{"id":13873,"date":"2019-10-16T17:37:27","date_gmt":"2019-10-16T15:37:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=13873"},"modified":"2019-10-19T10:14:34","modified_gmt":"2019-10-19T08:14:34","slug":"frankfurt-theresienstadt-spuren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=13873","title":{"rendered":"Spurensuche in Theresienstadt."},"content":{"rendered":"<p>Drei\u00dfig Eintrachtfans begaben sich im Oktober auf die Reise nach Theresienstadt, tschechisch: Terezin. Initiiert von der Fanbetreuung, inhaltlich begleitet vom Eintracht Museum und Martin Liepach vom Fritz Bauer Institut, suchten wir Spuren im einstigen Ghetto. Ein Bericht.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nVor \u00fcber drei Jahren hatte ich mich alleine auf die Reise nach Theresienstadt gemacht, einem der zynischsten Orte des Holocaust, der Shoa. Eine Reise, die mich bis heute nicht mehr losgelassen hat. 155.000 Menschen, vorwiegend Juden, durchlitten dieses Ghetto. 120.000 von ihnen fanden den Tod, die meisten von ihnen in den Vernichtungslagern im Osten, ab Oktober 1942 in Auschwitz. Im Februar diesen Jahren kehrte eine kleine Delegation der Eintracht zur Vorbereitung einer gro\u00dfen Reise nach Theresienstadt zur\u00fcck, die nun, am 11. Oktober 2019 vom Eintracht Museum aus startete. Mit an Bord des Busses war auch Helmut \u201eSonny\u201c Sonneberg, der seinerzeit mit dem vorletzten Transport aus Frankfurt am 18.2.1945 gemeinsam mit seiner Mutter Rechna Wessinger in Theresienstadt eintraf \u2013 und das Lager \u00fcberlebt hatte. Lange Jahre schwieg er \u00fcber seine Deportation, erst zu Beginn des Jahres sprach er erstmals im Eintracht Museum \u00f6ffentlich \u00fcber seine Geschichte. Nun begleitete er uns als Zeitzeuge und kehrte erstmals nach 74 Jahren an den Ort des Grauens zur\u00fcck. Nadine und Julian von der Fanbetreuung reisten mit mir schon einen Tag zuvor an, um vor Ort grundlegende Dinge f\u00fcr die Gruppe zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p><strong>Erste Eindr\u00fccke vor Ort<\/strong><\/p>\n<p>Unsere kleine Gruppe traf in der Dunkelheit des 10. Oktober 2019 gegen 22:30 in Theresienstadt ein, bezog die ersten Zimmer und trank noch ein Feierabendbier. Gegen Mitternacht machte ich mich zu Fu\u00df noch einmal auf in den Ort, der Ende des 18. Jahrhunderts als Festungsanlage aus dem Boden gestampft wurde. Das Habsburgerreich unter Kaiser Joseph II wollte sich gegen die Preu\u00dfen sch\u00fctzen, die Festung Theresienstadt sollte ein Bollwerk werden \u2013 wurde jedoch nach Fertigstellung nie in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt. Elf Kasernen unterschiedlicher Gr\u00f6\u00dfe befanden sich in der Gro\u00dfen Festung, im Laufe der Zeit kamen etliche Wohnh\u00e4user dazu. Einige hundert Meter dahinter, ein paar Schritte hinter der Eger befindet sich die Kleine Festung, die als Gef\u00e4ngnis diente. Den Garnisonscharakter hatte Theresienstadt w\u00e4hrend der folgenden beiden Jahrhunderte nie verloren, Soldaten und H\u00e4ndler lebten in der Gro\u00dfen Festung, in der Kleinen Festung fristeten H\u00e4ftlinge ihr Dasein, auch Gavril Princip mit seinen Genossen, deren Sch\u00fcsse auf Franz Ferdinand 1914 den Ersten Weltkrieg ausl\u00f6sen sollten.<\/p>\n<p>Mit der erzwungenen Abtretung des Sudentenlandes ans Deutsche Reich und der sp\u00e4teren Annektion der restlichen Tschechischen Republik im M\u00e4rz 1939, hielten die Nationalsozialisten auch das Gebiet des n\u00f6rdlichen B\u00f6hmens, in dem Theresienstadt liegt, in ihren H\u00e4nden, die Republik wurde zum Protektorat B\u00f6hmen und M\u00e4hren. Mit anderen Worten: Theresienstadt liegt zwar im heutigen Tschechien, geh\u00f6rte aber von 1939 bis 1945 zu Deutschland, verwaltet und drangsaliert durch die NS. Schon 1940 richtete die Gestapo ein Gef\u00e4ngnis in der Kleinen Festung f\u00fcr politische Gefangene ein. Im Oktober 1941 wurde in Prag von Eichmann, Heydrich und anderen f\u00fchrenden Nazis im Rahmen der \u201eL\u00f6sung der Judenfrage\u201c die Einrichtung des Ghettos in Theresienstadt beschlossen. Zweifelsfrei sollte schon damals Theresienstadt nur als Durchgangslager dienen, das eigentliche Ziel war die Vernichtung aller Juden, nach dessen Erreichen sollte Theresienstadt \u201ein einer tadellosen Planung deutsch besiedelt werden\u201c.<\/p>\n<p><strong>Ich wandre durch Theresienstadt &#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Es ist nach Mitternacht, ich wandere durch die kleinen Stra\u00dfen des Ortes. Wenige Autos parken am Stra\u00dfenrand, es ist still, etwa 3.000 Menschen leben hier, Zivilisten, nach dem Ende des Warschauer Pakts 1989 sind die letzten Soldaten aus der Stadt abgezogen. Bevor die Nazis die Stadt \u00fcbernahmen lebten hier auf knapp 70 Hektar 7.000 Menschen \u2013 als die Deportationen im November 1941 begonnen, wurden es immer mehr. Letztlich musste die tschechische Zivilbev\u00f6lkerung bis zum 30.6.1942 Theresienstadt verlassen, keine drei Monate sp\u00e4ter dr\u00e4ngten sich auf engsten Raume \u00fcber 58.000 H\u00e4ftlinge. In den Kasernen, Wohnh\u00e4usern, Dachb\u00f6den, Kellern. Der gesamte Ort wurde zum Ghetto, nachdem die ersten Deportierten noch in den Kasernen hausten und diese au\u00dfer zu Arbeitszwecken nicht verlassen durften.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst wurden Juden aus dem Protektorat B\u00f6hmen und M\u00e4hren nach Theresienstadt deportiert, es begann mit den beiden Aufbaukommandos im November und Dezember 1941. Darunter war auch der Kern der j\u00fcdischen Selbstverwaltung, auch der erste Juden\u00e4lteste, Jakob Edelstein. Knapp 1.350 Mann mussten die grundlegenden Strukturen f\u00fcr die folgenden ankommenden Transporte legen. Bis Juni 1942 wurden ausschlie\u00dflich tschechische Juden nach Theresienstadt deportiert, ab Juni 1942 auch Deutsche, \u00d6sterreicher, Niederl\u00e4nder, D\u00e4nen, Slowaken und Ungarn. Knapp 90.000 von den \u00fcber 140.000 Ankommenden wurden in 63 abgehenden Transporten bis zum 28. Oktober 1944 in die Vernichtungslager geschickt, davon \u00fcberlebten die Torturen nur 3.500 Juden, Menschen. Im Ghetto selbst starben \u00fcber 33.000 Menschen. An Hunger, Krankheiten, Schw\u00e4che, an Hoffnungslosigkeit. Theresienstadt war kein Vernichtungslager, der Tod im Ghetto wurde von den Nazis billigend in Kauf genommen, er ersparte ihnen logistischen Aufwand.