{"id":13671,"date":"2019-07-29T14:58:12","date_gmt":"2019-07-29T12:58:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=13671"},"modified":"2019-07-31T07:30:05","modified_gmt":"2019-07-31T05:30:05","slug":"europa-2019-teil-ii-tallinn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=13671","title":{"rendered":"Europa 2019 \u2013 Teil II: Tallinn"},"content":{"rendered":"<p>Heute also geht&#8217;s weiter nach Tallinn &#8211; und nicht nur dies; auch die Eintracht wird heute Abend spielen. Erst aber hei\u00dft es, die F\u00e4hre von Helsinki nach Tallinn zu erwischen und das hei\u00dft: Aufwachen. Soviel vorab: Es hat geklappt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Tag III<\/p>\n<p>P\u00fcnktlich wie die Maurer werde ich wach und springe unter die Dusche, es ist noch keine acht Uhr am Morgen, als ich ein letztes Mal meine Unterkunft in T\u00f6\u00f6l\u00f6 verlasse und mich mit meinem Rucksack auf den Weg zum Bahnhof mache. Es ist schon seltsam, wie binnen kurzer Zeit Dinge wie der rasselnde Aufzug zur Gewohnheit, zur Gegenwart, werden &#8211; und jetzt schon Vergangenheit sind. Wer wei\u00df, ob ich diesem Leben noch einmal hier her kommen werde, die Wahrscheinlichkeit ist \u00fcberschaubar &#8211; doch wer wei\u00df schon, was kommt.<\/p>\n<p>Unten am Bahnhof ein kleines Fr\u00fchst\u00fcck, dann kommt auch schon die Bahn mit der Nummer 7 angerumpelt und ehe ich mich versehe, werde ich auch schon am Terminal 2 ausgespuckt, der Ort ist unwirtlich und ich bin viel zu fr\u00fch. In meiner Vorstellung sitze ich jetzt am F\u00e4hrhafen und schaue den F\u00e4hren hinterher, in Wirklichkeit bin ich umgeben von Baustellen und Parkpl\u00e4tzen, Zeit zu rauchen. Und einen Aufkleber vom EFC Black &amp; White zu entdecken. Da ich online eingecheckt habe, treibe ich mich eher sinnlos auf dem Gel\u00e4nde herum, bis ich den Durchgang passieren kann. Oben in der Wartehalle gibt es eine Terrasse mit Blick auf die F\u00e4hren, hier l\u00e4sst es sich leichter Warten, unten reiht sich PKW an PKW, um auf die F\u00e4hre zu rollen. Es sind etliche Reisende unterwegs, Frankfurter aber entdecke ich kaum. Sobald das Boarding beginnt, schiebt sich eine lange Schlange auf die F\u00e4hre, es geht flott voran und kaum bin ich an Bord, beginnt das gro\u00dfe Orientieren, Platz suchen. Menschen laufen treppauf, treppab so auch ich und es dauert ein Weilchen, bis ich das Sundeck gefunden habe, die Sonne glei\u00dft, die ersten sitzen schon vor gef\u00fcllten Tellern, balancieren Gl\u00e4ser durch die Gegend. Auf dem Deck ein Kommen und Gehen, Pl\u00e4tze werden gesucht und gefunden, wieder aufgegeben. Ich setze mich an die Reling und warte auf&#8217;s Ablegen mit Blick auf die Helsinkier Kulisse. Immer wieder werden Fotoapparate und Handys gez\u00fcckt, als ein Wind weht, realisiere ich, dass wir abgelegt haben, langsam verlassen wir den F\u00e4hrhafen, immer kleiner wird Helsinki, immer n\u00e4her r\u00fcckt Tallinn.