{"id":14032,"date":"2019-12-03T11:18:29","date_gmt":"2019-12-03T10:18:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=14032"},"modified":"2019-12-03T11:18:29","modified_gmt":"2019-12-03T10:18:29","slug":"verpiss-dich-wieder-mal-in-mainz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=14032","title":{"rendered":"Verpiss dich. Wieder mal in Mainz"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich ja nicht mehr nach Mainz fahren. Und eigentlich h\u00e4tte ich mich auch daran halten sollen. Aber ich war nach Jahren mal wieder dort. Und das kam so:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es ist schon gut zwei Wochen her, als Christian mich fragte, ob ich mit nach Mainz kommen m\u00f6chte, er h\u00e4tte zwei Karten. Und da ich schon l\u00e4nger nicht mehr mit ihm ausw\u00e4rts gefahren bin und die Touren in der Vergangenheit immer sehr relaxt und cool waren, dachte ich: Eijo, warum eigentlich nicht? Gut, <a href=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=9158\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gr\u00fcnde<\/a> g\u00e4be es eine Menge, nicht mehr nach Mainz zu fahren &#8211; aber wer wei\u00df, vielleicht erlebe ich ja nach London einen weiteren historischen Abend, einen Ausw\u00e4rtssieg der Eintracht gab es hier zuletzt vor \u00fcber 30 Jahren. Das ist lange. Viel zu lange.<\/p>\n<p>Und so warte ich wieder einmal auf die Stra\u00dfenbahn, die mit ein paar Minuten Versp\u00e4tung an diesem Montagabend an der Rohrbachstra\u00dfe h\u00e4lt. Die Zeit zum Umsteigen in der S-Bahn wird knapp, ich erinnere mich noch allzu gut an die Momente in London, als ich im Bus zum Airport auf gl\u00fchenden Kohlen sa\u00df, aber London ist nicht Frankfurt, ich erwische die S-Bahn, die gleichfalls ein paar Minuten zu sp\u00e4t einrollt und setze mich in den ersten Wagen. Fahrradfahrer sind besch\u00e4ftigt, ihre R\u00e4der zu verstauen und blockieren den ein oder anderen Sitz. Ich meine, ich habe nichts gegen Fahrradfahrer, einige meiner besten Freunde sind welche, aber &#8230;<\/p>\n<p>Christian steigt in Niederrad zu, die Tickets f\u00fcr die Bahn sind im Eintrittsticket f\u00fcr&#8217;s Spiel enthalten, das ist praktisch. Und so rollen wir vorbei am Stadion, vorbei am Fernbahnhof Richtung Mainz Hauptbahnhof, zwischendrin rangieren die Radfahrer ihre Drahtesel umher, Tschuldigung hier, Tschuldigung da, wir aber verlassen die Bahn am Mainzer Hauptbahnhof und suchen in der Dunkelheit noch einen kleinen Imbiss. Ein paar Schritte weiter Richtung Altstadt wartet ein kleiner Weihnachtsmarkt auf Kundschaft, es gibt Gl\u00fchwein und Bratwurst. Am Wurststand ordern wir zwei W\u00fcrste und zwei \u00e4ltere Herren machen sich an die Arbeit, eine gef\u00fchlte Viertelstunde sp\u00e4ter halten wir sie endlich in den H\u00e4nden. Die W\u00fcrste. Wir befinden uns im Jahr eins vor der Erfindung der Geschwindigkeit. \u00c4hnlich nebenan am Weinstand, ein Dame hebt knapp 20 Flaschen Wein aus dem K\u00fchlfach in die H\u00f6he, ehe sie den Wei\u00dfen Burgunder gefunden hat, wir nehmen&#8217;s sportlich, trinken ein Weinchen, holen noch ein Roadbier und setzen uns dann in einen der gut gef\u00fcllten Shuttlebusse Richtung Stadion, im Wagen sind nur Frankfurter. Die Fahrt zieht sich, die ersten werden nerv\u00f6s, \u00f6ffnen sp\u00e4ter dann selbstst\u00e4ndig die T\u00fcren und wir ergie\u00dfen uns ins Freie, das Stadion leuchtet in naher Ferne. Mittlerweile wohnen hier sogar Menschen, ein paar Blocks wurden auf die Wiese gebaut, der Charme gleicht einem der erb\u00e4rmlichsten Flecken Frankfurts, dem sogenannten &#8222;Europaviertel&#8220;, einem Ghetto f\u00fcr Besserverdiener.