<\/p>\n<p>Ich wandre durch Theresienstadt, laufe an das Tor Richtung Bohusovice. Hier liegen Reste der Gleise, auf denen die Z\u00fcge mit den H\u00e4ftlingen ab Juni 1943 direkt ins Ghetto einrollten. Zuvor mussten die Ungl\u00fccklichen die 2,5 Kilometer vom Bahnhof in Bohusovice ins Ghetto laufen. 50 Kilogramm Gep\u00e4ck durften sie mitnehmen, vieles wurde schon bei der Registrierung in den Heimatorten gestohlen. Wer jetzt noch Sch\u00e4tze besa\u00df, dem wurden sie meist bei der Ankunft gestohlen, die Registrierung im Ghetto wurde \u201eschleusen\u201c genannt, ein vor Ort gebr\u00e4uchlicher Ausdruck f\u00fcr stehlen. Vor allem f\u00fcr die deutschen Juden offenbarte sich nun ein gigantischer Betrug. Ihnen wurde die Illusion mitgegeben, bei Theresienstadt handele es sich um einen Alterssitz f\u00fcr verdiente, \u00e4ltere Juden, eine Art Kurort. Erzwungene Heimeinkaufsvertr\u00e4ge beraubten die alten Menschen ihres Verm\u00f6gens, bestimmt waren sie aber f\u00fcr ihre Vernichtung. Davon wussten sie nichts. Wie gro\u00df das Entsetzen, als sie erstmals die Verh\u00e4ltnisse vor Ort erkannten. Viele hatten f\u00fcr die wirklichen Verh\u00e4ltnisse v\u00f6llig unpassendes Gep\u00e4ck dabei, einquartiert wurden die Neuank\u00f6mmlinge in den schlechtesten Unterk\u00fcnften, schlafen mussten sie auf dem nackten Beton. Wer l\u00e4nger hier blieb, suchte sich bessere Optionen. Vielleicht eine Pritsche, die in den Unterk\u00fcnften dreist\u00f6ckig dicht an dicht standen. Diese Pritschen blieben der einzige private Raum im Ghetto, kaum 2qm Leben, bevor es ins Gas ging, von dem sie nichts wussten.<\/p>\n<p>Ich wandre durch Theresienstadt, zur\u00fcck in die Unterkunft. Ins Parkhotel. Ins einstige SS-Kameradschaftsheim. F\u00fcr Juden war dieser Ort damals nicht zug\u00e4nglich. Heute ist es eine der ganz wenigen M\u00f6glichkeiten, f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Gruppe im Ort zu \u00fcbernachten. Die Geister der gequ\u00e4lten wispern. Bei meinen anderen Besuchen im Ghetto \u00fcbernachtete ich in Litomerice bzw. in Lovosice einige Kilometer entfernt. Es ist die erste Nacht f\u00fcr mich in einem ehemaligen Ghetto. Ich habe ein ger\u00e4umiges Zimmer, ein Bett mit Decke und Kopfkissen, ein Badezimmer mit Dusche, ein offenes Fenster, einen Schreibtisch und bin satt. Welch unfassbares Privileg.<\/p>\n<p><strong>11. Oktober 2019<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich die Reisegruppe um Matze Thoma in Frankfurt am Eintracht Museum trifft, um gegen 12 Uhr mit dem Reisebus zu starten, fr\u00fchst\u00fccken wir und bereiten die Dinge vor Ort vor, wir richten den Gruppenraum her und strukturieren die Abl\u00e4ufe. Sp\u00e4ter fahren Nadine und Julian nach Prag, holen Basti ab, der aus Wien mit dem Flugzeug kommt.<\/p>\n<p><strong>Kastanien<\/strong><\/p>\n<p>Ich wandre durch Theresienstadt, es ist ein sonniger Herbsttag, langsam verlieren die B\u00e4ume ihre Bl\u00e4tter, Kastanien liegen auf dem Boden. Auf der Stra\u00dfe, die von Litomerice kommend nach Prag durch den Ort f\u00fchrt, donnert LKW um LKW entlang. Der Neuank\u00f6mmling wundert sich bei Licht, wie und wo hier das Ghetto war. Zun\u00e4chst fallen nur wenige Spuren auf, ein Hinweisschild auf das Ghettomuseum etwa. Tafeln an einzelnen Kasernen weisen darauf hin, man muss diese entdecken. Spurensuche. Unter dieses Motto haben wir auch die Veranstaltungsreihe gestellt, die nun in der Reise m\u00fcndete. Wir haben mit Sonny gesprochen, der in gro\u00dfer Runde erz\u00e4hlte, wir sind durch Frankfurt auf der Suche nach j\u00fcdischen Spuren marschiert, wir haben den Film Liga Terezin gesehen, einen Film, der sich um die Tatsache dreht, dass im Ghetto Fu\u00dfball gespielt wurde, sogar in einer eigenen Liga. Wir haben uns mit Literatur besch\u00e4ftigt, mit dem Buch \u201eLindenstra\u00dfe\u201c von Peter Dippold, der die fiktive Biographie eines jungen Eintrachtlers w\u00e4hrend der NS-Zeit nieder geschrieben hat und mit Frantisek Steiners Buch \u201eFu\u00dfball unterm gelben Stern\u201c, welches Dr. Stephan Zwicker ins deutsche \u00fcbersetzt hat und eben Fu\u00dfball im Ghetto beleuchtet. Wir waren an der Gro\u00dfmarkthalle, der jetzigen EZB, dem Ort, an dem die Frankfurter Deportationen los gingen. Auch Sonny wurde von hier nach Theresienstadt deportiert, mit ihm seine Mutter. Beide \u00fcberlebten das Ghetto, die Folgen muss Sonny heute noch tragen. Physisch. Psychisch.<\/p>\n<p>Ich laufe an die Dresdner Kaserne. Das Dach ist durch einen Tornado besch\u00e4digt, das Geb\u00e4ude wirkt zerfallen. Ein Betreten des Hofes ist aus Sicherheitsgr\u00fcnden nicht m\u00f6glich. Hier fanden die Fu\u00dfballspiele statt, hier wurden Filmaufnahmen gemacht, die heute noch existieren. Die Nationalsozialisten hatten im Ghetto auch knapp 500 d\u00e4nische Juden gefangen. Die D\u00e4nische Regierung jedoch sorgte sich um deren Verbleib, so k\u00fcndigte sich der Besuch einer Delegation des Roten Kreuzes an. Infolge dessen wurde das Ghetto ab 1944 versch\u00f6nert. Die Delegation sollte die Fassade eines Ortes vorfinden, der ihr statt dem Bild der Wirklichkeit eine illusion\u00e4res vorgaukelt. Fassaden der H\u00e4user wurden gestrichen, das Kaffeehaus in Szene gesetzt, Geld produziert, sogar einige dreist\u00f6ckige Betten wurden abges\u00e4gt, dass die qualvolle Enge der R\u00e4ume nicht durch einen zuf\u00e4lligen Fensterblick ans Licht der \u00d6ffentlichkeit dringt. Dazu geh\u00f6rt auch, dass Tausende H\u00e4ftlinge in den Osten deportiert wurden, ihr ausgemergeltes \u00c4u\u00dferes passte nicht in das von den Nazis gew\u00fcnschte Bild.