{"id":14003,"date":"2019-12-02T14:25:27","date_gmt":"2019-12-02T13:25:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=14003"},"modified":"2019-12-02T14:25:27","modified_gmt":"2019-12-02T13:25:27","slug":"camden-highbury-paddington-london-sge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=14003","title":{"rendered":"Camden. Highbury. Paddington. #London #SGE"},"content":{"rendered":"<p>Kalt ist&#8217;s, dunkel dazu, als ich am Abend des 30. November die Wiesenstra\u00dfe hoch spaziere. Zwischenzeitlich hatte ich fast den Glauben daran verloren, an diesem Abend noch nach Hause zu kommen, manchmal laufen die Dinge dann ja doch anders als geplant &#8211; und wer unterwegs ist, der kann meist etwas erz\u00e4hlen. Ich war in London.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Gebucht hatte ich Flug und Unterkunft direkt nach der Auslosung f\u00fcr die Gruppenphase der Europa League, vor ein paar Wochen wurde mir die Unterkunft storniert, also musste ich eine andere organisieren &#8211; aber ich wurde f\u00fcndig, airbnb, das Zimmer in Camden f\u00fcr 30 Pfund die Nacht, f\u00fcr London ein mehr als akzeptabler Preis. Bitter wurde es dann, als die Ausw\u00e4rtssperre f\u00fcr Fans der Eintracht durch die UEFA best\u00e4tigt wurde. Aber ich hatte Gl\u00fcck und bekam eine Karte &#8211; die ich wohl verpackt im Gep\u00e4ck hatte, als ich am Mittwoch gegen Viertel nach vier in aller Fr\u00fche zur Stra\u00dfenbahn marschierte. Mutterseelenalleine, Pia hatte es vorgezogen, in Frankfurt zu bleiben, schlie\u00dflich waren wir ja erst im Mai in London, als die Eintracht hoch dramatisch gegen Chelsea im Halbfinale ausschied.<\/p>\n<p>Zwei Mal im Jahr nach London zu fliegen, das hatte ich bislang auch noch nicht geschafft &#8211; aber in dieser Hinsicht war dieses Jahr sowieso nicht normal. Es begann im Februar mit Kiew und Charkiw, dann war ich in Theresienstadt, in Mailand, in Lissabon, London, Helsinki und Tallin, Vaduz, Stra\u00dfburg, Berlin, Porto, wieder in Theresienstadt, Hamburg und L\u00fcttich &#8211; unfassbar viele Erlebnisse binnen kurzer Zeit, welch Privileg. Jetzt also wieder London, leider mit Ryanair, der Geldbeutel lie\u00df mir keine andere Wahl. Bildete ich mir ein.<\/p>\n<p>Die Bahn kommt p\u00fcnktlich, auch die S-Bahn rauscht wie geplant an der Konstablerwache ein, erste Eintrachtler kommen mir entgegen, ein weiteres Abenteuer hat begonnen, ich bin gut in der Zeit. Die Bahn f\u00e4hrt zum Fernbahnhof, ein Shuttlebus bringt mich zum Terminal zwei. Auch die Passkontrolle und den Securitycheck nehme ich problemlos, der Flieger selbst hebt 10 Minuten sp\u00e4ter ab als geplant, der Platz neben mir bleibt frei. Stewardessen hasten mit W\u00e4gelchen und Rubbellosen umher, eine freudlose Veranstaltung, das Licht ist f\u00fcr die fr\u00fche Stunde viel zu hell. Immerhin: Fl\u00fcge nach London haben den Vorteil, dass sie kurz sind, kurz vor halb acht setzen wir in London Stansted auf, hallo London, da bin ich wieder.<\/p>\n<p>Im Flughafen hole ich mir noch am Automaten ein Ticket f\u00fcr die Hin- und R\u00fcckfahrt mit dem National Express nach Paddington, warte rauchend auf die Abfahrt und werde von einer Sicherheitsbeamtin freundlich darauf hin gewiesen, dass der Raucherbereich drei Meter weiter hinten ist. Dies ist die erste Begegnung mit den Londonern Regeln. Du darfst eigentlich nichts, wirst aber stets sehr freundlich darauf aufmerksam gemacht, Kameras dokumentieren jeden Schritt, es regnet.<\/p>\n<p>P\u00fcnktlich auf die Minute f\u00e4hrt der Bus ab, keine zehn Leute sitzen darin, wir stecken mitten im Berufsverkehr, aus dem Radio klingt &#8222;Don&#8217;t stop me now&#8220; von Queen, w\u00e4hrend sich der Bus \u00fcber den Highway qu\u00e4lt. Eine Stunde und f\u00fcnfzig Minuten sp\u00e4ter steige ich an der Baker Street aus, gegen\u00fcber liegt das Sherlock Holmes Museum, in dem ich vor Jahren mit Pia war. Sie fehlt mir schon jetzt. Es ist binnen acht Jahren meine siebte Reise nach London, erstmals ist sie nicht dabei.