{"id":13578,"date":"2019-04-15T10:11:25","date_gmt":"2019-04-15T08:11:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=13578"},"modified":"2019-08-10T09:24:31","modified_gmt":"2019-08-10T07:24:31","slug":"lissabon-alfama-benfica-cascais-teil-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=13578","title":{"rendered":"Lissabon &#8211; Alfama, Benfica, Cascais &#8211; Teil II"},"content":{"rendered":"<p><strong>Donnerstag, 11. April 2019<\/strong><\/p>\n<p>Matchday, die Eintracht spielt heute Abend bei Benfica Lissabon im <span class=\"ILfuVd NA6bn c3biWd\">Est\u00e1dio da Luz um den Einzug ins Halbfinale des Europacups. Noch nicht einmal drei Jahre zuvor fuhren wir nach N\u00fcrnberg, um im Relegationsspiel eventuell noch den Kopf aus der Schlinge des Abstiegs zu ziehen. Es hat bekanntlich geklappt. Heute also Lissabon.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es schickt sich an, ein warmer Tag zu werden, die Luft im Zimmer ist stickig, durch das ge\u00f6ffnete Fenster rauscht der Verkehr, auch die 28E rumpelt vorbei, die ersten Touristen sitzen in den B\u00e4hnchen und nutzen die fr\u00fche Stunde zur ersten Stadtrundfahrt. Wir brechen auf und stellen fest, dass &#8222;unser&#8220; Caf\u00e9 noch nicht ge\u00f6ffnet hat, aber ein paar Schritte daneben werden wir f\u00fcndig, ein erstes Pasteis de Nata, dann der Umzug nach nebenan. Direkt neben dem Caf\u00e9 do Largo steht ein kleiner t\u00f6nerner Becher in einem Schaufenster, bunt bemalt &#8211; gedanklich ist er schon der meinige &#8211; morgen oder \u00fcbermorgen werde ich ihn mir besorgen. Jetzt geht es erst einmal runter zum Platz Martim Moniz, von dort mit einer neuen Tageskarte zum Rossio und weiter per Pedes Richtung Alfama. Auf dem Flohmarkt der Diebe hatte Pia kleine Schl\u00f6sser der Marke &#8222;Ante&#8220; entdeckt &#8211; und der Ruf nach Mitbringsel wurde auf Twitter laut. Wir verstanden dies als Auftrag. Am Tejo direkt vor der Alfama lagen nun gleich drei Kreuzfahrtschiffe und versperrten auf mehreren hundert Metern den Blick, w\u00e4ren sie stante pede gesunken, ich h\u00e4tte keine traurigen Lieder gesungen. Wir schieben uns die Wege und Treppen nach oben, noch ist es recht beschaulich hier, W\u00e4sche h\u00e4ngt zwischen den H\u00e4usern zum Trocknen, ein Betonmischer versperrt uns den Weg, wir wandern au\u00dfen herum und sehen an der R\u00fcckwand des Hauses, vor dem gebaut wird, ein Plakat, in dem dagegen protestiert wird. Es ensteht ein Hotel, welches den alten Wohnungen die Sicht versperrt, Gentrifizierung allenthalben. TucTucs schieben sich vereinzelt durch die Gassen, oft gesteuert von jungen Frauen, welche die Touristen gekonnt durch die schmalen Str\u00e4\u00dfchen steuern. Eine viertel Stunde kostet 15 Euro, davon k\u00f6nnte man zu zweit mit etwas Gl\u00fcck auch Essen gehen.<\/p>\n<p>Wir aber wandern hoch zum Platz des Flohmarktes, doch heute parken hier Autos, der Markt findet nur dienstags und samstags statt, die Schl\u00f6sser m\u00fcssen warten. Wir pausieren oben im Park und spazieren dann an der Kathedrale Sao Vicenze vorbei, durch eine ge\u00f6ffnete T\u00fcr landen wir an einem Vorplatz mit einem fantastischen Blick \u00fcber die Alfama, linker Hand streckt sich die 17 Kilometer lange Br\u00fccke Vasco da Gama \u00fcber den Tejo, vor uns lachen uns die Kreuzfahrtschiffe aus. Die Sonne lacht gleichfalls und so sitzen wir