Michi und der kleine Niels es sich vor uns eingerichtet haben. Die G\u00e4ste im ersten Bungalow vorne bereiten sich auf die Abreise vor, weiter oben wohnt noch ein P\u00e4rchen. R\u00fcdiger kenne ich am Rande von fr\u00fcher. Er ist den ganzen Winter \u00fcber hier. Somit w\u00e4ren wir also komplett. Wir sind gespannt, wie sich die Zeit hier gestaltet &#8211; und was bis zur R\u00fcckreise geschieht. Wesentliche Dinge werden sein: Ruhe, Meer, Sterne, Rollerfahren, Trinken, Essen, H\u00e4ngematte &#8211; in wechselnder Reihenfolge.<\/p>\n<p>Wenn man sich eine ganze Zeitlang auf dem Gel\u00e4nde aufh\u00e4lt, wird man unweigerlich mit der Tierwelt der Insel konfrontiert. Eine schwarze Katze umschmeichelt unsere Beine, ab und an siehst du einen Gecko. Wenn es in den B\u00e4umen raschelt, kann es sein, dass ein Hornbill mit leuchtend gelbem Schnabel angeflattert kommt, zuweilen kreisen \u00fcber dem Wasser einige Seeadler. Abends kommen die Moskitos, Grillen zirpen nach dem Sonnenuntergang kollektiv wie auf einen geheimen Befehl hin &#8211; und enden ebenso unvermittelt, wie sie begonnen haben. Im Meer tummeln sich kleine Fischlein. Winzige Ameisen r\u00e4umen noch die letzten Tropfen eines Shakes auf, kleine Krabben rennen zu Tausenden am Strand entlang, ihr Gang ist seitw\u00e4rts und wenn sie sich einbuddeln, werfen sie Unmengen an kleinen Sandk\u00fcgelchen auf. Aufpassen musst du im Wasser, vor allem bei Ebbe. Scharfkantige Felsen k\u00f6nnen dir die F\u00fc\u00dfe zerschneiden und in die dort lebenden Seeigel willst du auch nicht treten. Michi hatte es erwischt, doch Cha wusste Abhilfe &#8211; und zertr\u00fcmmerte die im Fu\u00df steckenden Stachel mit einer Flasche.<\/p>\n<p>Die erste Rollerfahrt ohne Gep\u00e4ck, die 125er Honda zieht gut, der Duft der Cashews, der Wind. Wir tuckern runter zur Kreuzung, fahren links durch den Dschungel Richtung Ostk\u00fcste, vorbei an den M\u00f6nchen bis zum ganz alten Pier. Dort ist es immer ein gro\u00dfer Spa\u00df wie einst Sting in Quadrophenia auf dem schmalen Steg Gas zu geben &#8211; volle Lotte aufs Wasser zu. Doch wir heben nicht ab. Wir bremsen brav und tuckern durche den Ort am Pier Richtung Long Beach, sind neugierig. Der kleine Laden mit den farbigen Souvenirs steht noch an Ort und Stelle. Bunte Kleidchen f\u00fcr die Damen, f\u00fcr die Herren d\u00fcnne Hemden. Hier gibt es vieles, \u00fcber Decken, Sarongs, Kokos\u00f6l, Aloe Vera, Taschen und T\u00e4schchen. Irgend etwas f\u00e4llt immer ab. Wenn du weiter f\u00e4hrst, ger\u00e4tst du derzeit in eine Baustelle, der Weg wird massiv verbreitert &#8211; es ist nicht ungef\u00e4hrlich hier durch die Strecke zu kommen. Noch ist der Boden sandig, das hei\u00dft Rutschgefahr, vor allem, wenn dir jemand entgegen kommt. Und wenn die Stra\u00dfe fertig ist, scheint sie mir zu gro\u00df f\u00fcr die Insel.