<\/p>\n<p>Ich gebe meinen Platz auf und wandre durch ein unteres Deck. Menschen sitzen an Spielautomaten, essen bei Burger King oder in anderen Locations, eine Band spielt. Nachdem ich mir eine eiskalte Cola besorgt habe, geht&#8217;s wieder raus an die frische Luft. Seitlich hinter dem Sonnendeck kann man sich auf den Boden setzen und auf den finnischen Meerbusen schauen, hier ist kaum jemand, es ist hei\u00df, aber ich wickel mir ein Tuch um den Kopf und sehe auf&#8217;s Wasser, aus dem Kopfh\u00f6rer pluggern <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=k4BC62ohsCQ\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Lea Porcelain<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=j21d4eY1TLM\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Alice Hubbel,<\/a> F\u00e4hren ziehen vorbei, es ist sicherlich einer der H\u00f6hepunkte der Reise, fleischgewordenes Unterwegssein, reisen ins Unbekannte bei Sonnenschein und Wasserwind.<\/p>\n<p>Knapp zwei Stunden dauert die Fahrt und nach einem langen Gang durch die Gangway am Terminal D betrete ich erstmals estnischen Boden, hallo Tallinn, ich bin Beve. Meine Unterkunft liegt nicht weit entfernt vom Terminal, ein Wegweiser schickt mich in die richtige Richtung, doch erst nach einmaligen Kreiseln entdecke ich den Eingang, der Weg ist noch k\u00fcrzer als ich dachte &#8211; wenn man denn wei\u00df, wo man hin muss. Ich bin ein paar Minuten vor der Zeit, aber dennoch wird ge\u00f6ffnet und schon halte ich den Schl\u00fcssel in der Hand. Mein Zimmer ist ein winziger Raum ohne Fenster, ich hatte es bef\u00fcrchtet. Zimmer ohne Aussicht hei\u00dft: Zimmer ohne Fenster. Es ist stickig, aber immerhin, ein Bett steht im Raum, es ist sauber und ich beziehe es selbst. Und dann hei\u00dft es: Raus in die Welt. Matchday. Flora Tallinn vs Eintracht Frankfurt.<\/p>\n<p>Am Hafen vorbei schlendernd, \u00fcber eine viel befahrene Hauptstra\u00dfe spazierend erreiche ich die Stadtmauern der mittelalterlichen Unterstadt und finde auch nach einigem hin und her einen Durchgang. Und kaum bin ich in der Altstadt, trifft mich der Schlag. Durch die wunderbaren Gassen mit den barocken H\u00e4usern schieben sich Menschenmassen, der Klang des Rollkoffers ist allgegenw\u00e4rtig. Nach der beschaulichen Ruhe Helsinkis, den eher stillen Inseln, bin ich dezent \u00fcberfordert. Ich entdecke meine Kollegin Maj in einem Restaurant, die mit ihrer Freundin Yasmin schon seit gestern hier ist, wir verabreden uns f\u00fcr sp\u00e4ter und ich schiebe mich weiter durch die Gassen. Tausende sitzen in den Caf\u00e9s, in den Restaurants &#8211; und trotz der auff\u00e4lligen Sch\u00f6nheit der Stra\u00dfen und H\u00e4uschen, brauche ich sofort: Ruhe. Und ein Bier. An der Kreuzung Lai\/Nunne finde ich ein Kiosk, hole mir ein Bier und setze mich nebenan auf ein M\u00e4uerchen, hinter mir rieselt ein kleiner Wasserfall, ein lauschiges Pl\u00e4tzchen zum beobachten will mir scheinen. Bis Feuerwehrautos kommen und in die kleine Stra\u00dfe abbiegen wollen &#8211; was allerdings nicht gelingt, da PKWs zu eng parken. Ein n\u00e4chstes Feuerwehrauto kommt, dahinter versuchen andere PKWs zu \u00fcberholen &#8211; was nat\u00fcrlich nicht geht. Binnen kurzem wurde aus meinem lauschigen Pl\u00e4tzchen ein turbulenter Hotspot. Feuerwehrleute in schweren Uniformen verzweifeln am Verhalten der \u00fcbrigen Verkehrsteilnehmer, die statt zu warten, gegen die Einbahnstra\u00dfe fahren, bewahren gleicherma\u00dfen die Ruhe &#8211; und zu allem \u00dcberfluss schiebt sich auch noch ein Touristenb\u00e4hnchen mit etlichen Anh\u00e4ngern auf die kleine Kreuzung. Touristen stehen hastig vom Essen auf, bereit alles zu filmen, was sich nicht schnell genug fortbewegt, man m\u00f6chte ihnen die Handys aus der Hand schlagen. Bevor meine Laune v\u00f6llig kippt, hole ich mir noch ein Bier und laufe runter, bis ich wieder au\u00dferhalb der Stadtmauern bin. Dort w\u00e4chst ein Park in die H\u00f6he, ein Weiher im Gr\u00fcn gl\u00e4nzt in die Sonne und ich suche mir ein einsames schattiges Pl\u00e4tzchen und genie\u00dfe die Stille. Und sammle Kraft f\u00fcr ein erneutes Einsteigen in den Trubel, den man erst einmal verkraften muss.