<\/p>\n<p>Die Delegation wurde im Juni 1944 durch das Ghetto gef\u00fchrt. Kinder mussten vor dem letzten Lagerkommandanten, Karl Rahm, einen Text aufsagen, in dem sie sich dar\u00fcber beschwerten, dass es schon wieder Sardinen gab. In Wirklichkeit gab es im Lager nie Sardinen. Es gab Brot und Graupen und Kartoffelschalen und immer viel zu wenig. Der Besuch des Roten Kreuzes best\u00e4tigte anschlie\u00dfend die Illusion. Wobei dieser Besuch noch heute in einem irritierendem Licht steht, der Leiter der Delegation \u00e4u\u00dferte sich 1979 in einem Interview mit Claude Lanzmann nahezu antisemitisch, die deutschen Vertreter d\u00fcrften diesem Verdacht gleichfalls nahestehen und die beiden D\u00e4nen wirkten an dem Bericht nicht mit. Von daher kam auch in einer Gespr\u00e4chsrunde die Frage auf, was denn selbst ein kritischer Bericht h\u00e4tte bewirken sollen. Die Existenz von Auschwitz war zu diesem Zeitpunkt in Teilen der relevanten Welt\u00f6ffentlichkeit bekannt, wer h\u00e4tte wie eingreifen sollen? Letztlich aber konnten noch vor der Befreiung des Ghettos die d\u00e4nischen Juden \u00fcber Schweden ausreisen. Inwiefern dies mit der Delegation zusammen h\u00e4ngt, konnten wir nicht abschlie\u00dfend kl\u00e4ren. Wobei im April 1945 noch eine weitere d\u00e4nische Delegation des Roten Kreuzes das Ghetto besuchte.<\/p>\n<p>Die versch\u00f6nerte Stadt hingegen diente wenige Wochen sp\u00e4ter als Drehort f\u00fcr einen von den Nazis geplanten Propagandafilm mit dem heutzutage bekannten Titel: \u201eDer F\u00fchrer schenkt den Juden eine Stadt \u2013 Bericht aus einem j\u00fcdischen Siedlungsgebiet\u201c. Regie musste Kurt Gerron f\u00fchren, ein bekannter Regisseur, der im Lager ebenso eingesperrt war, wie etliche K\u00f6pfe der j\u00fcdischen Kulturelite. Die Darsteller aber waren ausschlie\u00dflich j\u00fcdische H\u00e4ftlinge, die extra f\u00fcr die Aufnahmen besser ern\u00e4hrt wurden, um wohlgen\u00e4hrte adrette Menschen im Bild zu zeigen. Die erhaltenen Aufnahmen zeigen Menschen beim G\u00e4rtnern, beim fr\u00f6hlichen Arbeiten, nach Feierabend, bei Kulturveranstaltungen, beim Fu\u00dfball oder im privaten Raum. Dies alles gab es im Ghetto. Aber unter g\u00e4nzlich anderen Bedingungen. In Wirklichkeit waren die Menschen abgezehrter, krank, verzweifelt, traurig, irrsinnig, es war eng und stickig, es war zu kalt und zu hei\u00df, Ungeziefer plagte die Elendsgestalten, Leichen wurden durch die Gassen transportiert, verfaulte Essensreste aus Eimern gekratzt. Film ist immer illusion\u00e4r, hier war er die Illusion der Illusion. Eine gigantische und zynische L\u00fcge, mit der Konsequenz, dass nahezu alle der j\u00fcdischen Beteiligten kurz nach den Aufnahmen nach Auschwitz deportiert und vergast wurden. Die Nazis wussten dies schon vor Beginn der Dreharbeiten, die Juden nicht.<\/p>\n<p>Ich wandre durch Theresienstadt. Vorbei an der Aussiger Kaserne, eingelassen in den Festungswall. Von dort f\u00fchrt eine Treppe auf die begr\u00fcnten W\u00e4lle, von hier siehst du die W\u00e4lder Nordb\u00f6hmens besonders gut. Zu Beginn des Jahres 1942 wurden an diesem Ort im Januar und Februar 16 H\u00e4ftlinge wegen nichtiger Vergehen zur Abschreckung geh\u00e4ngt. Vielleicht war der Blick \u00fcber die H\u00fcgel ihr letzter.<\/p>\n<p>Weiter unten im Park sammelt eine Mutter mit ihrem M\u00e4dchen Kastanien. Eine Tasche steht bereit, die sch\u00f6nsten wandern hinein. Selbstvergessen im Augenblick suchen die Augen der Kleinen die besten St\u00fccke, vielleicht basteln sie zuhause in der warmen Stube kleine M\u00e4nnchen, sie wei\u00df vermutlich nichts von der Vorgeschichte des Ortes, von den sich im Tod aufl\u00f6senden Tr\u00e4umen der 10 \u2013 15.000 Kinder, die zwischen 1942 und 1945 hier leben mussten. \u00dcberleben mussten, um doch get\u00f6tet zu werden. Gerade die erhaltenen Zeichnungen und Gedichte der Kinder geben ein trauriges Zeugnis der im Zwiespalt zwischen dem Erinnern ihrer friedlichen Vergangenheit, der Erfahrung der bedr\u00fcckenden Gegenwart und dem sehns\u00fcchtigen Traum von der Freiheit, dem Wunsch nach Hause zur\u00fcck zu kehren, gefangenen Kinder. Ihre Tr\u00e4ume endeten in Auschwitz, die Sehnsucht im Gas. Die Anzahl der \u00fcberlebenden Kinder ist verschwindend gering, Sonny war eines von ihnen, er hatte Gl\u00fcck \u2013 auch weil bei seiner Ankunft im Ghetto im Februar 1945 Auschwitz schon befreit war.<\/p>\n<p>In einer der wenigen Wirtschaften im Ort esse ich zu Abend. Das Essen ist nicht besonders gut, aber im Gegensatz zu dem, was die H\u00e4ftlinge hier bekamen ein nicht zu begreifender Luxus. \u00dcber dem Ort lastet etwas schwer, viele Menschen wirken bedr\u00fcckt, das Lachen ist hier nicht zu Hause, wom\u00f6glich hinter verschlossenen T\u00fcren. Vielleicht ist es der Geist des Ortes, vielleicht sind es die Fremden, die wie wir hierher kommen und wieder einmal R\u00e4ume in Beschlag nehmen, die uns eigentlich nicht geh\u00f6ren und Menschen an etwas erinnern, an das sie vielleicht nicht erinnert werden wollen, weil sie mit damals nichts zu schaffen hatten und einfach hier wohnen. Vielleicht ist es Armut. Ich wei\u00df es nicht, aber es wirkt.<\/p>\n<p>Gegen 21 Uhr kommt der Bus aus Frankfurt an, Rollkoffer werden ausgeladen, Zimmerschl\u00fcssel verteilt. Niemandes Gep\u00e4ck wird durchsucht, die R\u00e4ume sind komfortabel, das Abendessen steht bereit, reichhaltig, f\u00fcr jeden und jede ist etwas dabei. Anschlie\u00dfend stellen wir das Programm der n\u00e4chsten Tage vor und wandern vor dem ersten Bier im dunklen Abend zum Geldautomaten an der einstigen SS-Kommandantur. Sonny ist erstmals nach 74 Jahren wieder auf den Stra\u00dfen Theresienstadts unterwegs. \u201eHier war ich,\u201c sagt er. \u201eOder hier?