{"id":14128,"date":"2020-03-30T21:33:27","date_gmt":"2020-03-30T19:33:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=14128"},"modified":"2020-03-30T21:36:18","modified_gmt":"2020-03-30T19:36:18","slug":"thailand-2020-wenn-ein-virus-dich-einholt-teil-ii-ankunft-auf-der-insel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=14128","title":{"rendered":"Thailand 2020. Wenn ein Virus dich einholt. Teil II: Ankunft auf der Insel"},"content":{"rendered":"<p>Als wir am Busbahnhof in Ranong mit einigen anderen Reisenden den Bus verlassen, erwartet uns schon eine Schar Scootertaxis. Wer sich nicht auskennt, k\u00f6nnte nach der langen Nacht \u00fcberfordert sein, sie st\u00fcrmen auf dich zu und bieten freundlich aber hartn\u00e4ckig ihre Dienste an. Theoretisch hast du drei M\u00f6glichkeiten. Du kannst mit dem Bus weiter zur finalen Station fahren, dem Newmit-Office in Ranong. M\u00f6glichkeit zwei: Du bleibst erstmal hier. Das w\u00e4re keine gute Idee. Und M\u00f6glichkeit drei: Du l\u00e4sst dich direkt ans Pier bringen. Das ist unsere Wahl.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Erstmal ziehen wir die Masken runter und desinfizieren zum x-ten Mal unsere H\u00e4nde. Dann sausen wir mit einem Gep\u00e4ckscooter zum Pier. Unsere Fahrerin steuert gelassen ihr Gef\u00e4hrt durch den \u00fcberschaubaren Verkehr, schaltet mit dem m\u00e4chtigen Schaltkn\u00fcppel behende hoch und runter. Hatten wir im Dunklen den Bahnhof verlassen, so kommen wir gut eine Viertelstunde sp\u00e4ter bei lichtem Tag am Pier an. Es ist halb acht, wir haben noch zwei Stunden Zeit, bis unser Slow Boat ablegt. Wir k\u00f6nnten auch mit dem Speedboot r\u00fcber zur Insel brettern, aber erstens ist die Fahrt etwas teurer, zweitens ist es ein unsagbares Vergn\u00fcgen, mit dem langsamen Boot gem\u00e4chlich \u00fcber die See zu tuckern. So fr\u00fchst\u00fccken wir zun\u00e4chst in einem der umliegenden Caf\u00e9s und werden dann mit einem Pick Up zu einem anderen Pier gebracht &#8211; es ist Ebbe, so kann das Boot von hier nicht starten. In der Nacht hat die Eintracht sang und klanglos gegen Basel verloren &#8211; unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit. Das ist mir v\u00f6llig egal. Die erste Niederlage der Eintracht seit Jahrzehnten, die binnen Sekunden vergessen ist.<\/p>\n<p>Am Pier selbst, einem \u00fcberdachten Bau im Hafen, steht f\u00fcr die Reisenden hei\u00dfes Wasser und Nescaf\u00e9 parat, derweil etliche G\u00fcter angeliefert werden. Alles, was auf der Insel nicht selbst angebaut oder produziert werden kann, wird mit Booten auf die Insel geschafft. Kisten und K\u00e4sten, Kokosn\u00fcsse und sonstiges Material warten auf das Boot, das derzeit noch auf Grund liegt. In den n\u00e4chsten zwei Stunden wird die Flut es heben. Bunte Boote pfl\u00fcgen weiter hinten durchs Wasser, w\u00e4hrend wir in einem eigenartigem Zustand warten. Der Flug steckt samt Zeitumstellung in den Knochen, die Busfahrt und die Gedanken gepaart mit der Vorfreude ergeben eine ungekannte emotionale Melange. Mit jeder Viertelstunde steigt das Wasser. Mit uns reist ein \u00e4lteres Paar aus Frankreich, sie kommen gerade aus Australien. Unterwegs kommt man immer ins Gespr\u00e4ch mit wildfremden Menschen.