hier und lassen Blick wie Gedanken schweifen &#8211; bis uns der Hunger wieder in die Parreirinha do Paraiso treibt, die wir jedoch finden m\u00fcssen. Die H\u00e4user bedeckt mit den vielen Azulejos, den bemalten Fliesen, an den Ecken die schmiedeeisernen Stra\u00dfenlampen, in allen Ecken und Eckchen stehen kleine Tische mit St\u00fchlen, man l\u00e4sst es sich gut gehen, unten an der Treppe spielt jemand Gitarre, wir lauschen ein paar Minuten und landen wenige Schritte sweiter tats\u00e4chlich wieder in der kleinen Gastst\u00e4tte &#8211; und werden wieder nicht entt\u00e4uscht. Man k\u00f6nnte verweilen, wie auch zuvor schon oben an der Kirche mit Blick \u00fcber die D\u00e4cher, doch l\u00e4sst sich die Zeit nicht einfrieren, so sehr wir es auch versuchen.<\/p>\n<p>Auf dem Weg zur\u00fcck landen wir wieder in der Innenstadt, der Duft von ger\u00f6steten Kastanien zieht \u00fcber die gepflasterten Wege, Kellner locken dich in Restaurants, Sonnenbrillenverk\u00e4ufer ziehen ihre Grast\u00fctchen hervor, wispern: &#8222;Koka?&#8220; Wir aber verkaufen nichts. Nein, wir kaufen nichts.<\/p>\n<p>Oben am Martim Moniz treffen wir auf Vatmier und Steffen, die auch gl\u00fccklich und begeistert unterwegs sind, auch Sabine kommt uns entgegen und wir treffen tats\u00e4chlich noch ein paar Schritte weiter oben unsere Frankfurter Vermieter. Die Welt ist doch ein Dorf und mit zwei kleinen Sagres in der Hand, sitzen wir nur wenig sp\u00e4ter auf der Terrasse und bewundern die H\u00e4uschen der ansteigenden Alfama und dann ist endg\u00fcltig Matchday. Mit der roten Linie geht es runter zu Baixa-Chiado und dann umsteigen in die blaue Linie zur Haltestelle Colegio Militar\/Luz. Die Bahnen sind schnell getaktet, die Wartezeit wird digital angezeigt, ein effizientes System bringt uns hoch zum Stadion, schon beim Aussteigen sehen wir die roten Tr\u00e4ger in rechter N\u00e4he in die Sonne leuchten. Direkt vor unseren Augen w\u00e4chst ein riesiger Komplex in die H\u00f6he, der Verkehr rauscht und wir nutzen die Gelegenheit f\u00fcr einen kleinen Abstecher in den gigantischen Supermarkt im Einkaufszentrum, leider sind fast alle Getr\u00e4nke ungek\u00fchlt &#8211; bis auf einen kleinen Heineken K\u00fchlschrank, acht winzige Fl\u00e4schchen f\u00fcr 4 Euro, das ist besser als nichts. Und kaum stehen wir wieder vor dem Zentrum, fallen wir in die Arme von Niko und Ariane, von Marc und Maria, auch Michael ist dabei, wir k\u00f6nnten so auch am Gudes in Frankfurt stehen. So ploppen die kleinen Heineken auf, Prost ihr Helden, auf die Eintracht.<\/p>\n<p>Nach einem weiteren Sch\u00f6ppchen an einem Stand, der auch Bifanas und \u00e4hnliches verkauft (wobei wir den wartenden Portugiesen vorgezogen werden) brechen wir auf. Es ist zwar noch fr\u00fch, doch die angek\u00fcndigten Kontrollen lassen schlimmes bef\u00fcrchten und wir sehen zu, dass wir vor dem Fanmarsch im Stadion sind. Die Fahnen der H\u00e4ndler wehen vor dem Stadion, wir erstehen einen recht kurzen Spieltagsschal und quetschen und durch eine enge Vorkontrolle zum offiziellen Einlass. Es dauert keine f\u00fcnf Minuten, bis wir die Kontrolle erreichen, die ordentlich aber nicht unangenehm ist, einzig Ariane wird durchsucht als wir eintreten und sie wird auch noch durchsucht, als alle anderen die Kontrolle passiert haben. Sie wird auch noch durchsucht als wir warten, ihre Gesichtsz\u00fcge sprechen B\u00e4nde. Doch irgendwann darf sie auch durch, unsittlich ber\u00fchrt und peinlich betroffen. Oben trennen sich unsere Wege, die einen m\u00fcssen Richtung Block 33, Pia und ich wandern hoch in die 28. Hoch die Stufen &#8211; und da ist er: Der Blick auf den Rasen des Estadio da Luz, dem Stadion des Lichtes. Eintracht Frankfurt international.