{"id":14072,"date":"2020-03-01T14:04:36","date_gmt":"2020-03-01T13:04:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=14072"},"modified":"2020-03-01T14:04:36","modified_gmt":"2020-03-01T13:04:36","slug":"salzburg-von-mozart-trakl-und-der-eintracht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=14072","title":{"rendered":"Salzburg. Von Mozart, Trakl und der Eintracht"},"content":{"rendered":"<p>Vor 28 Jahren war ich das erste und letzte Mal in Salzburg, damals verbrachten wir eine Winterwoche in Taxenbach und fuhren mit meinem alten Mercedes 200 Diesel f\u00fcr einen Tagesausflug in die Mozartstadt, es war eisig, jeden Morgen war die Kiste eingefroren. Jetzt rollen wir mit der Stra\u00dfenbahn zum Bahnhof. Den Mercedes gibt es schon lange nicht mehr.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Pia und ich hatten eine g\u00fcnstige Bahnfahrt geschossen, ein Zimmer in einer Wohnung am Rande der Altstadt gebucht und sind guter Dinge, als unser Zug p\u00fcnktlich auf die Minute anrollt. Der Blick f\u00e4llt aus dem Fenster und nat\u00fcrlich sind wir nicht die einzigen Eintrachtler im Zug, die ersten Bierdosen ploppen neben uns auf, aber die Fahrt bleibt entspannt. F\u00fcr den Umstieg in M\u00fcnchen haben wir 10 Minuten Zeit, l\u00e4ssig erreichen wir das Abfahrtsgleis und entern den n\u00e4chsten Zug. Neben uns sitzt Uli Matheja, der Meister der geschriebenen Eintrachtgeschichte, Ren\u00e9 ist gleichfalls dabei, w\u00e4hrend die Fatboy-Gang mich mit einem Mexikaner, einem Bier und Schnitzelbr\u00f6tchen versorgt. Der Service der Bahn war schon schlechter. Kurzweilig die Fahrt.<\/p>\n<p>Kaum angekommen, bringt uns der 5er Bus in die Erzabt Klotz Stra\u00dfe, genau vor unserem Haus ist die Haltestelle, der Sohn der Vermieterin \u00f6ffnet uns, eine Katze umschleicht die Beine und unser Zimmer ist ger\u00e4umig und gem\u00fctlich. Gegen\u00fcber thront die Hohensalzburg in die H\u00f6he. Ein Blick, der uns die n\u00e4chsten Tage begleiten wird.<\/p>\n<p>Kaum angekommen, sind wir wir per pedes wieder auf dem Weg in die Altstadt, es beginnt, leicht zu schneien und aus dem leichten Schneien wird ein ordentliches Geflocke, an meinem Mantel bleiben die Schneefl\u00f6ckchen wunderbar haften. Wir stellen uns an der goldenen Kugel kurz unter und wandern weiter \u00fcber Domplatz in Richtung Getreidegasse. Dort befindet sich neben unz\u00e4hligen L\u00e4dchen auch Mozarts Geburtshaus. Heute ist neben einem Museum auch ein Spar dort untergebracht. Unterwegs begegnen wir &#8211; wie auch in den kommenden Tagen &#8211; nat\u00fcrlich 1000 Eintrachtlern, \u00fcberall ein Gude wie hier und ein Servus dort. Unser Ziel ist ein kleiner Imbiss in der Getreidegasse 33, ein schmale Passage f\u00fchrt dort hinein, ein Schild verweist auf den Ort. Ein winziges Fensterchen scheint die Ausgabe zu sein, davor steht eine Frau und telefoniert. Unsicher, ob wir richtig sind, tapsen wir ein wenig umher, bis uns die Frau zuruft, dass der Imbiss heute geschlossen sei. Da auch der zweite Imbiss heute zu hat, wandern wir \u00fcber den Markt, teilen uns einen Vintschgauer und schlendern \u00fcber