\u201c Er dreht sich in alle Richtungen. \u201eIch bin verwirrt\u201c sagt er. Ja.<\/p>\n<p><strong>12. Oktober 2019<\/strong><\/p>\n<p>Nach einem reichhaltigen Fr\u00fchst\u00fcck und der Kl\u00e4rung einer organisatorischen Dinge, treffen wir uns im Gruppenraum. Viele Eintrachtler kennen sich seit Jahren, hier ist Uli Matheja, der das grundlegende Buch \u00fcber die Eintracht, \u201eSchlappekicker und Himmelsst\u00fcrmer\u201c, ver\u00f6ffentlicht hat, dort sitzt Helga, die sich schon lange mit der Geschichte des Faschismus und dem Widerstand besch\u00e4ftigt, Gabi, Basti und Norman vom Fanprojekt sind mit dabei und mit Stefan Minden auch der Vizepr\u00e4sident des Vereins. Andere sind \u00fcber das Projekt zu uns gesto\u00dfen, haben die Veranstaltungen des vergangen Jahres besucht. Ein jeder, eine jede mit einer anderer Geschichte, einem individuellem Zugang. Und \u00fcber allem kreist der Adler der Frankfurter Eintracht.<\/p>\n<p><strong>Vortr\u00e4ge<\/strong><\/p>\n<p>Wir beginnen vor Ort mit einem Vortrag von Martin Liepach vom Fritz Bauer Institut, der uns dankenswerter Weise als p\u00e4dagogischer Leiter zur Verf\u00fcgung steht und schon mehrfach mit jungen Leuten hier vor Ort gewesen ist. Er f\u00fchrt die Gruppe in die grundlegende Geschichte des Nationalsozialismus ein, von der Gr\u00fcndung der NSDAP \u00fcber die Macht\u00fcbernahme im Januar 1933, schildert die Rolle des Reichtagsbrandes, in dessen Folge die Strukturen f\u00fcr eine umfassende Machtf\u00fclle gelegt wurden \u00fcber die N\u00fcrnberger Gesetze, welche diese Macht legitimieren sollte, wie alles von den Nazis gesetzlich verankert wurde. Auch die Ausgrenzung, die Beraubung und die Vernichtung der Juden. Er spricht von den ersten Konzentrationslagern wie in Dachau bereits im M\u00e4rz 1933, vorwiegend f\u00fcr politische Gefangene, von der schleichenden Ausgrenzung der Juden. Final wurde die Ausl\u00f6schung des Judentums, der Juden, auf der Wannsee-Konferenz 1942 in Potsdam organisiert, beschlossene Sache aber war die Ausrottung schon zuvor.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend darf ich einen Vortrag \u00fcber das Ghetto selbst halten, \u00fcber die Geschichte und das Wesen eines Lagers, welches in unglaublich perfider und zynischer Weise ein sehr eigener Teil der Shoa war. So gen\u00fcgten keine 30 SS-Leute, um das Ghetto final zu \u00fcberwachen und f\u00fcr die NS zu strukturieren. Durch die Besonderheit der j\u00fcdischen Selbstverwaltung oblag der Zwangsgemeinschaft ihre eigene Vernichtung in den eignen H\u00e4nden. So teilte der jeweilige SS-Lagerkommandant dem Juden\u00e4ltesten stets die Anzahl der abgehenden Transporte sowie die Anzahl der zu deportierenden mit. Bis auf wenige Ausnahmen, in denen die SS bestimmte, wer zu fahren hatte, musste der Juden\u00e4lteste mit dem \u00c4ltestenrat die Transportlisten selbst zusammen stellen. 1000. 2000. 5000 Menschen. Ihr Schicksal lag nun zwangsweise in den H\u00e4nden derer, die als inhaftierte Opfer der Verfolgung nun \u00fcber ihre Leidensgenossen zu entscheiden hatten. Wurde einer vom Transport befreit, r\u00fcckte ein anderer nach. Die Zahlen mussten stimmen. Welch tragische Schuldverstrickung, welch Ausweglosigkeit \u2013 welch Zynismus.<br \/>\n\u00dcber die Rolle der Juden\u00e4ltesten ist viel debattiert worden, \u00fcber Zwangslage und Schuld. Der erste Juden\u00e4lteste, Jakob Edelstein, wurde im November 1943 auf Grund vermeintlicher Unstimmigkeiten \u00fcber die Anzahl der H\u00e4ftlinge verhaftet, nach Auschwitz deportiert und im Juni 1944 erschossen, nachdem er den Mord an seiner Frau mit ansehen musste. Ihm folgte Paul Eppstein, auch er wurde verhaftet, nachdem er vorgeblich einen Weg betreten hatte, der f\u00fcr ihn nicht vorgesehen war. Sein Leben endete im September 1944, als er in der Kleinen Festung erschossen wurde. Der letzte Juden\u00e4lteste wurde Benjamin Murmelstein, er erlebte die Befreiung, wurde angeklagt und fand anschlie\u00dfend in Rom ein weiteres Exil, ausgesto\u00dfen von der j\u00fcdischen Gemeinde.<\/p>\n<p>Nach den Vortr\u00e4gen und kurzer Diskussion erkundete die Gruppe erstmals den Ort. Aufgeteilt in vier kleinere Gruppen bestand die Aufgabe darin, anhand eines Planes sich zu orientieren, vier Orte aufzusuchen und Texte dazu zu studieren. Die ausgew\u00e4hlten Orte waren die Dresdner Kaserne, das Kinderheim L 417, der Sitz des heutigen Ghettomuseums, die SS-Kommandantur sowie ein Prominentenhaus. Der Prominentenstatus spielte im Ghetto eine gewichtige Rolle. Die NS definierte den Prominentenstaus A. Kriegsteilnehmer und besondere Pers\u00f6nlichkeiten z\u00e4hlten dazu. Sie erhielten bessere Verpflegung, g\u00fcnstigere Lebensbedingungen und waren zun\u00e4chst vor Transporten gesch\u00fctzt. Nicht zuletzt um bei kritischen Nachfragen, die vermeintliche Bestimmung des Ghettos als Altersruhesitz nachzuweisen. Der Prominentenstatus B wurde vom \u00c4ltestenrat selbst vergeben. Dieser sch\u00fctzte nicht vor den Transporten, bot aber bessere Lebensbedingungen. Nat\u00fcrlich k\u00e4mpften die H\u00e4ftling um die Anerkennung eines solchen Status, Neid und Missgunst erwuchsen zur diebischen Freude der Nazis. Faktisch bewacht wurde das Ghetto durch tschechischeGendamerie, die regelm\u00e4\u00dfig ausgetauscht wurde, um allzu gro\u00dfe N\u00e4he zu den H\u00e4ftlingen zu vermeiden.