{"id":12947,"date":"2018-04-04T20:41:52","date_gmt":"2018-04-04T18:41:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=12947"},"modified":"2018-04-04T20:41:52","modified_gmt":"2018-04-04T18:41:52","slug":"bremen-von-tragischen-narren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=12947","title":{"rendered":"Bremen. Von tragischen Narren."},"content":{"rendered":"<p>Was haben schwimmende Radiergummis, gestapelte Tiere, Osterfeuer oder Wasserwerfer vor Z\u00e4unen gemeinsam? Richtig, dies alles finden wir in Bremen &#8211; und wenn wir schon einmal dort sind, nehmen wir euch kurz mit.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Bremen, das hie\u00df f\u00fcr uns auch eine Art Familientreffen &#8211; und nicht zuletzt aus diesem Grund reisten wir schon am Karfreitag an. Der Dacia, die Pia, der Tim und ich. Und wir stolperten von Stau zu St\u00e4uchen, verlie\u00dfen bei Tecklenburg die Autobahn, um das Schlimmste zu umfahren, bei Lotte aber hatte uns das schn\u00f6de Betonbett wieder. Sechs lange Stunden waren wir unterwegs, mit dabei waren auch <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GKRL2CScxGk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Manges<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=QQiPkcOJZ-A\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Teenage Bottlerocket<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=EtZsf76lip8\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sir Reg<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=xq4VI_SYReE\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Red City Radio<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=QOnFn24CnlI\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Carter USM.<\/a> Musikalisch ging es also rabaukig zur Sache. Aber wir waren heilfroh, als wir gegen halb f\u00fcnf \u00fcber die Weser rollten. Unsere Unterkunft lag im <em>Viertel, <\/em>will sagen, keine 10 Fu\u00dfminuten von den Bremer Stadtmusikanten aber auch vom Weserstadion entfernt, einfache Zimmer mit K\u00fchlschrank und TV, sauber und reinlich inklusive Rauchverbot &#8211; auch am Fenster. Und so sah man des \u00d6fteren einen qualmenden Beve in Flip Flops bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt auf der Stra\u00dfe stehen und die Vorbeiziehenden freundlich gr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Abends ging nicht mehr viel, ein Rundgang zu den Musikanten, die recht versteckt in einer Ecke am Rathaus stehen, ein Abendessen im <a href=\"http:\/\/www.daheim-bremen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Daheim<\/a>&nbsp;welches sogar im gesamten unteren Gastbereich einen Raucherraum ausweist, was uns zun\u00e4chst gar nicht aufgefallen ist, und in Erinnerung an London vor ein paar Tagen die Verfilmung von About a boy in der Glotze.<\/p>\n<p>Da wir uns, wie gesagt, auch zwecks famili\u00e4rer Zusammenkunft hier eingefunden haben, halte ich es f\u00fcr eine ziemlich gute Idee, euch mit den Details nicht zu belasten, im Ernst, wer will schon von fremden Familienzusammenk\u00fcnften lesen. Meist ja noch nicht einmal von den Zusammenk\u00fcnften der eigenen Familie. Aber, soviel sei verraten, es war ganz nett. Wir waren in der Kunsthalle oder Shoppen, haben Werder beim Training zugeguckt, wobei ich nat\u00fcrlich vor die Kamera von <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=qnVVH-PUuYw\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">DeichStube<\/a> geschoben wurde, eine Art Fan-TV von Werder und wir standen in der Dunkelheit am Osterfeuer irgendwo hinterm Deich. Und dann kam der Spieltag.<\/p>\n<p>Nach einem Fr\u00fchst\u00fcck im Caf\u00e9 Sand auf der anderen Seite der Weser, welches wir durch eine kurze F\u00e4hrfahrt erreichten, ging es mit eben jener F\u00e4hre wieder zur\u00fcck. Nunmehr mussten wir uns sogar anstellen, viele Bremer nutzen die F\u00e4hrverbindung, um auf die Stadionseite der Weser zu kommen. Anschlie\u00dfend folgte ein Spaziergang am Ufer, bis es hunderte von Metern vor dem Weserstadion zur G\u00e4stetrennung kam. Die Werder-Anh\u00e4nger mussten hoch zur Stra\u00dfe, die Eintrachtler hielten sich am Ufer, getrennt durch Z\u00e4une und Sichtschutz. Vor dem G\u00e4steeingang l\u00fcmmelten einige Pferde rum, dazu ein Wasserwerfer. Ein rundum sorglos Paket also, welch ein Unterschied zu dem Spiel in Dortmund vor ein paar Wochen, als sich alles kunterbunt mischte, gemeinsam Wurst vertilgte und Bier trank. Kein Wunder, dass sich die Stadt Bremen, die Kohle f\u00fcr diese Eins\u00e4tze von der DFL oder dem Verein wieder holen m\u00f6chte, so leicht kommst du sonst nicht an Geld f\u00fcr Personal und Material, welches man eigentlich gar nicht braucht.