<\/p>\n<p>Es ist warm, die Flut steigt und bald ist es soweit, das Boot setzt sich nach mehreren Versuchen in Bewegung, schiebt sich die paar Meter zur Anlagestelle. Taue fliegen durch die Gegend, t\u00e4towierte Helfer wuchten die G\u00fcter in den Kahn, dann d\u00fcrfen wir \u00fcber eine wacklige Leiter einsteigen und es hei\u00dft: Leinen los. Insel, wir kommen. Hoffentlich kommen wir auch drauf.<\/p>\n<p>Wir sitzen mit unseren Schutzmasken auf dem dachgesch\u00fctztem Oberdeck, der Fahrtwind weht uns um die Nase, das Wasser ist schmutzig, die Sonne brennt. So schippern wir am Hafen von Ranong entlang, Qualm wird aus m\u00e4chtigen mit blauen F\u00e4ssern behangenen K\u00e4hnen in die Luft geblasen, doch mit jedem Meter wird das Wasser klarer. Rechter und linker Hand gr\u00fcnbewachsene Ufer, der Wind bringt etwas Luft, doch wir m\u00fcssen aufpassen, uns nicht die Nasen zu verbrennen. So schieben wir uns auf die offene See. Vereinzelte Fischerboote tuckern an uns vorbei, es scheinen weniger als sonst. Wir fahren langsam an mehr oder weniger bewohnten Inseln vorbei, ich tr\u00e4ume auf&#8217;s Wasser. \u00c4hnlich wie in Apokalypse Now scheint die Szenerie. Nur sind wir nicht auf dem Mekong sondern auf der Andamanensee. Und wir k\u00e4mpfen nicht gegen den Vietcong. Wir k\u00e4mpfen um unsere Tr\u00e4ume und gegen ein beschissenes Virus. Dann taucht sie in der Ferne auf, die Insel. Meter um Meter kommen wir ihr entgegen, erkennen die Umrisse, das Pier, den goldenen Buddha. Und dann haben wir es geschafft. Geschickt legt der Kapit\u00e4n an und wir klettern an Land. Ich erkenne ein neues Pier, gr\u00f6\u00dfer als das alte, welches schon gr\u00f6\u00dfer war als das ganz alte, einige Meter weiter hinten in der N\u00e4he der M\u00f6nche. Bevor wir die Insel wirklich betreten d\u00fcrfen, wird erstmal Fieber gemessen. Alles ist gut, wir kommen beide fieberfrei an &#8211; und haben es f\u00fcr&#8217;s Erste geschafft. Die Gl\u00fcckshormone tanzen Polka.<\/p>\n<p>Keine f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter sitzen wir auf einem 125 ccm Scooter, quetschen unsere Rucks\u00e4cke um uns herum und tuckern langsam an den kleinen L\u00e4den vorbei nach oben in die Bucht des B\u00fcffels. An der oberen Kreuzung zum Long Beach erwartet uns eine gr\u00f6\u00dfere Baustelle, der Duft verg\u00e4render Cashew N\u00fcsse steigt in die Nase, Palmen, Bananen &#8211; wie ich es liebe. Nach gut zwei Kilometern f\u00fchrt ein schmaler Pfad durch den Dschungel zu unserer Unterkunft. Wir fahren auf goldenem Sand &#8211; so hei\u00dft sie. Das Schild an der Abzweigung ist neu. Der Weg altbekannt. Nach wenigen Metern kommt uns ein Roller entgegen? Bj\u00f6rn? Pia? Axel? ruft es aus unseren M\u00fcndern. Welch Begegnung, noch bevor wir den Dschungelparkplatz erreicht haben. Wir hatten uns vor vier Jahren hier kennen gelernt &#8211; damals hatte ich mein Handy auf der Insel liegen lassen und Bj\u00f6rn brachte es mit seiner damaligen Freundin zur\u00fcck nach Frankfurt, da sie nach uns geflogen sind. Und jetzt sehen wir uns hier wieder. Er muss weiter, ein Massagetermin wartet, aber wir werden uns gleich sehen. Am kleinen Parkplatz stehen ein paar Roller, Cashewn\u00fcsse trocknen vor sich hin und wir stiefeln die paar Meter zum Gel\u00e4nde nach unten, es ist recht steil, wir laufen vorbei an den oberen alten H\u00fctten und landen am kleinen Restaurant. 10 Meter weiter und wir sind im Meer.