<\/p>\n<p>Ich laufe durch den Regents Park, der sich ein paar Schritte hinter der Baker Street nach Norden zieht, der k\u00fcrzeste Weg zur Unterkunft ist durch eine private Veranstaltung gesperrt, auch der Parallelweg wird mir durch einen sehr h\u00f6flichen Sicherheitsbeamten freundlichst verweigert. Auf meinem R\u00fccken baumelt mein gr\u00fcner Rucksack. Viel ist naturgegeben hier noch nicht los, ich wandere nach oben, leider ist der Ausgang zu meiner Unterkunft durch eine Baustelle gesperrt, \u00fcber den nassen Rasen marschiere ich au\u00dfenrum. Die Schuhe sind matschig, die Socken nass, als ich f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter vor meiner Unterkunft stehe. Leider stehen kleine Namen auf der Klingel, dankenswerter Weise jedoch hat mir mein Gastgeber noch eine Nachricht geschickt, flat 2 &#8211; ich klingele, der Summer ert\u00f6nt, die T\u00fcr \u00f6ffnet sich und in der T\u00fcr steht ein gro\u00dfer schwarzer Mann gut gelaunt im Bademantel. Rechter Hand befindet sich ein Zimmer, geradeaus das meinige, links Dusche und Toilette, dahinter die K\u00fcche. Nach einem kurzem Hallo werfe ich meinen Rucksack ins saubere Zimmer, wechsel Socken und Schuhe und schon bin ich mit Schl\u00fcsseln in der Hand wieder auf der Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Der Parkway f\u00fchrt an L\u00e4den und Pubs vorbei zur Station Camden Town, die High Street hoch liegen die M\u00e4rkte, an den Gesch\u00e4ften h\u00e4ngt Touri-Krimskrams jeglicher Art, Klamotten, Lederwaren, die H\u00e4user sind bunt bemalt, rote Busse schieben sich die Stra\u00dfe hoch. Ich hole mir einen Tee. Ein paar Schritte um die Ecke gelangst du an den Regents Canal, hier ist nichts los, ab und an schnauft ein Jogger vorbei. Ich wandere am Kanal entlang, biege ab Richtung Primrose Hill &#8211; und lande am anderen Ende meiner Stra\u00dfe, gut zu wissen. Noch bin ich etwas planlos, laufe am Eingang zum London Zoo vorbei, gehe wieder zur\u00fcck Richtung Park. Schulkinder in Uniformen und Warnwesten marschieren schwatzend an mir vor\u00fcber, es regnet. Da ich an der Baker Street ausgestiegen bin, dort aber keine offizielle Coach-Haltestelle sichtbar war, beschlie\u00dfe ich, mir den Ort genauer anzuschauen, vielleicht finde ich ja die Stelle an der der Bus f\u00fcr die R\u00fcckfahrt halten wird. \u00dcber die Park Road gelange ich zur Baker Street, eine Haltestelle f\u00fcr den National Express aber erschlie\u00dft sich mir nicht. So entscheide ich, am Samstag in Paddington abzufahren, dort sollte sich der Abfahrtsort leichter finden lassen. Jetzt habe ich Hunger und da es eh st\u00e4rker regnet, halte ich an der Tube Station meine Oysterkarte \u00fcber den Scanner und nehme die Bahn Richtung Shepherd&#8217;s Bush Market. In unmittelbarer N\u00e4he befindet sich das Shabab, ein kleines Restaurant mit gleicherma\u00dfen g\u00fcnstigen wie genialen Lammcurries. Den Laden hatten wir vergangenes Jahr entdeckt, als wir hier im Shepherd&#8217;s Bush Empire bei einem Konzert von Jim Bob waren. Zun\u00e4chst muss ich einmal um die vier Ecken laufen, da ich nicht mehr genau wei\u00df, wo er ist, aber ich finde ihn, schon liegen auf meinem Teller Lammkoteletts und ich bin gl\u00fccklich.<\/p>\n<p>Hier in Shepherd&#8217;s Bush herrscht ein buntes Treiben, multikulti vom Feinsten, Touristen kommen nur hierher, wenn sie in der N\u00e4he gelegenen Loftus Road ein Heimspiel von den Queens Park Rangers besuchen &#8211; die heute Abend gegen Nottingham spielen werden. Einige Frankfurter haben schon angek\u00fcndigt, heute vor Ort zu sein, ich jedoch tendiere zu einem Konzert der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/The_Young_Gods\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Young Gods<\/a> in der Garage in Highbury.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst aber nehme ich den Bus Richtung Picadilly Circus. Busfahren in London ist eine g\u00fcnstige Angelegenheit, f\u00fcr 1,50 kannst du durch die ganze Stadt fahren, wenn du Gl\u00fcck hast, sitzt du oben und schaust aus dem Panoramafenster auf das vorbeiziehende London, so wie jetzt, als wir auf der Bayswater Road am Hyde Park vorbei rollen, in die belebte und bunte Oxfortstreet einbiegen und wenig sp\u00e4ter am Picadilly Circus landen. Wer kennt sie nicht, die gigantische Leuchtreklame, die einen der zentralen Pl\u00e4tze Londons bestrahlt. Ein Stra\u00dfenmusiker spielt Halleluja von Leonard Cohen und Chasing Cars von Snow Patrol, das macht er gut, jede Menge Zuschauer applaudieren v\u00f6llig zu recht, so auch ich. Nach einem kurzen Abstecher ins Lillywhites (Pia kauft hier immer etwas, ich nie) schiebe ich mich hoch Richtung Soho, schon wird es dunkel, es ist noch keine vier Uhr. Chinatown lasse ich rechts liegen, \u00fcberquere die weihnachtlich beleuchtete Oxford Street und marschiere weiter Richtung des unwirtlichen Euston Squares, langsam werde ich m\u00fcde. So laufe ich hoch, passiere Mornington Crescent und lande bald wieder in Camden. Als ich heimkomme, h\u00f6re ich aus dem Nebenzimmer Ger\u00e4usche, ein Fernseher l\u00e4uft, sehe jedoch niemanden. Und so haue ich mich auf&#8217;s gem\u00fctliche Bett, lade mein Handy auf und entscheide mich, sp\u00e4ter zum Konzert zu gehen.