<\/p>\n<p><strong>F\u00fchrung durch die Gro\u00dfe Festung<\/strong><\/p>\n<p>Nachmittags steht die F\u00fchrung durch die Gro\u00dfe Festung an. Unser Guide Pavel nimmt die Gruppe an die Hand, erz\u00e4hlt Geschichten aus dem Ghetto, f\u00fchrt uns zum gro\u00dfen Marktplatz, der f\u00fcr die Juden nicht zu betreten war, wie auch der Bereich des Kameradschaftsheims f\u00fcr Juden gesperrt blieb. B\u00fcrgersteige im Ort waren den wenigen Nazis vorbehalten, die H\u00e4ftlinge selbst mussten auf der Stra\u00dfe laufen und die Nazis ehrerbietig gr\u00fc\u00dfen. Leichenwagen bestimmten das Stra\u00dfenbild, in h\u00f6lzernen S\u00e4rgen, die von den H\u00e4ftlingen selbst produziert wurden, wurden die Erl\u00f6sten zur Leichenkammer gefahren, Hunderte zuweilen an einem einzigen Tag. In der ersten Zeit wurden die Verstorbenen einzeln beerdigt, sp\u00e4ter dann in Massengr\u00e4bern, bis ihre Verwesung das Grundwasser gef\u00e4hrdete. Im September 1942 von den H\u00e4ftlingen fertig gestellten Krematorium wurden die Verstorbenen dann verbrannt, die Asche im Kolumbarium aufbewahrt, bis der drohende Zusammenbruch der NS-Diktatur die SS veranlasste, alle Spuren ihres verbrecherischen Daseins zu beseitigen. In einer Nacht- und Nebelaktion mussten die H\u00e4ftlinge die Urnen selbst an die Eger bringen und die Asche einige hundert Meter au\u00dferhalb des Ghettos in den Fluss sch\u00fctten. Vater, Mutter, Kinder, Freunde, Leidensgenossen wurden von den noch Lebenden zwangsweise einer weiteren Dem\u00fctigung preisgegeben, noch nicht einmal ein Ort der Erinnerung sollte bleiben. Gedem\u00fctigt die Lebenden, gedem\u00fctigt noch die Toten.<\/p>\n<p>In einem unscheinbaren Haus auf dem Weg zu den Gleisen befand sich die B\u00e4ckerei f\u00fcr die NS. Wer hier arbeitete, war privilegiert, wohnte ein paar Schritte weiter oben etwas ger\u00e4umiger als die meisten anderen. Die B\u00e4cker nutzen ihr Privileg und richteten in den R\u00e4umlichkeiten eine Synagoge ein, zun\u00e4chst illegal, sp\u00e4ter von der NS geduldet. Zeichnungen und Motive an den W\u00e4nden legen noch heute ein Zeugnis ab, von der Zeit, in der die H\u00e4ftlinge hier dicht an dicht standen und sich Mut und Trost und Hoffnung zusprachen.<\/p>\n<p>Eine zentrale Rolle der Erinnerung spielt heute die Magdeburger Kaserne. Sie beherbergt eine gro\u00dfe Ausstellung \u00fcber Kultur im Ghetto, Kultur gegen den Tod. Hier hatten damals der \u00c4ltestenrat und Juden\u00e4ltesten B\u00fcros und Stuben, hier fanden wie an anderen Orten auch Kulturveranstaltungen statt, hier zeichneten die Maler Plakate und illustrierten die Tagesbefehle.<\/p>\n<p>Die F\u00fchrung f\u00fchrte am Kolumbarium vorbei. Dort werden heute einige Urnen in einem Gedenkraum aufbewahrt, Gedenktafeln an den W\u00e4nden k\u00fcnden von der Trauer der Hinterbliebenen. Auch wir von der Frankfurter Eintracht haben eine Tafel im Gep\u00e4ck. Am Montag werden wir sie vor Ort anbringen \u2013 und kollektiv der Opfer des Nationalsozialismus gedenken.<\/p>\n<p>Abends sitzen wir zusammen, reden, diskutieren. Sonny berichtet aus seiner Zeit im Ghetto, schildert seine Lebensgeschichte, zuweilen kullern die Tr\u00e4nen, zuweilen lacht er, erinnert sich beim Reden an die Zeit vor der Deportation, als er, der im Dom Frankfurts christlich getauft wurde Messdiener im Dom war und urpl\u00f6tzlich als Jude definiert wurde, womit er nichts anzufangen wusste. Die Mutter war J\u00fcdin, der Vater unbekannt. Sein Stiefvater, Vater seiner Schwester, versuchte ihn vor der Deportation zu sch\u00fctzen, eine Adoption scheiterte am Geld. Und so durchlitt der kleine Helmut alle Stationen der Ausgrenzung, wurde von seinen Eltern getrennt in verschiedene j\u00fcdische Heime gesteckt, verstand den Hebr\u00e4ischunterricht nicht und verbrachte nach Aufl\u00f6sung der Heime seine Zeit in der elterlichen Wohnung. Vorsichtig verlie\u00df er Samstags die Wohnung, den aufgen\u00e4hten Davidsstern unter dem Mantelkragen versteckt, um ins Kino zu gehen. Diese Besuche, nahezu unter Lebensgefahr, brachten die einzige Abwechslung in das Dasein eines Jungen, der sogar auf die Schule verzichten musste. Und als w\u00e4re dies alles noch nicht genug, ereilten ihn und seine Mutter der Aufruf zum Transport XII\/10 am 14. Februar 1945. Nach einer mehrt\u00e4gigen Irrfahrt erreichten sie Theresienstadt am 18. Februar.<\/p>\n<p>Heute finden sich die Namen von ihm und seiner Mutter im gro\u00dfen Buch derer, die Theresienstadt durchlitten haben. \u201eSeht her, hier steht es, es war wirklich wahr\u201c, sagt er und wird w\u00fctend als es darum geht, dass es auch heute noch Menschen gibt, die den Holocaust leugnen. Mit der Befreiung des Ghettos durch die Rote Armee am 8. Mai 1945 endete seine Leidenszeit im Ghetto zun\u00e4chst noch nicht. Durch die Ankunft der Todesm\u00e4rsche der befreiten Konzentrationslagern im Osten drohte eine neue Gefahr. Geschunden, am Ende ihrer Kr\u00e4fte und todkrank kamen Tausende aus den Vernichtungslagern, eine Typhusepidemie drohte dem Lager, und so kamen Sonny und seine Mutter in Quarant\u00e4ne, bis sie nach einer mehrt\u00e4gigen Odyssee im Juli 1945 zur\u00fcck im zerbombten Frankfurt landeten. Der nunmehr 14j\u00e4hrige wog 48 Pfund. An den Folgen der Deportationen hat er bis heute zu leiden. F\u00fcr ihn aber habe sich nun ein Kreis geschlossen sagt er. Trotz gro\u00dfer Zweifel hat er die Fahrt angetreten, sich mit seiner Vergangenheit konfrontiert und m\u00f6glicherweise die Geschichte zwar nicht beendet, aber wom\u00f6glich befriedet.<\/p>\n<p><strong>13. Oktober 2019<\/strong><\/p>\n<p>Unser Weg f\u00fchrt uns heute in die Kleine Festung, vor allem zu Zeiten des real existierenden Sozialismus der einzige Ort der Erinnerung, derweil das j\u00fcdische Ghetto erst nach Ende der Sowjetunion und dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes in den Focus der Erinnerungskultur r\u00fcckte. Dies lag nicht zuletzt daran, dass die Kleine Festung \u00fcberwiegend als Gef\u00e4ngnis f\u00fcr politische Gegner der NS und Widerstandsk\u00e4mpfer diente, ergo auch f\u00fcr kommunistische Antifaschisten, deren Gefangenschaft im Osten vorwiegend zum Thema der Geschichtsbetrachtung gemacht und zuweilen auch \u00fcberh\u00f6ht wurde. J\u00fcdische H\u00e4ftlinge kamen schon bei kleineren Vergehen von der Gro\u00dfen in die Kleine Festung, f\u00fcr sie bedeutete dies eine weitere Ebene der H\u00f6lle, die noch h\u00f6llischer war als die H\u00f6lle der politischen Gefangenen.