<\/p>\n<p>Oben sitzen schon Julian und Julian, die uns auch in Mailand ein St\u00fcck des Wegs begleitet hatten &#8211; doch ansonsten blicken wir auf viele freie Pl\u00e4tze im roten, weiten Rund, das sich nur langsam f\u00fcllt. Auf den Sitzen liegen f\u00fcr uns wei\u00dfe Shirts bereit &#8211; eine weitere kleine Choreo, vorbereitet von den Ultras, deren Fahne auch schon im nebenan liegenden Block h\u00e4ngt. Aus den Boxen pluggert in angenehmer Lautst\u00e4rke Musik der 80er, Chris Reas &#8222;Road to hell&#8220; wird zur &#8222;Road to nowhere&#8220; von den Talking Heads, so zieht die Zeit ins Land, immer wieder ein &#8222;Gude wie&#8220; hier und ein &#8222;Alles klar&#8220; dort. Ich spaziere runter zu den Toiletten, nebenan gibt es bleifreies Bier und einen Hot Dog zu sieben Euro, lasst mal stecken. Polizisten verhindern, dass du zu nah an den Rand gehst, um das Treiben an den Eing\u00e4ngen zu \u00fcberblicken. Mittlerweile haben es auch Maj und Jasmin zu uns geschafft und zwei Reihen hinter mir sitzt \u00d6zi samt Gattin, der vor vielen Jahren bei den Eintracht Amateuren kickte als ich Stadionsprecher war und heute im administrativen Bereich besch\u00e4ftigt ist. Etwas sp\u00e4ter treffe ich unten auf Izet, dem ich noch eine Karte besorgen konnte (Danke Lukas), ich lotse ihn zu uns nach oben, w\u00e4hrend sich der Adler von Benfica anschickt, seine Runden zu drehen, majest\u00e4tisch kreist er in der H\u00f6he, doch statt im Mittelkreis zu landen, nutzt er die Gelegenheit f\u00fcr einen Ausflug in die Freiheit &#8211; und ward vorerst nicht mehr gesehen.<\/p>\n<p>Langsam f\u00fcllt sich das Stadion, Fahnentr\u00e4ger stehen unten am Rand zur Haupttrib\u00fcne und wedeln eifrig und dann geht es los. Doch jetzt dr\u00e4ngen auf einmal die Leute in die Bl\u00f6cke, der Einlass muss sp\u00e4ter eine Katastrophe gewesen sein, endlose Wartereien und penible Kontrollen. Doch irgendwann ist auch dieser \u00c4rger verdr\u00e4ngt, die Eintracht spielt in Lissabon. Unser Support ist kernig, alleine Megaphon und Trommeln sind nicht erlaubt, ein konzentrierter Fanblock von Benfica ist nicht auszumachen. Und schon ist sie da, die erste Chance, doch Jovic vergibt, Benfica ist schnell, die Eintracht h\u00e4lt dagegen &#8211; bis zur 20 Minute. Ein Schubser von N\u00b4Dicka f\u00fchrt folgerichtig zum Elfmeter f\u00fcr Benfica und zu unserem Entsetzen auch zur roten Karte f\u00fcr N\u00b4Dicka. Der Elfer ist drin, die Eintracht liegt zur\u00fcck und ist nur noch zu zehnt. Oha. Doch sie h\u00e4lt dagegen &#8211; uns schafft in der 40. tats\u00e4chlich den Ausgleich. Rebic, der selbst h\u00e4tte schie\u00dfen k\u00f6nnen, legt quer auf Jovic &#8211; und unsere Nummer 8 trifft gegen seinen Ex-Club zum wichtigen Ausgleich und zum ebenso wichtigen Ausw\u00e4rtstor. Von den R\u00e4ngen schallt es stakkatoartig: Eintracht. Frankfurt. Eintracht. Frankfurt. Doch nur wenig sp\u00e4ter die kalte Dusche, der hoch gelobte Joao Felix trifft mit einem ansatzlosen Schuss in die Ecke zum 2:1 f\u00fcr Benfica. Hah, mit dem Pausenpfiff trifft die Eintracht erneut &#8211; doch Kostics Treffer wird die Anerkennung verweigert, der Linienrichter hob nach gef\u00fchlten f\u00fcnf Minuten die Fahne zum Abseits.