die Salzach in die Linzer Gasse. Es hat aufgeh\u00f6rt zu schneien, immer wieder f\u00e4llt der Blick auf die Salzburg umgebenden Berge, teils verschneit, f\u00e4llt der Blick auf die Hohensalzburg. Nach einer Kaffee- resp. Teepause wandern wir zur\u00fcck in die alte Altstadt, vorbei an zig Gesch\u00e4ften die Mozartkugeln, Mozartmagnete, Mozartmozart anbieten. Wobei uns ein Moz\u00e4rtchen putzig anl\u00e4chelt, ein Fig\u00fcrchen, vielleicht 10 Zentimeter hoch, welches du auf einer Regalkante sitzen lassen kannst.<\/p>\n<p>Nahe des Mozartplatzes findet sich eine Forschungs- und Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr einen weiteren Salzburger, f\u00fcr den viel zu jung verstorbenen Lyriker <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Georg_Trakl\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Georg Trakl. <\/a>Trakl, in Salzburg geboren, machte eine Ausbildung zum Apotheker, wurde drogens\u00fcchtig und starb im ersten Weltkrieg mit 27 Jahren an einer \u00dcberdosis. Einsamkeit, Melancholie und Verfall sind die beherrschenden Themen seiner expressionistischen Lyrik, die mich schon zu Studienzeiten in den Bann zogen, <em>das letzte Gold verfallener Sterne<\/em>. Von Trakl gibt es keine Magnete und auch die Gedenkst\u00e4tte hat geschlossen.<\/p>\n<p>Wir wandern zur\u00fcck in unsere Unterkunft, w\u00e4rmen uns auf und brechen dann auf zum ersten Abendmahl. Uli hat einen Tisch im Stiegl reserviert, wir aber wandern zum falschen Stiegl am Aufgang zur Festung. Nach kurzem Hin und Her wissen wir Bescheid und marschieren durch die Altstadt an Kirchturm und Platz vorbei, passieren die Pferdeschwemme am Karajanplatz und erreichen die gro\u00dfe Stiegl-Brauwelt nach einer guten halben Stunde. Die anderen sind schon da, sitzen vor einem Humpen Bier, schon kommen die Schnitzel, w\u00e4hrend Frank erz\u00e4hlt, wie er inmitten seiner Millionen Legosteine einen kleinen Pokal gesucht hat, als die Eintracht Pokalsieger wurde. Sp\u00e4ter f\u00e4llt die Fu\u00dfball 2000 Crew noch ein, insgesamt aber ist es ruhig, ich h\u00e4tte mehr Halligalli erwartet.<\/p>\n<p>Derweil die ersten Mirabellen und Willies an den Tisch kommen, machen Pia und ich uns auf die Socken, der Tag war lang, die n\u00e4chsten werden es nicht minder und so nehmen wir den Bus in die Altstadt und wandern heim in die Stube.<\/p>\n<p><strong>Matchday I<\/strong><\/p>\n<p>In einer B\u00e4ckerei versorgen wir uns mit St\u00fcckchen und Kaffee und brechen dann auf Richtung Festung. F\u00fcr die Bettler stehen an den neuralgischen Pl\u00e4tzen schon die Produktionsmittel bereit. Kiste, Jacke, Regenschirm und Pappbecher. Nur die Bettler sind noch nicht da. Der fr\u00fche Himmel ist blauklar, wir schieben uns zu Fu\u00df den Weg nach oben, lassen die m\u00e4chtige Burg links liegen und spazieren \u00fcber den M\u00f6nchsberg, \u00fcber den auch Georg Trakl geschrieben hat:<\/p>\n<p><em>Wo im Schatten herbstlicher Ulmen der verfallene Pfad hinabsinkt, <\/em><br \/>\n<em>Ferne den H\u00fctten von Laub, schlafenden Hirten, <\/em><br \/>\n<em>Immer folgt dem Wandrer die dunkle Gestalt der K\u00fchle <\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcber kn\u00f6chernen Steg, die hyazinthene Stimme des Knaben, <\/em><br \/>\n<em>Leise sagend die vergessene Legende des Walds, <\/em><br \/>\n<em>Sanfter ein Krankes nun die wilde Klage des Bruders. <\/em><\/p>\n<p><em>Also r\u00fchrt ein sp\u00e4rliches Gr\u00fcn das Knie des Fremdlings, <\/em><br \/>\n<em>Das versteinerte Haupt; <\/em><br \/>\n<em>N\u00e4her rauscht der blaue Quell die Klage der Frauen.