{"id":13749,"date":"2019-08-13T11:03:31","date_gmt":"2019-08-13T09:03:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=13749"},"modified":"2019-08-13T13:34:10","modified_gmt":"2019-08-13T11:34:10","slug":"mannheim-oder-wie-ich-einmal-vier-tore-verpasste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=13749","title":{"rendered":"Mannheim. Oder: Wie ich einmal vier Tore verpasste"},"content":{"rendered":"<p>Als mit dem SV Waldhof Mannheim der Gegner der Eintracht in der ersten Runde des DFB Pokals feststand, herrschte kollektives Aufatmen. Zwei Traditionsclubs sollten aufeinander treffen, die jungen Wilden beider Vereine sind befreundet, die Anreise sogar mit dem Fahrrad machbar. Und rein sportlich ein durchaus brisantes Duell &#8211; Waldhof hatte als Aufsteiger in die dritte Liga noch kein Spiel verloren. Also nix wie hin &#8230;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dankenswerter Weise fanden Pia und ich Unterschlupf im Bus des Fanclubverbandes, Ina und die Jungs hatten alles trefflich organisiert und wir mussten nicht mit \u00fcberf\u00fcllten Z\u00fcgen oder dem Dacia anreisen, konnten uns also locker machen. Gem\u00fctlich gondelten wir kurz vor zehn mit den R\u00e4dern zum Bahnhof, konnten diese bei Pias Firma in der M\u00fcnchner unterstellen, wanderten runter zur S\u00fcdseite des Bahnhofes und hielten Ausschau nach dem Bus. Es gibt ja nunmehr mehrere Orte dort, wo die Busse halten k\u00f6nnen. Ein kleiner Trupp Eintrachtfans wartete schon, und da sie den Apfelwein f\u00fcr die Reise im Gep\u00e4ck hatten, hefteten wir uns an ihre Fersen. Ohne Ebbelwoi f\u00e4hrt kein Bus aus Frankfurt ab. Und da ist er auch schon, der Bus.<\/p>\n<p>Ordnungsgem\u00e4\u00df beschriftet unsere Sitzpl\u00e4tze, vor uns Miri und schusch, hinter uns Martin, die Reise kann beginnen. Schon ploppen die ersten Fl\u00e4schchen auf und ehe wir ausgetrunken haben, gurken wir auch schon an der SAP Arena vorbei Richtung Carl-Benz-Stadion. Die letzten Meter gestalten sich holprig, eine Zufahrtsstra\u00dfe ist aufgerissen und wir pfl\u00fcgen durch die Stadt, um in die N\u00e4he eines Parkplatzes zu gelangen, gef\u00fchlt der l\u00e4ngste Part der Reise &#8211; aber wir landen doch. Zwar nicht genau dort, wo wir hin gewollt hatten, aber wir sind da.<\/p>\n<p>Ruckzuck ziehen wir Bierb\u00e4nke und -tische aus dem Bus und alsbald schrauben eifrige H\u00e4nde die nagelneuen Grills zusammen. Extra f\u00fcr dieses Spiel angeschafft und absichtlich mit hohen Beinen, auf dass wir nicht die Gegend abfackeln. Bergeweise Br\u00f6tchen und W\u00fcrstchen, stapelweise K\u00e4se- und sonstige Bratlinge warten auf uns hungrige Gesellen und Gesellinnen. Kaum stehen die Grills, gl\u00fcht auch schon die Holzkohle. Und just in dem Moment, als die Kohle auf den Punkt durch gegl\u00fcht ist, landen nicht etwa die W\u00fcrstchen auf dem Rost, nein wir bekommen Besuch. Abteilung Staatsmacht. Grillverbot. Grills aus. Aber zackig. Jetzt gl\u00fcht nicht nur die Kohle, nein auch wir gl\u00fchen, reden mit Engelszungen auf die KameradInnen ein. Sprechen von Lebensmittelverschwendung, bieten kleine Geschenke an, bitten um eine winzige Viertelstunde. Man versteht uns, alleine der Chef kennt kein Pardon, nach R\u00fccksprache mit der Stadt, der Feuerwehr und wahrscheinlich auch dem lieben Gott, m\u00fcssen wir die Glut vor der Zeit l\u00f6schen. Gro\u00dfe Nummer, in der Zeit, in der wir quatschten, h\u00e4tten wir auch grillen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Eltern, sagt&#8217;s euren Kindern, niemand muss Polizist werden und es gibt immer eine Eigenverantwortung, man muss sie nur nutzen wollen. Egal, hungrig wandern wir r\u00fcber zum Stadion. Nat\u00fcrlich ist halb Frankfurt und ganz Mannheim unterwegs, ein Gewimmel wie selten hier. Vor ein paar Jahren sind wir hier mit unseren Amateuren mehrfach zum Punktspiel aufgeschlagen und ziemlich genau vor 11 Jahren kickte hier die TSG Hoffenheim in der ersten Bundesligasaison des sympathischen Aufsteigers. Damals ist in der Nacht vor dem Spiel mein Kollege Steffen schwer verungl\u00fcckt. Gott sei&#8217;s gedankt hat er&#8217;s geschafft.