{"id":13612,"date":"2019-05-12T13:00:44","date_gmt":"2019-05-12T11:00:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=13612"},"modified":"2019-05-14T10:41:22","modified_gmt":"2019-05-14T08:41:22","slug":"london-enjoy-the-game","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=13612","title":{"rendered":"London. &#8222;Enjoy the game&#8220;."},"content":{"rendered":"<p>Und dann lag der Ball im Tor. Wie, das konnten wir nicht erkennen, aber er war drin. Trapp hatte ihn doch schon und jetzt: 2:1 f\u00fcr Chelsea, der Traum war aus. Doch der Schiedsrichter sah mehr als wir, annullierte den Treffer, wir konnten alle eigentlich nicht mehr. Und doch ging es weiter &#8211; bis zum grausamen Elfmeterschie\u00dfen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>An der Stamford Bridge in London werden gerade die letzten Seiten der unfassbaren Europaleague Saison der Frankfurter Eintracht geschrieben &#8211; und wieder sind einige Tausend Eintracht Fans dabei. 120 Minuten lang br\u00fcllten wir uns die Seele aus dem Leib, wogte das Spiel hin und her &#8211; und ich war sicher, dass die Eintracht weiter kommt, ein paar Zeilen nur noch bis Baku. Und jetzt Elfmeterschie\u00dfen. Direkt vor unseren Augen. Das komplette Tor k\u00f6nnen wir nicht sehen, alles steht. 3:1 f\u00fchrt die Eintracht, Chelsea verk\u00fcrzt. Dann Hinteregger, Hinti Army, l\u00e4uft an, die Blauen jubeln. Noch ist alles drin, weiter, weiter. Die Blauen jubeln wieder. Dann ist es Goncalo Paciencia, der uns bei Benfica die Hoffnung am Leben hielt, er l\u00e4uft an, schie\u00dft, das Netz bewegt sich nicht. Jetzt liegt es an Kevin Trapp, Hazard l\u00e4uft an, das Netz bewegt sich, die Blauen rennen umeinand &#8211; die Eintracht ist raus. F\u00fcr einen kleinen Moment steht die Zeit still, wir realisieren das Ende der Reise. Abschied. Erinnerungen.<\/p>\n<p>Wir haben auf Korfu in der Taverne Julia gesessen, als die Eintracht das erste Spiel absolvierte, damals, im September 2018 in Marseille. Fans waren ausgesperrt &#8211; und wir hatten zuvor schon Urlaub gebucht, ohne auf die Termine zu achten. Der Fu\u00dfballgott wollte, dass &#8211; wenn wir schon nicht k\u00f6nnen &#8211; niemand zum Fu\u00dfball geht. Und dann ging es Schlag auf Schlag, mit der &#8222;Reisegruppe Zypern&#8220; sa\u00dfen wir im November nachts in Laptha am Pool. Basti Red hatte ein Hotel klar gemacht, und viele zogen nach. Mit Ariane und Niko bestiegen Pia und ich den Flieger, kutschten nachts mit dem Shuttle durch den t\u00fcrkischen Teil Zyperns &#8211; und dann ging es hoch her. Mit dem 9er Bus nach Nikosia, die Frage nach dem Heimkommen nach dem Spiel, auch diese wurde irgendwann gekl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Die Gruppenphase brachte es ja mit sich, dass gen\u00fcgend Zeit f\u00fcr die Buchungen blieb. Und so blickten wir nur ein paar Wochen vom Petersdom \u00fcber das verregnete Rom, Andi und Hans Peter waren dabei &#8211; auch beim Marsch ins Stadion, bei den Naziprovokationen, bei Hallers so wichtigem Tor, als alles zu kippen drohte.<\/p>\n<p>Im eisigen Charkiw nachts durch die Plattenbau ums\u00e4umten Stra\u00dfen marschiert, die Dali-Ausstellung in Kiew, Freddy war dabei &#8211; \u00fcberall erklang es: Dawai, dawai huh.