<\/p>\n<p>Ein Grund, mich f\u00fcr eine Unterkunft in Camden zu entscheiden, war ganz klar die Lage. Du bist in wenigen Schritten im Park, hast Pubs und L\u00e4den um die Ecke und \u00fcber die Stationen Camden Town und Camden Road sowie mit den Bussen, auch den Nachtbussen, flugs in allen Ecken der Stadt. Und zur Not in einer Stunde ins Emirates-Stadion gelaufen, fall&#8217;s irgend etwas ist. Der 274er Bus bringt dich nach Islington\/Angel &#8211; dort war ich vor Jahren mal bei einem Konzert von And also the trees, die Location in einem Einkaufszentrum gelegen. Von hier ist&#8217;s fu\u00dfl\u00e4ufig knapp 20 Minuten zum heutigen Club. Ich mache das ja gerne, durch die Gegend zu wandern, zu gucken. Im Bus allerdings irritiert mich die Durchsage: <em>Dieser Bus f\u00e4hrt nicht zum angegebenen Ziel, machen sie sich beim Fahrer schlau. <\/em>Das Problem wird aber einfach gel\u00f6st. Da die Tickets f\u00fcr die Busfahrt im Gegensatz zur Underground nicht zum Umsteigen berechtigen, bekommen wir einen Ausdruck und nehmen einen n\u00e4chsten Bus, der auch sofort kommt und uns nach Islington bringt. Angel Station.<\/p>\n<p>Die Upper Street hoch geht es Richtung Highbury, ein Dosenbier f\u00fcr unterwegs, an der Islington Assembly Hall warten Menschen auf Einlass f\u00fcr ein weiteres Konzert. Auch hier reihen sich L\u00e4den an Pubs an Restaurants, wer Geld hat, kann hier gut leben. Immer wieder aber liegen Obdachlose in Nischen, ein Anblick, der sich in den folgenden Tagen in allen Ecken Londons bietet. Die Tage werden k\u00e4lter, die N\u00e4chte sowieso.<\/p>\n<p>Der Club <em>The Garage <\/em>liegt direkt am Highbury Corner, ich frage am Einlass nach Tickets. Es gibt noch jede Menge, also hole ich mir erstmal in einem Supermarkt gegen\u00fcber ein weiteres Bier, rauche eine Cigarette und besorge mir dann f\u00fcr 23 Pfund eine Eintrittskarte. Die Location macht einen coolen Eindruck, von der Gr\u00f6\u00dfe her vielleicht vergleichbar mit dem Bett in Frankfurt. Viel ist noch nicht los, kaum bin ich vor Ort, beginnt auch schon die Vorband. Haze, f\u00fcnf Jungs in schwarzen Hosen und wei\u00dfen Hemden geben ordentlich Gas, machen Laune, derweil sich der Laden doch f\u00fcllt, ausverkauft ist es sicher nicht, aber es ist die perfekte Mischung aus Crowd und Platz als The Young Gods beginnen. Zwischenzeitlich sprechen mich zwei Leute an, sie halten mich f\u00fcr den S\u00e4nger des Hauptacts, Franz Treichler. Das Bier kostet 5,50, die Einheimischen zahlen l\u00e4ssig kontaktlos. Karte ans Leseger\u00e4t halten, fertig. Ich versuche es sp\u00e4ter mit meiner EC-Karte, muss jedoch meine Nummer eingeben. Immerhin, ich taste mich voran. Das n\u00e4chste Bier zahle ich wieder bar.<\/p>\n<p>Das Konzert ist gro\u00dfartig, sie spielen sogar einen meiner derzeitigen Lieblingssongs, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=8BC_i1HjWbM\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">figur sans nom.<\/a> Sch\u00f6n hypnotisch geht die Zeit vorbei, es war die absolut richtige Entscheidung, mich f\u00fcr dieses Konzert zu entscheiden. Der Zufall will, dass der Schlagzeuger der Band gemeinsam mit Simon Huw Jones von And also the trees ein gemeinsames Projekt am Start hat, November. 2006 erschien die erste CD, just in diesem Jahr die zweite, die ich f\u00fcr 10 Pfund erwerbe. Beschwingt trete ich den Heimweg an, beschwingt nehme ich die Overground und beschwingt fahre ich in die falsche Richtung. Aber ich bemerke es immerhin sofort, steige an der n\u00e4chste Station aus und schon rauscht die richtig Bahn an, die ich an der Camden Road wieder verlasse. Auf dem Heimweg g\u00f6nne ich mir einen \u00fcberraschend guten Burger und falle todm\u00fcde in die Koje.