{"id":12658,"date":"2017-12-21T13:42:18","date_gmt":"2017-12-21T12:42:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=12658"},"modified":"2017-12-21T15:40:53","modified_gmt":"2017-12-21T14:40:53","slug":"heidenheim-glueck-gehabt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=12658","title":{"rendered":"Heidenheim: Gl\u00fcck gehabt"},"content":{"rendered":"<p>Ausw\u00e4rts in Heidenheim. Nach den Spielen in Siegen gegen TUS Erndtebr\u00fcck und in Schweinfurt nun also die dritte Fahrt zu einem unterklassigen Gegner im laufenden Pokalwettbewerb, Lospech f\u00fcr die Eintracht geht anders.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Eigentlich wollten wir ja mit dem Dacia nach Heidenheim, um dort nach dem Sieg zu \u00fcbernachten. Doch das ausgesuchte Hotel hatte just in diesen Tagen geschlossen und auf eine optionale Winterschneefahrt nach Mitternacht konnten wir dann auch verzichten. Gut, dass es die Fanabteilung gibt, dort fanden wir einen Unterschlupf f\u00fcr die Fahrt und mussten uns keine weiteren Sorgen machen.<\/p>\n<p>Die Abfahrt sollte um 13:30 (HBF) und um 13:45 (Stadion) sein, da ich jedoch um 11 Uhr einen Termin im Museum hatte, suchte ich einen Parkplatz an der Wintersporthalle, die alle belegt waren &#8211; bis auf die Option, durch einen fehlenden Poller direkt vor die Halle zu fahren. Da ich knapp in der Zeit war, nutzte ich diese Gelegenheit, mulmigen Gef\u00fchls schlich ins Museum. Wenn du nachts um drei ankommst und dein Auto ist eingepollert, ist das nicht so sch\u00f6n. Ergo schaute ich mir die Situation gegen 13:30 noch einmal genauer an &#8211; und prompt steckte der Poller wieder da, wo er hingeh\u00f6rt, aber besser nicht sein sollte. Da ein junger Mann gerade wegfahren wollte, fragte ich ihn, wie er denn rauskommt. &#8222;Kein Problem, der Poller steckt nur,&#8220; sprach er, schritt auf diesen zu, zog, und stellte fest, dass der Poller verschlossen war. Oha. Gl\u00fcck aber, dass der \u00f6rtliche Pollerbeauftragte vor Ort war und uns gn\u00e4diger Weise raus lie\u00df. Ich parkte dann in der Tiefgarage, Pia war schon am Bahnhof zugestiegen, und p\u00fcnktlich wie die Maurer kam der Bus, ich stieg ein und los ging&#8217;s. Gl\u00fcck gehabt. 2010 sind wir ja mit dem Museumsteam nach Aachen gefahren. Wie jetzt auch, f\u00fchrte seinerzeit der letzte Weg des Fu\u00dfballjahres pokaltechnisch zu einem Zweitligisten, die Eintracht stand mit 26 Punkten gl\u00e4nzend da und auch ein Sieg in Aachen war fest eingeplant. Kaum sa\u00dfen wir damals in unserem von der Eintracht ausgeliehenen 9er-Bus, zeigte sich ein Riss in der Windschutzscheibe, wir hatten keine andere Wahl und mussten den Wagen wechseln. Das Ende ist bekannt, die Eintracht verlor im Elfmeterschie\u00dfen &#8211; holte dann in der R\u00fcckrunde kaum noch Punkte und stieg sang- und klanglos ab. Nur wegen der Scheibe. Ich h\u00e4tte es nicht verantworten k\u00f6nnen, w\u00e4re diesmal wieder etwas schief gelaufen &#8230;<\/p>\n<p>Drei Busse schickte die Fanabteilung von Frankfurt aus ins Rennen, wir sa\u00dfen in Bus 3, der von Kathrin organisiert wurde und blickten aus der ersten Reihe durch die gro\u00dfe Windschutzscheibe. Zwei Fahrer wechselten sich ab, wir hatten gen\u00fcgend Zeit und rollten schnurstracks auf die Autobahn. Im Bus die \u00fcbliche Mischung von Wahnsinnigen, die unter der Woche bei Winterk\u00e4lte durch die Republik kutschieren, um dann in Heidenheim an der Brenz in der K\u00e4lte jungen M\u00e4nnern beim Kicken zu zu sehen. Eintracht Lieder pluggerten \u00fcber die Lautsprecher, w\u00e4hrend wir Richtung W\u00fcrzburg fuhren, um anschlie\u00dfend auf die A7 Richtung Heidenheim abzubiegen. Sp\u00e4ter lief dann \u00fcber Bluetooth ein Lied von Helene Fischer, wir lie\u00dfen den