<\/p>\n<p><strong>Die Kleine Festung<\/strong><\/p>\n<p>Blau leuchtet der Himmel, gr\u00fcn das Gras w\u00e4hrend die Eger gem\u00e4chlich im Licht der Herbstb\u00e4ume zur Elbe hin m\u00e4andert. Auf dem Parkplatz vor dem Friedhof parken einige Autos, Imbissbuden haben ge\u00f6ffnet. Wir erkennen ein gro\u00dfes Kreuz, dahinter den Davidsstern vor den Mauern der Festungsanlage. Am Eingang erwartet uns wieder Pavel, der uns schon gestern durch die Gro\u00dfe Festung f\u00fchrte und uns auch heute sachkundig begleitet. Und jetzt f\u00e4llt mir auf, dass er auch schon 2016 mein Guide war und mich durch die Festung begleitete.<\/p>\n<p>27.000 M\u00e4nner und 5.000 Frauen wurden von der Gestapo zwischen 1940 und 1945 in die Kleine Festung \u00fcberf\u00fchrt. Sie wurden registriert und auf engstem Raum gehalten, auch hier waren die hygienischen Bedingungen unertr\u00e4glich. In der Gemeinschaftszelle gab es f\u00fcr 60-100 Mann eine Toilette ohne Wasser, auch das Waschbecken wurde montiert, ohne es an die Leitung anzuschlie\u00dfen. Tags\u00fcber zu Arbeitseins\u00e4tzen beordert, mit w\u00e4ssrigen Gem\u00fcsesuppen und Kaffeeersatz mehr am Sterben als am Leben gehalten vegetierten M\u00e4nner und Frauen getrennt. Am schlimmsten hatte es auch hier die j\u00fcdischen H\u00e4ftlinge erwischt. 70 von ihnen waren in einem 20qm Raum eingeschlossen, Dunkelheit umgab sie, das Essen war noch schlechter, noch weniger, die Luft unertr\u00e4glich. Um eine winzige Luftzirkulation zu erm\u00f6glichen, mussten sie laufen, wer einschlief wurde mitgeschleift, dies alles nach einem kr\u00e4ftezehrenden Arbeitseinsatz. Und wenn sich die T\u00fcre zur Befreiung \u00f6ffnete, erwartete sie Auschwitz.<\/p>\n<p>Lagerkommandant war Heinrich J\u00f6ckel. Sie nannten ihn Pinda, Knirps. Nach der Befreiung musste er acht Monate alleine in dieser Zelle verbringen, anschlie\u00dfend wurde er hingerichtet, in der Kleinen Festung gehenkt. Manchmal ger\u00e4t auch die Ablehnung der Todesstrafe an Grenzen. Sichtbar erleichtert die Gruppe, als wir den Raum ohne Heizung, ohne Wasser verlassen.<\/p>\n<p>Vor allem in der Kleinen Festung waren die H\u00e4ftlinge der Willk\u00fcr der Leitung und deren Schergen, ihrem Sadismus, gnadenlos ausgesetzt, hier gab es keine Selbstverwaltung, keinen Freiraum. Und dennoch wurde sogar auch hier komponiert, kleine Gegenst\u00e4nde produziert und immerhin drei H\u00e4ftlingen gelang Ende 1944 sogar die Flucht, als sie ein Trinkgelage der W\u00e4rter und eine nicht verschlossene T\u00fcr ausnutzen konnten. Andere belegte Fluchtversuche endeten tragisch und wurden mit Folter und Tod bestraft.<\/p>\n<p>Wir lauschen Pavel, durchwandern einen langen unterirdischen Gang, an dessen Ende wir den Hinrichtungsort erblicken. Ein Galgen, neuerer Zeit dort montiert, erinnert an die dortigen Opfer. Nebenan wurde Paul Eppstein erschossen. Die SS wohnte im Herrenhaus, badete im Pool gegen\u00fcber und erniedrigte die H\u00e4ftlinge Tag f\u00fcr Tag. Den Tag der Befreiung erlebten von 32.000 H\u00e4ftlingen letztlich keine 5.000. Alle anderen wurden ermordet, starben an Auszehrung und Krankheit oder wurden nach Auschwitz deportiert.<\/p>\n<p>Auch in der Kleinen Festung gibt es heute ein Museum und ein Kino. Wir sehen den Film \u201eDie geschenkte Stadt\u201c von 1965. Er enth\u00e4lt Szenen aus dem Propagandafilm, konterkariert mit den Zeichnungen der Theresienst\u00e4dter Maler, die das Ghetto \u00fcberlebten und heute die einzig sichtbaren Bilder einer Wirklichkeit sind, die grausamer nicht sein konnte. In unbeobachteten Momenten nutzten sie die Gelegenheit und fertigten neben Auftragszeichnungen Bilder an, die den Zustand des Ghettos beschreiben, die unw\u00fcrdigen Verh\u00e4ltnisse dokumentieren. Die meisten von ihnen bezahlten ihren Mut mit dem Leben. Und w\u00e4hrend wir die Filmbilder sehen, dokumentiert eine Stimme die abgehenden Transporte, die Anzahl der Transportierten und die Anzahl der \u00dcberlebenden. Eine furchtbare Diskrepanz.<\/p>\n<p><strong>Die Museen<\/strong><\/p>\n<p>Nachmittags steht der Besuch der beiden Museen in der Gro\u00dfen Festung an. Wir besuchen zuerst die Dauerausstellung in der Magdeburger Kaserne. Auf dem Weg dorthin erkennen wir noch hie und da die alten Stra\u00dfenbezeichnungen. L steht f\u00fcr L\u00e4ngsstra\u00dfen, Q f\u00fcr Querstra\u00dfen. Die folgende Nummer bezeichnet das jeweilige Geb\u00e4ude. Im Rahmen der Versch\u00f6nerungsaktion erhielten die Stra\u00dfen deutsche Namen. Seestra\u00dfe oder Bahnhofsstra\u00dfe \u2013 obgleich es weder einen See, noch einen Bahnhof gab. Manche H\u00e4user sind mit Blumenk\u00e4sten geschm\u00fcckt, Kinder laufen umher. Von Zeit zu Zeit knattert ein Motorrad durch den Ort. Menschen warten auf den Bus.<\/p>\n<p>Die Magdeburger Kaserne ist heute renoviert, empf\u00e4ngt die Besucher in mildem Gelb. Im Erdgeschoss wartet ein Souvenirshop auf Kundschaft, bietet B\u00fccher und Devotionalien an, das erste Stockwerk beherbergt die Dauerausstellung \u00fcber die Kulturschaffenden. Zu Beginn illegal, sp\u00e4ter von der SS geduldet und zuweilen sogar goutiert, entwickelte sich im Rahmen der offiziellen Freizeitgestaltung neben der verpflichtenden Arbeit ein reiches Kulturleben. Vortr\u00e4ge, Theaterst\u00fccke, Dichterlesungen, musikalische Darbietungen erleichterten den H\u00e4ftlingen den Aufenthalt im Ghetto. Illegal blieben selbstverst\u00e4ndlich weiterhin Gedichte oder Zeichnungen, die den Alltag im Ghetto thematisierten.