<\/p>\n<p><strong>Matchday<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt viele Pl\u00e4tze in London, an denen ich aus den unterschiedlichsten Gr\u00fcnde gerne bin, der Hyde Park geh\u00f6rt definitiv dazu. Der Bus bringt mich nach einem Tee nach unten &#8211; wobei ich in Camden noch Katja, Petra und Vatmier treffe. Irgenwo ruft&#8217;s ja immer: &#8222;Beve\u201c. Sp\u00e4ter realisiere ich, dass dieser Bus auch direkt vor meinem Haus stoppt. \u00dcber das Cumberland Gate enter ich den Park. Ein gigantischer Weihnachtsmarkt mit Riesenrad und Trallala wartet auf Besucher, er kostet scheinbar Eintritt, auf jeden Fall braucht man irgendwie ein Ticket f\u00fcr dieses Winter Wonderland &#8211; das ich so oder so links liegen lasse. Mein Weg f\u00fchrt mich zur Serpentine, der See, der sich in den Park schmiegt. Eichh\u00f6rnchen und Vogeltier werden gef\u00fcttert, Sp\u00e4therbst, braune Bl\u00e4tter an den B\u00e4umen, blaue Tretboote vert\u00e4ut am Ufer. Ich laufe weiter, bis ich \u00fcber Kensington Gardens das Ende des Parks erreiche. Von dort sind es nur ein paar Minuten bis Notting Hill, bis zur Portobello Road, der putzigen Einkaufsstra\u00dfe, die so oft besungen wurde und eine Hauptrolle im Film Notting Hill spielt. An der Hausnummer 22 h\u00e4ngt eine blaue Plakette f\u00fcr George Orwell, der hier einige Zeit lebte, weiter unter liegt die Buchhandlung, die im Film eine weitere Hauptrolle spielt, ebenso wie in der Westbourne Park Road die Hausnummer 280. Dort lag die Filmwohnung von Hugh Grant, dort spazierte Julia Roberts alias Anna Scott hinein. Just als ich die T\u00fcre fotografieren will, \u00f6ffnet sich die T\u00fcr, aber ist nicht Julia, die kommt, es ist ein Hausbewohner, der abschlie\u00dft. Schn\u00f6de Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Ich aber wander weiter \u00fcber Ladbroke Grove in Richtung Shepherd&#8217;s Bush, vorbei am Grenfell Tower, der in der Nacht vom 13. auf 14. Juni 2017 vollst\u00e4ndig ausbrannte, ein Feuer, welches rund 80 Menschen das Leben kostete. An den umliegenden H\u00e4usern h\u00e4ngen Zettel f\u00fcr die Presse, dass man die Leute hier in Ruhe lassen soll, am Tower selbst eine gro\u00dfe Plane mit der Aufschrift: <em>Grenfell forever in our hearts. <\/em>Nachdenklich laufe ich weiter, verfranse mich leicht und lasse mich mit dem Navi zur\u00fcck zu Shepherd&#8217;s Bush f\u00fchren. Ein Lammcurry sp\u00e4ter sitze ich im 31er Bus, der mich ohne Umsteigen nach Camden Town f\u00e4hrt, vorbei an der Abbey Road. Eine Stunde dauert die Fahrt, ich sitze oben und wische von Zeit zu Zeit die beschlagenen Scheibe frei. Kaum ausgestiegen, ruft mich Stefan an, mein Klingelton ist verr\u00e4terisch: &#8222;Ob Rom, Mailand oder London &#8230;&#8220;. Der Zufall will, dass Camden als allgemeiner Treffpunkt ausgemacht wurde, keine f\u00fcnf Minuten von meiner Unterkunft entfernt. Praktisch.<\/p>\n<p>Eine halbe Stunde sp\u00e4ter treffen wir uns an der Underground, Stefan und Dario kamen vom British Museum, jetzt sto\u00dfen wir \u00fcberall auf Eintrachtler. Chris ist hier, John kommt vorbei, es regnet. Kurz darauf setzt sich ein erster Marsch in Bewegung, wir aber halten uns fern, beschlie\u00dfen, mit der Overground Richtung Angel zu fahren. Dario und Stefan machen sich im Hotel noch schnell frisch, derweil ich warte und auf eine kleine Eintracht Delegation treffe, die hier ebenfalls untergebracht ist. Anschlie\u00dfend machen wir noch einen kurzen Stopp bei einem Libanesen und wandern dann den Weg hoch, den ich gestern schon zum Konzert gelaufen bin. Vorbei geht es an der &#8222;Garage&#8220; Richtung Emirates Stadion. Was wird uns erwarten, sind wir doch eigentlich ausgesperrt? Wobei unsere Tickets zu den wenigen geh\u00f6ren, die hoch offiziell sind. Gerd kommt mit Arsenal Schal vorbei, er hat sich auf anderen Wegen eine Karte besorgt, ist quasi getarnt. Da wir noch auf Claudia warten, die sich durch den Londoner Verkehr schl\u00e4ngelt, passieren wir gem\u00e4chlich die erste Kontrolle, die sich aber nicht um uns k\u00fcmmert und nur f\u00fcr Tascheninspektion zust\u00e4ndig ist. Etwas sp\u00e4ter ist unsere kleine Gruppe vollst\u00e4ndig, der Einlass geht schnell und unkompliziert, im Vorraum zum Block gibt es echtes Bier, welches aber nicht mit in den Block genommen werden darf, rund ums uns sitzen viele Frankfurter, neben mir Frauke und \u00d6ri. Die Musik ist br\u00fcllend laut, dass Stadion bei weitem nicht ausverkauft, Ordner ordnern, delegieren, sind freundlich aber bestimmt. Trinken verboten, rauchen verboten, aufstehen verboten, fluchen verboten. W\u00e4hrend der folgenden 