<\/em><\/p>\n<p>Unser Blick f\u00e4llt \u00fcber die Stadt, \u00fcber die Salzach, auf den Kapuzinerberg bis wir auf gepflegten Pfaden zur Richterh\u00f6he kommen. Blauer Sonnenhimmel weiterhin, jetzt blicken wir auf einem B\u00e4nkchen pausierend auf den hinteren Teil Salzburgs, auf die m\u00e4chtigen Alpen, schneebedeckt und k\u00fchl. Weiter geht es zur <a href=\"https:\/\/www.sn.at\/wiki\/Buddhistischer_Stupa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Stupa, <\/a>einer buddhistischen Gebetsst\u00e4tte und von dort in lichter H\u00f6he zur Stadtalm. Dann wandern wir zur\u00fcck in die Altstadt, den Dr.-Herbert-Klein-Weg hinunter. Herbert Klein war ein Alt-Nazi, der zur Geschichte Salzburgs geforscht hat &#8211; und hier mit einem Weg geehrt wird. Derweil ist die Stadt voll mit Stolpersteinen.<\/p>\n<p>In der Altstadt hat heute der Bosnagrill ge\u00f6ffnet, wir nehmen jeweils eine Bosna samt Almdudler, treffen sp\u00e4ter in der Getreidegasse auf Uwe Bein und etliche andere Gesellen. In der \u00e4ltesten Buchhandlung \u00d6sterreichs hole ich mir noch die \u00fcberschaubare Reclam-Ausgabe von Trakls Werken (die zerfleddert schon seit Jahren in meinem B\u00fccherregal vergilbt), prompt laufen wir Matze und Holger in die Arme. Unterwegs bekommen wir noch den Tipp, den Petersfriedhof samt Katakomben zu besuchen, eine gute Idee, wie uns scheint. Gr\u00fc\u00dfe.<\/p>\n<p>Der Friedhof liegt unterhalb der Felsen, Grab reiht sich an Grab und f\u00fcr zwei Euro besuchen wir die in den Fels gemauerten Katakomben. Ob sich Georg Trakl hier rumgetrieben hat, das wissen wir nicht, dass die Kulturabteilung des EFC Per Sempre unterwegs ist, aber schon &#8211; wir laufen ihnen direkt in die Arme. Und so langsam erinnern wir uns daran, dass heute Abend ja das Spiel stattfinden wird, die Eintracht im Europacup gegen den FC Salzburg. So wandern wir zur\u00fcck in die Unterkunft, um uns f\u00fcr den Spieltag zu pr\u00e4parieren. Kaum sind wir angekommen, M\u00f6nchsberg und Trakl im Sinn, erreicht uns die Info der Spielabsage. <em>Dieses ersch\u00fcttert die Brust des Fremdlings. O ihr Zeichen und Sterne.<\/em><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich laufen die Dr\u00e4hte hei\u00df, wir sind recht entspannt, haben wir doch die Heimfahrt erst f\u00fcr Samstag um 17 Uhr geplant &#8211; aber noch sind bange Minuten zu \u00fcberstehen. Wann wird das Spiel neu angesetzt? lautet die \u00e4ngstliche Frage. Ursache f\u00fcr die Absage war nicht das um sich greifende Coronavirus, sondern ein zu erwartender Sturm. Also gut, die Abendplanung muss ge\u00e4ndert werden und das hei\u00dft f\u00fcr uns: Wieder raus auf die Stra\u00dfe. Unterwegs