<\/p>\n<p>Cha kommt auf uns zu, er managt den Laden seit Jahren extrem unaufgeregt, ein kleines Hallo, wie es den Umst\u00e4nden angemessen ist. Seine Frau Eow sehe ich nicht. Sie ist normalerweise verantwortlich f\u00fcr die K\u00fcche. Und glaubt mir, es ist die beste K\u00fcche auf der ganzen Insel. Einige Bungalows sind besetzt, nur unsere alten gibt es nicht mehr. Wir winken einigen G\u00e4sten zu. Dass es die alten H\u00fcttchen nicht mehr gibt, wusste ich zwar, aber erstmals die neuen modernen Bungalows statt der alten Holzh\u00fcttchen zu sehen, bricht mir dann doch leicht das Herz. Endg\u00fcltig vorbei ist sie nun, die Vergangenheit. Die neuen H\u00e4uschen sind zwar etwas komfortabler, aber ich liebte die Einfachheit der alten. Was solls, das Meer rauscht und es gibt Red Curry. Und es gibt einen neuen Bungalow f\u00fcr uns, nicht ganz vorne, aber mit H\u00e4ngematte, Liege und einem Bett. Sogar ein Ventilator saust heutzutage in der H\u00fctte. Das w\u00e4re vor ein paar Jahren hier unten v\u00f6llig undenkbar gewesen. Damals gab es tags\u00fcber gar keinen Strom, au\u00dfer zum Laden der Telefone. Abends flackerten \u00fcber einen Generator ein paar Funzeln &#8211; jetzt sind die Sache ganz anders aus. Wie anders, sollten die n\u00e4chsten Tage weisen.<\/p>\n<p>Wir beziehen unseren Bungalow, von der H\u00e4ngematte aus kannst du das Meer sehen \u2013 doch wie habe ich den alten Blick geliebt. Der Blick in die Sterne, aufs Meer, auf die schattigen Umrisse von Myanmar, der Blick auf die Nachtlichter der Hippie Bar weiter hinten am Ende des Strandes. Weniger geliebt hatte ich das Schnellboot von Mr Trip, das dir tags\u00fcber immer im Bild liegt und nachts zuweilen zu hell blinkt. Es liegt auch heute vor Anker \u2013 und wie immer mitten im Bild. Ich bin erleichtert, dass wir es bis in die H\u00e4ngematte geschafft haben, ich bin geknickt, dass es die alten H\u00fcttchen nicht mehr gibt. Ich frage mich, wie es meiner Familie zuhause wohl geht.<\/p>\n<p>Wir r\u00e4umen unsere Habseligkeiten ein und ordern den ersten Coconutshake. Serviert in einer Kokosnuss; einer der kleinen Tr\u00e4ume hier \u2013 wie es so viele gibt. Anschlie\u00dfend gibt es das erste Curry. Ohne Blumenkohl. Ich hasse Blumenkohl. <span style=\"font-family: Arial;\"><span lang=\"hi-IN\">\u0e01\u0e30\u0e2b\u0e25\u0e48\u0e33\u0e14\u0e2d\u0e01<\/span><\/span>. Die reinste Pest. Als ich bestelle, lacht Cha, er hat es nicht vergessen. Mit ihm sind noch die Schwester von Eow, Ow, und Le in der Unterkunft. Sie bedienen uns \u2013 und daran wird sich auch die n\u00e4chsten Tage nichts \u00e4ndern. Le ist jung, hat oft ein L\u00e4cheln auf den Lippen. Und arbeitet leise aber freundlich, um uns das Leben angenehm zu gestalten.<\/p>\n<p>Wir sind angekommen. Aber noch nicht hier. Wird es sich \u00e4ndern? Die Zeit wird es weisen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=14105\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hier<\/a> findet ihr den ersten Teil der Reise. Und klickt f\u00fcr die Fotostrecke auf das erste Bild.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als wir am Busbahnhof in Ranong mit einigen anderen Reisenden den Bus verlassen, erwartet uns schon eine Schar Scootertaxis. Wer sich nicht auskennt, k\u00f6nnte nach der langen Nacht \u00fcberfordert sein, sie st\u00fcrmen auf dich zu und bieten freundlich aber hartn\u00e4ckig ihre Dienste an. Theoretisch hast du drei M\u00f6glichkeiten. 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