<\/p>\n<p>Strengen Kontrollen folgte der Gang zu den Stehpl\u00e4tzen, die in Bremen \u00fcber den Sitzpl\u00e4tzen der meist &#8222;neutralen&#8220; Zuschauer sind. Jetzt galt es strategisch zu denken. Links standen die Ultras, deren Fahnen sehen zwar im TV nett aus, verhindern aber die Sicht auf&#8217;s Spielfeld. Ebenso wie die Dachtr\u00e4ger. Die h\u00e4ngende Anzeigentafel aber verhindert den Blick zu den Flutlichtmasten. Es ist wirklich nicht einfach mit den simplen Dingen, aber wir fanden in rechter H\u00f6he ein Pl\u00e4tzchen f\u00fcr uns. Zumindest erstmal. Wenigstens warf der Flutlichtmast einen sch\u00f6nen Schatten auf das Spielfeld. Getippt hatte ich 1:1, \u00fcberlegte aber kurz, aus Gr\u00fcnden der Unsicherheit ob des Verbleibs von Niko Kovac einen Werder Sieg abzuleiten. Ach wo, ein P\u00fcnktchen ist drin.<\/p>\n<p>Jetzt, im Nachhinein, bin ich nat\u00fcrlich schlauer. Gesunde Analyse auch im Hinblick auf den symbolischen Faktor schl\u00e4gt naive Hoffnung. Ist es nicht eine Narrenwelt? Vor allem, da jetzt das Commando Gie\u00dfen die Fahne ausgepackt hatte und diese munter vor unseren Augen schwang. Wie auch immer, Werder ging mit 1:0 in F\u00fchrung, etwas sp\u00e4ter Rebic vom Platz. Vielmehr humpelte er. Ferndiagnose: Muskelfaserriss. F\u00fcr ihn kam Fabian und die Eintracht ins Spiel. Auch in Halbzeit ging es munter weiter. Mit der Fahne &#8211; aber auch mit einer starken Eintracht, die nach einer sch\u00f6nen Kombi von Fabian von au\u00dfen, Boateng mit der Hacke und Jovic ins Netz uns jubelnd in die Arme fallen l\u00e4sst. Na also, geht doch.<\/p>\n<p>So weit ich dann sehen konnte, entwickelte sich ein munteres Spielchen, welches auf ein gef\u00e4lliges 1:1 hinauslief. Sauber, Ausw\u00e4rtspunkt und volle Ausbeute im Tippspiel. <em>Meine Eintracht<\/em>. Ich wartete halbwegs gespannt ab, br\u00fcllte ein paar Mal Eintracht und guckte dann bl\u00f6d aus der W\u00e4sche. Drin. Das Ding war drin. Es IST drin. Werder jubelte und uns ward klar, dass unser wechselwilliger Keeper die Kugel irgendwie durch die Handschuhe fluppen lie\u00df. Werder f\u00fchrte und niemand wusste so recht, weshalb. Au\u00dfer dem, der den Fu\u00dfball symbolisch und wom\u00f6glich ein klein wenig psychologisch zu deuten wei\u00df. Nat\u00fcrlich auch mit dem Blick auf dies, was gemeinhin &#8222;Kismet&#8220; oder aber Schicksal genannt wird. Es musste so kommen, es gab kein Entrinnen. Der Club, welcher die Tage zuvor am ruhigsten dahin schipperte, hatte den latent verunsicherten Club durch einen Treffer geschlagen, in dem der Torh\u00fcter, Lukas Hradecky den tragischen Narr gibt &#8211; und bestraft wird. Ausgerechnet der, der den Club wie auch immer verlassen will, kassiert einen der l\u00e4cherlichsten Treffer \u00fcberhaupt. Wer braucht schon Shakespeare, wenn er mit der Eintracht wahrhafte Trag\u00f6dien wie auch Narreteien binnen weniger Minuten frei Haus geliefert bekommt. Wenigstens stirbt dabei keiner. Hamlet oder Macbeth gehen ja immer bei drauf.<\/p>\n<p>Verloren. Wieder einmal. Und dann kam nat\u00fcrlich ein Abgang, der durch gezielte Absperrungen und Weisungsbefugten in Uniform gesteuert wurde. Alles, was aus dem G\u00e4steblock kam, wurde nach links geschickt. Egal, wer wo hin wollte. Da komme ich ja immer besonders gut drauf, du knabberst an der Niederlage und musst in die falsche Richtung laufen. Es ist manchmal so sinnlos. Wir dackelten also Richtung Irgendwo, trafen nat\u00fcrlich die ein oder andere Pappnase von uns, hier war die Familie Leichtfuss, dort der Mario und ehe wir uns versahen, landeten wir an einem Restaurant, welches vom Ufer aber auch von der Stra\u00dfe erreichbar war. Gut gesch\u00fctzt durch eine kleine Polizeikette, bot es dennoch zumindest die Option eines Durchganges. Und siehe da, h\u00f6fliches Fragen erwirkt zuweilen Wunder &#8211; nach einer kurzen Erkl\u00e4rung unsererseits fanden wir den Durchschlupf und waren wieder im Freien. Ein Roadbier sp\u00e4ter hockten wir in einer Pizzeria und trafen auf den Rest, die Bremer feixten, die Frankfurter guckten bl\u00f6d und suchten nach Erkl\u00e4rungen. Sp\u00e4ter latschten wir noch \u00fcber die Osterwiese, so eine Art Dippemess. Das war ganz sch\u00f6n bunt.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag sprich Ostermontag sind wir noch nach M\u00fcnster gefahren, da gibt es viele alte Kirchen. B\u00f6rne oder Thiel haben wir aber nicht gesehen, das w\u00e4re ja ein Ding gewesen. Die Eintracht hatte immer noch verloren, sowas geht ja nicht so schnell vorbei. Im Gegensatz zu unserem Osterausflug. Denn der Dacia rollte abends wieder ins Nordend, wo er hingeh\u00f6rt. Und wir ja irgendwie auch. Der Ausflug aber wird in Erinnerung bleiben. Auch durch Geschichten wie diese.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was haben schwimmende Radiergummis, gestapelte Tiere, Osterfeuer oder Wasserwerfer vor Z\u00e4unen gemeinsam? 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