nat\u00fcrlich tausend Gesichter, tausend Gespr\u00e4che &#8211; bis durchsickert, dass die Partie jetzt f\u00fcr den morgigen Freitag um 18 Uhr angesetzt ist. F\u00fcr uns ist alles easy, f\u00fcr viele andere aber hei\u00dft es nun: Unterkunft und Heimfahrt checken, Zahnb\u00fcrsten und Unterhosen kaufen, kleine Dramen spielen sich ab, Aufregung allenthalben. Unten beim Sternbr\u00e4u ist ein gro\u00dfer Treffpunkt, aber irgendwie geht dann doch wieder alles seiner Wege, werden Probleme gel\u00f6st &#8211; bis auf einige wenige, die umsonst nach Salzburg gefahren sind und unverrichteter Dinge wieder abziehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wir wandern \u00fcber eine der Br\u00fccken die neue Altstadt, spazieren die Linzer Gasse nach oben. Hier, neben der Engel Apotheke, hat Trakl sein Praktikum absolviert, eine Gedenktafel erinnert an ihn mit dem Gedicht &#8222;Im Dunkel&#8220;:<\/p>\n<p><em>Es schweigt die Seele den blauen Fr\u00fchling. <\/em><br \/>\n<em>Unter feuchtem Abendgezweig <\/em><br \/>\n<em>Sank in Schauern die Stirne den Liebenden.<\/em><\/p>\n<p><em>O das gr\u00fcnende Kreuz. In dunklem Gespr\u00e4ch <\/em><br \/>\n<em>Erkannten sich Mann und Weib. <\/em><br \/>\n<em>An kahler Mauer <\/em><br \/>\n<em>Wandelt in seinen Gestirnen der Einsame.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcber die mondbegl\u00e4nzten Wege des Walds <\/em><br \/>\n<em>Sank die Wildnis <\/em><br \/>\n<em>Vergessener Jagden; Blick der Bl\u00e4ue <\/em><br \/>\n<em>Aus verfallenen Felsen bricht.<\/em><\/p>\n<p>Frank schickt uns eine Nachricht, im Fidelen Affen sind ein paar Pl\u00e4tze reserviert. So hei\u00dfen die Wirtschaften hier, fideler Affe, blaue Gans, alter Fuchs. Wir sind ein bisschen fr\u00fch dran, wandern ein paar Meter den Kapuzinerberg nach oben, bis es anf\u00e4ngt zu sch\u00fctten. Also geht es zur\u00fcck in den fidelen Affen. Alle Pl\u00e4tze sind belegt, wir nehmen zwei Stehbier und warten auf den Rest der Truppe &#8211; bis sich herausstellt, dass die Reservierungen f\u00fcr das Partnerhaus nebenan gelten. Das ist schade, der Gulasch sah verlockend aus. Mittlerweile hat mich Charlotte angefunkt &#8211; auf der Suche nach zwei Tickets f\u00fcr das Spiel.<\/p>\n<p>Wir wandern nach nebenan, der Laden gef\u00e4llt uns nicht wirklich, wirkt k\u00fchl und ungem\u00fctlich, aber die Gang vom gestrigen Abend ist anwesend, das macht die Sache ertr\u00e4glich. Bei einer Raucherpause vor der T\u00fcr kommen zwei Jungs anmarschiert, fragen uns, ob wir noch zwei Tickets br\u00e4uchten. Ich erkl\u00e4re ihnen, dass ich weder den geforderten Preis noch die H\u00e4lfte davon zahlen werde &#8211; doch sie sind brav und wollen nur ihre bezahlten 45 Euro zur\u00fcck. Sie k\u00e4men aus Wien, wollen morgen zum Skifahren und h\u00e4tten heute das Spiel mitgenommen. &#8222;Wir hassen den FC Salzburg,&#8220; sagen sie und wir werden uns schnell handelseinig. Lustigerweise sitzen Charlotte und Moritz keine 50 Meter von uns entfernt im Johanneskeller und noch lustiger ist, dass ich mich eigentlich noch mit Niko zusammen telefonieren wollte und er ebenfalls dort ist. Also hei\u00dft es hoch die Tassen, bis mich Pia am Arm zuppelt und auf den Weg nach Hause verweist. Brav folge ich, und so marschieren wir durch das Auge des Sturms, stellen noch einen verwehten Blumenk\u00fcbel wieder auf und landen wohl behalten in unserer Unterkunft. Etliche Eintrachtler hatten derweil beim Eishockey in Salzburg eine Klagenfurter Mannschaft unterst\u00fctzt, die Zeitungen und Netzwelt sind voller Berichte \u00fcber dieses Spektakel.