<\/p>\n<p>In Deutschland hat sich die Situation grundlegend ge\u00e4ndert &#8211; das Virus hat das Land im Griff und nat\u00fcrlich ist es auch hier Thema, ich mache mir Sorgen um meine Familie, meine Freunde &#8211; und bin hier erstmal sicher. Ansonsten versuche ich der Aufgeregtheit aus dem aus dem Weg zu gehen, blicke aufs Wasser, liege in der H\u00e4ngematte vor unserer H\u00fctte. Leider sehe ich von hier nicht die Nachtlichter der Hippie Bar, Bj\u00f6rn kommt auf die Idee, weiter vorne eine weitere auf zu h\u00e4ngen. Ich frage Cha, ob das klar geht &#8211; er nickt. So sause ich los in den kleinen Laden und hole mir eine neue, dazu Seile und befestige sie an zwei B\u00e4umen am Rande des Gel\u00e4ndes. Der Platz ist perfekt, ich h\u00e4nge im Schatten und niemandem im Bild, wenn Leute ins Wasser gehen kann ich sie beobachten und niemand sieht mich. Eine alte Kokosnuss wird angeschwemmt, sie wird mein Aschenbecher, ein leeres Coconutshake der Sammelbeh\u00e4lter. Auf einen Bambusstab stecke ich eine Muschel. Drau\u00dfen schaukeln ein paar Bootchen, ein R\u00e4ucherst\u00e4bchen glimmt.<\/p>\n<p>Jetzt bin ich tats\u00e4chlich angekommen, die Tage vergehen gem\u00e4chlich. Es ist Fastenzeit, auf S\u00fc\u00dfigkeiten verzichte ich seit Aschermittwoch &#8211; das ist hier eine leichte Aufgabe, das letzte was du m\u00f6chtest sind Schokolade oder Gummib\u00e4rchen in der Hitze. Ich beschlie\u00dfe, vorerst auch auf Alkohol zu verzichten. Es w\u00e4re ein leichtes, hier ein Bier, dort ein Rum, doch es ist nicht die Zeit, sich in den Zustand zu begeben, den ich zuhause zuweilen so sch\u00e4tze, dieses Beamen in die Nachtwelt der Bars, leicht beschwingt ins Innere zu rutschen, derweil die Au\u00dfenwelt sich dreht. Ich trinke Tee, Shakes, Lassis und rauche. Die ersten Tage denke ich noch abends: Jetzt ein Bierchen, nach ein paar Tagen komme ich gar nicht mehr auf die Idee. Bis sich die Lage \u00e4ndert.<\/p>\n<p>Die Gruppe und wir verstehen uns gut, jede\/r geht seiner Wege und wir treffen uns in den St\u00fchlen beim Sonnenuntergang oder zum Essen, zum schw\u00e4tzen oder baden. Jeder ist anders, Bj\u00f6rn kennt die Insel und wei\u00df wo er ist, die Frauen m\u00fcssen sich erst an das Leben hier gew\u00f6hnen, an die kleinen Tierchen, die Hitze und auch an die gr\u00f6\u00dferen Tierchen. Doch auch sie verschmelzen jeden Tag mehr mit der Insel. Die Familie nimmt\u2018s sportlich und von Niels h\u00f6rst du kaum was. Es sind keine anderen Kinder hier, er besch\u00e4ftigt sich den ganzen Tag und hat Hunger. Ein gutes Zeichen.<\/p>\n<p>So vergehen die Tage im Rhythmus der Insel, die wir mit dem Roller erkunden. Sie hat sich ver\u00e4ndert. Neue Schneisen wurden durch den Dschungel geschlagen, Stromleitungen ziehen sich an den Wegen entlang, ein kleines E-Werk wurde errichtet, das ein oder andere Caf\u00e9 gibt es nicht mehr, ein anderes ist umgezogen, du siehst mehr Steinbungalows und an der Ostk\u00fcste gibt es jetzt einen Laden, der Weizenbier anbietet oder Apfelschorle. An der Hippie Bar h\u00e4ngt jetzt ein Schild: No Children. Das w\u00fcrde hierzulande einen Shitsstorm nach sich ziehen, aber es ist sinnig. Die aus alten Holzst\u00e4mmen gebauten Wege, die Seile, die Stufen, es ist f\u00fcr Kids zu gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>Kamen fr\u00fcher \u00fcberwiegend Traveller auf die Insel, so wird sie nun