{"id":13652,"date":"2019-07-29T10:32:09","date_gmt":"2019-07-29T08:32:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=13652"},"modified":"2019-07-31T07:21:25","modified_gmt":"2019-07-31T05:21:25","slug":"europa-2019-teil-1-helsinki","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=13652","title":{"rendered":"Europa 2019 &#8211; Teil 1: Helsinki"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich hatte ich ja vor, es in dieser Saison mit internationalen Ausw\u00e4rtsfahrten etwas langsamer angehen zu lassen, aber wie das so ist mit &#8222;eigentlich&#8220;. Kurz und gut, ich war dann doch unterwegs und das kam so:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nis oder Tallinn, so lauteten die Optionen der zweiten Qualifikationsrunde (die erste f\u00fcr die Eintracht) in der Europaleague. Da ich noch nie in Estland war (in Nis ebenso wenig, aber das spielt keine Rolle) und eine Reise nach Tallinn durchaus verlockend klang, \u00fcberlegte ich, tendenziell und eventuell, vielleicht doch nach Tallinn zu reisen. In Nis fehlte mir definitiv das Wasser. Und als die tapferen Tallinner die favorisierten Serben im Hinspiel mit 2:0 besiegten, gingen alle G\u00e4ule mit mir durch. Ohne dass klar war, wer in die n\u00e4chste Runde einziehen wird, buchte ich einen Flug nach Helsinki, dazu zwei \u00dcbernachtungen in der finnischen Hauptstadt. F\u00fcr den donnerst\u00e4glichen Spieltag in Estland dann zudem die F\u00e4hre nach Tallinn, die mich Samstag zur\u00fcck nach Helsinki bringen w\u00fcrde. Zwei \u00dcbernachtungen in Tallinn dazu &#8211; jetzt musste Flora Tallinn nur noch seinen Vorsprung \u00fcber das zweite Spiel bringen, es war alles angerichtet. Sollte das eigentlich favorisierte Nis dennoch die n\u00e4chste Runde erreichen, ich h\u00e4tte aus Tallinn gewunken, was soll&#8217;s, die Reise steht.<\/p>\n<p>Und dann d\u00e4mmerte es mir, dass ja bei einem Weiterkommen von Tallinn, auch noch die Option best\u00fcnde, dass unser Spiel am Mittwochabend sein k\u00f6nnte. Die Eintracht in Nis und ich in Estland, damit k\u00f6nnte ich leben. Aber die Eintracht in Tallinn und ich in Helsinki, das w\u00e4re doof &#8211; die F\u00e4hrfahrt dauert ja nur zwei Stunden, und diese war jetzt f\u00fcr Donnerstag gebucht. Alles hing davon ab, wie eine weitere estnische Mannschaft spielt.<\/p>\n<p>Das entscheidende R\u00fcckspiel verfolgten wir am Ticker, die Esten lagen zur\u00fcck, drehten das Spiel und siegten in der Verl\u00e4ngerung &#8211; und f\u00fcr uns war klar, so Tallinn weiter kommt, ist unser Spiel Mittwochs. Na super, Herr Beve, l\u00e4uft ja wie am Schn\u00fcrchen. Sp\u00e4ter am Abend war klar: Flora Tallinn ist weiter. Und ich am Spieltag in Helsinki. Bei aufkommender Panik ist es am besten: Erst mal dr\u00fcber schlafen.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen buchte ich sicherheitshalber ein stornierbares Zimmer in Tallinn f\u00fcr den Mittwoch. Dann versuchte ich, die F\u00e4hrfahrt zu verlegen. Und w\u00e4hrend ich tippte und rotierte, kam Pia r\u00fcber und murmelte, dass unser Spiel doch Donnertstags sei. Und ich holte nach, was ich am Abend zuvor vers\u00e4umt hatte: Ich checkte alles nochmal ganz genau &#8211; und siehe da: Die Eintracht wird doch am Donnerstag spielen. Aber weshalb?