<\/p>\n<p>Dann Mailand, mit Pia und Steffen auf dem kleinen Balkon mit Blick auf&#8217;s San Siro gesessen. Die Raketen und die Furcht vor einer weiteren Ausw\u00e4rtssperre, egal trotz der Unsicherheit sofort nach der Auslosung in der Schweiz auf der Heimfahrt in Hergeswil die Reise nach Lissabon klar gemacht. Egal wie, wir werden da sein &#8211; und wir waren da, sa\u00dfen sp\u00e4ter mit Izet in Cascais am Meer.<\/p>\n<p>Und jetzt London. Unmittelbar nach Spielende im R\u00fcckspiel gegen Benfica haben wir noch im Stadion Flug und \u00dcbernachtung gebucht. Normaler Weise sind wir, so in London, immer in Pimlico, doch unser Hotel war f\u00fcr zwei N\u00e4chte belegt, also ging es diesmal erstmals Richtung Kensington Olympia, das kleine Zimmer f\u00fcr 56 Euro die Nacht, zwei Kilometer Fu\u00dfweg zur Stamford Bridge &#8211; das klingt doch gut. Leider waren die Flugzeiten nicht ganz so perfekt, erst Dienstag nachmittags ging der Flieger aus Frankfurt und schon in aller Herrgottsfr\u00fche am Samstag zur\u00fcck. Aber der Direktflug f\u00fcr 220 Flocken, da muss man in diesen Zeiten nehmen, was man kriegt.<\/p>\n<p>Was London angeht, sind Pia und ich ja alte Hasen, f\u00fcnf Mal waren wir in den letzten Jahren hier, jetzt also die sechste Reise, erstmals steht kein Konzert an, sondern das Halbfinale der Europaleague bei Chelsea. H\u00e4tte uns 2011 im November, bei unserer ersten London Tour, jemand gesagt, dass wir hier mit der Eintracht um das Finale spielen w\u00fcrden, wir h\u00e4tten ihn ausgelacht. Damals siegten wir mit Ach und Krach durch einen last minute Treffer von Matmour mit 4:3 gegen Alemannia Aachen, das Spiel sahen wir im Zeitgeist in Lambeth und die Schlagzeile lautete: <strong>Eintracht Frankfurt hei\u00dft der neue Tabellenf\u00fchrer der zweiten Liga.<\/strong><\/p>\n<p>Trotzdem wir mit einiger Versp\u00e4tung losgeflogen sind, landen wir nahezu planm\u00e4\u00dfig in Heathrow, laden unsere Oyster Karten auf und springen ein paar Minuten sp\u00e4ter in die Tube, die uns \u00fcber Hounslow und Hammersmith zu Barons Court bringt. Von hier ist es eine knappe Viertelstunde Fu\u00dfweg zur Maclise Road, zu unserer Unterkunft. Ab jetzt hei\u00dft es wieder aufpassen. Look Right. Linksverkehr. An der Stra\u00dfe parkt ein Rolls Royce mit verrostetem Kotfl\u00fcgel, das ganze mit Gaffa \u00fcberklebt. Pia zieht ihr Rollk\u00f6fferchen hinter sich her, mein gr\u00fcner Rucksack baumelt \u00fcber der Schulter und zielstrebig finden wir unsere kleine Stra\u00dfe. Nebenan ein kleiner Off Licence Laden, wir trinken noch ein Carlsberg und schon kommt Steve, unser Gastgeber, und f\u00fchrt uns die Treppen hinab in unser Zimmer. Es ist winzig klein, aber alles ist da und sauber ist es auch. Ein Bett steht im Raum, an der Wand ein Brett mit Wasserkocher, Kaffeemaschine, nebenan ein kleiner K\u00fchlschrank, dazu separat eine Toilette und eine Dusche. Jo, sieht gut aus.