<\/p>\n<p>Direkt nach Wiederbeginn wird es bitter, erst das 3:1 durch Ruben Dias, dann das 4:1, erneut durch Joao Felix, der Stadionsprecher br\u00fcllt die Namen der Torsch\u00fctzen gleich f\u00fcnf Mal ins weite Rund. Die ersten nehmen gedanklich Abschied von der Europaleague, es sieht kurzzeitig nach einem Debakel aus. Doch die Eintracht findet trotz 1:4 R\u00fcckstand und einem Mann weniger zur\u00fcck ins Spiel &#8211; und Paciencia ist es, der tats\u00e4chlich das zweite Tor f\u00fcr die Eintracht erzielt, wir sind zur\u00fcck im Spiel und im Wettbewerb. Ein wichtiges Tor &#8211; und nun hat Benfica die Hosen voll, die Eintracht ist dem dritten Treffer n\u00e4her, als Lissabon dem f\u00fcnften. Die Hoffnung lebt. Zumal der eingewechselte Haris Seferovic, der einst bei der Eintracht war, nun wie bekannt nicht wirklich Angst und Schrecken verbreitet. M\u00f6ge dies im R\u00fcckspiel so bleiben, die Zuversicht ist zur\u00fcck. Kostic hat noch einen Treffer auf dem Schlappen, doch der Ball geht \u00fcber das Tor, es bleibt beim 2:4.<\/p>\n<p>Nach Spielende leert sich das Stadion, wir singen noch im &#8222;Herzen von Europa&#8220;, m\u00fcssen eine halbe Stunde verharren und wandern zu dritt Richtung Metro. Diese steht schon bereit, sie ist proppevoll, doch wir finden noch ein Pl\u00e4tzchen. Von hinten ruft es: &#8222;Beve&#8220;. \u00d6ri grinst mich an, Matze und Thor sind auch dabei, dann geht es los. Oben stehen noch zig Leute an den Fahrscheinautomaten, wir preisen die Tageskarte. Die Metro rauscht an der ersten Haltestelle vorbei, an der zweiten, an der dritten &#8211; und die ersten werden nerv\u00f6s. Tats\u00e4chlich, bis runter zum Terreiro do Paco f\u00e4hrt die Bahn durch, alle, die fr\u00fcher aus- oder umsteigen mussten haben gelitten. Und da die Haltestelle keine M\u00f6glichkeit zum Umsteigen bietet, m\u00fcssen diejenigen mit Einzelfahrschein eine weitere Karte l\u00f6sen, so sie nicht am Ziel sind. Wir haben Gl\u00fcck, m\u00fcssen zu Fu\u00df nur zur nahen Baixa-Chiado und sind nach zwei weiteren Stationen wieder zuhause. Es ist frisch geworden. An der Bar Josephine nehmen wir noch einen Absacker, bringen Izet zum Taxi und fallen in die Kojen. Der Traum lebt.<\/p>\n<p><strong>Freitag, 12. April 2019<\/strong><\/p>\n<p>Raus aus den Federn, die Sonne lacht. Unser heutiges Ziel lautet Cascais, ein Ort am Atlantik, leicht zu erreichen mit einem der Vorortz\u00fcge, f\u00fcr die du eine spezielle Tageskarte brauchst, aufzuladen an den klassischen Automaten, Kostenpunkt 10,40 Euro. Izet kommt zu uns runter, wir fr\u00fchst\u00fccken und fahren dann runter zum Cais do Sodr\u00e9. Von hier fahren die F\u00e4hren \u00fcber den Tejo, von hier fahren auch die Bahnen nach Cascais &#8211; und wir wissen: Den sch\u00f6nen Fensterblick auf den Tejo hast du, wenn du in Fahrtrichtung links sitzt. Dies klappt tadellos und schon rollt die Bahn an, wir rollen an Belem vorbei, am Denkmal, am Torre de Belem, halten alle naslang, vor unseren Augen schiebt sich der Tejo in den Atlantik, vor unseren Augen offenbart sich das Meer, es schmeckt nach Sommer. Hinter Estoril liegt Cascais, wir steigen aus, schlendern durch den Bahnhof in die belebte Fu\u00dfg\u00e4ngerzone, die Tische sind besetzt, Urlaub.