<\/p>\n<p>Die Antwort folgte auf dem Fu\u00dfe: Wir hatten am Ticker das Spiel einer dritten estnischen Mannschaft verfolgt &#8211; welches f\u00fcr uns v\u00f6llig irrelevant war. Die entscheidende Partie zwischen Narva Trans und Podgorica hatten wir gar nicht auf dem Schirm, wir litten mit Levadia Tallinn. Die zu allem \u00dcberfluss dennoch rausgeflogen sind, der isl\u00e4ndische Club UMF Stjarnan hatte in der allerletzten Minute noch ein Tor geschossen, was im Ticker zun\u00e4chst nicht angezeigt wurde. Alle Aufregung umsonst, alle l\u00e4uft wie ertr\u00e4umt. Tallinn, Tallinn, ich fliege nach Tallinn. Besser: Nach Helsinki. Beve international.<\/p>\n<p>Tag I<\/p>\n<p>Ordentlich ausgeschlafen, begleitete mich Pia am Vormittag des 23. Juli 2019 zur Stra\u00dfenbahn, die Hitze des Sommers lag dr\u00fcckend \u00fcber der Stadt, im Rucksack lagerte das n\u00f6tigste, darunter zwei schmale Reisef\u00fchrer von Helsinki und Tallinn. Pia wollte nicht mit kommen, ich musste mal wieder alleine hinaus in die weite Welt. Und schon rumpelte die Stra\u00dfenbahn an, brachte mich zur Konsti und von dort rollte die S-Bahn vorbei am Yeboah-Haus und Stadion zum Airport. Einen Shuttlebus sp\u00e4ter wurde ich am Terminal 2 ausgespuckt, rauchte noch eine Zigarette und marschierte wie ein alter Hase durch die Sicherheitskontrollen &#8211; mit der Folge, dass ich wieder einmal zu fr\u00fch am Gate war. Gut, dass es den &#8222;Unort Raucherraum&#8220;, wie Freund Flo sagt, gibt. Eine Kippe geraucht, ein bisschen im Reisef\u00fchrer gebl\u00e4ttert &#8211; und dann hie\u00df es auch schon fertig machen f\u00fcrs Boarding. Und das beste war: Basti und Steff vom Fanprojekt sitzen im gleichen Flieger, so verging die Warterei noch ein wenig schneller.<\/p>\n<p>Bei bestem Wetter hoben wir mit Finnair ab, Die Hochh\u00e4user Frankfurts gerieten au\u00dfer Sicht, wir schwebten \u00fcber den Wolken, Kassel, Hannover, Hamburg und dann r\u00fcber \u00fcber die Ostsee. Zwischendrin gab&#8217;s sogar einen Kaffee und einen Blaubeersaft und gute 2,5 Stunden sp\u00e4ter setzten wir zur Landung in Helsinki an &#8211; einen Pass indes wollte w\u00e4hrend des gesamten Flugvorgangs niemand von mir sehen.<\/p>\n<p>Unten am Flughafenbahnhof traf ich wieder auf Basti und Steff und gemeinsam nahmen wir die n\u00e4chste Bahn Richtung City, die beiden wollten noch am Abend weiter nach Tallinn, derweil ich zun\u00e4chst in Helsinki blieb. So verabschiedeten wir uns am Hauptbahnhof, der hier R<span lang=\"fi-Latn\">autatieasema hei\u00dft, was nicht einfach auszusprechen ist. Also f\u00fcr die Finnen schon, f\u00fcr mich nicht. Am Ausgang tobte das Leben.<\/span><\/p>\n<p>Die beiden Fanprojektler packten ihr B\u00fcndel und machten sich langsam auf zum F\u00e4hrhafen, w\u00e4hrend ich die T\u00f6\u00f6l\u00f6nkatu suchte, jene Stra\u00dfe, in der laut Buchung mein Zimmer liegt. Ich fragte einen Finnen, der auch S\u00e4nger in einer finnischen Waldmetal-Band h\u00e4tte sein k\u00f6nnen und in pr\u00e4zisem englisch wies er mir den Weg, den ich auch gleich fand. Auf mein Klingeln hin wurde prompt ge\u00f6ffnet, und ein schwerer Aufzug mit metallnen Gittert\u00fcren brachte mich ratternd nach oben in den sechsten Stock. Dort empfing mich ein junger Mann, zeigte mir mein Zimmer und wies mich in die Gepflogenheiten der Wohnung ein, in der ich f\u00fcr die folgenden zwei Tage zuhause sein sollte. In der Wohnung befanden sich unz\u00e4hlige T\u00fcren, eine davon f\u00fchrte in eine K\u00fcche, eine in einen Gemeinschaftsraum, in dem niemand sa\u00df und direkt neben meinem Zimmer befanden sich jeweils Dusche und Toilette. Ein Zimmer bewohnten die beiden recht jungen Wohnungsinhaber. Und f\u00fcr alle gilt: Schuhe aus.