<\/p>\n<p>Keine viertel Stunde sp\u00e4ter sind wir im Block J der rot beleuchteten Opel-Arena, wandern schnurstracks nach oben, nat\u00fcrlich ein Gude hie, ein Gude da. Derweil gibt der Stadionsprecher alles, flitzt \u00fcber den Platz, begr\u00fc\u00dft die Heimr\u00e4nge wie ein Boxansager, moduliert die Stimme, ein f\u00fcrchterliches Gekasper, welches in Mainz eine lange Tradition hat. Es ist w\u00fcrdelos. Ein paar Fahnentr\u00e4ger marschieren ein &#8211; und zu allem \u00dcberfluss l\u00e4uft wie immer &#8222;You never walk alone&#8220;, ein Diebstahl der \u00fcbelsten Sorte. Dazu zieht ein debiler Werbezeppelin seine Kreise. Das Stadion selbst aber ist v\u00f6llig okay, kompakt mit guter Sicht und kurzer Distanz von den R\u00e4ngen zum Spielfeld. Kaum laufen die Mannschaften ein, illuminiert eine Fackel das weite Rund. Weitere werden entz\u00fcndet &#8211; und nach einem B\u00f6llerschlag gepflegt auf das Spielfeld geworfen, dabei wird ordnungsgem\u00e4\u00df das Fangnetz beiseite gezogen, auf dass kein Ungl\u00fcck passiert. W\u00e4re es beim Gefackel geblieben, ich h\u00e4tte geschwiegen, so aber verziehen sich die Teams wieder in die Kabine. Kurz darauf marschieren Kostic und Rode, der heute Mannschaftskapit\u00e4n ist, in die Kurve, beschwichtigen die inhaltlich so vorz\u00fcglich Argumentierenden und marschieren wieder von dannen. Sp\u00e4ter hie\u00df es, es h\u00e4tte gehei\u00dfen: <em>Verpisst euch<\/em>. Wenn dem so ist, dann herzlichen Gl\u00fcckwunsch. Wer l\u00e4sst sich schon gerne vom stets alles gebenden Rode sagen, er m\u00f6ge Dinge unterlassen, die der Eintracht schaden. Gut, im End ist nichts wirklich passiert, ein bisschen Rasen ist verbrannt &#8211; aber nicht nur die Au\u00dfenwirkung ist fatal. Viele von uns waren nicht in L\u00fcttich, viele von uns waren nicht in Arsenal, eine Folge absurder Kollektivstrafen, aber auch eine Folge selbstherrlichen Verhaltens einiger weniger, deren Lippen zwar fl\u00fcstern &#8222;Wir sind alle Eintracht&#8220;, deren Taten aber letztlich nur eines sichtbar werden lassen: Eine Hybris, die sich um nichts schert, als um die eigene Selbstdarstellung, die alle anderen in Sippenhaft nimmt, gleicherma\u00dfen egozentrisch wie humorlos den Focus auf sich zieht, derweil ausgeh\u00e4ngte Pamphlete vermeintlichen Erfolgsfans just diese Selbstdarstellung vorwerfen. Die Sache ist klar, nichts verl\u00e4sst die Hand und wenn dem nicht so ist, dann hat die Kurve und deren Herren eklatant versagt. Punkt.<\/p>\n<p>Der Rauch verzieht sich, die Mannschaften laufen ein, das Spiel beginnt. Da es Montagabend ist, schweigen die Kurven, bei den Mainzern h\u00e4ngen ein paar Protestbanner gegen die Montagsspiele, die alsbald der Geschichte angeh\u00f6ren werden. Ob ein Ausw\u00e4rtsspiel Sonntagabend um acht die bessere Variante ist, darf bezweifelt werden. Ausw\u00e4rtsfans kommen dann ebenso wenig zu vern\u00fcnftigen Zeiten nach Hause, wie Montags &#8211; wenn man nicht gerade im 30 Km entfernten Mainz kickt. Nach 15:30 Minuten setzt ein zaghafter Mainzer Support ein, die Eintrachtler schweigen eisern. Da auch keine Fahnen wehen, k\u00f6nnen wir das Spiel gucken, wir stehen ganz oben.