<\/p>\n<p>Bevor wir die Ausstellung betreten, kommen wir an einem Nachbau einer Unterkunft vorbei und erahnen, wie die Ungl\u00fcckseligen hier auf engstem Raum hausen mussten. Dicht an dich stehen die dreist\u00f6ckigen Betten, umgeben von den wenigen Habseligkeiten, die ihnen geblieben sind. Besonders beeindruckend ist die traurige Geschichte um die Theresienst\u00e4dter Maler Ferdinand Bloch, Bedrich Fritta, Leo Haas, Otto Ungar, dem Architekten Norbert Troller und dem Kunstsammler Leo Strass. Strass hatte einige Zeichnungen \u00fcber die Gendarmerie nach au\u00dfen schmuggeln k\u00f6nnen, diese Versuche blieben jedoch nicht unentdeckt. Zun\u00e4chst wurden Troller und Strass verhaftet, kurz darauf auch die \u00fcbrigen. Da jedoch Otto Zucker, Mitglied der Selbstverwaltung, von der bevorstehenden Verhaftung wusste und die Maler in Kenntnis setzte, konnten diese ihre vorhandenen Zeichnungen noch im Ghetto verstecken. Die K\u00fcnstler wurden zun\u00e4chst im Keller der Kommandantur verh\u00f6rt, sp\u00e4ter in die Kleine Festung gesteckt. Otto Ungar wurde die rechte Hand zerst\u00f6rt, so dass er nie wieder zeichnen h\u00e4tte k\u00f6nnen, Bloch in der Kleinen Festung erschlagen. Die anderen wurden nach Auschwitz deportiert, wo Fritta und Strass starben. Ungar \u00fcberlebte zwar Auschwitz, kam \u00fcber einen Todesmarsch nach Buchenwald und verstarb wenige Wochen nach seiner Befreiung. Troller und Haas \u00fcberlebten. Letzterem ist auch die Erhaltung der versteckten Bilder und Zeichnungen zu verdanken, da er einige Verstecke kannte. Einzig die versteckten Bilder von Ferdinand Bloch sind bis heute verschollen. Und so legen die erhaltenen Bilder Zeugnis ab, von einem Alltag des Leides, des Grausamen, der Bedr\u00fcckenden Realit\u00e4t. Ohne diese und andere Bilder w\u00fcrde wom\u00f6glich noch heute trotz aller Erz\u00e4hlungen der Propagandafilm die visuelle Darstellung Theresienstadts dominieren.<\/p>\n<p>Auch Literatur spielte im Ghetto eine gewichtige Rolle \u2013 und die Texte und Gedichte bilden auf ihre Weise das Leben und Sterben im Ghetto ab. Neben der Selbsterhaltung der K\u00fcnstler, dem unsch\u00e4tzbaren dokumentarischen Werte, lieferten Vortr\u00e4ge und Theaterst\u00fccke wie auch musikalische Vortr\u00e4ge und Auff\u00fchrungen Momente der Ablenkung, der Kontemplation und des Vergessens von einem Alltag, der aus Arbeit, Hunger, Krankheiten, permanentem Verlust von Familie und Freunden, Angst vor den abgehenden Transporten, Ungeziefer und Dreck und einer immer tiefer umgreifenden Desillusion bestand.<\/p>\n<p>Schwer atmend sitzen wir im Hof der Kaserne. In den R\u00e4umen weiter hinten l\u00e4uft der Propagandafilm, liegen Informationen zur Entstehung aus. Anschlie\u00dfend brechen wir noch einmal auf, um einen Blick in das eigentliche Ghetto Museum zu werfen. Die Beine werden m\u00fcde, der Kopf schwirrt. In gro\u00dfen Texttafeln wird die Geschichte des Ghettos erz\u00e4hlt, den Aufgang dominieren Kinderzeichnungen. Fr\u00fcher war hier das Kinderheim L 417 f\u00fcr tschechische Kinder. F\u00fcrsorgliche Erwachsene wie Fredy Hirsch oder Friedl Dicker-Brandeis k\u00fcmmerten sich r\u00fchrend um die J\u00fcngsten, die hier in kleinen Gruppen lebten. Unterricht fand zun\u00e4chst heimlich statt. Dennoch wurden hier sogar Zeitungen produziert, die bekannteste hei\u00dft Vedem \u2013 Wir f\u00fchren. Die Kinder zeichneten, f\u00fchrten Interviews,&nbsp; schrieben Gedichte und lasen sich gegenseitig aus ihren Arbeiten vor. Kaum eines der Kinder \u00fcberlebte die Shoah, so wurde auch Petr Ginz, einer der kl\u00fcgsten K\u00f6pfe und Redakteur von Vedem, in Auschwitz ermordet. Als die Columbia 2003 zu einem Weltraumausflug aufbrach, nahm der israelische Astronaut Ilan Ramon die Kopie einer Zeichnung von Petr mit ins All. Der Titel des Bildes: Mondlandschaft. Auf dem R\u00fcckflug explodierte die Columbia, die Astronauten starben und die Zeichnung verbrannte.<\/p>\n<p>Abends sitzen wir beisammen, es gibt viel zu reden. Die Gruppe versteht sich, w\u00e4chst in der Erkenntnis des Leidens zusammen. Zuweilen wird nat\u00fcrlich beim Bier auch gelacht, Anekdoten, Erlebnisse, Eindr\u00fccke ausgetauscht. Die Jungs, die uns bedienen, haben alle H\u00e4nde voll zu tun, wir sind erst die zweite gr\u00f6\u00dfere Gruppe, die in den neu renovierten R\u00e4umen n\u00e4chtigt und die Gedenkst\u00e4tte besucht, die doch keine Gedenkst\u00e4tte ist.<\/p>\n<p><strong>14. Oktober 2019<\/strong><\/p>\n<p>Heute ist der Tag, an dem wir die Gedenkplatte im Kolumbarium verlegen wollen. Zuvor h\u00e4lt Matze Thoma noch einen Vortrag \u00fcber Eintrachtler, die Theresienstadt durchleiden mussten. Friedrich Schaffranek, Hans Rosenbaum, Max Lehmann oder die kleine Ilse Stelzer. Und nat\u00fcrlich Sonny. Alle Eintrachtler, die wir in Theresienstadt ausfindig machen konnten, hatten zumindest diesen Ort \u00fcberlebt. Im Anschluss sehen wir uns noch einmal gemeinsam den Film \u201eLiga Terezin\u201c an, der mich einst bewogen hatte, hier her zu fahren. Oded Breda hatte in diesem Film seinen Onkel Pavel beim Fu\u00dfballspielen entdeckt und sich auf dessen Spuren gemacht. Auch Pavel Breda hat das Ghetto nicht \u00fcberlebt. In Erinnerung an seinen Onkel schie\u00dft Oded auf dem Hof der Dresdner Kaserne einen Ball in die Luft, der hart auf dem einstigen Spielfeld aufschl\u00e4gt.<\/p>\n<p><strong>Gedenken<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Mittagessen schreiten wir seltsam gel\u00f6st zum Kolumbarium. Die Sonne lacht uns an, die Gedenkplatte h\u00e4ngt schon, wie wir erfahren. Da dort, wo schon andere Gedenkplatten h\u00e4ngen, der Platz knapp geworden ist, wurde uns die \u00dcberlegung anheim gegeben, evtl. einen anderen Platz zu suchen, der Raum neben an sei noch leer. Wir aber hatten uns f\u00fcr einen ganz anderen Ort entschieden. Der Gedenkraum, an dem sowohl Urnen als auch die Tafeln aufgeh\u00e4ngt sind, wird zwar von vielen oder besser eher noch zu wenigen Menschen besucht, der eigentliche Aufbewahrungsort der Urnen jedoch befand sich zu Zeiten des Ghettos in einem Gang weiter hinten, der durch einen Weg \u00fcber die Festung zu erreichen und seit 2017 auch f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4ngig ist. An einer Stelle macht der unterirdische Gang eine Biegung, Licht f\u00e4llt durch ein Fenster und ein Gitter hinein und beleuchtet die Wand. Genau an dieser Stelle soll unsere Gedenkplatte h\u00e4ngen, nicht ob der Einzigartigkeit wegen, vielmehr ob der Authentizit\u00e4t. Wir hoffen nat\u00fcrlich, dass im Laufe der Jahre noch etliche Gedenktafeln dazu kommen, immerhin sind wir der erste Fu\u00dfballverein, der diese M\u00f6glichkeit des Gedenkens nutzt. Eine gro\u00dfe Ehre ist es, dass auch Jan Roubinek, der Leiter der Gedenkst\u00e4tte der Zeremonie beiwohnt, die nach einem Gruppenbild und dem Weg durch den dunklen Gang beginnt.