<\/p>\n<p>Jetzt lassen wir uns treiben, beobachten Jungs beim Beachsoccer, der Strand ist belebt, Sonnenanbeter lassen sich die Strahlen auf den Pelz scheinen, Tuchverk\u00e4ufer lassen ihre T\u00fccher im Wind flattern, Kristian kommt vorbei, auch hier ein Gude wie. Noch vor ein paar Monaten haben wir in Zypern am Pool gesessen, vor ein paar Wochen am Marktplatz in Charkiw gefroren. Jetzt schauen wir auf den wilden Atlantik. Von hier sind es \u00fcbrigens um die 4,500 Kilometer bis Charkiw, eine andere Welt und doch die Welt des Europapokals.<\/p>\n<p>Wir umrunden das Fortaleza da Nossa Senhora da Luz, marschieren einen kleinen Weg zwischen Felsen nach unten, ein Ausl\u00e4ufer f\u00fchrt Wasser in Landesinnere, gegen\u00fcber gl\u00e4nzt der blau-wei\u00dfe Leuchtturm in die Sonne und wir bleiben sitzen und lassen uns die Sommersonne auf die Nase scheinen, bis ein Sonnenbrand droht, derweil sich eine Familie um uns scharrt und der festen Ansicht ist, sie sei alleine auf der Welt.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck geht&#8217;s in die Altstadt, mit einem Eis in den H\u00e4nden ans Ufer. Surfer nutzen die Wellen, an den kleinen Str\u00e4nden wird schon im April gebadet und wir schlendern die Uferpromenade entlang, bis wir in Estoril einen sch\u00f6nen Platz in einem Strandcaf\u00e9 finden und wieder auf den Atlantik schauen. Erneut m\u00f6chte man die Zeit anhalten, doch diese gerinnt zur Erinnerung an Etwas, das eben noch Gegenwart und jetzt schon tiefe Vergangenheit scheint.<\/p>\n<p>So kommt auch hier die Zeit des Aufbruchs, wir sind nur ein paar Schritte entfernt von der Station Estoril, beim letzten Tuchh\u00e4ndler erstehe ich noch ein gro\u00dfes Strandtuch, es ist nicht das sch\u00f6nste, aber das letzte &#8211; und so suchen wir den Bahnsteig, der freundliche Tuchh\u00e4ndler taucht wie aus dem Nichts auf und erkl\u00e4rt uns den Weg, wahrscheinlich hat er Feierabend und ein paar Euros verdient. Lange m\u00fcssen wir nicht auf die Bahn warten, die uns in den sonnigen Abend nach Lissabon zur\u00fcck bringt. Mit unseren sonnenroten Nasen nehmen wir die Metro zur Alfama, verfluchen an der Station Santa Apolonia die Kreuzfahrtschiffe und wandern hoch zum Park, nehmen einen Galao mit Blick auf den Tejo und entern nur wenig sp\u00e4ter eine Taverne, auf deren Grill Chorizos und Sardinen, Doraden und Barsche darauf warten, von uns verzehrt zu werden. Doch noch ist der Tag nicht zu Ende, mit einem B\u00e4hnchen der Linie 28 geht es zur\u00fcck in die Innenstadt. Und diese Fahrt hat es in sich, es ist wohl die schnellste Fahrt aller Zeiten. W\u00e4hrend die Electrico ansonsten gem\u00e4chlich durch die Gassen zuckelt, rasen wir durch das Viertel, als g\u00e4be es kein Morgen. Wir werden hin und her geschleudert, Fahrg\u00e4ste halten sich nur m\u00fchsam an den Griffen fest und binnen Sekunden sind wir wieder in der Baixa. M\u00f6ge der Fahrer noch rechtzeitig zum Tatort zu Hause sein.<\/p>\n<p>Mit der Metro geht es hoch zur Station Intendente, die Bar Josephine hat noch ge\u00f6ffnet und so sitzen wir bei Wei\u00dfwein und Sagres drau\u00dfen und lassen die sch\u00f6nen Stunden Revue passieren. Es ist ein emsiges Treiben auf dem Platz, die Tische sind gut besetzt und es wird sp\u00e4t, bis wir uns von Izet verabschieden und zufrieden und mit leichtem Sonnnenbrand in die Betten fallen. Und w\u00e4hrend drau\u00dfen der n\u00e4chtliche Verkehr rauscht, ist unsere letzte Nacht angebrochen. Wir verschlafen sie, ohne aufzuwachen, ob sie traumlos war, vermag ich nicht zu sagen.