<\/p>\n<p>Ich warf meinen Rucksack in die Ecke, sch\u00fcttete mir Wasser ins Gesicht und brach gegen 17:00 Uhr auf zu meinem ersten Spaziergang in Helsinki. Hurra, hurra, ein Frankfurter ist da.<\/p>\n<p>Vorbei am Bahnhof geht es die belebte Mannerheimintie nach unten Richtung Wasser. E-Scooter sausen an mir vor\u00fcber, breite, belebte Stra\u00dfen f\u00fchren mich direkt an die K\u00fcste des finnischen Meerbusens, die Preisschilder und Speisekarten auf dem Weg zeigen, dass Helsinki kein billiges Pflaster sein wird. Ein Bier f\u00fcr 8,50 &#8211; Prost Mahlzeit. Unten am Wasser f\u00e4llt der Blick auf unz\u00e4hlige Inseln, dazwischen tuckern Bootchen jeglicher Couleur &#8211; von gro\u00dfen F\u00e4hren bis zu kleinen Segelbooten ist alles dabei. Menschen sitzen in den Caf\u00e9s und ich treibe die K\u00fcste entlang bis hin zum alten Olympia Terminal. Heinz Ulzheimer hat ja hier in Helsinki die erste olympische Medaille nach dem Krieg f\u00fcr die Eintracht geholt, damals, 1952.<\/p>\n<p>Direkt hinter dem Olympia Terminal beginnt das vermeintliche Herz Helsinkis zu schlagen, die H\u00e4ndler am Marktplatz packen schon ihre Sachen zusammen, derweil kleinere F\u00e4hren auf Fahrg\u00e4ste warten, unter anderem f\u00e4hrt von hier die Stadtf\u00e4hre nach Suomenlinna, eine kleine Festungsinsel vielleicht 15 Minuten Fahrt entfernt. Ich verlasse das Ufer und schlendere am Dom und am gro\u00dfen Senatsplatz vorbei die Esplanaden entlang, breite Boulevards, Menschen mit Champagner in Eisk\u00fcbeln sehen den Flanierenden zu, dazwischen umkurven mich E-Scooter, die hier tats\u00e4chlich angekommen sind. Allzu pittoresk wirkt die Gegend nicht, zuviel Trubel, zuviel Gesch\u00e4ftigkeit und so geht es \u00fcber den Bahnhof zur\u00fcck Richtung T\u00f6\u00f6l\u00f6, dem Bezirk, in dem meine Unterkunft liegt. Bevor ich mich ausruhe, werfe ich noch einen Blick in den Supermarkt ein paar Meter weiter oben, junge Leute mit T\u00fcten voller Dosenbier kommen mir entgegen. Das g\u00fcnstigste Dosenbier kostet hier im Markt \u00fcber zwei Euro, ich hole mir zwei Dosen, dazu Brot und Salami und wandere zur\u00fcck zur T\u00f6\u00f6l\u00f6katu Nummer 12, der knarrende Aufzug bringt mich nach oben in den sechsten Stock, zwei junge Frauen sind am Plaudern, ich sage kurz hallo und verschwinde in meinem ger\u00e4umigen Zimmer. Das Bett ist schmal &#8211; aber ausreichend, aber schon bald bin ich wieder unterwegs Richtung T\u00f6\u00f6l\u00f6n See, den ich nach wenigen Metern erreiche.