<\/p>\n<p>Kaum haben wir unsere Sachen ausgepackt, geht es durch ruhige Wohnviertel hoch nach Shepherds Bush, einem quirligen Stadtteil mit vielen L\u00e4den an der Shepherds Bush Road, an der Uxbridge Road. Multitkulti vom Feinsten. Letztes Jahr spielte hier Jim Bob im O2 Empire, das wir links liegen lassen &#8211; unser Ziel ist der Shabab Curry Laden um die Ecke des Shepherds Bush Market. Beste Lammkoteletts oder Curries f\u00fcr 7 Pfund &#8211; in London musst du wissen, wo du hin gehst, sonst wirst du arm &#8211; aber nach all den Jahren kennen wir schon das ein oder andere. Sonst w\u00e4re das alles auch gar nicht m\u00f6glich. Sp\u00e4ter sehen wir im Richmonds Pub noch die letzten Minuten des unfassbaren 4:0 von Liverpool gegen Barcelona. Hat die Woche der Wunder begonnen?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst aber steht uns ein ganzer Tag zur freien Verf\u00fcgung, hallo London, hier sind wir. Und der Regen so: Hallo, ich auch. Es sch\u00fcttet. So nehmen wir nach einem kleinen Fr\u00fchst\u00fcck den 90er Bus von Royal Crescent Richtung Piccadilly. Die Scheiben sind beschlagen als wir Notting Hill und den Hyde Park passieren, die Leuchtreklame am Piccadilly Circus spiegelt sich in den regennassen Stra\u00dfen, die roten Doppeldecker rollen vorbei, Passanten hasten vor\u00fcber, w\u00e4hrend wir uns im Lillywhites umgucken. Wenn du Sportschuhe brauchst, hier findest du sie. Und so ist es, Pia findet immer etwas &#8211; und da es immer noch regnet, beschlie\u00dfen wir, einen kleinen Ausflug in die National Gallery zu machen. Das ist der Vorteil Londons, wenn es regnet kannst du immer in die gro\u00dfen Museen gehen, ob Tate, Modern Tate, British Museum oder National Gallery &#8211; der Eintritt ist frei und es lohnt sich. Zielstrebig suchen wir die R\u00e4ume des 19. Jahrhunderts auf, Turner, Friedrich, Monet. Eine Schulklasse in gelben Warnwesten sitzt auf dem Weg im Schneidersitz vor einem gro\u00dfen Gem\u00e4lde von Luca Giordano, im Mittelpunkt der abgeschlagene Kopf der Medusa. Die Lehrerin erkl\u00e4rt unterhaltsam. Sp\u00e4ter treffen wir sie wieder vor einem Gem\u00e4lde, in dem ein Drache get\u00f6tet wird. Ein kleines bisschen Horrorshow f\u00fcr die Kleinen. So wichtig.<\/p>\n<p>Wir gucken uns die Themse unten bei Westminster von Monet an, die Winterlandschaft von Friedrich, die bevorstehende Enthauptung der Lady Jane Grey von Paul Leroche und das phantastische &#8222;An Experiment on a Bird in the Air Pump&#8220; von Joseph Wright &#8218;of Derby&#8216;. Dann reicht es auch, die Sonnenblumen van Goghs sind ans Tate verliehen und wir haben Hunger. In der Tarchbrook Street in Pimlico gibt es einen kleinen Markt, das k\u00f6nnte doch ein Ziel sein. Leider kommt der Bus nicht, also k\u00e4mpfen wir uns durch den Regen vom Trafalgar Square zu Fu\u00df Richtung Themse, stellen uns hie und da unter, schlendern am einger\u00fcsteten Big Ben vorbei, treffen auf eine Volunteersgruppe der Eintracht, gucken, ob wir am House of Parliament einen Blick auf Theresa May erhaschen, w\u00e4hrend Londoner f\u00fcr und gegen den Brexit demonstrieren. Ob der kleine Archie, der neugeborene Siebte in der britischen Thronfolge, daf\u00fcr oder dagegen ist, wissen wir nicht. Dass die Taxis streiken aber wird offensichtlich. An der Tate vorbei geht es hoch nach Pimlico, unsere &#8222;alte Heimat&#8220;. Wie oft sind wir hier schon entlang spaziert &#8211; und tats\u00e4chlich, ein Gef\u00fchl von Heimat durchweht uns. Vor allem, als wir nach dem Essen am Markt den Warwick Way entlang spazieren und am Hotel Enrico vorbei kommen. Doch diesmal haben wir keinen Schl\u00fcssel.