<\/p>\n<p>Am Kiosk entdecke ich oben am Fenster eine Eintrachtfahne, und treffe auch sofort auf die ersten Eintrachtler, jetzt kann das Fu\u00dfballabenteuer beginnen. Hier ist Thorsten, der tausende Stadien gesehen hat, da Holger von den Schobberobbern, dort Tom von der Bembelbar, \u00fcberall ein Hallo, ein Gudewie und Prost. Da ich morgen noch einen ganzen Tag in Tallinn vor mir habe, entscheide ich mich, ohne Ziel durch den Tag zu treiben, wandre runter zum Rathausplatz, treffe auf Maj und Yasmin, warte ewig auf einen Kellner, der sofort zur Stelle ist, als ich mir ein Kioskbier einschenke. Nat\u00fcrlich schimpft er, aber was soll ich machen? Ich order selbstverst\u00e4ndlich bei ihm ein neues, wir sitzen und quatschen und sehen, wie sich langsam der Rathausplatz f\u00fcllt, von hier wird der Fanmarsch abgehen &#8211; und kaum haben wir ausgetrunken, geht&#8217;s auch schon los.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich \u00fcberall bekannte Gesichter, hier ist Basti vom Fanprojekt, dort die Pappnasen vom Fu\u00dfball 2000, hier ist Susi, dort Helga, da Matze und auch Flo hat&#8217;s noch gepackt. Wir wandern entspannt durch die Stadt zum Stadion, werden v\u00f6llig in Ruhe gelassen, babbeln und freuen uns auf das bevorstehende Spiel. Am Stadion selbst muss ich noch meine Karte abholen, Moni, Ina und Ingo sitzen in kleinen blauen Zeltchen und haben alle H\u00e4nde voll zu tun &#8211; obwohl die Schlange \u00fcberschaubar ist. Ich bin einer der letzten, der seine Karte bekommt, dabei wollte ich mich eigentlich beeilen. Ich bedanke mich herzlich und schon stehe ich in einer weiteren Schlange zum Einlass, der flott und einfach von statten geht. Irgend jemand dr\u00fcckt mir ein Bier in die Hand, das mir prompt aus den Fingern glitscht und nach unten saust. Irgend jemand schimpft jetzt nat\u00fcrlich, das tut mir leid &#8211; aber es war ja keine Absicht. Ich laufe nach unten, treffe wieder auf Maj und Yasmin, bekomme ein neues Bier, Helga ist auch hier &#8211; Henning kommt, die Zeit vergeht wie im Rausch, \u00fcberall Lachen und fr\u00f6hliches Gebabbel. Leider habe ich Arne nicht mehr entdeckt, den ich eigentlich noch treffen wollte.<\/p>\n<p>Als es losgeht, ist die A. Le Coq Arena ordentlich gef\u00fcllt, wir sind eine ganze Menge und machen ein mords Spektakel. Bei der Eintracht ist Wiedwald im Tor, der einzige Neuzugang in der Startelf ist Kohr. Auch an die neuen Trikots muss ich mich erstmal gew\u00f6hnen. Die Jungs von Flora in gr\u00fcn, es entwickelt sich ein munteres Spielchen, welches ich nicht sonderlich ernst nehme, zuviel gibt es zu erz\u00e4hlen, zuviel zu supporten, zuviel zu h\u00f6ren. Torro macht das 1:0, gro\u00dfer Jubel nat\u00fcrlich, Ausgelassenheit, bis der Ausgleich f\u00e4llt. Der st\u00f6rt nicht sonderlich, wir holen Getr\u00e4nke, br\u00fcllen Eintracht und so vergeht auch die zweite Halbzeit in der untergehenden Sonne. Der eingewechselte Joveljic bringt die Eintracht erneut in F\u00fchrung, wir stehen mittlerweile mit nacktem Oberk\u00f6rper da und bleiben bis weit nach Schlusspfiff im