90 Minuten beschwichtigen sie uns ununterbrochen, obgleich eigentlich nichts nennenswertes passiert, zumindest auf den R\u00e4ngen. Auf Seiten Arsenals passiert rein gar nichts. Totentanz im Stadion. Ich muss mich zwingen, nicht auff\u00e4llig zu werden, was aber in der ersten Halbzeit kein Problem ist. Zusammen gesackt schaue ich mir das Elend an. Die Eintracht bekommt kein Bein auf den Boden, die B\u00e4lle fliegen R\u00f6nnow nur so um die Ohren. Ich komme mir vor, wie fr\u00fcher am Riederwald bei einem Spiel der Amateure. Es ist genau so laut und genau so grottig. Und nat\u00fcrlich macht Aubameyang kurt vor Anpfiff das unn\u00f6tige aber v\u00f6llig verdiente 0:1. Zwischenzeitlich trugen wir gro\u00dfe Sorge um unseren bravour\u00f6sen Torh\u00fcter, der sich verletzt am Boden kr\u00fcmmte. Aber er konnte weiter machen. Da L\u00fcttich zu diesem Zeitpunkt in Guimaraes f\u00fchrte, liegt ein Weiterkommen der Eintracht nun in weiter Ferne, ich habe 45 Minuten Zeit, mich an diesen Gedanken zu gew\u00f6hnen. Doch kaum sind wir f\u00fcr ein Halbzeitsch\u00f6ppchen unten, dringt die Kunde vom Ausgleich Guimaraes durch, doch nur ein Narr h\u00e4tte das Tr\u00e4umen begonnen. Ich verabschiede mich von Pflugi f\u00fcr&#8217;s erste mit den Worten: \u201eNaja, schaun wir ma&#8217;\u201c.<\/p>\n<p>Arensal hat Sekunden vor Anpfiff das 2:0 auf dem Fu\u00df, vergibt aber. Okay, es geht so weiter, wie in der ersten Halbzeit. Die Frage ist nicht, ob wir hier verlieren, sondern nur noch wie hoch. Und dann kommt Kamada und wuppt die Kugel zum Ausgleich ins Netz. Wir springen auf, jubeln, die Ordner beschwichtigen, die Eintracht ist zur\u00fcck im Spiel, das schon aussichtslos schien. Jetzt w\u00e4re eigentlich der Moment, auf den R\u00e4ngen so richtig durch zu drehen, hier in London aber dreht niemand durch. Wir m\u00fcssen uns benehmen, ein paar versuchen den Support, werden umgehend gebeten, diesen wieder einzustellen. H\u00e4tte ich keine offizielle Karte, w\u00e4r&#8217;s mir egal, aber man will ja nicht unangenehm auffallen. Ab und an erklingt dennoch ein &#8222;Hurra, hurra, die Frankfurter sind da&#8220;, ein &#8222;Eintracht, Eintracht&#8220;. Hinter dem Tor scheint sich mittlerweile auch ein erklecklicher Haufen Frankfurter eingefunden zu haben. Immer wieder schallen Sprechch\u00f6re durchs totenstille Rund, beschwichtigende Ordner allenthalben, es ist absurd, hier mit angezogener Handbremse zu sitzen. Von Arsenal kommt mittlerweile auch auf dem Platz nichts mehr und dann ist es wieder Kamada, zieht ab &#8211; die Eintracht f\u00fchrt. Unfassbar. Und wieder das alte Spielchen. Aufspringen, High five, Ordner, es ist alles derma\u00dfen albern, aber die Eintracht f\u00fchrt. Und sie ist voll im Spiel. Hinter dem Tor wird es immer voller, immer lauter, erste Wechselges\u00e4nge schallen durchs Stadion. Ein paar Engl\u00e4nder regen sich auf, einer fliegt. \u00d6zil wird eingewechselt. Und dann sind es noch vier Minuten, noch drei, zwei, wir haben den Ball &#8211; und aus. Die Eintracht gewinnt erstmals in London in einem Pflichtspiel der Neuzeit. Nach den teils dramatischen Niederlagen in West Ham, Tottenham und Chelsea endlich ein Sieg. Wir treffen uns bei einem Bier vor dem Block. \u00dcberall grinsende Gesichter, Frankfurter fallen sich in die Arme, welch ein historischer Abend, versaut und gleicherma\u00dfen erm\u00f6glicht durch die UEFA, deren Kollektivstrafen sofort auf den M\u00fcllhaufen der Geschichte geh\u00f6ren. Aber die Atmosph\u00e4re im Stadion wird sich dadurch nicht bessern. Die gesamte Verbotsstrategie in England ist so derma\u00dfen absurd, die Eintrittspreise dazu, das hat mit Fu\u00dfball nichts mehr zu tun. Da ist ja im Kino bei Schindlers Liste mehr Stimmung.<\/p>\n<p>Da der abendliche Treffpunkt wieder in Camden ist, nehmen wir in Highbury\/Islington die Overground zur Camden Road, wandern hoch zum Worlds End Pub, der jedoch nach einem Schoppen schlie\u00dft. Wir versuchen noch weiter oben ins Elephants Head zu kommen, es darf aber nur jemand rein, wenn ein anderer den Pub verl\u00e4sst. Da Claudia, Dario und Stefan noch weiter m\u00fcssen, verabschieden sie sich von hier, ich jedoch schl\u00fcpfe nach digitaler Ausweiskontrolle hinein und treffe nat\u00fcrlich jede Eintrachtler. Mit einigen sa\u00df ich in Porto in einer H\u00e4hnchenbraterei, mit anderen nahm ich an der Stadtf\u00fchrung in Tallin teil. Aus den Boxen erklingt &#8222;Don&#8217;t stop me now&#8220;, alle singen mit, auch bei &#8222;Mama Mia&#8220;, w\u00e4hrend Sweet Caroline flugs zu Eintracht Frankfurt umgedichtet wird. Kurz bevor dieser Pub schlie\u00dft, marschiere ich die f\u00fcnf Minuten hoch in die Unterkunft. Punkt zwei bin ich im Bett. Ausw\u00e4rtssieg!