<\/p>\n<p><strong>Samstag, 13. April 2019<\/strong><\/p>\n<p>Der finale Morgen. Aus der kleinen Box im Zimmer ert\u00f6nt <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=0USIUZtkPis\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Falujas do Tejo<\/a> von Madredeus, der Presslufthammer \u00fcbert\u00f6nt den Verkehr, vielleicht war das auch gestern, wir packen unsere Sachen zusammen, rauchen eine letzte Zigarette auf der Terrasse, lassen unser Gep\u00e4ck an der Rezeption und treffen uns mit Izet zum Fr\u00fchst\u00fcck. Wieder sitzen wir im gleichen Caf\u00e9, vor mir die letzten Pasteis und Rissois de Camarao, ein letzter Galao und dann nutze ich die Gelegenheit, mir die kleine t\u00f6nerne Tasse im Laden nebenan zu kaufen, Pia kommt kurz mit, hat ein Auge auf einen bunten Untersetzer geworfen. An jedem Tag bin ich hier vorbei gelaufen, an jedem Tag hat mich die Tasse angelacht, so auch heute. Der Laden scheint geschlossen, doch er hat ge\u00f6ffnet, es ist eine Art Caf\u00e9 mit Souvenirverkauf, die Verk\u00e4uferin zeigt mir die Sachen im Gesch\u00e4ft, die Tasse ist nicht dabei. Aber sie steht ja im Schaufenster, kostet 4,50. Eher widerwillig kommt sie mit, die Verk\u00e4uferin, nicht dieTasse, klappt eine Lade nach unten &#8211; und will sie mir dennoch nicht verkaufen. Bedr\u00f6ppelt stehe ich da. Und sie k\u00fcmmert sich nicht weiter um mich, nicht um Pia, die eigentlich ja auch noch einen Kauf vor hatte. Und so schleichen wir uns langsam mit leeren H\u00e4nden aus dem Laden.<\/p>\n<p>Was soll&#8217;s, andere M\u00fctter haben auch sch\u00f6ne Tassen und so fahren wir runter in die Stadt, Izet, dessen Flug fr\u00fcher geht, braucht noch ein paar Souvenirs, die auch flugs in die Taschen wandern. Bald verabschieden wir uns, Izet verschwindet mit einem Winken in der Metro am Praca da Figueira und wir spazieren runter zum Tejo, versinken im Blick auf das Wasser bei Gitarrenmusik, ach Augenblick, verweile doch, du bist so sch\u00f6n. Da wir noch ein bisschen Zeit haben, spazieren wir ein letztes Mal in die Alfama &#8211; heute ist wieder Flohmarkt, vielleicht findet sich ja doch noch ein Ante-Schloss. Doch so sehr wir auch gucken, es ist nicht aufzutreiben und so genie\u00dfen wir das Get\u00fcmmel, trinken oben noch einen weiteren Galao und brechen dann auf Richtung Rua do Paraiso. Erstaunt stellen wir fest, dass unser kleines Restaurant brechend voll ist, Menschen warten bereits auf der Stra\u00dfe. Wir bummeln also weiter durch die Gassen, kehren zur\u00fcck &#8211; und m\u00fcssen tats\u00e4chlich noch eine gute halbe Stunde warten, bis wir zwei Pl\u00e4tze finden, doch es lohnt sich. Meergesalzener Wolfsbarsch, K\u00e4seomelette und ein letzter Wein entsch\u00e4digen f\u00fcr die Warterei &#8211; und schon naht die Zeit des Abschieds. Ein letzter Bummel durch die Alfama, ein letzter Blick unten auf den Christo Rei &#8211; und dann erstehe ich doch noch meine Tasse. Es ist zwar eine andere, aber es ist meine, handgemalt in Portugal und schon sind wir wieder an der Unterkunft.