Verantwortlichen gefesselt auf einem Rastplatz zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Direkt vor mir hing eine digitale Uhr. Sobald jemand auf einen &#8222;Stop-Knopf&#8220; am Sitz dr\u00fcckte, sprang die Anzeige um und es leuchtete &#8222;STOP&#8220; in roten Lettern. Da ich mir angew\u00f6hnt habe, alles m\u00f6gliche zu fotografieren, dr\u00fcckte ich den Ausl\u00f6ser, doch statt &#8222;STOP&#8220; las ich auf dem Bild nur &#8222;ST&#8220;. Das n\u00e4chste Foto brachte dann &#8222;OP&#8220;. Kurz, ich dr\u00fcckte bestimmt 10 mal auf den Ausl\u00f6ser &#8211; und nie, wirklich nie, stand auf dem Foto das, was ich eigentlich fotografiert hatte. Gel\u00e4chter der Umsitzenden \u00fcber eines der gro\u00dfen R\u00e4tsel der Menschheit. Was ist das nur f\u00fcr eine Welt, ich der ich nicht &#8222;STOP&#8220; fotografieren kann?<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter, auf der R\u00fcckfahrt, versuchte ich es erneut, aus der H\u00fcfte, nicht lang gefackelt und: &#8222;OP&#8220;.<\/p>\n<p>Ohne nenneswerte St\u00f6rungen erreichten wir Heidenheim in der Dunkelheit, es war noch nicht mal sechs Uhr. Hinter uns lagen 300 km, ein l\u00e4ngerer Stop (witzig) an einem Rastplatz inklusive Schneeballschlacht der Jugend und missratene Fotos. Wir gurkten durch Heidenheim, gepr\u00e4gt durch die Firma Voith, welche auch Namensgeber des hiesigen Stadions ist und rollten den Berg hinauf Richtung Spielort. Glatt und verschneit die Wege, unser Bus war einer der ersten, das Einparken ein Leichtes. Da standen wir nun in der K\u00e4lte am Waldrand, noch \u00fcber zwei Stunden bis zum Anpfiff und weit und breit keine Schenke. Die K\u00e4lte kroch durch die Schuhe, peu a peu rollten die Busse an, die Gro\u00dfen, die 9-Sitzer, und mit der Zeit wurde das Parken immer komplizierter, jeder Zentimeter wurde genutzt. \u00dcberall bekannte Gesichter, Gude hier, Gude da &#8211; ich hatte Hunger und kalte F\u00fc\u00dfe.<\/p>\n<p>\u00dcber eine Stunde vor Spielbeginn enterten wir das Stadion, eine Wurst sp\u00e4ter standen wir oben in der letzten Reihe und harrten der Dinge, die nun kommen sollten. Auf dem Boden lagen orange-silberne Folien f\u00fcr eine geplante Choreo, emsige Jung-UFler dr\u00fcckten uns Zettel mit dem geplantem Ablauf in die Hand. Erstaunlicher Weise hatte ich Netzempfang, Twitter vertrieb die Zeit, bis mein Akku gef\u00e4hrlich absackte. Die \u00fcbliche Stadionwerbung war komplett in DFB-Gr\u00fcn \u00fcberklebt und lustiger Weise standen beim Warmmachen auf Heidenheimer Seite zwei Tore, wir hofften, in der ersten Halbzeit darauf spielen zu k\u00f6nnen, aber wie durch Zauberhand war dann sp\u00e4ter doch eines davon verschwunden.<\/p>\n<p>Kurz vor dem Anpfiff begann dann das Choreospektakel, w\u00e4hrend die Mannschaften einliefen. Die Leute hielten die Folien in die H\u00f6he, drehten sie sp\u00e4ter auf Zuruf um, eine Blockfahne wurde hochgezogen und urpl\u00f6tzlich war Silvester. Der Brauch will, dass vor dem Spiel mit Rauch- und Leuchtwerk die b\u00f6sen Geister vertrieben werden, am End war das Spielfeld derma\u00dfen in Nebel geh\u00fcllt, dass man nichts erkennen konnte, der Anpfiff verz\u00f6gerte sich um ein paar Minuten &#8211; und da das Nichterkennen des Spielfeldes Teil der Folklore ist, wedelten von nun an \u00fcber die Breite der Stehr\u00e4nge gro\u00dfe Fahnen. Diese sch\u00fctzten uns vor dem nun folgendem Elend auf dem Rasen, welches wir nur rudiment\u00e4r mit bekamen. Intoniert wurde durchweg traditionelles Liedgut, so: &#8222;Wir reisen durch die ganze Welt, um die Eintracht zu sehen&#8220;. Ehrlicher w\u00e4re: &#8222;Um die Fahnen zu sehen&#8220;. Der Block war nat\u00fcrlich rappelvoll, St\u00fctztr\u00e4ger standen nebenbei auch noch im Blickfeld &#8211; das war aber ganz sinnig, sonst w\u00e4re das Dach runter gefallen, was ja auch niemand will.