Stadion. Im Herzen von Europa klingt auch hier sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter bringt uns ein Bus Richtung City, ich habe einen f\u00fcrchterlichen Schluckauf &#8211; und fahre mit Yasmin weiter in die Unterstadt. Dort warten wir ewig am Rathausplatz auf ein Bier, welches nicht kommt und so mache ich auf Richtung Unterkunft, w\u00e4hrend Yasmin noch mit Kumpels in die Nacht zieht. Keine 15 Minuten sp\u00e4ter bin ich im Hostel und falle in meinem stickigen Zimmer in einen traumlosen Schlaf.<\/p>\n<p>Tag IV<\/p>\n<p>Als ich am n\u00e4chsten Morgen klitschnass erwache, habe ich kein Gef\u00fchl f\u00fcr die Uhrzeit, es k\u00f6nnte f\u00fcnfe in der Nacht sein oder aber drei Uhr am Nachmittag. In Wirklichkeit ist es 9:30 Uhr &#8211; eine gute Zeit, um nach einem aufregendem Tag aufzustehen und zu duschen. Bl\u00f6derweise vermisse ich einen kleinen Thai-Beutel mit ein paar M\u00fcnzen drin, was mich sehr verwundert, da ich in ihm die Schl\u00fcssel hatte &#8211; und nachweislich in meinem Zimmer erwachte. Wo er wohl stecken mag? Auf dem Flur treffe ich einen anderen Gast, der in einem gegen\u00fcberliegendem Zimmer wohnt, er erz\u00e4hlt mir auf englisch, dass sich die Fenster in den Zimmern mit Aussicht nicht \u00f6ffnen lassen, kurz hatte ich geschwankt, das Zimmer zu wechseln, einen Plan, den ich nun aufgebe. Er r\u00e4t mir aber, beim Besitzer der Unterkunft nach einem Ventilator zu fragen. Das k\u00f6nnte eine gute Idee sein. Kurz darauf treffe ich Carina, die im gleichen Hostel n\u00e4chtigte, fr\u00f6hliche Frankfurter \u00fcberall. In den jetzt noch bewohnten Zimmern stehen \u00fcberall die T\u00fcren auf, die Hitze hat uns alle im Griff.<\/p>\n<p>Etwas ger\u00e4dert schiebe ich mich dann nach drau\u00dfen an die frische Luft, die eine nicht zu untersch\u00e4tzende Wohltat ist. Malisa hatte \u00fcber Twitter ein paar Tallinn Tipps \u00fcbermittelt, darunter der Hinweis auf eine kostenlose Stadtf\u00fchrung um 12, die wollte ich gerne mitnehmen. Auch Thor hatte gestern Interesse gezeigt, so schicke ich ihm die Infos und marschiere in die Unterstadt, treffe Dario auf eine Cola &#8211; und spaziere von dort Richtung Bahnhof. Tom hatte gestern noch von einer Markthalle gesprochen, diese finde ich auch, fr\u00fchst\u00fccke einen Happen und breche dann auf zur Stadtf\u00fchrung. Thor ist auch schon vor Ort &#8211; und wir sind nicht die einzigen Eintrachtler &#8211; und da wir insgesamt eine gro\u00dfe Gruppe sind, teilen uns die beiden Stadtf\u00fchrerinnen kurzerhand auf. Wir landen bei Mia, einer jungen Estl\u00e4nderin, die uns die n\u00e4chsten zwei Stunden gleicherma\u00dfen humorvoll wie kenntnisreich durch die Gassen f\u00fchrt, Anekdoten erz\u00e4hlt und die bunte Truppe mit G\u00e4sten aus Australien oder Puerto Rico, aus Japan oder Frankfurt souver\u00e4n im Griff hat. Wir erfahren Geschichten vom alten Thomas, der auf der Rathausspitze thront, von einem Casanova, der nach seinem Tode reuig in einer Kirche beerdigt werden wollte und dabei noch den Damen unter den Rock starren konnte und von der wechselhaften Geschichte Estlands, das unter permanenter Besatzung litt und erst seit 28 Jahren wieder selbst\u00e4ndig ist. Wir wandern auf den Domberg, blicken von Besucherterrassen \u00fcber die Stadt und bedanken uns f\u00fcr die tolle F\u00fchrung mit angemessenem Trinkgeld. Falls ihr mal in Tallinn seid, trefft euch um 12 in der N\u00e4he des Rathausplatzes am Info Center. Es lohnt sich.