<\/p>\n<p>Von dort geht es wieder Richtung Themse, gegen\u00fcber die modernisierte Battersea Power Station, die Glasfassaden der Hochh\u00e4user der Southbank. Und da wir schon hier sind, beschlie\u00dfen wir, einen Blick auf die Stamford Bridge zu werfen. Hausboote d\u00fcmpeln am Ufer, dahinter w\u00e4chst Chelsea Harbour, das n\u00e4chste exclusive Wohngebiet, von alten Industriebauten stehen nur noch die Fassaden, Hochh\u00e4user werden auch hier hoch gezogen &#8211; mit Sicht auf die Themse. Kinder spielen hier keine. Die m\u00fcssen ja auch alle den Kopf der Medusa anschauen.<\/p>\n<p>Das Stadion ist von der Fulham Road als Stadion nicht wirklich ersichtlich, Hotels und H\u00e4user versperren den Blick, aber du erkennst es an den Schildern und der Security, die schon vor dem Eingang kontrolliert &#8211; und uns freundlich durchl\u00e4sst. Hier wird morgen auch unser Eingang sein. Wir umrunden die alte Stadionmauer, Bilder von Legenden h\u00e4ngen an der Wand, der unvermeidliche Megastore dazu. Auf der Fulham Road h\u00e4ngen an Lampenmasten Portraits von Chelsea Spielern. Pia meint, das k\u00f6nnte auch an der Kennedyallee eine gute Idee sein &#8211; und wo sie Recht hat, hat sie Recht.<\/p>\n<p>Wir treiben durch den Regen die gesch\u00e4ftige North End Road nach oben, versacken kurz im Zimmer, bis es wenig sp\u00e4ter wieder hoch nach Shepherds Bush zum Abendessen geht. Nat\u00fcrlich im Shabab. Anschlie\u00dfend werden wir im Richmonds Pub Zeuge, wie die Woche der Wunder weiter geht. Tottenham dreht das 0:1 aus dem Hinspiel bei Ajax bei 0:2 Halbzeit R\u00fcckstand noch in der letzten Sekunde. Der Pub rastet aus. Wir wandern durch die Dunkelheit zur\u00fcck durch die Blythe Road. M\u00fcde und voller Eindr\u00fccke fallen die Augen zu.<\/p>\n<p>Matchday<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich regnet es. Fr\u00fch schon sind wir auf den Beinen, fr\u00fchst\u00fccken und machen uns auf Richtung Holland Park. Der Plan sah eigentlich vor, \u00fcber den Holland Park, Kensington Gardens und Hyde Park Richtung Leicester Square zum Treffpunkt zu wandern, aber das Wetter spielt nicht mit. So spazieren wir an den vornehmen H\u00e4usern am Holland Park vorbei an Kameras und Range Rovern hinein in den Park, passieren einen kleinen Wasserfall und \u00e4ndern den Plan. Wir sind ja nicht weit weg von Notting Hill und ein Spaziergang durch die Portobello Road ist immer eine feine Sache, zumal in den kleinen Gesch\u00e4ftchen immer das ein oder andere abf\u00e4llt, f\u00fcr Pia ein Rock und f\u00fcr mich eine Tasche, in die sogar &#8222;Beve&#8220; eingestanzt wird. Dann machen wir es kurz und schmerzlos, nehmen die Tube bei Ladbroke Grove Richtung Shepherds Bush, und schlendern dort \u00fcber den Markt. Hier ist Asien. Und Afrika. Und England, welch ein Unterschied zu den Range Rovern beparkten Stra\u00dfen unten am Park. Mittagessen bei Shabab und dann der R\u00fcckweg, noch steht ein langer Tag bevor, da hei\u00dft es: Kr\u00e4fte sammeln.