immer mehr f\u00fcr Urlauber hergerichtet &#8211; und es vergeht allm\u00e4hlich der Geist des spirituellen. Es ist nicht mehr ganz so m\u00fchsam, hier her zu kommen, Strukturen werden f\u00fcr Touristen angelegt, die Geschwindigkeit nimmt zu und die Preise steigen. Menschen kommen nicht mehr mit dem Nachtbus, sie fliegen nach Ranong. Apfelschorle auf der Insel? Albern. Ich denke wehm\u00fctig an die alten Zeiten zur\u00fcck, die ich noch erleben durfte, die Einfachheit der alten H\u00fctten als der Komfort das Meeresrauschen, der Sonnenuntergang und der Sternenhimmel war. Jetzt rauscht der Ventilator. Immer noch herrlich. Ich bin froh, dass ich hier bin. Aus der kleinen Box l\u00e4uft wie immer an jedem Tag <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Ws4yHc3JiaE\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">A Clowns heart<\/a> von der Oysterband:<\/p>\n<p><em>I build a castle in the air<\/em><br \/>\n<em>battlement and winding stair<\/em><br \/>\n<em>legends and cloudy dreams are floating all around<\/em><br \/>\n<em>half magician, half the fool<\/em><br \/>\n<em>I never kept no golden rule<\/em><br \/>\n<em>like any man in need I took my shelter where I found it<\/em><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich geht das Virus nicht spurlos an uns vor\u00fcber. Wir nehmen wahr, dass sich auch in Thailand die Lage \u00e4ndert, und der R\u00fcckweg steht ja auch bevor. Fluggesellschaften stellen peu a peu den Flugverkehr ein, aus manchen L\u00e4ndern gibt es bereits offizielle R\u00fcckholaktionen. Vor allem Pia macht die Situation zu schaffen &#8211; die Tage sind nicht ungetr\u00fcbt. Aber das war von Anfang an klar, nicht umsonst war ich heilfroh, die einzelnen Etappen geschafft zu haben, die Einreise nach Bangkok, die Busfahrt, die Bootsreise, das Ankommen. Eine kleine Familie kommt an, das Baby nur wenige Wochen alt. So beginnt ein Rotieren. Wir ziehen um in die erste Reihe, Kerstin nimmt unseren Bungalow und die kleine Familie den alten Kerstins. R\u00fcdiger reiste ab &#8211; in dieser Konstellation werden wir nun die n\u00e4chsten Tage verbringen. In unserem neuen Bungalow wuseln Tausende Ameisen in der Dusche, ich sp\u00fcle sie schweren Herzens durch den Ausguss. Sp\u00e4ter beginnt eine Hornisse im Geb\u00e4lk ein Nest zu bauen, eigentlich harmlos, entfernt sie Cha dennoch.<\/p>\n<p><em>S<\/em><em>ome go read the stars above<\/em><br \/>\n<em>or hunt the unicorn of perfect love<\/em><br \/>\n<em>or hug their money when the nights are getting cold<\/em><br \/>\n<em>all I ever did was play<\/em><br \/>\n<em>I troubadoured my life away<\/em><br \/>\n<em>I\u2019ll tell you all about it when you\u2019re just a little older<\/em><\/p>\n<p>Zur t\u00e4glichen Routine geh\u00f6rt, zu checken, ob unser Flug am 1. April noch angezeigt wird. Immer wieder Erleichterung, sobald dies der Fall ist. \u00dcber Facebook erreichen mich erste Warnungen, Stimmen sprechen davon, z\u00fcgig heim zu reisen. Aber was hie\u00dfe dies? Hier auf der Insel sind nur wenige Menschen, uns wurde Fieber gemessen, es gibt keine Menschenansammlungen, wir sind stets in