<\/p>\n<p>Als die F\u00fchrung zu Ende ist, verabschiede ich mich von Thor und laufe wieder runter zum Bahnhof; hinter diesem soll ein ehemaliges Fischerviertel liegen, welches einst gemieden wurde und heute gentrifiziert zu den neuen Spots z\u00e4hlt. Hier ist es ruhig, zwischen h\u00f6lzernen H\u00e4usern sitzen Menschen in den Caf\u00e9s und lassen es sich gut gehen. Hinter dem Viertel erreiche ich die neue Strandpromenade, auch hier ist wenig los. Zu Sowjetzeiten war das Ufer aus Angst vor Fluchtm\u00f6glichkeiten tabu und erst langsam beginnt die Stadt die einzigartige Lage an der Ostsee auch zu nutzen. So gibt es nur wenige zug\u00e4ngliche Stellen, der winzige Strand ist steinig, dennoch wird sich hier gesonnt, die Pl\u00e4tze genutzt. In der Ferne entdecke ich ein gro\u00dfes Graffiti, in dem die Fanfreundschaft zwischen der Eintracht und Chemie Leipzig beschworen wird &#8211; an einer Stelle, die h\u00f6chst seltsam wirkt, eine gigantische Betonfl\u00e4che, mit Treppen und Sperrfl\u00e4chen. Erst sp\u00e4ter wird mich Stefan darauf aufmerksam machen, dass es sich hierbei um die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Linnahall\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Linnahall <\/a>handelt, die alte Stadthalle, zu Zeiten der Olympischen Spiele 1980 erbaut, die nun langsam zerf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Und so spaziere ich langsam zum Hafen &#8211; und von dort zur\u00fcck in die Unterstadt. Jetzt ist es kein Vergleich zu gestern, die Stra\u00dfen sind belebt, klar, aber es sind keine Massen, die sich hier durchschieben. Vielleicht lag es gestern tats\u00e4chlich an den von mit innig geliebten Kreuzfahrtschiffen, dass die Stadt \u00fcberflutet wirkte. Gleich deren vier sollen hier gelegen haben. Ich habe Hunger. In einem Hinterhof werde ich f\u00fcndig, ein schattiges Pl\u00e4tzchen und einen Spicy Pitta Burger sp\u00e4ter, geht&#8217;s wieder durch die kleinen Gassen hoch und runter. Ich bewundere die pittoreske Altstadt, treibe mich an der Stadtmauer herum und wandere dann langsam Richtung Hostel. Kaum eingetroffen, empf\u00e4ngt mich der Besitzer und erkl\u00e4rt freudestrahlend, dass er gerade einen Ventilator zusammen bastelt, den ich gleich haben k\u00f6nne. Ich frage bei der Gelegenheit, ob nicht vielleicht ganz zuf\u00e4llig jemand einen kleinen gelben Beutel gefunden habe &#8211; und prompt wird er mir in die Hand gedr\u00fcckt. Jemand hat ihn gefunden und ihn tats\u00e4chlich abgegeben. Herzlichen Dank daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Ich setze mir einen Tee auf und frage mich, woher der Besitzer wei\u00df, dass ich an einem Venti Interesse h\u00e4tte, ohne ein Wort gesagt zu haben &#8211; die Antwort sollte am n\u00e4chsten Morgen folgen. Keine 10 Minuten sp\u00e4ter dr\u00fcckt er mir den Ventilator in die Hand. Nat\u00fcrlich war der Stecker zu kurz, aber kurzerhand stelle ich den M\u00fclleimer auf den kleinen Tisch, packe den Venti oben drauf, zack &#8211; so sieht die Sache schon ganz anders aus. Die Zimmert\u00fcr lie\u00df ich dennoch offen.