<\/p>\n<p>\u00dcberall Gebabbel und Gewimmel, alles sonnig entspannt, wir schlagen uns durch zum G\u00e4steeingang, kaufen einem fliegendem H\u00e4ndler noch ein Sch\u00f6ppchen ab, quatschen kurz mit Maj und Ana, unseren Museumskolleginnen und wandern mit Julian ganz nach oben, unten war ja schon ein mords Gedr\u00e4nge. Ariane und Niko haben es auch bis hierher geschafft, hinter uns steht Nina, es kann los gehen. Und es geht los. Zun\u00e4chst wedelt ganz Waldhof mit blau schwarzen F\u00e4hnchen, wir antworten mit Rauch, die H\u00fctte ist brechend voll, die Atmosph\u00e4re verweist eindeutig auf Fu\u00dfball, allerdings hoch entspannt.<\/p>\n<p>Kaum hat sich der Rauch verzogen, geht Waldhof in F\u00fchrung, kaum haben wir uns daran gew\u00f6hnt, steht&#8217;s 2:0 f\u00fcr den Drittligisten. Wirklich beunruhigt bin ich nicht, aber viele Tore sollten jetzt nicht mehr fallen, also viele Tore f\u00fcr Mannheim. &#8222;Waldhof und die SGE&#8220; schallt es von den R\u00e4ngen, einer n\u00f6rgelt hinter mir &#8222;Schei\u00df Waldhof&#8220;, derweil sich die Eintracht, bei der \u00fcbrigens Kevin Trapp wieder im Tor steht, unten eher erfolglos abm\u00fcht. Wie aus dem Nichts trifft Kamada zum Anschlusstreffer, die SGE ist wieder da.<\/p>\n<p>Etwas sp\u00e4ter pfeift der Schiedsrichter, die Spieler gehen zur Seitenlinie, Niko runter zum Getr\u00e4nkestand und ich dreh mich um und babbel. Als ich wieder auf&#8217;s Spielfeld schaue, kicken die schon wieder. Das war aber eine kurze Halbzeitpause, denke ich &#8211; werde aber umgehend aufgekl\u00e4rt: Trinkpause ob der Hitze. Aha, das erkl\u00e4rt einiges. Niko bleibt verschwunden. Erst kurz vor dem tats\u00e4chlichen Halbzeitpfiff kommt er mit Getr\u00e4nken in der Hand wieder anmarschiert und schimpft: &#8222;Die kriegen da unten gar nix gebacken&#8220;. Zur Belohnung macht Kostic das 2:2, Jubel. Halbzeit.<\/p>\n<p>In der zweiten Halbzeit kommt Durm f\u00fcr Da Costa auf&#8217;s Feld, es wogt auf dem Rasen wie auf den R\u00e4ngen hin und her; die Eintracht hat die Sache in der Hand, trifft aber nicht. Sorglos k\u00e4mpfe ich mich durch die Menge, die Toilette ruft und bei der Gelegenheit k\u00f6nnte ich mich ja auch f\u00fcr das Sch\u00f6ppchen revanchieren, es ist ja auch noch eine gute Viertelstunde zu spielen. der Blick auf den Getr\u00e4nkestand zeigt: Nix los, ich riskiere es. Vier, f\u00fcnf Leute stehen vor mir &#8211; aber irgend etwas hakt. Aus den Leitungen tr\u00f6pfelt es, so sich denn jemand bereit erkl\u00e4rt, den Hahn zu bedienen. Mittlerweile habe ich bezahlt und warte. Und warte. Und warte. Alles br\u00fcllt. Tor. F\u00fcr wen? Durch die Bl\u00f6cke f\u00e4llt mein Blick auf jubelnde Mannheimer. Mist. Ich warte. Alles br\u00fcllt. Tor. F\u00fcr wen? Durch die Bl\u00f6cke f\u00e4llt mein Blick auf jubelnde Frankfurter. Gut. Mist. Ich warte. Irgendjemand schafft ein neues F\u00e4sschen herbei. Alles br\u00fcllt. Tor. F\u00fcr wen? Durch die Bl\u00f6cke f\u00e4llt mein Blick auf jubelnde Frankfurter. Gut. Mist. Ich warte, meine Becher werden immerhin gef\u00fcllt. Alles br\u00fcllt. Tor. F\u00fcr wen? Durch die Bl\u00f6cke f\u00e4llt mein Blick auf jubelnde Frankfurter. Gut. Mist. Unfassbar. Ich halte Bier in den H\u00e4nden, wander unter gro\u00dfem Hallo die Treppen nach oben, dr\u00fccke Niko ein Bier in die Hand, der Schiri pfeift ab, die Eintracht gewinnt durch drei Tore von Ante Rebic in der letzten Viertelstunde mit 5:3 &#8211; und ich habe vier Tore verpasst. VIER TORE. Schk\u00f6nntdorschdrehn.<\/p>\n<p>Naja, wir sind in der n\u00e4chsten Runde, ich habe eine lustige Geschichte und werde &#8211; wie eigentlich auch zuvor &#8211; nie wieder Bier w\u00e4hrend eines Spiels holen. Mittlerweile regnet es, irgendwie k\u00e4mpfe ich mich zum Bus vor und relativ bald legen wir ab und sind fr\u00fch wieder am Bahnhof. Pia und ich verabschieden uns, treffen noch Moni und Ingo, schieben uns in einer H\u00e4hnchenbraterei noch einen halben Hahn hinter die Kiemen und holen die R\u00e4der. W\u00e4hrend Pia heimradelt, nehme ich die 12, treffe John und gemeinsam zuckeln wir die Friedberger hoch. Dort wartet schon Pia, die letzten Meter nehmen wir gemeinsam und landen wieder wohlbehalten aber geschafft zu Hause. Vier Tore! Kinners, ich sag&#8217;s euch &#8230;<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als mit dem SV Waldhof Mannheim der Gegner der Eintracht in der ersten Runde des DFB Pokals feststand, herrschte kollektives Aufatmen. Zwei Traditionsclubs sollten aufeinander treffen, die jungen Wilden beider Vereine sind befreundet, die Anreise sogar mit dem Fahrrad machbar. 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