der gleichen Konstellation &#8211; und verzichten trotzdem wir uns m\u00f6gen auf High Five oder Umarmungen. Unser Flug steht. Zur\u00fcck nach Bangkok zu reisen hie\u00dfe Menschenmassen, die sich im Zweifel hysterisch um die Ausreise k\u00fcmmern. Darauf k\u00f6nnen wir zun\u00e4chst verzichten. Wie ein langer schwarzer Schatten legt sich das Virus \u00fcber uns. Ich vermeide Twitter und Facebook, um mich nicht von der allgemeinen Hysterie und Panik anstecken zu lassen. Ich kann&#8217;s mir vorstellen, wie sich die Blase dreht. Ob Klima, Fl\u00fcchtlinge, Hopp oder sonstwas. Alle st\u00fcrzen sich auf das immer gleiche, eine Spirale des Irrsinns allenthalben. Freunde von mir arbeiten bei Fraport oder bei Condor, ich lasse sie die Lage einsch\u00e4tzen, noch sieht alles gut aus &#8211; so bleiben wir erst einmal hier. Genie\u00dfen Pad Kra Pao, Red Curries, Som Tam, Panang oder Massaman. Letzteres muss vorbestellt werden, Eow kocht es den ganzen Tag. Gulasch mit Zitronengras und Erdn\u00fcssen. Ein Traum.<\/p>\n<p>Ein Traum sind auch die magischen Sonnenunterg\u00e4nge. Jeden Abend um 18 Uhr versammeln wir uns auf den St\u00fchlen und blicken aufs Meer. Farb- und Wolkenspiel, mal hast du bizarre Lichtkombinationen, mal versinkt ein Glutball im Wasser. Sobald die Sonne versunken ist, leuchtet die Venus hell am Firmament, beginnen die Zikaden ihr Lied, echot ein Gecko. Pia versucht, den Gecko aufzunehmen, ein m\u00fchsames unterfangen. Im Hintergrund zieht eine Armada Fischerboote entlang, das Licht zu hell. Sie sollen Plankton beleuchten &#8211; und damit die Tintenfische anlocken.<\/p>\n<p><em>T<\/em><em>ime is tight I can\u2019t stay long<\/em><br \/>\n<em>the wind that shakes our life so strong<\/em><br \/>\n<em>six feet by two is my destination<\/em><br \/>\n<em>sometimes it feels as if<\/em><br \/>\n<em>the world is driving off a cliff<\/em><br \/>\n<em>our saving human grace is still imagination<\/em><\/p>\n<p>Mal siehst du eine Sternschnuppe am Nachthimmel vergl\u00fchen, mal tanzen Diamanten auf den Wellen, mal raschelt ein Flughund. Hinten am Archanpan leben die Monkees, wenn du Gl\u00fcck hast, siehst du sie in rauen Mengen. Bj\u00f6rn, Michi und ich fahren hinter. Im Dschungel sind sie nicht &#8211; aber ein Thai macht uns darauf aufmerksam, dass sie gerade am Strand sind. Schon auf dem Weg durch das Ressort siehst du sie. Sie schleichen \u00fcber die Wege, benutzen Steine als Werkzeug oder tummeln sich in Massen in den Steinen, die die Ebbe frei gelegt hat. Kleine Br\u00fcder.<\/p>\n<p>Kerstin und Susi haben keine eigenen Roller, es ist ihnen zu riskant. Mal nehme ich sie mit, meist aber tucker ich einmal am Tag mit Pia \u00fcber die Insel. Wir nehmen ein Lemon Juice an der Seaview Bar, blicken \u00fcber die Kronen der B\u00e4ume in den Dschungel, am Rande glitztert das Meer. Im kleinen Laden f\u00e4llt immer mal ein Kleidchen ab, ich hole mir ein paar der leichten Baumwollhemdchen, einen neuen Sarong. Ich brauche nicht viel, trage den ganzen Tage entweder meinen Sarong, meine Eintrachtturnhose oder die Badehose im Wechsel. Wenn etwas schmutzig ist, sammeln