<\/p>\n<p>Gegen 15 Uhr machen wir uns auf, in der Hand ein Dosenbier, den Eintrachtschal um den Hals, geht es zu Fu\u00df die North End Road nach unten. Der ein oder andere Pub bietet nur Platz f\u00fcr Heimfans, das kann uns aber egal sein. Sicher verstaut liegen die Tickets in der Tasche, nach dreimaligem \u00dcberpr\u00fcfen wissen wir das ganz genau. Ein alter Doppeldeckerbus schiebt sich an uns vorbei, &#8222;Zuhause in Europa&#8220; wei\u00dft das Schild aus, wo sonst die Endstation angeschrieben steht. Aber hallo. So wandern wir langsam vor zum gro\u00dfen Einkaufscenter neben dem Stadion, \u00fcberall dr\u00fccken sich jetzt Eintrachtfans durch die Wege, wir nehmen Dosenbier und zur Sicherheit eine Plastikt\u00fcte, teilen das Bier mit einem Eintrachtfan und stellen uns ans Eck. Und ab jetzt hei\u00dft es \u00fcberall Gude wie. Tausend Begegnungen, tausend Gespr\u00e4che, tausend Geschichten. Gerd konnte wie Vatmier noch eine Karte ergattern, J\u00fcrgen war \u00fcberall dabei, und die Polizei l\u00e4sst uns in Ruhe. Naja, erstmal, irgendwann kommt einer vorbei und nimmt uns freundlich aber bestimmt die letzte Dose ab. &#8222;Enjoy the game&#8220;. Machen wir, holen uns aber zuvor noch ein weiteres Bier, trinken die Dose aus der Plastikt\u00fcte, \u00fcberwinden die 40 Pence Toilette im Einkaufszentrum hoch geschickt und ausgekl\u00fcgelt, da uns die M\u00fcnzen ausgegangen sind. Und dann m\u00fcssen wir unbedingt noch Familie Minden treffen, die wir \u00fcberall getroffen haben. Nur nicht in Lissabon. Und prompt setzte es eine Niederlage. Dank moderner Technik klappt das auch tadellos, jetzt ist Gewimmel und Gewusel, Lukas st\u00f6\u00dft zu uns, da ist auch Anno und ehe wir uns versehen, sind wir im Stadion, das ging ja entspannt und flott.<\/p>\n<p>Wir stehen unten in der letzten Reihe, das Spielfeld ist nicht weit weg, direkt hinter uns sind die Rollifahrer. Erstmal eine rauchen, auch das klappt tadellos. Ana hat uns entdeckt, sp\u00e4ter kommen auch Maj und Pauline, die noch vor wenigen Wochen in Zypern mit uns am Pool sa\u00dfen. Europacup in diesem Jahr. Eine F\u00e4hnchenchoreographie sp\u00e4ter geht&#8217;s los, Haller auf der Bank, die Eintracht in wei\u00df. Wir br\u00fcllen. Singen. P\u00f6beln. Alles steht. Loftus-Cheek macht das 1:0 f\u00fcr Chelsea, egal, weiter, weiter. Ich schenke einem Ordner hinter mir das Choreo F\u00e4hnchen, er freut sich. Ob Rom, Mailand oder London &#8230; If you hate fucking Chelsea, clap your hands &#8230;, alle geben alles. Bis auf den Cop, der den M\u00e4dels neben mir das Rauchen verbieten will. Das lasse ich mir nicht bieten, bin kurz davor zu eskalieren. Egal, irgendwann gibt er wie ich Ruhe. If you hate fucking Chelsea clap your hands&#8230;<\/p>\n<p>In der Pause h\u00e4lt Pia das Eintrachtf\u00e4hnchen nach oben, bis ihr die Arme fast abfallen, aber sie h\u00e4lt durch. Dann ist es Gacinovic, zu Jovic &#8211; und er trifft, wir drehen durch. Chelsea spielt bei weitem nicht so stark wie im Hinspiel, die Eintracht bleibt dran, ich bin sicher, das verlieren wir heute nicht. Und es geht tats\u00e4chlich in die Verl\u00e4ngerung, kurz zuvor wurde Haller noch eingewechselt. Und weshalb Azpilicueta noch auf dem Platz steht, wissen die G\u00f6tter. Mit beiden Beinen voraus auf Gacinovic, das war eigentlich glatt rot. In der Verl\u00e4ngerung hat die Eintracht wieder ihre Chancen, Luiz rettet auf der Linie. <em>Und dann liegt der Ball im Tor. Wie, das konnten wir nicht erkennen, aber er ist&nbsp; drin. Trapp hatte ihn doch schon und jetzt: 2:1 f\u00fcr Chelsea, der Traum ist aus. Doch der Schiedsrichter sieht mehr als wir, annulliert den Treffer, wir k\u00f6nnen alle eigentlich nicht mehr. Und doch geht es weiter &#8211; bis zum grausamen Elfmeterschie\u00dfen.