{"id":12614,"date":"2017-12-11T10:52:15","date_gmt":"2017-12-11T09:52:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=12614"},"modified":"2017-12-11T11:20:03","modified_gmt":"2017-12-11T10:20:03","slug":"ein-wochenende-im-waldstadion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=12614","title":{"rendered":"Ein Wochenende im Waldstadion"},"content":{"rendered":"<p>Es ist der Tag nach der \u00e4rgerlichen Niederlage der Eintracht gegen die Bayern, ein Tag, an dem du von Fu\u00dfball eigentlich nichts wissen willst. Aber gegen halb elf kommen Menschen ins Stadion, die unabh\u00e4ngig von allem eine F\u00fchrung gebucht haben.&nbsp; Und die haben ein Recht darauf, das wunderbare Eintracht Museum sowie das Innenleben der Arena kennen zu lernen. Also Herr Beve, rei\u00df dich zusammen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>R\u00fcckblende. Freitag sp\u00e4t am Abend laufen wir durch die n\u00e4chtliche Arena, es ist still, niemand au\u00dfer uns ist hier &#8211; nur der Pf\u00f6rtner wacht vor dem Spiel gegen die Bayern \u00fcber das Gel\u00e4nde. Die Logen sind eingedeckt, der Adler auf dem Teppich der Mixed-Zone ist abgesperrt, auf dass niemand ihn mit Stra\u00dfenschuhen befleckt. Es sind nicht nur Fans der Eintracht dabei, die Nachtf\u00fchrung lockt etliche Besucher an, die sich das einmalige Erlebnis fast ganz alleine im Stadion zu sein, nicht entgehen lassen wollen. Einer dr\u00fcckt dem FSV die Daumen, andere kommen aus Hamburg, sogar ein K\u00f6lner ist dabei. Kurz vor Mitternacht trinken wir noch ein Glas Sekt auf den Abend &#8211; und auf drei Punkte f\u00fcr die Eintracht. Es sollte anders kommen &#8230;<\/p>\n<p>Wenige Stunden sp\u00e4ter bin ich wieder hier. Pia und ich parken unseren Dacia hinten am DFB Parkhaus, es ist kurz nach 13:00 Uhr, nur vereinzelte Fans warten auf ihren Einlass, unsere Arbeitskarten erm\u00f6glichen es uns, vor der Zeit die Arena zu betreten. Schnurstracks laufen wir Richtung Museum, die Waldtrib\u00fcne, unser Arbeitsplatz, ist schon aufgebaut, Jakob, unser heutiger Techniker vor Ort. Aus den Boxen l\u00e4uft <em>Hey Joe<\/em> von Jimi Hendrix. Nat\u00fcrlich beginnt so ein Arbeitstag mit Begr\u00fc\u00dfungsrunden. Maj und Lena warten schon am Merchandisestand auf Kundschaft, das Museum ist proppevoll, die Kids der Fu\u00dfballschule haben es in Beschlag genommen. Steffen versucht, Ordnung ins Chaos zu bringen, Sebastian f\u00fchrt derweil zur Spieltagsf\u00fchrung durch die Katakomben, w\u00e4hrend Frauke auf einen Anruf wartet. Denn neben unseren geladenen G\u00e4sten Stephan Winterling, der nicht nur im Verwaltungsrat des Vereins sitzt, sondern auch dem Museumsf\u00f6rderverein vorsteht, und Martin Fenin, besteht die leise Hoffnung einen besonderen Gast zu begr\u00fc\u00dfen, dessen Erscheinen jedoch kurzfristig entschieden wird. Matze ist derweil \u00fcberall.<\/p>\n<p>Das Museum ist ja nicht nur ein Hort der Geschichte, es ist auch ein Ort der Begegnung. Drau\u00dfen ist Erwin Stein in ein Gespr\u00e4ch vertieft, da kommt Manni Binz aus dem Museum geschlichen, Helga kommt auf einen Plausch vorbei, Frank und Corinna genau so wie der Stammtisch, der immer da ist. Alle sind eigentlich guter Dinge: Gegen die Bayern, da geht was. W\u00e4hrenddessen verkauft unsere FSJlerin Griselde die ersten Sch\u00f6ppchen.<\/p>\n<p>Kurz bevor die Waldtrib\u00fcne beginnt, kommt die Info: Unser \u00dcberraschungsgast kommt nicht. Das ist schade, Pia und ich hatten uns nat\u00fcrlich vorbereitet &#8211; das ist manchmal nicht so einfach, so stellt sich zuweilen die Frage, wie gehen wir mit unseren G\u00e4sten um, die einerseits viel erlebt haben, denen wir andererseits nur verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenig Zeit anbieten k\u00f6nnen, vor allem, wenn die Lebensgeschichten so vielseitig \u00e1ber auch widerspr\u00fcchlich sind, wie bei unserem heutigen Kandidaten. Europameister mit 20, Olympiateilnehmer 1972 &#8211; als Pal\u00e4stinenser elf israelische Geiseln und einen Polizisten t\u00f6teten. Weltmeister mit 22, dreifacher Europapokalsieger mit 24, Karriereende mit 27. Dazwischen der Nachthimmel von Belgrad. Einziger \u00dcberlebender eines Hubschrauberabsturzes. Vom Bayernolymp in die Zelle der JVA Landsberg &#8211; und zur\u00fcck. Es w\u00e4re spannend geworden mit Uli Hoene\u00df.