wir es, geben es Eow und am n\u00e4chsten Tag haben wir frische Klamotten. Am Vormittag liege ich in meiner neuen H\u00e4ngematte im Schatten und in der Nacht liege ich in der neuen H\u00e4ngematte und blicke in die Sternennacht. In der Ferne blinken die Nachtlichter der Hippie Bar. Vor ein paar Wochen waren Caro und Oli hier. Ich gr\u00fc\u00dfe euch. Nora, die ich vor ein paar Jahren hier kennen lernte und die gleichfalls dieses Jahr auf der Insel war, fragt nach, wie es uns geht. Es geht uns schattig gut. Einmal k\u00f6nnen wir uns noch massieren lassen. Wenig sp\u00e4ter schlie\u00dfend die letzten noch offenen Massagesalons.<\/p>\n<p><em>A<\/em><em> clown\u2019s heart and a mandolin<\/em><br \/>\n<em>crazy-hearted fools sing as one<\/em><br \/>\n<em>we\u2019ll tear these old walls down<\/em><br \/>\n<em>and we\u2019ll bring back, bring back the sun<\/em><\/p>\n<p>Der Flug unserer Freunde geht am 27. M\u00e4rz, sie beginnen sich vorzeitig um die R\u00fcckreise zu k\u00fcmmern. Letztlich entscheiden sie sich, \u00fcber Cha einen Kleinbus zu mieten, sie sind zu sechst, vier weitere Pl\u00e4tze w\u00e4ren frei. Eine Option f\u00fcr uns, so die Zeit dr\u00e4ngen sollte. Wir erkundigen uns, was ein Taxi nach Bangkok kosten w\u00fcrde, es ist nur unwesentlich g\u00fcnstiger als ein 11er Bus. Und somit f\u00fcr uns zwei recht teuer. Pia m\u00f6chte nicht mit dem Nachtbus zur\u00fcck, in Zeiten wie diesen nachvollziehbar. Die Alternative w\u00e4re ein Flug. Doch ob die inl\u00e4ndischen Fl\u00fcge noch am 1. April gehen, kann uns niemand verl\u00e4sslich sagen. Schwebezustand. Ich gehe ins Wasser, die Flut bringt das Meer fast bis an unsere Unterkunft, das Salz tr\u00e4gt dich. Es ist sch\u00f6n, wenn alle gleichzeitg baden, die einen treiben in Ufern\u00e4he auf bunten Matratzen, andere schwimmen ein paar Meter raus. Wenn ich in der H\u00e4ngematte liege, kann ich sie fotografieren, herrliche Bilder der Unbeschwertheit f\u00fcr Momente.<\/p>\n<p>Dann dringen die ersten Nachrichten durch, dass Thai Airways die Fl\u00fcge zum 1. April hin wohl einstellen wird, es w\u00e4re unser Abflugtermin. Aber noch weist die App unseren Flug als buchbar aus, er ist noch best\u00e4tigt. Und so entscheiden wir uns, vier Tage vor der Zeit mit den anderen im Bus zur\u00fcck zu fahren &#8211; so sind wir wenigstens in der N\u00e4he des Flughafens, so sich die Dinge zuspitzen und m\u00fcssen nicht noch kurzfristig durchs ganze Land, ohne zu wissen, wie. In Bangkok buchen wir erst einmal zwei N\u00e4chte in einem Hotel nahe des Flughafens &#8211; Ungewissheit unser Begleiter. Abends order ich eine Flasche SangSom, einen K\u00fcbel Eisw\u00fcrfel und eine Cola. Wir teilen sie uns, auch noch eine weitere. Es war an der Zeit. Die Nacht wird lange. Sp\u00e4t sitze ich alleine im Holzstuhl, rauche und blicke aufs Meer.