<\/em> An der Stamford Bridge. Bei Chelsea. One step to Baku. Direkt vor unseren Augen. <em>Das komplette Tor k\u00f6nnen wir nicht sehen, alles steht. 3:1 f\u00fchrt die Eintracht, Chelsea verk\u00fcrzt. Dann Hinteregger, Hinti Army, l\u00e4uft an, die Blauen jubeln. Noch ist alles drin, weiter, weiter. Die Blauen jubeln wieder. Dann ist es Goncalo Paciencia, der uns bei Benfica die Hoffnung am Leben hielt, er l\u00e4uft an, schie\u00dft, das Netz bewegt sich nicht. Jetzt liegt es an Kevin Trapp, Hazard l\u00e4uft an, das Netz bewegt sich, die Blauen rennen umeinand &#8211; die Eintracht ist raus. F\u00fcr einen kleinen Moment steht die Zeit still, wir realisieren das Ende der Reise. Abschied.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Binnen kurzem leert sich das Stadion, die Blauen str\u00f6men zu den Ausg\u00e4ngen. Heroes l\u00e4uft von David Bowie. Liquidator, Madness. Der wirkliche Wahnsinn aber spielt sich in und vor unsere Kurve ab. Hinteregger steht verloren an der Seite, Paciencia ist geknickt. Traurigkeit, Trotz, Stolz, W\u00fcrde, eine Melange an Gef\u00fchlen arbeitet in uns allen. Tr\u00e4nen flie\u00dfen. Auf den seitlichen Trib\u00fcnen sehen wir erst jetzt, wie viele Eintrachtler hier sind. Und wir feiern unsere Eintracht mit unserer Eintracht und wir singen &#8222;Im Herzen von Europa&#8220;. Hinteregger wird wie alle getr\u00f6stet, niemand ist auf jemand b\u00f6se. Das ist er nun, der Abschied von der europ\u00e4ischen B\u00fchne von Eintracht Frankfurt. Und welch ein dramatischer Abschied, welch ein dramatischer Auftritt. Und ein ganz kleines bisschen bin ich auch erleichtert. Es war alles schon ganz sch\u00f6n viel, die Reisen und Auslosungen, die Kosten, die Fl\u00fcge und Eindr\u00fccke, die wenige Zeit zum Verarbeiten, doch ein einziges Mal noch, das w\u00e4re doch noch gegangen. Vorbei.<\/p>\n<p>Wir gehen raus, der Himmel weint. Meter f\u00fcr Meter schieben wir uns die North End Road hoch, treffen Bekannte, \u00f6ffnen ein Dosenbier, stellen uns unter und laufen die letzten Meter mit David vom EFC Idstein Richtung Unterkunft. Noch ein Sch\u00f6ppchen f\u00fcr die Nacht. Dann fallen wir in einen tiefen Schlaf. Und tr\u00e4umen von all unseren Reisen und Erlebnissen.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen lacht die Sonne uns aus, wir sind aber darob nicht b\u00f6se. Ausgeschieden ist die Eintracht zwar immer noch und statt unserer Naturgewalt darf das dr\u00f6ge Chelsea zum Finale nach Baku. Sollen sie sehen, wie sie damit klar kommen. Wir aber haben noch einen Tag in London. Und diesen wollen wir nutzen. Auch wenn wir heiser und kaputt sind.