<\/p>\n<p>Schon breche ich zu meinem letzten Spaziergang auf, bleibe am Hafen h\u00e4ngen. An einem Kran h\u00e4ngen Leute in der Luft und genie\u00dfen ihr &#8222;Skydinner&#8220;, ein skurriler Anblick allemal. Und ein teures Vergn\u00fcgen dazu. Ein letztes Mal schlender ich zur\u00fcck in die Unterstadt, folge noch einmal den Spuren der Stadtf\u00fchrung bis hin zum Domberg. Langsam legt sich die Nacht \u00fcber die Stadt, kurz hinter dem Domberg entdecke ich einen f\u00fcr mich neuen Aussichtspunkt &#8211; just in dem Moment, in dem die Sonne untergeht. Menschen sitzen auf der Mauer, jeder, der neu hinzukommt, z\u00fcckt sein Handy, der Kampf um die besten Fotopl\u00e4tze ist in vollem Gange, jeder Zentimeter wird genutzt. Ich setze mich in zweiter Reihe auf ein B\u00e4nkchen, derweil ein Idiotenp\u00e4\u00e4rchen eine auf der Mauer sitzende M\u00f6we (die nat\u00fcrlich ein begehrtes Fotomotiv ist) mit Plastik f\u00fcttert und sich dabei totlacht. Eigentlich gen\u00fcgt ein Schubser &#8230;<\/p>\n<p>Menschen in solchen Situationen zu beobachten, ist ein hartes Brot &#8211; aber das ist an Supermarktkassen meist auch nicht anders. Irgendwann hat die M\u00f6we die Nase voll und macht sich vom Acker &#8211; und damit entschwindet das Fotomotiv in die Nacht, wie die Sonne, die nun gleichfalls verschwunden ist, derweil sich die Dunkelheit \u00fcber Tallinn legt. Stufen f\u00fchren \u00fcber die mittelalterliche Mauer hinunter an einen Fu\u00dfballplatz, dahinter schmiegt sich der Weiher in den Park und bald bin ich wieder am alten Eingang &#8211; der mich zu dem Kiosk f\u00fchrt, an dem ich hier mein erstes Bier getrunken habe. Heute gibt es einen kleinen Orangensaft und ein Eis und alsbald laufe ich einen letzten Weg zur\u00fcck ins Hostel, bleibe noch eine Weile am Hafen h\u00e4ngen und haue mich dann bei laufendem Ventilator in die Nacht &#8211; nicht ohne zuvor noch meinen Wecker zu stellen, derweil sich Pia anbietet, mich morgen zur Sicherheit etwas sp\u00e4ter anzurufen.<\/p>\n<p>Tag V &#8211; Heimreise<\/p>\n<p>Noch bevor der Wecker klingelt, werde ich wach, danke dem Ventilator, springe in die Dusche und setze mir einen Tee auf, den ich mit einer Zigarette vor der T\u00fcr zum Hostel genie\u00dfe. Der Mann, den ich gestern fragte, ob er sein Fenster \u00f6ffnen k\u00f6nne, setzt sich zu mir, wir kommen ins Gespr\u00e4ch. Er hatte dem Besitzer Bescheid gesagt &#8211; und war der Ausl\u00f6ser meiner entspannten Nacht. Es stellt sich heraus, dass er schon l\u00e4nger hier wohnt, da er lange in Zypern weilte und sein eigentliches Domizil hier in Tallinn, wo er herkommt, noch nicht fertig ist &#8211; was letztlich mein Gl\u00fcck war. Wir sitzen und rauchen und quatschen &#8211; und dabei verbabbel ich mein Vorhaben, noch einmal in die Stadt zu pilgern, die Zeit w\u00e4re eh knapp bemessen gewesen. Der Besitzer gesellt sich auch noch zu uns &#8211; und doch hilft alles nichts, meine Zeit hier geht zu Ende. So verabschiede ich mich von beiden herzlich, schnappe meinen Rucksack und spaziere die wenigen Meter runter zur F\u00e4hre. Kaum bin vor Ort, beginnt das Boarding, erneut suche ich mir einen Platz auf dem Sonnendeck und stelle entt\u00e4uscht fest, dass es auf dieser F\u00e4hre keine Seitenpl\u00e4tze gibt. Aber was soll&#8217;s, ich hatte den Genuss auf der &#8222;Megastar&#8220; auf der Hinfahrt, so stelle ich mich an die Reling, schaue sehns\u00fcchtig in Richtung der Stadt, deren Gassen ich doch eben noch durchwandert habe, dann legen wir ab, ich sehe jetzt Tallinn immer kleiner werden, die T\u00fcrme scheinen immer winziger und ich g\u00f6nne mir unter Deck einen Burger. Den Rest der Fahrt verbringe ich wieder oben an der frischen Luft, eine Etage weiter unten beginnt eine Musikgruppe, die auf Reisen war, polkaeske Melodien zu spielen, Mensch tanzen und klatschen und schon sind wir wieder in Helsinki, es ist hei\u00df.