<\/p>\n<p>Noch stehen zwei Highlights an. Zum einen hat Kerstin bald Geburtstag, zum anderen der letzte gemeinsame Abend. F\u00fcr diesen bestellen wir ein Massaman vor. Dann fahren wir zur Eaglebar in der N\u00e4he der Moken, eine Gruppe, die am Rande der Insel lebt und unter sich bleibt. Der Weg durch den Dschungel ist staubig. Wir trinken einen Cocktail und blicke auf unsere Bucht von der anderen Seite. Als wir zur\u00fcckkehren, ist die Sonne untergegangen. Zwei Tage sp\u00e4ter laufen wir am Strand f\u00fcr den Sonnenuntergang zur Hippie Bar. Hunde begleiten uns ein paar Meter. Die Weingl\u00e4ser der Frauen gl\u00e4nzen gelb in die untergehende Sonne, die Gesichter im Schatten, Momente f\u00fcr die Ewigkeit.<\/p>\n<p>Als Kerstin Geburtstag hat, ordert sie f\u00fcr alle Sticky Reis mit Mango. Er kommt in kleinen P\u00e4ckchen, eingepackt in Bananenbl\u00e4tter, verziert mit Bl\u00fcten der B\u00e4ume, die hier wachsen. Wir sitzen im Schatten der Mittagssonne und beobachten das Wechselspiel zwischen Ebbe und Flut. In der Nacht laufen wir noch einmal zur Hippie Bar. Am Tresen stehen einige Urlauber, wir hocken uns eine Etage h\u00f6her auf eine Plattform und blicken auf&#8217;s Meer. Als wir den R\u00fcckweg antreten, steht die Flut hoch. Mit nackten F\u00fc\u00dfen laufen wir durch das Wasser, \u00fcber uns leuchten die Sterne. Angekommen, holen wir noch eine Flasche Wein, entz\u00fcnden windstabile Kerzen und l\u00f6schen das Licht. Magie der Meeresnacht.<\/p>\n<p>Und schon ist der letzte Tag gekommen, wir nehmen langsam Abschied von der Insel, drehen eine letzte Runde mit dem Roller, freuen uns an den bunten Booten, die an der Ostk\u00fcste in den Wellen treiben, verstauen peu a peu unsere Siebensachen. Das Wasser ist schmutziger als sonst, Bl\u00e4tter treiben ans Ufer. Mr. Trip, das Schnellboot von nebenan, welches die letzten Tage im Bild schaukelte, wird eingeholt &#8211; kein leichtes Unterfangen. Noch steht unser Flug, die R\u00fcckreise mit dem Bus dazu. Wehmut packt mich, auch wenn die Zeit nicht unbeschwert war und Aufgaben noch vor uns stehen. Jetzt schon freue ich mich darauf, eines Tages wieder mit meinem gr\u00fcnen Rucksack auf dem Slow Boat zu sitzen und der Insel entgegen zu tuckern. Wie wird sie sich dann zeigen? Am Nachmittag baue ich meine H\u00e4ngematte ab, sie nimmt viel Platz im Rucksack ein &#8211; und wird eines Tages in unserem Garten h\u00e4ngen. Meiner Familie geht es den Umst\u00e4nden entsprechend gut, nur eine Augenoperation meines Vaters musste verschoben werden. Selbst wenn ich Zuhause bin, werde ich sie vorerst nicht sehen k\u00f6nnen, sie geh\u00f6ren zur Risikogruppe, es stimmt mich traurig. Und w\u00e4hrend das Massaman vor sich hink\u00f6chelt, blinkt mein Handy. Der Flug am 1. April wurde gecancelt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=14105\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Reisebricht Teil 1<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=14128\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Reisebricht Teil 2<\/a><\/p>\n<p>Klickt auf das erste Bild &#8211; und die Fotostrecke \u00f6ffnet sich<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich geb\u2018s zu, ich habe den ersten Sonnenuntergang schlicht verpennt. Mittags kam Bj\u00f6rn von der Massage zur\u00fcck, nat\u00fcrlich gab es ein gro\u00dfes Hallo. 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