<\/p>\n<p>Im Caf\u00e9 Paradiso gibts zum Fr\u00fchst\u00fcck Pasteis de Nata, dann laufen wir vor zur Station Hammersmith, der Bus bringt uns nach Richmond au\u00dferhalb des Trubels, wir sitzen oben vorne im Doppeldecker, schieben uns an der Themse entlang \u00fcber Chiswick nach Richmond, trinken im Sonnenschein einen Tee und wandern durch kleine G\u00e4sschen runter an den Fluss, der hier noch malerisch in Richtung der gro\u00dfen Stadt m\u00e4andert. Spazierg\u00e4nger verweilen in den Caf\u00e9s, Bootchen liegen am Ufer, andere werden repariert, der Spaziergang an der Themse an Wiesen vorbei bringt uns zu Petersham Meadows und von dort zur Deutschen Schule. Dann verfransen wir uns und landen am Golfplatz in Richmond. Wir passen auf, dass wir nicht getroffen werden, schlendern durch ein Wohngebiet, in dem der Range Rover wie auch die \u00dcberwachungskamera zur Grundausstattung geh\u00f6rt und landen an einem kleinem Friedhof vorbei marschierend endlich im Richmond Park, dem gr\u00f6\u00dften umbauten Park in Europa. Hirsche tapsen umher und vom King Henry Mound blicken wir in die Ferne. Durch ein Fernglas siehst du sogar durch freigeschnittene B\u00fcsche die St. Pauls Cathedral in London City. \u00dcber 10 Kilometer entfernt. Flugzeuge schweben oben Richtung Heathrow, wir genie\u00dfen die Parkstille, trinken eine Cola, k\u00f6nnen fast die Hirsche streicheln. Es ist nach den aufregenden Tagen genau der richtige Platz f\u00fcr uns, kaum Menschen, viele Tiere, alte Eichen, Kastanien &#8211; und wir laufen, bis die F\u00fc\u00dfe schmerzen.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter bringt uns der Bus zur\u00fcck bis fast nach Hammersmith, die Br\u00fccke allerdings ist gesperrt &#8211; und so laufen wir weiter, bis wir wieder im Zimmer sind. Einmal noch brechen wir auf Richtung Shepherds Bush, treffen uns mit Caro und Oli zum Abendessen, wie wir auch schon gemeinsam in Zypern gemeinsam unterwegs waren und nehmen bei einem Bier im Richmonds Pub Abschied. Gegen elf sind wir zuhause, packen unsere Siebensachen zusammen, schon um vier klingelt der Wecker, um 7:05 geht der Flieger &#8211; da bleibt nicht mehr viel Zeit. Und kaum bin ich eingeschlafen, geht es auch schon los.<\/p>\n<p>Durch die dunkle Blythe Road tapern wir Richtung Barons Court, eben erst sind wir doch angekommen, jetzt geht es schon wieder heim. Keine f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter kommt die Tube und nimmt uns mit Richtung Heathrow. Nachtschw\u00e4rmer mischen sich mit Reisenden, einer schl\u00e4ft und ist kaum wach zu bekommen und p\u00fcnktlich wie die Maurer landen wir am Airport. Schnelle Sicherheitskontrolle, ein m\u00fcder Kaffee und planm\u00e4\u00dfig heben wir ab. Wie immer halten wir uns beim Abheben an den H\u00e4nden, auch diesmal geht alles gut. Frankfurt, du hast uns wieder. Statt Hammersmith hei\u00dft es jetzt wieder Hauptwache, statt Shepherds Bush Sachsenhausen und statt Notting Hill Nordend. Ein paar Schritte noch vom G\u00fcnthersburgpark, vorbei am parkenden Dacia und die Europacup-Saison hat ihr endg\u00fcltiges Ende gefunden. <em>Wir haben in Zypern am Pool gelegen, in Rom M\u00fcnzen in den Brunnen geworfen, sind in Charkiw durch die eisige Sternennacht marschiert, haben in Mailand am Kanal Espresso getrunken, in Lissabon auf den Tejo getr\u00e4umt, im Londoner Regen gestanden. Danke <b>SGE.