{"id":12977,"date":"2018-04-29T12:56:24","date_gmt":"2018-04-29T10:56:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=12977"},"modified":"2018-05-01T13:12:31","modified_gmt":"2018-05-01T11:12:31","slug":"mit-dem-aebbelwoiexpress-durch-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=12977","title":{"rendered":"Mit dem \u00c4bbelwoiexpress durch M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich fehlt hier ja noch der Bericht \u00fcber das Ausw\u00e4rtsspiel auf Schalke, das 1:0 der Eintracht, die nervenzerfetzenden letzten 10 Minuten &#8211; aber private Umst\u00e4nde und viel Arbeit lie\u00dfen mich nicht dazu kommen. Jetzt stand f\u00fcr mich erstmals seit 12 Jahren eine Reise zum Spiel in M\u00fcnchen an.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Eigentlich wollte ich ja das Schlauchboot in Bayern nicht mehr besuchen, die Masse an Kunden, die Pl\u00e4tze ganz oben, die ewigen Klatschen, aber die Option, am Abend vor dem Spiel eine Veranstaltung der Fanabteilung mit Peter Fischer zu moderieren, war eine gro\u00dfe Ehre und so hielt ich pl\u00f6tzlich wieder ein Ticket f\u00fcr ein Spiel der Eintracht bei den Bayern in den H\u00e4nden.<\/p>\n<p>Mein ICE sollte am Freitag kurz vor neun Frankfurt in Richtung M\u00fcnchen verlassen, aber klassische Verz\u00f6gerungen lie\u00dfen uns erst eine halbe Stunde sp\u00e4ter starten. Mir war es recht egal, ich hatte keinen Anschlusszug und so setze ich mich ans Fenster, als wir langsam den Hauptbahnhof und peu a peu auch Frankfurt hinter uns lassen. S\u00fcdbahnhof, Oberrad, die Stadt zieht an mir vorbei, wie so ein Leben manchmal vorbei zieht, ein Leben, welches manchmal am seidenen Faden h\u00e4ngt und angesichts eine nahen Todes alles verblasst und der Gedanke daran in Tr\u00e4nenform in die Augen schie\u00dft, weil wom\u00f6glich von einem auf den anderen Moment alles anders ist.<\/p>\n<p>Der S\u00fcden Deutschlands zieht an mir vorbei, die gr\u00fcnen Wiesen und H\u00fcgel des Spessarts, Kircht\u00fcrme ragen in den blauen Himmel, aus meinen Lautsprechern perlen leise die <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=muNLqPPTuDQ\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Casualties of Cool<\/a>, Gedanken flie\u00dfen und zerflie\u00dfen, das Fleshtones-Konzert im Yachtclub vom vergangenem Mittwoch war doch eben erst und scheint schon lange vorbei. \u00dcber Aschaffenburg, W\u00fcrzburg, N\u00fcrnberg und Ingolstadt rollt die Bahn mit 40 Minuten Versp\u00e4tung in M\u00fcnchen am Hauptbahnhof ein. Mein Hotel liegt nur ein paar Meter vom Bahnhof entfernt, nach einer kleinen Ehrenrunde checke ich ein und stehe wenig Minuten sp\u00e4ter wieder auf der fr\u00fchlingswarmen Stra\u00dfe. Henning von der Fanabteilung wird sp\u00e4ter nachkommen, ich besorge f\u00fcr ihn noch einen Adapter und lasse mich durch die Stadt treiben. Vor 30 Jahren war ich f\u00fcr ein paar Wochen hier, und dann immer nur ganz kurz. W\u00e4hrend ich in Berlin oder Hamburg kaum einen Stadtplan brauche, scheint f\u00fcr mich hier vieles Neuland. Erstmals war ich 1985 hier, mit meinem ersten Golf. Seinerzeit wollte ich das Deutsche Museum besuchen, und habe mangels Kohle im Auto gepennt.