<\/p>\n<p><strong>Matchday II<\/strong><\/p>\n<p>Morgens umschleicht uns die Katze, unsere Gastgeberin kommt vorbei, sie ist in Sachsenhausen geboren, vor der T\u00fcre steht der Golf der Nachbarin, Salzburger Kennzeichen, Eintracht-Aufkleber am Heck. Dann brechen wir auf in den Spieltag. Der Sturm des Abends scheint glimpflich verlaufen, wir fr\u00fchst\u00fccken im mond\u00e4nen Caf\u00e9 Bazar am Ufer der Salzach, entdecken ein Foto von Traugotts Kutte in den Salzburger Nachrichten und machen uns dann auf, den Kapuzinerberg zu erklimmen. Vom Tal aus siehst du in der H\u00f6he einige H\u00e4user, und tats\u00e4chlich f\u00fchrt der Basteiweg an ihnen vorbei, in rechter H\u00f6he thront das Franziskischl\u00f6sschen, unser erstes Ziel. Der Weg dort hin ist nicht einfach. Bergauf, bergab \u00fcber Stufen und matschige Wege k\u00e4mpfen wir uns voran, je h\u00f6her wir kommen, desto verschneiter ist der Bergwald, immer wieder f\u00e4llt der Blick auf die Talebene. Dort unten sitzen sie jetzt, die Eintrachtfans, und heben ihr Stieglbier in die H\u00f6he, hier oben ist niemand au\u00dfer uns. Es ist ein sch\u00f6ner Weg, wildromantisch, wahrscheinlich ist hier auch schon Trakl in seiner Waldeinsamkeit entlang getraklt, wir sind zu zweit &#8211; und das ist auch gut so. Unterdessen l\u00e4uft die Auslosung f\u00fcr die n\u00e4chste Runde. Unser Gegner, so wir weiter kommen, wird der FC Basel sein, und in Basel sind wegen Corona bis auf Weiteres alle Gro\u00dfveranstaltungen abgesagt. Droht wieder einmal ein Geisterspiel? Diesmal m\u00fcssen die anderen zittern, Pia und ich werden &#8211; so Gott will &#8211; auf einer kleinen Insel in Thailand weilen.<\/p>\n<p>Nach einer guten Stunde sehen wir unser Ziel, einige Stufen gilt es noch zu nehmen, dann haben wir es geschafft, der R\u00fcckweg ist leichter, frisch abgebrochene \u00c4ste stecken in den vermatschten Wegen, wir blicken in die Weite Richtung Deutschland und wandern dann zur\u00fcck, vorbei am Stefan Zweig-Haus und landen wieder in der Linzer Gasse. Weiter oben, im gem\u00fctlichen Alten Fuchs sitzen Niko und Ariane, wir sto\u00dfen dazu, auch Oli, Matze, Susi und Holger sitzen am Tisch, schon kommen Bier und Almdudler, Schnitzel, Rindsgulasch und Semmelkn\u00f6del, derweil wir es uns gut gehen lassen. <em>Wanderer tritt still herein; Schmerz versteinerte die Schwelle. Da ergl\u00e4nzt in reiner Helle auf dem Tische Brot und Wein. <\/em><\/p>\n<p>Nach einem kurzen Zwischenstopp in der Unterkunft wandern wir vor zur Bushaltestelle, kaum angekommen rauscht die Linie Nummer eins heran, wir erwischen einen Sitzplatz. Nat\u00fcrlich sind etliche Eintrachtler im Bus, wohlgelaunt