<\/p>\n<p>Mit gepacktem B\u00fcndel laufen wir hoch zur Metro Intendente, an der wir doch eben erst gelandet sind, ich vermisse meine Lesebrille, renne noch einmal zur\u00fcck, kann sie aber nicht finden. Etwas Schwund ist ja immer. Pia wird ob der Zeit leicht nerv\u00f6s, aber ich mache mir keine Sorgen, wenn keine Katastrophe geschieht, sind wir locker am Flughafen &#8211; und so kommt es auch. Da wir wieder online eingecheckt haben, m\u00fcssen wir nur durch die Sicherheitskontrolle, dies geht flugs und auch den Duty Free Bereich durchqueren wir locker. Da unser Flug \u00fcberbucht ist, verz\u00f6gert sich der Abflug, aber auch der Moment des Abhebens folgt so sicher wie das Amen in der Kirche und schon sind wir hoch oben in den Wolken und schweben Frankfurt entgegen. Meine Lesebrille war aber doch in der Jackentasche. Die einzigen, die wir \u00fcbrigens dort unten nicht wie sonst getroffen haben, war die Familie Minden. Das war wohl der wahre Grund f\u00fcr die Niederlage.<\/p>\n<p>In Frankfurt angekommen, m\u00fcssen wir noch eine ganze Zeit lang durch das Terminal latschen, bis wir endlich an der S-Bahn sind, nat\u00fcrlich m\u00fcssen wir l\u00e4nger warten als in Lissabon und zudem noch kurzfristig den Bahnsteig wechseln, doch schon rauschen wir am Stadion, in Niederrad und an der Hauptwache vorbei und springen bei fr\u00f6steliger K\u00e4lte an der Konsti in die 12 Richtung Nordend. Dann schlurfen wir die letzten Meter nach Hause. Es ist Mitternacht. Es ist kalt, die Gedanken aber f\u00fchren uns nach Lissabon, an den Tejo, in die Alfama, an das Restaurant auf der anderen Seite des Flusses und an den Leuchtturm von Cascais. Meine bunte Tasse f\u00fcllt sich mit Tee, wir sind m\u00fcde. Danke f\u00fcr die sch\u00f6ne Zeit Lissabon, muito obrigado Lisboa, wir kommen wieder.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=13555\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hier<\/a> findet ihr den ersten Teil der Reise und unten die Bilder. Bis bald!<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Donnerstag, 11. April 2019 Matchday, die Eintracht spielt heute Abend bei Benfica Lissabon im Est\u00e1dio da Luz um den Einzug ins Halbfinale des Europacups. Noch nicht einmal drei Jahre zuvor fuhren wir nach N\u00fcrnberg, um im Relegationsspiel eventuell noch den Kopf aus der Schlinge des Abstiegs zu ziehen. Es hat bekanntlich geklappt. Heute also Lissabon.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":13579,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[19,9,10,12],"tags":[2232,1003,2236,1823,2238,1329,2237,992,991],"class_list":["post-13578","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-auswarts","category-eintracht-frankfurt","category-photographie","category-wortwelt","tag-alfama","tag-benfica-lissabon","tag-cascais","tag-eintracht-frankfurt","tag-estoril","tag-europacup","tag-izet","tag-lissabon","tag-portugal","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13578","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13578"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13578\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13598,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13578\/revisions\/13598"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/13579"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13578"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13578"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13578"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}