<\/p>\n<p>Fahrr\u00e4der, E-Scooter, Spazierg\u00e4nger auf den Uferwegen, dosenbiertrinkende Finnen genie\u00dfen entspannt ihren Feierabend, Nilg\u00e4nse latschen zwischen den F\u00fc\u00dfen umher, ich suche einen Platz und trinke ein Bier mit Blick auf&#8217;s Wasser. Auf den ersten Blick scheint Helsinki vor allem an Wasserpl\u00e4tzen wunderbar, die Stadt selbst wirkt &#8211; abgesehen von touristischen Orten &#8211; eher ruhig, aber sie umschmeichelt dich nicht, die Finnen wirken entspannt, junge Leute sind oft eine Mischung von Hippiegruftimetalpunks, Ville Valo l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Langsam legt sich die Sonne nieder und taucht den See in ein romantisches Licht. Schade, dass Pia nicht dabei ist, sie w\u00e4re bestimmt begeistert von dem kleinen Caf\u00e9 auf der anderen Uferseite, alleine lasse ich es rechts liegen, komme an die kleine Bucht mit Schwimmflamingo- und Stehpaddelverleih und schiebe mich zur\u00fcck Richtung Unterkunft, nicht ohne noch eine Dose Bier f\u00fcr die Nacht zu holen. Ein Vorhaben, welches daran scheitert, dass Alkoholverkauf nach 21:00 au\u00dferhalb der Kneipen gesetzlich untersagt ist. Mit einer Zitronenlimo in der Hand geht es zur Nacht. Zuvor aber hat mir Lukas Hradecky, unser einstiger finnischer Torwart, auf Twitter geantwortet. Gr\u00fc\u00dfe. Und an der Eingangst\u00fcr steckt ein Schl\u00fcssel. Ich ziehe ihn ab und lege ihn auf den Tisch. Irgend jemand wird ihn noch brauchen.<\/p>\n<p>Tag II<\/p>\n<p>Wohl dem, der einen Reisef\u00fchrer dabei hat &#8211; so lege ich mir einen Plan f\u00fcr den Tag zurecht.<\/p>\n<p>1. F\u00e4hre nach Suomenlinna<\/p>\n<p>2. Spaziergang zum F\u00e4hrterminal Richtung Tallinn<\/p>\n<p>3. Ausflug nach Seurasaari<\/p>\n<p>4. Abend<\/p>\n<p>Mal schauen, ob alles so klappt. In einem Supermarkt am nahen Bahnhof hole ich mir Croissants und einen Smoothie und wandere durch gesch\u00e4ftige Viertel mit gro\u00dfen Einkaufsh\u00e4usern Richtung Markt. Dort locken orangene und wei\u00dfe Sonnenschirme zu den St\u00e4nden, Klamotten und Gem\u00fcse, Souvenirs und Rentierfrikadellen im Angebot. Die F\u00e4hre, die alle 20 Minuten nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Suomenlinna\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Suomenlinna<\/a> ablegt, wartet schon auf die Abfahrt. Ich ziehe mir eine 24 Stundenkarte und kaum bin ich an Bord, tuckern wir los. Es wird ein hei\u00dfer Tag &#8211; und hei\u00dfe Tage auf einer Insel sind bekanntlich die besten. Der Blick f\u00e4llt auf die vielen Inseln, winzig klein zum Teil, manche scheinen bewohnt, Menschen sitzen in ihren kleinen H\u00e4uschen, Bootchen tuckern umher, der Fahrtwind zerzaust die Haare, bis wir nach einer guten Viertelstunde anlegen. Kaum an Land, wird mir eine Karte in die Hand gedr\u00fcckt und w\u00e4hrend sich der Rest der Mitreisenden Richtung Hauptweg aufmacht, biege ich am Ufer entlang ab. Noch ist wenig los, immer wieder f\u00e4llt der Blick aufs Wasser, dazwischen Wege und h\u00f6lzerne H\u00e4user, kaum Autos und Inselruhe. Sch\u00f6n ist&#8217;s hier, \u00fcber eine Br\u00fccke geht es auf den hinteren Teil der Insel. Ein Kiosk verkauft Souvenirs, hier scheint das kleine Zentrum von Suomenlinna zu sein, ich spaziere weiter am Wasser entlang. Auf Steinfelsen sitzen vereinzelt Leute, eine F\u00e4hre schiebt sich vorbei, etwas zu gro\u00df f\u00fcr die kleinen Segelbootchen dazwischen, ich setze mich alleine auf die Steine und sehe den Schiffen hinterher, tr\u00e4ume aufs Wasser zwischen Bullerb\u00fc-Feeling und Europacup, zwischen Sonnenschein und dem Unterwegssein und dem Gedanken, dass irgendwann alles so nicht mehr sein wird.