mit einem Stiegl in der Hand. Wortfetzen dringen an unser Ohr. &#8222;Hurens\u00f6hne &#8230; masturbieren &#8230;&#8220; dazu rhythmische Schl\u00e4ge an die Decke. Spieltagsromantik. Unterwegs steigen wir aus, treffen Maj, holen uns noch ein Sch\u00f6ppchen im Billa und latschen an der frischen Luft Richtung Stadion. Keine Viertelstunde sp\u00e4ter treffen wir Niko und Ariane, Oli dazu und so laufen wir zu unserem Eingang. Nat\u00fcrlich h\u00f6ren wir \u00fcberall Geschichten der Orga der letzten 24 Stunden, Geschichten von fehlendem Insulin und eingesperrten Katzen zu Hause, die Leute hatten ob des l\u00e4ngeren Aufenthaltes in Salzburg etliche gravierende Probleme zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Vor Ort geht der Einlass erstaunlich unkompliziert, nur meine Lederschuhe rei\u00dfe ich mir am Gitterweg leicht auf, die sind nun hin\u00fcber. Dabei hatten sich mich so brav durch die Ukraine und den Kapuzinerberg getragen. Irgendwas ist ja immer. Unsere Pl\u00e4tze sind im Oberrang in der zweiten Reihe, das ist praktisch, wo wedeln keine Fahnen vor deiner Nase. Das Stadion wirkt recht kompakt, Salzburg h\u00e4lt sich laut Inschriften f\u00fcr die Zukunft des Fu\u00dfballs, der Stadionsprecher kaspert ein bisschen herum und im ausliegenden Stadionheft wird unser Stadion brav &#8222;Waldstadion&#8220; genannt. Unten gibt Niko Kovac ein Interview.<\/p>\n<p>Dann geht&#8217;s los, die Heimkurve versucht sich an einer Choreo, wobei es beim Versuch bleibt, die Salzburger aber best\u00fcrmen das Eintrachttor, dass einem Angst und Bange wird. Prompt f\u00e4llt nach 10 Minuten das 1:0 und das Weiterkommen der Eintracht steht auf windigen F\u00fc\u00dfen. Mit Gl\u00fcck und Geschick h\u00e4lt die Eintracht die Stellung, und quasi aus dem Nichts macht Silva nach feiner Vorarbeit von Kostic den Ausgleich. Wichtig. Unmittelbar darauf stellen die Salzburger auf Grund des Attentats in Hanau f\u00fcr eine Minute den Support ein, leider zieht die Eintrachtkurve nicht mit.<\/p>\n<p>In der zweiten Halbzeit pl\u00e4tschert das Spiel vor sich hin, die Eintracht vergibt zwei gro\u00dfe Chancen durch Silva und Kostic &#8211; dann f\u00e4llt aus einem weiteren Nichts das 2:1 f\u00fcr Salzburg, die jetzt prompt wieder erwachen. Zwei Tore fehlen ihnen noch f\u00fcr die Verl\u00e4ngerung und der Eintracht im Jahre 2020 ist ja alles zu zutrauen. Auch das viel umjubelte 2:2 durch Silva &#8211; es ist die Entscheidung, die SGE steht im Achtelfinale. Zum Schlusspfiff ert\u00f6nt aus Tausenden Kehlen &#8222;Im Herzen von Europa&#8220;, dann wird das Team standesgem\u00e4\u00df gefeiert und alsbald der Heimweg angetreten. \u00dcberraschend steht ein Shuttlebus bereit, der unter Polizeibegleitung Richtung Bahnhof rauscht, ein paar Jungs rufen &#8222;XY du Zigeuner&#8220; und werden von Basti in die Schranken gewiesen. Dann ist Ruhe. Am Bahnhof selbst nehmen wir einen weiteren Bus Richtung Mozartsteg, zum Feiern ist uns ob der K\u00e4lte nicht wirklich zumute, also g\u00f6nnen wir uns noch ein Linsens\u00fcppchen und fallen m\u00fcde in die Kojen. Europacup in diesem Jahr.