<\/b><\/em><\/p>\n<p>Und jetzt hei\u00dft es: <strong>Europacup, Europacup im n\u00e4chsten Jahr. <\/strong>Danke f\u00fcr&#8217;s mitkommen, wer wei\u00df schon, was passiert, wo wir landen werden und was die Zeit mit sich bringt. Aber was war, das bleibt.<\/p>\n<p>Und es bleibt viel. Die tollen Reisen und unfassbaren Auftritte unserer Eintracht. Die Einheit zwischen Mannschaft und Fans, um die uns viele beneidet haben. Aber diese Einheit fiel nicht vom Himmel. Sie hat viel damit zu tun, dass die Eintracht Frankfurt Fu\u00dfball AG Fans nicht auslie\u00dflich als Kunden begreift sondern die Leidenschaft der Kurve als unverzichtbarer Bestandteil des Fu\u00dfballs akzeptiert. Die Eintracht ist kein Marketingprodukt, keine Investition eines Millard\u00e4rs, kein auf maximalen Profit getrimmtes Unternehmen, welches etwaige Schattenseiten eliminiert. Die Kommunikation zwischen AG und Fans, die Kommunikation der einzelnen Fangruppierungen, all dies sind Bedingungen, die \u00fcber die Jahre erarbeitet wurden, erk\u00e4mpft wurden und den Grundstein legten f\u00fcr diese Saison. Und wenn auf der einen Seite korrupte Verb\u00e4nde mit aalglatten Gesch\u00e4ftsleuten ein Modell entwerfen, in dem Marketingkonzepte, Profitmaxmierungen und Agenturclaims im Vordergrund stehen, dann lasst uns ihnen zurufen: Seele und Herz k\u00f6nnt ihr nie kaufen. Ihr k\u00f6nnt Fu\u00dfball simulieren aber nicht leben. Ihr k\u00f6nnt in Geld baden und euch Titel auf die Sponsorenwimpel schreiben. Aber ihr werdet nie das erleben, was wir alle erlebt haben. Und wir m\u00fcssen daf\u00fcr sorgen, dass dies so bleibt. Auch wenn wir wieder durch T\u00e4ler schreiten werden. Wir kennen sie. Und wir werden uns erinnern. An Rom, Mailand oder London &#8230;<\/p>\n<p>Bleibt gesund, w\u00fcnscht euch Beve &#8211; Das war er, der Europacup 2018\/2019.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und dann lag der Ball im Tor. Wie, das konnten wir nicht erkennen, aber er war drin. Trapp hatte ihn doch schon und jetzt: 2:1 f\u00fcr Chelsea, der Traum war aus. Doch der Schiedsrichter sah mehr als wir, annullierte den Treffer, wir konnten alle eigentlich nicht mehr. Und doch ging es weiter &#8211; bis zum [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":13614,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[19,9,10,12],"tags":[53,1823,1329,947,952,413,2239,2171,2240],"class_list":["post-13612","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-auswarts","category-eintracht-frankfurt","category-photographie","category-wortwelt","tag-chelsea-fc","tag-eintracht-frankfurt","tag-europacup","tag-london","tag-notting-hill","tag-pia","tag-richmond-park","tag-shepherds-bush","tag-stamford-bridge","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13612","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13612"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13612\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13633,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13612\/revisions\/13633"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/13614"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13612"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13612"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13612"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}