<\/p>\n<p>Julian von der Fanbetreuung spricht die einleitenden Worte, Matze vom Museum er\u00f6ffnet die Zeremonie. Die Tafel ist noch durch ein wei\u00dfes Tuch verh\u00fcllt. Anschlie\u00dfend h\u00e4lt Stefan Minden eine bewegende Rede, die daran erinnert, dass die Nationalsozialisten, den zur Vernichtung bestimmten Juden drei Dinge genommen h\u00e4tten. Das Verm\u00f6gen. Die W\u00fcrde. Das Leben. Das Leben k\u00f6nnen wir den Millionen Toten nicht wieder geben, das Verm\u00f6gen konnte zu Teilen r\u00fcckgef\u00fchrt werden. Den Verlust der W\u00fcrde aber haben all die Jahre der Verdr\u00e4ngung, des Verschweigens nicht zur\u00fcck geben k\u00f6nnen. Es sei unsere Aufgabe, den (auch von Eintracht Frankfurt) Ausgesto\u00dfenen ein Gesicht, einen Namen und letzten Endes eine Stellung in unsere Mitte wieder zu geben. Sonny sitzt w\u00e4hrend dessen schweigend auf einem Stuhl in unserer Mitte. Anschlie\u00dfend enth\u00fcllten Stefan und Matze die Gedenktafel mit den Worten:<\/p>\n<p><em>In Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, Terezin, Oktober 2019.<\/em><\/p>\n<p>In der Mitte wacht der Eintracht Adler. Ein kleiner Beitrag, Geschehenes zur Erinnern, Zuk\u00fcnftiges aber zu verhindern. Wir platzieren Rosen auf den Boden, Helga legt Steine auf die Gedenktafel, ein j\u00fcdisches Zeichen der Trauer. Nun h\u00e4ngt sie dort, die Tafel der Eintracht. Als wir nach drau\u00dfen gehen, kommt uns ein junges P\u00e4rchen entgegen. Sie werden die ersten nach uns sein, die diese Tafel sehen werden, die nun wie selbstverst\u00e4ndlich hier h\u00e4ngt. Aber nichts ist selbstverst\u00e4ndlich und schon gar nicht das Leben.<\/p>\n<p>Nadine verteilt an uns alle Blumen, wir k\u00f6nnen sie an einem Ort unsere Wahl ablegen, einige brechen auf zur Gedenkstelle an der Eger, dort, wo die Asche in den Fluss gesch\u00fcttet wurde, andere besuchen den Friedhof am Krematorium, wiederum andere machen sich auf eigene Wege.<\/p>\n<p>Die gelbgr\u00fcnbraunen Herbstbl\u00e4tter der B\u00e4ume spiegeln sich im Wasser, Radler sausen an uns vorbei, w\u00e4hrend wir in Gedanken zum Denkmal laufen. Vor Ort legen wir einige Blumen ab, manch eine wird ins Wasser gesetzt. Bevor ich in der Unterkunft ankomme, mache ich noch einen Schlenker in den Park f\u00fcr die j\u00fcdischen Kinder. Dort lege ich meine Blume ab. Sp\u00e4ter habe ich noch etwas Zeit, laufe zum Bauhof, von dort in die Wallanlagen. Hier planten die Nazis die H\u00e4ftlinge noch gegen Ende des Krieges ihre eigene Gaskammer bauen zu lassen, die ersten Geb\u00e4udeteile waren schon errichtet. Doch es lag eine Ahnung in der Luft, die Pl\u00e4ne lie\u00dfen eine Hermetik der R\u00e4ume erahnen, so dass einige Sollbruchstellen eingebaut wurden. Fertig gestellt aber wurden die Kammern nie, die Rote Armee kam zu fr\u00fch. Weiter hinten in den B\u00f6gen der Durchg\u00e4nge in der Wallanlage finden sich Graffitis und Einritzungen aus Ghettozeiten. Langsam legt sich die Dunkelheit \u00fcber den Tag. Ein Mann geht mit seinem Hund spazieren.<\/p>\n<p><strong>Im Herzen von Europa<\/strong><\/p>\n<p>Der letzte Abend ist voller Eindr\u00fccke und Dankbarkeit, wir \u00fcberreichen Sonny das Buch mit den Namen aller nach Theresienstadt Deportierten. Wir haben auch unterschrieben. Sonny bedankt sich. Und umarmt seine Frau Emmi, die ihn auf der gesamten Reise begleitet hat, wie auch die 39 Jahre zuvor. Bis sp\u00e4t in die Nacht sitzen wir zusammen, die Emotionen brechen sich ihren Bann. Sonny ist m\u00fcde, geht bald zu Bett. Und als wir so zusammen sitzen, reden, trinken, stimmen wir gemeinsam zu vorger\u00fcckter Stunde \u201eIm Herzen von Europa an\u201c. Kaum sind wir bei der zweiten Strophe angelangt, kommt Sonny im Schlafanzug die Treppe herunter und singt mit. Welch ber\u00fchrender Abschluss einer Reise, die nun zu Ende geht. Die so viele Emotionen und Gedanken weckte und so viele Erkenntnisse brachte. Und uns noch alle lange besch\u00e4ftigen wird.<\/p>\n<p>Danke an alle Beteiligten, namentlich an Helmut \u201eSonny\u201c Sonneberg, an Nadine und Julian von der Fanbetreuung der Eintracht und an Matze vom Museum. Wir haben gemeinsam diese Reise geplant und durchgef\u00fchrt, es war ein trotz aller Tiefe entspanntes und produktives Arbeiten mit einem, wie nicht nur ich denke, gro\u00dfartigen Ergebnis. Danke auch an Martin Liepach f\u00fcr die profunde Begleitung und an Stefan Minden f\u00fcr die richtigen Worte zum richtigen Zeitpunkt. Und an die Teilnehmer, die diese Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis machten. Danke!<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/01.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-13874 size-full\" src=\"http:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/01.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"422\" srcset=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/01.jpg 600w, https:\/\/www.beveswelt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/01-300x211.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drei\u00dfig Eintrachtfans begaben sich im Oktober auf die Reise nach Theresienstadt, tschechisch: Terezin. Initiiert von der Fanbetreuung, inhaltlich begleitet vom Eintracht Museum und Martin Liepach vom Fritz Bauer Institut, suchten wir Spuren im einstigen Ghetto. 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