<\/p>\n<p>Am Ticketschalter zur Stra\u00dfenbahn hat sich eine lange Schlange gebildet und so beschlie\u00dfe ich, zu laufen, ich bin gut in der Zeit, doch der Weg zieht sich. Unterwegs treffe ich noch ein paar Geiselgangster, die gleichfalls an Bord waren und sich hier noch ein Fu\u00dfballspiel anschauen wollen. Ich spaziere vorbei an Baustellen, der Rucksack dr\u00fcckt, ich schwitze, marschiere dennoch noch einmal zum Marktplatz, winke Richtung Suomenlinna, wo ich doch vor ein paar Tagen erst gewesen bin &#8211; was sich schon jetzt wie tiefste Vergangenheit anf\u00fchlt, und wandre \u00fcber den Senatsplatz zum Bahnhof. Eine kleine St\u00e4rkung und alsbald bringt mich die Bahn zum Flughafen, nat\u00fcrlich geht wieder einmal alles schneller als gedacht, wieder einmal zu fr\u00fch &#8211; aber ich bin da, besser als zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p>Nach dem flotten Security-Check erwische ich am Gate einen Sitzplatz am Fenster, schon jetzt sind 10 Minuten Versp\u00e4tung angek\u00fcndigt &#8211; die im End knapp 50 werden. 40 Minuten davon sitzen wir im Flugzeug, ich in der dritten Reihe am Gang, immerhin. Und dann geht auch los, endlich &#8211; ich hasse das Procedere am Flughafen von der letzten Zigarette bis zur ersten wieder drau\u00dfen. Der Flug verl\u00e4uft reibungslos und ich habe Gl\u00fcck, denn Pia hat Zeit, mich abzuholen. Doch noch ist es nicht soweit, kaum sind wir gelandet, fahren wir noch kilometerweit durch die Landebahnen, bis wir endlich am Terminal sind. Jetzt macht sich die dritte Reihe bezahlt, ich bin als einer der ersten drau\u00dfen &#8211; und da sehe ich sie auch schon. Wundersamer Weise steht auch Dario neben ihr &#8211; doch der Sachverhalt kl\u00e4rt sich schnell auf. Dario und Stefan sind soeben mit einer anderen Maschine aus Riga gelandet, so eine Europafahrt ohne Familie Minden \u00fcberall zu treffen, w\u00e4re ja auch keine Europaausw\u00e4rtsfahrt. Wir nehmen die beiden mit in die City &#8211; und brechen kaum zuhause auch schon wieder auf. Ana hatte Geburtstag und die Museumsgang auf einen Schoppen im Feinstaub eingeladen. Und da sitzen sie auch schon, die Ana, der Freddy, der Marc, der Sebastian. Sp\u00e4ter kommt auch noch die Maj, haben wir eben nicht erst in Tallinn nebeneinander gestanden? Auch Lena und Matthias sind noch gekommen und so trinken wir und quatschen. \u00dcber das Leben und die Eintracht und das Unterwegssein. Und was sonst noch so passiert. Das ist ja meistens viel, auch wenn wir das oft nicht mitbekommen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=13652\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Teil I: Helsinki<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/playlist\/72LawDkTvBE7cZNP3XC9p7?si=HlxT8o4jRS-XArw1i3vSOA\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Soundtrack<\/a> on Spotify:<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute also geht&#8217;s weiter nach Tallinn &#8211; und nicht nur dies; auch die Eintracht wird heute Abend spielen. Erst aber hei\u00dft es, die F\u00e4hre von Helsinki nach Tallinn zu erwischen und das hei\u00dft: Aufwachen. 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