<\/p>\n<p>\u00dcber den Stachus erreiche ich die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone, hier steht die Liebfrauenkirche, dort lande ich am Marienplatz. Wahrscheinlich sind heute mehr Leute hier, als am Tage der 1234. Meisterschaft der Bayern. Nat\u00fcrlich geh\u00f6rt eine Leberk\u00e4ssemmel dazu. Am Viktualienmarkt sitzen sie, schl\u00fcrfen Austern, trinken Schampus auf Eis. Bierg\u00e4rten locken, wer Geld hat, kann hier gut leben, wer keines hat, guckt mit gro\u00dfen Augen auf die Dinge die f\u00fcr andere m\u00f6glich sind. Aber das ist woanders auch nicht anders. Mit einem Eis in der Hand treibe ich Richtung Isar, am Ufer sitzen Menschen, entspannen mit freiem Oberk\u00f6rper, ich laufe am Ufer entlang und biege nach einer Weile ab Richtung Hotel. Vorbei am Paulanerbr\u00e4u, vorbei an t\u00fcrkischen Gem\u00fcsel\u00e4den. Immer wieder r\u00f6hrt ein gro\u00dfer Wagen vorbei.<\/p>\n<p>Mittlerweile ist Henning gekommen, er ist im gleichen Hotel wie ich unter gebracht und wenig sp\u00e4ter laufen wir hinter ins Augustiner B\u00fcrgerheim in der Bergmannstra\u00dfe, dem Ort der heutigen Veranstaltung. In der Tasche habe ich die Shirts, die Brady bei einem Wettspiel des Eintracht Museums gewonnen hat und dr\u00fccke sie ihm wenig sp\u00e4ter in die Hand. Ein wunderbarer Tag, die Kastanien bl\u00fchen und wir trinken ein heimisches Bier und ein essen ein famoses Schnitzel. Wenig sp\u00e4ter trudeln die ersten M\u00fcnchner Adler ein. Der hiesige EFC hat \u00fcber 100 Mitglieder, die den Adler auch in der bayrischen Diaspora repr\u00e4sentieren, das B\u00fcrgerheim wird sp\u00e4ter proppevoll sein. Mit leichter Versp\u00e4tung kommt dann auch Peter Fischer direkt von einem Radiointerview. Der Pr\u00e4sident ist gleicherma\u00dfen hungrig wie durstig und sogleich umringt von den M\u00fcnchner Adlern. F\u00fcr sie ist es nat\u00fcrlich etwas Besonderes, die Eintracht hautnah zu erleben &#8211; und nachdem Peter auch von einer Adlerin mit einem Schnitzel versorgt wurde, geht es los. Ein gesonderter Bericht wird in der n\u00e4chsten Ausgabe des Clubmagazins zum Heimspiel gegen den HSV erscheinen, aber soviel sei verraten: Nat\u00fcrlich ging es um den Abschied von Niko Kovac, um die Kommunikation der Bayern, es ging um Peters Haltung zur AfD und \u00fcber die Zukunft von Alex Meier. Auch J\u00fcrgen Klopp und Campino spielten eine Rolle.<\/p>\n<p>Auch nach der Veranstaltung, als Peter schon l\u00e4ngst wieder mit Trainerneuverpflichtungen und Meetings besch\u00e4ftigt ist, stehen wir mit einem Augustiner in der Hand auf der Stra\u00dfe und schwatzen \u00fcber die Eintracht. Es war ein prima Abend, der EFC M\u00fcnchner Adler hat wie die Fanabteilung wunderbar zum Gelingen beigetragen und in meiner Hosentasche steckt ein B\u00e4ndchen, welches zur Teilnahme an der morgigen Fahrt mit dem M\u00fcnchner \u00c4bbelwoiexpress berechtigt, eine Fahrt, die seit 10 Jahren vom EFC anl\u00e4sslich des Gastspiels der Eintracht in M\u00fcnchen organisiert wird. Sp\u00e4t in der Nacht trinke ich mit Henning noch letztes ein Bier an einer Trinkhalle, bis ich gegen 2:00 in einen unruhigen Schlaf falle.