<\/p>\n<p><strong>Unterwegs<\/strong><\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein Abend. Ich lese die Spielberichte, sehe das Video vom Empfang des Mannschaftsbusses am Stdion. Fucking great. In Camden hole ich mir einen Tee, dann marschiere ich bei Sonnenschein hoch zu Primrose Hill. Von hier hast du einen phantastischen Blick \u00fcber London, ganz hinten dreht sich das London Eye, spitzt the Shard in die H\u00f6he. Unten am Regents Canal wandere ich am Wasser entlang, Hausboote d\u00fcmpeln vor sich hin, bis ich \u00fcber Little Venice Paddington erreiche. Dort suche ich die Abfahrt des Busses zum Airport &#8211; und nur dank Tante Google werde ich f\u00fcndig. Eine unscheinbare Haltestelle an der Bishops Bridge Road markiert den Abfahrtspunkt. Immerhin wei\u00df ich nun, wo morgen ich hin muss. Befreit schlender ich weiter durch Paddington, sehe keine B\u00e4ren und lande wieder im Hyde Park. Hinter Victoria liegt der kleine Stadtteil Pimlico, hier habe ich mit Pia oft gewohnt, hier gibt es den Tachbrook Market mit kleinen Imbissbuden. Die Londoner stehen Schlange. Ich hole mir japanisches Rindfleisch mit Reis f\u00fcr 5,50 und setze mich anschlie\u00dfend im Warwick Way ins Caf\u00e9 Nero &#8211; und denke an all meine vergangenen Reisen, als ich mit Pia hier umher geschlichen bin. Ein kleines Gef\u00fchl von Heimat stellt sich ein. Dann geht es weiter Richtung Themse, Vauxhall Bridge. Gegen\u00fcber an der Southbank wachsen gl\u00e4serne Hochh\u00e4user in die H\u00f6he, vor gar nicht allzu langer Zeit war hier noch nomansland. Wie schon bei den beiden letzten Ausfl\u00fcgen ist der Big Ben auch heute einger\u00fcstet. Schade, mich freut der Anblick des goldenen Glockenturms immer sehr. Massen schieben sich \u00fcber die Westminster Bridge, H\u00fctchenspieler reiht sich an H\u00fctchenspieler, v\u00f6llig verwundert nehme ich dies zur Kenntnis, dachte eigentlich die sind so out wie hohe Buffalos.<\/p>\n<p>Ich laufe am London Eye vorbei, durchquere den Weihnachtsmarkt, Stra\u00dfenk\u00fcnstler k\u00fcnstlern vor sich hin, als mein Telefon klingelt. Eine aufgel\u00f6ste Pia ist dran: &#8222;Ich hab dich schon zwei Mal versucht, zu erreichen, ist alles klar bei dir?&#8220; \u00c4h, ja, weshalb? Und dann erfahre ich, dass es ein paar Br\u00fccken weiter an der London Bridge eine Schie\u00dferei gegeben hat. Ich selbst habe nur ein paar zivile Polizeiautos gesehen, aber das ist ja in London Standard. Die Schie\u00dferei stellt sich als Attentat heraus, zwei Menschen sind gestorben; ich bin nicht weit weg &#8211; aber safe. Von daher cancel ich meinen Plan, bis zur London Tower Bridge zu laufen, gehe \u00fcber die Blackfriars Bridge r\u00fcber zu St. Pauls &#8211; und da es mir hier zu wuselig ist, nehme ich den Bus zur Brick Lane. Leider ist es nunmehr zu dunkel, um Streetart zu fotografieren. Statt dessen werfe ich einen Blick in den Rough Trade Plattenladen und schlender die beleuchtete Brick Lane nach unten. Tausend indische oder Bangladesh Restaurants warten auf Kundschaft, jedes davon das beste der Stadt &#8211; laut Eigenauskunft. Eifrige Mitarbeiter quasseln jeden an, der auch nur einen Hauch z\u00f6gert, ein sicheres Zeichen, solche L\u00e4den zu meiden. Dann schlage ich mich an die Seite, durchquere gl\u00e4serne Hochhausschluchten und nehme den Bus am Finsbury Square Richtung Camden. Kurz werfe ich mich ins Bett, um bald darauf noch einmal zu Shepherd&#8217;s Bush zu fahren. Hinzus nehme ich die Overground, ein letzter Spaziergang in die Uxbridge Road, ein letztes Mal die Lammkoteletts und zur\u00fcck geht es wieder mit dem 31er Bus. Ich steige Chalk Farm Road aus, wandere am Roundhouse vorbei, werfe einen Blick in den hiesigen Aldi ehe ich gegen elf wieder in meiner Unterkunft lande. \u00dcber 40.000 Schritte bin ich heute gelaufen, ein neuer Tagesrekord seit Beginn meiner Aufzeichnungen. Der alte stammte &#8230; ebenfalls aus London. Mai 2017.