<\/p>\n<p>Mainz kommt besser ins Spiel, die Eintracht braucht ein Weilchen, um dagegen zu halten- und dann ist es Hinteregger, der zum 1:0 f\u00fcr die Eintracht trifft, der Jubel ist gro\u00df, ich aber erinnere mich an viele F\u00fchrungen hier und ebenso viele vergeigte Spiele. R\u00f6nnow hat wieder einmal einen guten Tag. Die Zeit marschiert unaufhaltsam Richtung Pausenpfiff, die Eintracht f\u00fchrt eine Ecke aus, in deren Folge binnen Sekunden die Mainzer einen Konter starten, den Kohr rotsehenden Auges stoppt. Er erh\u00e4lt seine Rote Karte, wandert kommentarlos in die Kabine, Halbzeit. \u00c4rgern.<\/p>\n<p>Mit Beginn der zweiten H\u00e4lfte kommt Torro f\u00fcr Paciencia auf den Platz, das freut mich sehr f\u00fcr den sympathischen Kerl, der auch im Verlaufe des Spiels einige fu\u00dfballerische Akzente setzen kann. Eingesetzt hat nunmehr auch der Frankfurter Support. Das schert die Mainzer wenig, sie haben sich etwas vorgenommen, n\u00e4mlich das Spiel zu drehen, und ehe die Eintracht sich sortiert hat, steht es 1:1. Unmittelbar darauf sogar 2:1, die Anzeigetafel verk\u00fcndet es, der Stadionsprecher pl\u00e4rrt es hinaus in die Welt &#8211; der Videoassistent erkennt v\u00f6llig zu Recht, dass der Ball zuvor im Aus war und annulliert den Treffer. Aufatmen. Nun wogt es hin und her &#8211; mit dem besseren Abschluss f\u00fcr Mainz, nach gut 70 Minuten die z\u00e4hlende F\u00fchrung durch den eingewechselten Szalai. Die Eintracht bem\u00fcht sich, setzt kurz vor Schluss noch einen sch\u00f6nen \u00dcberzahlkonter, der im Nirgendwo verl\u00e4uft. Nach vier Minuten Nachspielzeit pfeift Manuel Gr\u00e4fe ab, die Eintracht hat wieder einmal in Mainz verloren. Ich h\u00e4tte es wissen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wir verlassen fluchend das Stadion, setzen uns in einen der Shuttlebusse, werden am Bahnhof ausgespuckt und hocken uns in eine der beiden wartenden Bahnen. W\u00e4hrend die eine sich irgendwann in Bewegung setzt, verk\u00fcndet unser Fahrer, dass unsere Bahn noch keinen Abfahrtszeitpunkt kennt und die n\u00e4chste Ankommende eher abf\u00e4hrt. Also rennen alle bei Ankunft in diese Bahn, um wenig sp\u00e4ter wieder zur\u00fcck zu flitzen. Tats\u00e4chlich, die so eben angekommene Bahn f\u00e4hrt ab, wir sitzen drin, die anderen gucken bl\u00f6d, aber das war ja schon den ganzen Abend so. \u00dcber R\u00fcssels- und Raunheim, \u00fcber Fernbahnhof und Stadion rollen wir zur Konsti. Nina ist auch in der Bahn, wir verabschieden uns von Christian, wandern hoch zur Sra\u00dfenbahnlinie Nummer 12, die auch sogleich einrollt und fahren hoch. Als ich am G\u00fcntherburgspark aussteige, meint ein Mitreisender zu mir: <em>Hey, ich habe gerade deinen Bericht aus <a href=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=14003\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">London<\/a> gelesen, hat mit das Kackspiel eben ein bisschen gerettet.<\/em> Das ist doch prima, ich gr\u00fc\u00dfe dich und bin Punkt 1:00 Uhr zuhause. Pia ist noch wach, hat das Spiel bei Freunden geguckt. Auch keine schlechte Idee.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich ja nicht mehr nach Mainz fahren. 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