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen sch\u00e4le ich mich gegen 8:00 Uhr aus dem Bett, dusche eiskalt und fr\u00fchst\u00fccke. Das Hotel war f\u00fcr das Gebotene s\u00fcndhaft teuer, aber ich hatte was im Magen, als ich wenig sp\u00e4ter auschecke und mich vom Hauptbahnhof Richtung Ostbahnhof aufmache. Zuvor suche ich noch die Schlie\u00dff\u00e4cher und verstaue meinen Rucksack. Unten an den Gleisen sehe ich in ein Gesicht und denke, <em>das kenne ich doch<\/em>. Da wir aber nicht in Frankfurt sind, verwerfe ich den Gedanken, bis mir Charly auf die Schulter klopft. Gude Beve. Tats\u00e4chlich, ich hatte Tine gesehen. Charly und sie sind auf dem Weg zu einer Hochzeit. Gro\u00dfes Hallo und schon sitze ich in der Bahn.<\/p>\n<p>Die Sonne bestrahlt den gro\u00dfen Platz, an dem sich die Adler zur Stra\u00dfenbahnfahrt treffen. \u00dcberall ein gro\u00dfes Hallo und schon rattert die Bahn an, geschm\u00fcckt mit Eintrachtfahnen und Bannern, aus den Boxen plockern Adam &amp; die Mickys <em>&#8222;Unser Auto f\u00e4hrt mit \u00c4bbelwoi &#8230;&#8220; <\/em>Die Bahn ist rappelvoll mit Eintrachtlern, wir rollen durch die Stadt, vorbei am Stachus, durch die Innenstadt, an der Isar entlang bis hin zum Gr\u00fcndwalder Stadion und weiter. Apfelwein flie\u00dft in Str\u00f6men, Eintrachtlieder werden geschmettert. Passanten bleiben stehen, z\u00fccken die Handys, manch einer sch\u00fcttelt den Kopf, andere winken, der Zug f\u00e4llt auf.<\/p>\n<p>Nach mehreren Pausen ist am Sendlinger Tor nach guten drei Stunden Feierabend. Wir umkreisen die Haltestelle mehrmals, der Fahrer hat sichtlich Spa\u00df und alsbald verstreuen sich die Adler in die Stadt. Ein Teil marschiert in eine Kneipe, andere brechen auf Richtung Stadion. Es war ein sehr lustiges Erlebnis, vielen Dank daf\u00fcr. Ich bin noch immer unschl\u00fcssig, was zu tun ist, esse erst einmal eine Leberk\u00e4ssemmel und entscheide dann, zumindest einmal zur Arena zu fahren. Die Bahn ist schon am Sendlinger Tor recht voll, am Marienplatz platzt sie aus allen N\u00e4hten. Robben, Schweinsteiger, Ribery, alle an Bord und mittendrin ein paar Frankfurter, die dicht an dicht in dr\u00fcckender Hitze nach Fr\u00f6ttmaning rumpeln.<\/p>\n<p>Massen str\u00f6men aus der Station Richtung Stadion, ich treffe ein paar M\u00fcnchner Adler wieder und wander dann mit Chris in Richtung der unbeleuchtenden Arena. Seppl und Maria machen Selfies, tausende rote Trikots &#8211; ich gebe es zu, ich bin kein Freund der Bayernkunden. Vor lauter Leipzig und Wolfsburg vergisst man ja zuweilen, was die Bayern im Gesamten f\u00fcr ein Haufen sind. Der Einlass funktioniert \u00fcberraschend gut, immer wieder ruft einer &#8222;Rollstuhlfahrer&#8220; und die Menge macht Platz. Wir m\u00fcssen das Stadion im Innenrund einmal fast umrunden und qu\u00e4len uns die Stufen hoch zu unserem Platz. Hier sind Stefan und Dario, dort sitzt K\u00e4the, \u00fcberall ein Gudewie, w\u00e4hrend die Aufstellung der Bayern vermuten l\u00e4sst, dass heute hier die A-Jugend spielt. An die wei\u00dfen Telekom-M\u00e4nnchen habe ich schon gar nicht mehr gedacht, stimmt, die sitzen ja auch da unten.<\/p>\n<p>Bei der Vorstellung der Eintracht wird Kovac ausgepfiffen, Hrgota spielt \u00fcberraschend von Beginn an, ich bin jetzt schon m\u00fcde. Ein blauer Himmel lacht uns aus. Die Eintracht h\u00e4lt das 0:0, hat Chancen, die teils kl\u00e4glich versemmelt werden und kassiert dann durch einen Konter das 0:1. Wagner auf Dorsch, der in seinem ersten Bundesligaspiel trifft.