<\/p>\n<p>Der Festungscharakter der Insel wird am oberen Ende deutlich, Festungsw\u00e4lle, unterirdische G\u00e4nge, alte Kanonen und kletternde Touristen. Zwischen gr\u00fcnen Wegen und Uferblicken geht es langsam zur\u00fcck Richtung Anlegestelle. Ein kleiner Supermarkt offeriert das n\u00f6tigste, eine Zimtschnecke, ein Wasser und einen Kaffee in der Hand sitze ich an der Bucht, ein letzter Wassergru\u00df auf der Insel und schon tuckert die F\u00e4hre zur\u00fcck nach Helsinki.<\/p>\n<p>Jetzt warten schon nahezu hunderte auf die n\u00e4chste F\u00e4hrfahrt, schwitzen stehend in der Sonne &#8211; welch Gl\u00fcck, dass ich so zeitig unterwegs war. Durch die wunderbare Markthalle wandere ich am Olympia Terminal vorbei am Ufer entlang Richtung F\u00e4hrhafen f\u00fcr die F\u00e4hre nach Tallinn. Morgen um 10:30 wird es von hier weiter gehen, vielleicht ist es von Vorteil, dann die Wege zu kennen, um die F\u00e4hre rechtzeitig zu erwischen. Zudem ist weit sch\u00f6ner, am Wasser entlang zu schlendern, als durch die hei\u00dfe Stadt zu treiben. Bis zum kleinen Strand Eiranranta ist es ein wunderbarer Weg, ab dann wird es holprig, die F\u00e4hrkan\u00e4le sind zu umlaufen, Baustellen versperren kurze Wege und es dauert eine ganze Weile, bis ich den Zugang zum Terminal 2 erreiche. Bis ganz nach unten laufe ich nicht, aber ich wei\u00df nun, dass zwei Stra\u00dfenbahnen vom Bahnhof bis dorthin fahren, der morgige Weg ist \u00fcberschaubar und so nehme ich eine Bahn und fahre zur\u00fcck in die Stadt. Weiter oben ist eine weitere kleine Insel, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Seurasaari\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Seurasaari<\/a>, und dieser Ort klingt ebenso verhei\u00dfungsvoll wie Suomenlinna. Ich wechsle die Bahnen in denen ich schwitzend aus dem Fenster schaue und wenig reizvolles entdecke, verliere leicht die Orientierung, nehme eine Bahn zur\u00fcck, da die Nummer 4 zwar an der gleichen Station h\u00e4lt, jedoch einige Meter weiter unten, was ich zun\u00e4chst nicht gesehen habe, finde die richtige Haltestelle und steige spontan an einem Park aus, von dem ich vermute, dass ein Weg durch diesen Richtung Seurasaari f\u00fchren k\u00f6nnte. Und tats\u00e4chlich, einem inneren Gef\u00fchl folgend (und einem Blick auf die Karte dazu) entdecke ich Wegweiser, die mich zur Br\u00fccke f\u00fchren &#8211; und schon bin ich am Ziel. Nat\u00fcrlich bin ich nicht alleine, aber schon nach wenigen Metern verspielt sich alles. Die einen wandern die Waldwege entlang, ich halte mich an den Uferweg, unterwegs treffe ich auf Sonnenanbeter und Picknicker, und nach wenigen Metern erreiche ich einen kleinen Strand, Kindern spielen im Wasser wie gemalt. Ein paar Meter weiter oben hocke ich mich auf einen Stein an einer winzigen Bucht und halte die F\u00fc\u00dfe ins Wasser. Urlaub. Ach wie sch\u00f6n, der Blick aufs Wasser, auf&#8217;s Gr\u00fcn, auf die umliegenden Inseln, die Boote und den klarblauen Himmel. Es sind diese kurze und kostbaren Momente, in denen du eins mit der Welt wirst, in denen die Zeit beim Atmen still steht, in denen nichts mehr von Bedeutung ist, au\u00dfer dem nackten Dasein, noch nicht einmal das Denken. Und ich denke immer.