<\/p>\n<p><strong>Heimfahrt<\/strong><\/p>\n<p>Da unser Zug erst um 17 Uhr abf\u00e4hrt, packen wir unseren Krempel zusammen, den wir aber noch in der Wohnung stehen lassen k\u00f6nnen. Dann fr\u00fchst\u00fccken wir im netten Coffee Smith, kaufen uns den Beinebaumlermozart, futtern Mozartkugeln und treiben \u00fcber die Salzach zum Schloss Mirabell mit angrenzendem Garten. In der Orangerie tummeln sich Schildkr\u00f6ten, K\u00e4figv\u00f6gel und schlafende Obdachlose, denn hier ist es warm. In Mozarts Wohnhaus treffen wir noch Gisela, Ina und Bernd, freuen uns, dass wir uns getroffen haben und nehmen zum Abschluss noch eine Brettljause im Alten Fuchs. Ein letzter Spaziergang durch die Altstadt, die letzten Blicke auf Alpen und Hohensalzburg und schon bringt uns der Bus zum Bahnhof, nachdem ich meine Lederschuhe noch vor Ort entsorgte. Der Zug ist p\u00fcnktlich, der Anschluss in M\u00fcnchen klappt famos, ich bin leicht erk\u00e4ltet, N\u00fcrnberg, W\u00fcrzburg, Aschaffenburg, Frankfurt. W\u00e4hrend der Fahrt l\u00e4uft die Bundesliga, und so langsam sickert durch, dass Hoffenheims M\u00e4zen mal wieder von den Kurven beschimpft wurde, da sich der DFB durchgerungen hat, Kollektivstrafen gegen Dortmunder G\u00e4stefans in Hoffenheim durchzusetzen. Diesmal fand dies die Bayernkurve nicht in Ordnung, worauf ein Sturm der Entr\u00fcstung losbrach, der bei rassistischen Ausf\u00e4llen auf sich warten lie\u00df.<\/p>\n<p>Genaueres erfahren wir, als wir p\u00fcnktlich zum Sportstudio aus der 12 fallen und zuhause ankommen. Rummenigge und Hopp Hand in Hand, Ballgeschiebe zwischen den Bayern und Hoffenheim, um ein &#8222;Zeichen zu setzen&#8220;. Klar, beim Stande von 0:6 ein Leichtes. Die Moralisten, die bei Rassismus mit der Achsel zucken, eine WM in Katar ebenso l\u00e4ssig durchwinken wie Trainingslager vor Ort, die T\u00f6nnies Ausf\u00e4lle mit einer Hand weg wischen, bilden mit den JournalistInnen der \u00fcbertragenden Sendern eine Einheitsfront, wenn ein wei\u00dfer Milliard\u00e4r beschimpft wird. Dessen Gebaren just dies hervor gerufen hat. Geheuchelte Krokodilstr\u00e4nen der privilegierten Klasse, um die eigenen Pfr\u00fcnde zu sichern. Reporter, die von kranken Fans sprechen, von Irren. Und keine einzige Frage nach den Ursachen stellen. Fehlte nur noch, dass sie von einem Angriff auf uns alle sprechen. Auf uns alle, die wir wei\u00dfe Milliard\u00e4re sind, die einen Provinzverein in die Bundesliga gekauft haben.<\/p>\n<p><em>Wenn es Nacht wird, hebt der Wanderer leise die schweren Lider; Sonne aus finsterer Schlucht bricht. <\/em>Sagt Trakl, derweil unser Beinebaumlermozart, den wir moz\u00e4rtlich Mozi nennen, auf dem Regal sitzt und fr\u00f6hlich lacht.<em><br \/>\n<\/em><\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 28 Jahren war ich das erste und letzte Mal in Salzburg, damals verbrachten wir eine Winterwoche in Taxenbach und fuhren mit meinem alten Mercedes 200 Diesel f\u00fcr einen Tagesausflug in die Mozartstadt, es war eisig, jeden Morgen war die Kiste eingefroren. Jetzt rollen wir mit der Stra\u00dfenbahn zum Bahnhof. 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