<\/p>\n<p>Der letzte Morgen bringt mir ein kleines Fr\u00fchst\u00fcck in Camden, ehe ich mich mit meinen Halbseligkeiten im Rucksack auf den Weg nach Hampstead Heath mache, diesmal mit dem Bus. Die Fahrt in den Norden dauert keine 20 Minuten. Hampstead Heath ist ein wunderbares Wald- und Wiesengel\u00e4nde mit verwunschenen Fleckchen und Seen und dient den Londonern mit Hunden als beliebtes Ausflugsziel, Gummistiefel sind Pflicht &#8211; ich trage Turnschuhe. Dort, wo die Sonne nicht hin kommt, sind die Wege feucht, aber es geht. Ich wander an Wiesen vorbei Richtung <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kenwood_House\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kenwood House<\/a>, dort wurden auch Aufnahmen f\u00fcr Notting Hill gedreht, hier kann man gem\u00fctlich sitzen oder aber sich das Haus anschauen, welcher ein reicher Engl\u00e4ndern den B\u00fcrgern vermacht hat. Leider reicht meine Zeit hierf\u00fcr nicht, so geht es zur\u00fcck durch den Waldpark Richtung Bus. In den Seen wird auch heute gebadet, vergn\u00fcgt h\u00fcpft der ein oder andere ins Wasser.<\/p>\n<p>Da ich an einem anderen Ausgang lande als ich angekommen bin, weist mir die Citymapper den Weg zum n\u00e4chsten Bus, f\u00fcnf Minuten sind zu laufen, f\u00fcnf Minuten sind zu warten &#8211; schon geht es nach Paddington, meine letzte Stadtrundfahrt, die an der Craven Road zu Ende geht. Es ist halb zwei, um sieben geht mein Flieger. Der Hinweg dauerte 110 Minuten im Berufsverkehr, allerdings bis zur Baker Street, zwanzig Minuten Fu\u00dfweg entfernt. Meine Kalkulation beruht darauf, sp\u00e4testens um halb sechs am Airport zu sein, eine Stunde bis zur Schlie\u00dfung des Gates sollte ausreichend sein, eingecheckt hatte ich ja schon online. Also kein Berufsverkehr, ein paar Minuten l\u00e4ngere Fahrt &#8211; um halb vier abzufahren sollte reichen. So besorge ich Pia noch einen kleinen Paddington-B\u00e4r, setze mich in ein Caf\u00e9 und machte mich kurz vor drei auf, Richtung Anlegestelle. Zuf\u00e4lligerweise steht ein Bus schon zur Abfahrt bereit, 15:10 Uhr rollen wir los, knapp vier Stunden, bevor mein Flieger geht, 62 Kilometer Fahrt am Samstagnachmittag.<\/p>\n<p>Wir sind keine 10 Minuten unterwegs, als es kracht. Ein weiterer Bus hat unseren Au\u00dfenspiegel abgefahren, der Fahrer steigt aus, telefoniert, wir sitzen fragenden Blickes im Bus. Irgendwann kommt die Info, dass wir sitzen bleiben sollen, ein andere Bus w\u00fcrde uns auflesen. Einige um mich herum werden nerv\u00f6s, ich bin ja noch gut in der Zeit. 20 Minuten sp\u00e4ter kommt dann auch der neue Bus, Platz gibt es genug. Palaver hier, Palaver dort &#8211; mittlerweile ist es Viertel vor vier. Wir durchqueren die Viertel, stehen an jeder Ampel und halten erst ein- dann zweimal. Bis zur Baker Street haben wir eine weitere Halbe Stunde gebraucht, wie auch immer. Finchley hei\u00dft der n\u00e4chste Halt und ein weiterer folgt in Golders Green. Da der erste Bus ja ausgefallen war, warten nun schon eine ganze Menge Menschen dort. Sitzpl\u00e4tze sind rar, stehen nicht erlaubt. Und nat\u00fcrlich hebt ein gro\u00dfes Palaver an. Verzweiflung macht sich breit. Irgendwann sind dann doch alle drin, weitere 20 Minuten gehen dabei drauf, im Ernst, zu Fu\u00df w\u00e4re ich schneller gewesen. Mittlerweile ist es Viertel vor f\u00fcnf, die ersten weinen, andere bequatschen die Busfahrerin. Und so schieben wir uns aus London raus. Hatte ich den Hinweg noch mit einer langen Highway Fahrt in Erinnerung, so sind wir auch eine halbe Stunde sp\u00e4ter noch nicht aus London drau\u00dfen. Mein Navi, das ich mittlerweile angeworfen habe, weist einen Unfall aus. Ankunftszeit geplant nun: 18 Uhr. Und ihr wisst ja, wie das ist, mit jeder Minute Fahrt, verschiebt sich die Ankunftszeit nach hinten.<\/p>\n<p>Vor zwei Jahren hatten wir mal einen Flug verpasst, da wir am falschen Flughafen gelandet sind, jetzt also der n\u00e4chste drohende Ausfall. Ich \u00fcberschlage alle M\u00f6glichkeiten: Entweder es klappt irgendwie, doch noch p\u00fcnktlich zu sein. Falls nicht muss ich mir ein Hotel suchen und einen anderen Flug nehmen, ich f\u00fcge mich in mein Schicksal, es nutzt ja alles nicht. Dennoch w\u00e4re es mir lieb, den geplanten Flieger zu nehmen &#8211; allein, es liegt nicht mehr in meinen H\u00e4nden. Jetzt sind wir auf der Autobahn, vor uns liegen noch 40 Kilometer, es ist halb sechs. Immerhin verschiebt sich die Ankunftszeit w\u00e4hrend der Fahrt nur um zwei Minuten. 