<\/p>\n<p>Bei Heidenheim standen mit Kraus und Titsch-Rivero zwei ehemalige Eintrachtler in der Startformation, der dritte, Theuerkauf, sa\u00df zun\u00e4chst auf der Bank. Die Eintracht, in wei\u00dfen Jerseys von links nach rechts mit Hrgota von Beginn an, Russ spielte f\u00fcr Abraham, Hasebe war auch mit dabei, w\u00e4hrend Chandler g\u00e4nzlich fehlte. Wie auch immer, wir sahen ein Gew\u00fcrge, wenn wir denn etwas sahen &#8211; und wir sahen ein Tor f\u00fcr Heidenheim, welches gn\u00e4diger Weise f\u00fcr ung\u00fcltig erkl\u00e4rt wurde. Daf\u00fcr wurde die Kurve immer wieder illuminiert, was ja gerade in der Vorweihnachtszeit f\u00fcr besinnliche Momente sorgt. Chancen hatte die Eintracht so gut wie keine &#8211; und das gegen eine Truppe, die in der Zweiten Liga auf Rang 15 steht und mehr Tore kassiert hat, als der 1.FC K\u00f6ln.<\/p>\n<p>Heidenheim wehrte sich tapfer, ein Klassenunterschied war nicht zu erkennen &#8211; und es kam, was kommen musste. Verl\u00e4ngerung. Genau das, was man so gar nicht braucht, wenn man im Winter 300 km von der Heimat entfernt in der K\u00e4lte steht. Und dann das 1:0 f\u00fcr die Eintracht. Boateng las das Spiel, bediente Wolf, der auf Gacinovic und endlich war der Bann gebrochen. Teile der Umstehenden rasteten aus vor Gl\u00fcck, ich nahm die F\u00fchrung gelassen hin, eine F\u00fchrung bei einem Zweitligisten ist das mindeste, was ich erwarte. Und w\u00e4hrend ich das alles so gelassen hinnahm, stand es 1:1. Schnatterer, ausgerechnet Schnatterer, flankte im Gegenzug und aus der Flanke wurde ein Tor und es z\u00e4hlte. Der Gedanke an Aachen erwachte zu neuem Leben. Aber ich hatte die Rechnung ohne Haller gemacht, der nach Vorarbeit von da Costa und Stendera zum umjubelten 2:1 f\u00fcr die Eintracht traf. Sp\u00e4ter stellte sich raus, dass Stendera knapp im Abseits stand, w\u00e4re ich Heidenheimer, w\u00fcrde ich mich \u00e4rgern, bin ich aber nicht &#8211; und somit war alles gut. Gl\u00fcck gehabt. In den letzten Minuten schw\u00e4chelten die Gastgeber, in den allerletzten Minuten aber gab es nochmal zwei Ecken, der Torh\u00fcter lief mit nach vorne &#8211; doch die Eintracht Abwehr lie\u00df keinen Treffer mehr zu. Mit H\u00e4ngen und W\u00fcrgen die n\u00e4chste Runde erreicht, die Eintracht ist bei der n\u00e4chsten Auslosung mit dabei &#8211; und wenn das Losgl\u00fcck uns weiterhin hold bleibt, so k\u00f6nnte das gro\u00dfe Ziel, Berlin, vielleicht wieder erreicht werden. Nat\u00fcrlich murmelte jeder von <em>Paderborn <\/em>als n\u00e4chstem Gegner, doch bedenket, dass die Eintracht beim dortigen SC noch nichts gerissen hat. Von daher w\u00e4re ein Heimspiel gegen Mainz eine sch\u00f6ne Sache. Nachdem der BVB in M\u00fcnchen gescheitert ist, ist ja Eintracht Frankfurt die Mannschaft, die nun die meisten Spiele im Pokalwettbewerb am St\u00fcck absolvieren wird. Und das soll m\u00f6glichst lange auch so bleiben &#8211; aber diesmal bitte im Mai mit der Troph\u00e4e in den H\u00e4nden. Ein drittes mal nach Berlin als Tourist braucht ja auch niemand.<\/p>\n<p>Wir aber rollten mit unserem Bus Nonstop zur\u00fcck nach Frankfurt, von Minute zu Minute wurde es leiser im Bus, die Gang war m\u00fcde und ersch\u00f6pft, die Fahrer machten ihre Sache hervorragend und brachten uns Punkt 3 Uhr zur\u00fcck an die Wintersporthalle. Der Dacia stand auch noch in der Tiefgarage, die Nacht in Frankfurt war eine ruhige und so fielen wir todm\u00fcde in die Koje. War ja im End dann doch ganz lustig &#8211; trotz verkorkster Stopbilder. Aber man kann nicht alles haben.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausw\u00e4rts in Heidenheim. 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