<\/p>\n<p>In H\u00e4lfte zwei nicke ich beinahe ein, es ist ruhig im Stadion, ich muss mich zusammenrei\u00dfen, beim gebotenen Sommerfu\u00dfball nicht vollends weg zu d\u00e4mmern. Und dann kommt, was kommen musste. Die Bayern machen das 2:0, die Eintracht macht irgendwas, was nicht wirklich an Fight und Pressing erinnert, Haller stolpert aber dennoch den Anschlusstreffer ins Netz, der postwendend mit einem weiteren Bayerntor beantwortet wird. Lethargisch schleiche ich zur Toilette, ein weiterer Treffer f\u00e4llt, das 4:1, die Eintracht verliert ein Spiel in M\u00fcnchen, welches so nie h\u00e4tte verloren werden d\u00fcrfen. Aber seit dem verk\u00fcndeten Abschied von Kovac reissen sie eine Saison ein, die so viel versprochen hat und am Ende dann wohl nichts h\u00e4lt. Gut, es gilt: 34 Spieltage m\u00fcssen gespielt werden, davor ist noch nichts wirklich passiert. Wer zu fr\u00fch feiert, wird bestraft, wer zu fr\u00fch weint, ist selbst dran schuld. Und Kovac hat mit seinem Abschied die Luft aus dem Eintrachtball raus gelassen. Danke Niko!<\/p>\n<p>Mit tausenden anderen schl\u00e4ngele ich mich zur U-bahn, quetsche mich in einen Wagen und bin eine halbe Stunde sp\u00e4ter wieder am Sendlinger Tor und gut in der Zeit. Ich hole meinen Rucksack aus dem Schlie\u00dffach, schiebe mir noch eine Pizza in den Magen und sitze alsbald neben Henning, Stefan und Dario in Wagen 22 des ICE522 Richtung Dortmund. W\u00e4hrend der VfB in Leverkusen gewinnt, schaut der Inder im Sitz vor mir dezent Pornovideos. Wir fahren in die Dunkelheit, sind gut in der Zeit und landen gegen Viertel nach Elf in Frankfurt. Ich habe Gl\u00fcck, Stefan ist mit dem Auto vor Ort und kann mich ein St\u00fcck mitnehmen, Pia ist noch im Feinstaub, auf ein letztes Bierchen schneie ich vorbei und falle wenig sp\u00e4ter todm\u00fcde in die Koje. Es kann gut sein, dass es wieder 12 Jahre dauert, bis ich in M\u00fcnchen die Arena betrete &#8211; es sei denn, wir spielen ein Pokalhalbfinale dort. Ansonsten ist M\u00fcnschen wirklich eine Reise wert. Nur ohne Fu\u00dfball halt.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich fehlt hier ja noch der Bericht \u00fcber das Ausw\u00e4rtsspiel auf Schalke, das 1:0 der Eintracht, die nervenzerfetzenden letzten 10 Minuten &#8211; aber private Umst\u00e4nde und viel Arbeit lie\u00dfen mich nicht dazu kommen. Jetzt stand f\u00fcr mich erstmals seit 12 Jahren eine Reise zum Spiel in M\u00fcnchen an.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":12978,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[19,9,10,12],"tags":[2190,1372,1043,2188,1823,2189,2191,408],"class_list":["post-12977","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-auswarts","category-eintracht-frankfurt","category-photographie","category-wortwelt","tag-augustiner-buergerheim","tag-austern","tag-bayern-munchen","tag-efc-adler-muenchen","tag-eintracht-frankfurt","tag-fanabteilung","tag-isar","tag-peter-fischer","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12977","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12977"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12977\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13001,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12977\/revisions\/13001"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/12978"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12977"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12977"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12977"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}