<\/p>\n<p>Und dann setzt das Denken doch wieder ein und ich ziehe weiter, ein paar Schritte entfernt wartet ein FKK Bereich auf G\u00e4ste, strikt getrennt nach M\u00e4nnlein und Weiblei. Ich jedoch merke, dass sich ob er Hitze und des Schwitzens, ob der vielen Lauferei eine leichte Wundheit an den Innenseiten der Oberschenkel bemerkbar macht und kehre um. Wenn ich jetzt noch viel laufe, k\u00f6nnte ich morgen ein Problem bekommen, das w\u00e4re suboptimal f\u00fcr die bevorstehende Weiterreise.<\/p>\n<p>So spaziere ich zur\u00fcck zur Br\u00fccke, ein Bus, der zur\u00fcck in die Stadt f\u00e4hrt, wartet schon &#8211; doch ob eines Defektes f\u00e4llt er aus. Immerhin: Nur wenig sp\u00e4ter kommt ein n\u00e4chster und nimmt uns mit, hinter dem Sibeliuspark steige ich aus, merke meine Beine und nach einem kurzen Umweg \u00fcber den Supermarkt lande ich wieder in der Unterkunft. Eigentlich wollte ich am jetzt beginnende Abend noch einmal an die K\u00fcste hinter dem Park spazieren, aber ich traue meinem leichten Beinschmerz nicht. Ergo besorge ich mir noch eine Salbe und breche mit ein paar Dosen Bier in der Tasche auf Richtung T\u00f6\u00f6l\u00f6n See. Der ist nahe der Unterkunft, falls ich Probleme bekomme, wird der Weg \u00fcberschaubar sein. Auf eine Treppe in einer Art offenen B\u00fchne setze ich mich hin, blicke auf den See, nebenan hocken ein paar Jugendliche bei Dosenbier und leiser Musik, sie lachen und haben das Leben noch vor sich und spielen sp\u00e4ter Hacky-Sack. Die Salbe wirkt und so umrunde ich wie schon gestern den See, gehe wieder nicht in das sch\u00f6ne Caf\u00e9, in das mich Pia mit Sicherheit und Recht hinein gezogen h\u00e4tte. Das ist echt so ein Problem, es ist f\u00fcr mich jedesmal ein Kampf, alleine in ein Restaurant oder Caf\u00e9 zu gehen, meistens verzichte ich darauf &#8211; es sei denn, es gibt einen ganz krassen Sog, so dass ich keine Wahl habe. Aber wenn ich eine Wahl habe, dann zweifle ich, \u00fcberlege hin und her &#8211; und lasse es meistens bleiben, was d\u00e4mlich ist, weil meistens habe ich dann Hunger oder Durst und verpasse zudem sch\u00f6ne Pl\u00e4tze. V\u00f6llig bescheuert, aber so ist es und so war es auch schon immer.<\/p>\n<p>Auf einer Br\u00fccke beobachte ich die hier sp\u00e4t untergehende Sonne, welche den See wie schon gestern freundlich glitzern l\u00e4sst, Diamanten auf dem Wasser sozusagen. Dann geht&#8217;s heim, ich packe meine Habseligkeiten zusammen, stelle den Wecker und \u00fcberpr\u00fcfe ihn drei Mal, lese noch ein bisschen im Reisef\u00fchrer, aus der kleinen Box klingen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gogol_Bordello\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gogol Bordello<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ScFPYo24lB8\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Levin goes Lightly <\/a>und alsbald schlummer ich zur letzten Nacht in Helsinki ein. Morgen geht&#8217;s weiter nach Tallinn, morgen spielt die Eintracht im Europacup.<\/p>\n<p>Weiter geht&#8217;s in <a href=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=13671\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Tallinn<\/a>.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<h3 class=\"LC20lb\">&nbsp;<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich hatte ich ja vor, es in dieser Saison mit internationalen Ausw\u00e4rtsfahrten etwas langsamer angehen zu lassen, aber wie das so ist mit &#8222;eigentlich&#8220;. 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