18 Uhr k\u00f6nnte klappen, aber auch jetzt darf nichts, aber auch gar nichts mehr schief gehen. Um 18:02 Uhr h\u00e4lt der Bus vor dem Terminal &#8211; ich sprinte nach drau\u00dfen, suche eine Anzeigetafel mit Abfluggate und Zeit. Die Zeit bleibt weiterhin 19:00 Uhr, Gate 45. Ich sprinte zum Securitycheck. Eine digitale Tafel verk\u00fcndet: Wartezeit 20 Minuten. Meine Bitte an eine Mitarbeiterin, einen schnelleren Weg zu erm\u00f6glichen verhallt ungeh\u00f6rt. Okay, ich schiebe mich unter Absperrungen durch. Z\u00f6gere. Egal, weiter. Sorry hier, sorry da, murmel etwas von Accident und stehe vor dem Check. Sachen in die Kisten werfen. Durch die Kontrolle durch, es klappt. Sogar mit G\u00fcrtel, den ich vergessen hatte, auszuziehen. Jetzt sprinte ich an Milliarden von Gesch\u00e4ften vorbei, an der n\u00e4chsten Ecke weitere Gesch\u00e4fte. Weiter, weiter. Ich feuer mich selbst an. Gott sei Dank gibt es keine Passkontrolle, Gate 41, 43, 45. Es ist geschlossen. Um 18:27. Das kann doch nicht wahr sein, es sollte doch erst um 18:30 schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Die Dame am Empfang murmelt etwas. Weiter hinten sitzen Leute, warten auf den n\u00e4chsten Flug. Schwei\u00df rinnt in Str\u00f6men. Ich h\u00f6re genauer zu: &#8222;The boarding haven&#8217;t started yet&#8220;. \u00c4h, das Boarding hat noch nicht begonnen? Nach Frankfurt? &#8222;Genau&#8220;. Die da hinten warten alle auf den 19:00 Uhr Flug nach Frankfurt. &#8222;Jawohl.&#8220;<\/p>\n<p>Alter. Ich laufe nach hinten und schon ruft es &#8222;Beve&#8220;. Hal ist auch hier und ne ganze Menge anderer Eintrachtler auch. Jemand reicht mir ein Taschentuch, ich wische den Schwei\u00df ab. Ich habe es geschafft. Nat\u00fcrlich warten wir noch eine ganze Weile, bis es los geht, warten auf der Treppe und warten vor dem Flugzeug. Mir egal, ich bin da.<\/p>\n<p>Im End geht dann alles ganz schnell, 19:10 Uhr Ortszeit heben wir ab, um halb zehn bin ich drau\u00dfen am Terminal 2, fahre mit Shuttlebus zum Terminal 1, esse eine Cigarette und eile von dort zum Fernbahnhof. Kaum bin ich unten, rollt auch schon die S-Bahn ein. &#8222;Auf Grund eines Zwischenfalls h\u00e4lt dieser Zug nicht zwischen Hauptbahnhof und Offenbach Ost,&#8220; ert\u00f6nt die Durchsage. Na super. Grund sind Luftballons in der Oberleitung. Aber auch egal, am Bahnhof spaziere ich r\u00fcber zur U4, die auch gleich kommt, steige Bornheim Mitte aus und schleppe mich die Wiesenstra\u00dfe hoch zum Park. Ein letztes Mal abbiegen, die Klingel dr\u00fccken, die Stufen hoch &#8211; und ich bin zuhause. Pia steht schon im T\u00fcrrahmen und wir fallen uns in die Arme. Fast h\u00e4tte ich nicht mehr daran geglaubt. Im End aber denke ich an das Attentat auf der London Bridge, es h\u00e4tte mich ganz anders und viel schlimmer erwischen k\u00f6nnen. Es ist mal wieder alles gut gegangen &#8211; und die Eintracht hat ja schlie\u00dflich auch noch gewonnen.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kalt ist&#8217;s, dunkel dazu, als ich am Abend des 30. November die Wiesenstra\u00dfe hoch spaziere. Zwischenzeitlich hatte ich fast den Glauben daran verloren, an diesem Abend noch nach Hause zu kommen, manchmal laufen die Dinge dann ja doch anders als geplant &#8211; und wer unterwegs ist, der kann meist etwas erz\u00e4hlen. Ich war in London.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":14031,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[19,9,2175,10,12],"tags":[962,2176,1823,1329,947,2172,2171,2266,2265],"class_list":["post-14003","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-auswarts","category-eintracht-frankfurt","category-london","category-photographie","category-wortwelt","tag-arsenal","tag-camden","tag-eintracht-frankfurt","tag-europacup","tag-london","tag-shabab","tag-shepherds-bush","tag-the-garage","tag-the-young-gods","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14003","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14003"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14003\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14030,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14003\/revisions\/14030"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/14031"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14003"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14003"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14003"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}