<\/p>\n<p>Aber es wird auch ohne ihn spannend. Der Doc erz\u00e4hlt von historischen Begegnungen, Stephan erkl\u00e4rt uns ganz genau, was ein Verwaltungsrat eigentlich macht und Martin freut sich wie immer, bei der Eintracht zu sein. Noch am Abend zuvor ist er mit Fans der Eintracht um die H\u00e4user gezogen. Jetzt steht er etwas verloren in zu leichter Kleidung auf der B\u00fchne. Pia \u00fcberreicht ihm einen Schal, damit der Bub nicht friert. Zum Schluss gib&#8217;s noch die aktuelle Aufstellung, damit ist f\u00fcr uns die Arbeit erledigt. Oben im Businessbereich gibt&#8217;s Leberk\u00e4sbr\u00f6tchen, Entenkeulen und Weingummis.<\/p>\n<p>Durch unsere Arbeitskarten d\u00fcrfen wir zwar \u00fcberall hin, haben aber leider keine festen Pl\u00e4tze mehr. Fr\u00fcher bin ich immer hoch zu unserer kleinen EFC-Abteilung im Oberrang, da aber meist alle Pl\u00e4tze belegt sind, musste ich wieder zur\u00fcck und verpasste durch die Lauferei die ersten Minuten. Jetzt stehen wir auf der Terrasse der Haupttrib\u00fcne, da geht es zwar weniger wild zu, doch wenn du mal neben Ronnie Borchers stehst und \u00fcber das Spiel quatschst, dann ist das auch ganz sch\u00f6n. Nur benehmen muss man sich dort. Das f\u00e4llt nicht immer leicht, vor allem, wenn Schiedsrichter Osmers den Herrn Vidal trotz klarer Notbremse im Spiel bel\u00e4sst, jener Vidal dann ein Tor macht und wenig sp\u00e4ter immer noch dabei ist, obgleich er Wolf r\u00fcde gelegt hat. Auch die endlose Spielverschleppung der Bayern bei Einw\u00fcrfen oder Auswechslungen treiben den Puls nach oben. Unsere Kurve hat auch nicht den besten Tag erwischt. W\u00e4hrend die Eintracht den Bayern teilweise sogar \u00fcberlegen ist, die M\u00fcnchner ein aufreizend unseri\u00f6ses Match abliefern, pl\u00e4tschert der Support m\u00e4\u00dfig vor sich hin. Ein n\u00e4chster Skandal kann gerade so noch abgewendet werden. Wolf legt James im Mittelfeld. Klares Foul. Klare gelbe Karte. Und was macht der Schiedsrichter? Ohne zu z\u00f6gern: Rot. Besonnene Menschen halten mich fest. Doch w\u00e4hrend Wolf in die Katakomben stapft, wird der Videobeweis heran gezogen. Und dieser best\u00e4tigt, was alle gesehen haben: Keine rote Karte, gelb. Wolf wird aus der Dusche hervor gezerrt und darf wieder mitspielen. Am Ende steht ein unfassbar \u00e4rgerliches 0:1.<\/p>\n<p>Nach Spielende dann \u00fcberall aufgeregte Diskussionen. Nur Matze steht stoisch am Museumseingang und kassiert den halben Eintritt, auf der gro\u00dfen neuen Leinwand l\u00e4uft die Zusammenfassung. Ich will nichts mehr sehen. Andr\u00e9 Rothe kommt vorbei, unser langj\u00e4hriger Stadionsprecher, wir trinken ein Sch\u00f6ppchen. Aber der Abend wird kurz. W\u00e4hrend die Bembelbar in der St Tropez Bar feiert, John und Niko im Backstage auflegen und unser alter Techniker Andi in Sachsenhausen seine CD vorstellt, fallen wir in die Kissen. Sonntag fr\u00fch klingelt der Wecker, die ersten G\u00e4ste wollen trotz allem durch Museum und Stadion gef\u00fchrt werden, Kids ihren Geburtstag feiern.<\/p>\n<p>Und so rolle ich wenige Stunden nach Abpfiff erneut ins Stadion ein, es hat begonnen zu schneien, ein jungfr\u00e4uliches Wei\u00df legt sich \u00fcber die Arena und \u00fcberdeckt die Tr\u00e4nen der Wut des gestrigen Tages. Und so stehe ich mit Maj und Sebastian auf der Matte, wir legen Gummib\u00e4rchen auf die Kindertische und f\u00fchren G\u00e4ste durchs verschneite Rund, erz\u00e4hlen Geschichten von einst, zu denen nun auch schon das gestrige Spiel geh\u00f6rt. In der Kabine liegen Tapes und Rasenst\u00fcckchen auf dem Boden, der nunmehr schneebedeckte Rasen selbst wird durch mobile Lampen beleuchtet, w\u00e4hrend sich die Teilnehmer der F\u00fchrung auf der Ersatzbank niederlassen. Sp\u00e4ter tobt der Nachwuchs durchs Museum, derweil sich der 1. FC K\u00f6ln anschickt, den SC Freiburg zu versenken. 3:0 steht es nach 30 Minuten, gleich zwei Mal mussten die Freiburger verletzte Spieler ersetzen. In den letzen Sekunden aber dreht der SC das Spiel v\u00f6llig und gewinnt noch mit 4:3 in K\u00f6ln. Dies \u00e4ndert zwar nichts an unserer Niederlage, zeigt aber, dass es immer noch krasser geht.<\/p>\n<p>Erst kurz vor Acht schlie\u00dfen wir die Pforten und stapfen durch den Schnee zum Auto. Feierabend. Tatort. Bei der Eintracht ist ja immer was los &#8230; und die Fotos von der Waldtrib\u00fcne sind von Wolfgang Becker<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist der Tag nach der \u00e4rgerlichen Niederlage der Eintracht gegen die Bayern, ein Tag, an dem du von Fu\u00dfball eigentlich nichts wissen willst. 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