{"id":12373,"date":"2017-10-28T16:30:29","date_gmt":"2017-10-28T14:30:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=12373"},"modified":"2017-10-28T18:23:20","modified_gmt":"2017-10-28T16:23:20","slug":"das-historische-museum-in-frankfurt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=12373","title":{"rendered":"Das Historische Museum in Frankfurt"},"content":{"rendered":"<p>Frankfurt kann ja viel, was Frankfurt normalerweise nicht kann, ist Meister werden und \u00f6ffentliche Pl\u00e4tze oder Geb\u00e4ude gestalten. Zumindest meistens. Letzteres aber scheint sich gewandelt zu haben, die neue <a href=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=12269\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Altstadt <\/a>und auch das neue <a href=\"https:\/\/historisches-museum-frankfurt.de\/de\/besuch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Historische Museum <\/a>k\u00fcnden davon.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Hinter dem gro\u00dfr\u00e4umigen Foyer des Neubaus beginnt der Abstieg in die Ausstellungsr\u00e4ume, die alte und jedem Frankfurter wohlbekannte Leuchtreklame des Turm Palastes, die nun an der Wand h\u00e4ngt, l\u00e4sst sofort das Herz h\u00f6her schlagen. Schon das erste Objekt, die &#8222;<a href=\"https:\/\/historisches-museum-frankfurt.de\/de\/schneekugel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schneekugel<\/a>&#8220; l\u00e4dt zum l\u00e4ngeren Verweilen ein. Und da haben wir schon das erste Problem. Es ist unm\u00f6glich, alles sofort zu erfassen, weder das Geb\u00e4ude, noch die Schneekugel, noch die Ausstellung im Gesamten, die sich im weitesten Sinne in &#8222;Frankfurt jetzt&#8220; und &#8222;Frankfurt einst&#8220; gliedert. Dazu kommt noch die Ausstellung im Altbau, sowie der Rententurm, der nun besuchbar ist. Alleine um die Schneekugel zu erfassen, brauchst du eine gute halbe Stunde. Acht Themen-Modelle heben sich in die Kugel, rotieren und versinken wieder, dazu Projektionen an den W\u00e4nden. Was ist dies? Wie h\u00e4ngt es zusammen &#8211; und wie lange werde ich f\u00fcr den Rest der Ausstellung brauchen. Damit ist nach wenigen Minuten klar, hier hei\u00dft es: Erst einmal einen Gesamteindruck verschaffen und dann: Wiederkommen.<\/p>\n<p>Deshalb ist es auch schwierig, Kluges zu schreiben &#8211; Zu viele Eindr\u00fccke schaffen Verwirrung, die Geschichte Frankfurts ist lang und facettenreich. Einerseits faszinieren Objekte, der geschlachtete Ochse zu Ehren des Kaisers in Miniatur, der Briggegiggel mit Einschussl\u00f6chern, die alte Arminia Fahne, die Hakenkreuzfahne, die Schreibstube des Marcel Reich-Ranicki, der alte Adler, die zig Frankfurt Gesichter, das Wimmelregal mit Dingen des Alltages, das Altstadtmodell, &#8211; und dann kommen die Geschichten. Zur Stadtentwicklung, zu Menschen, zum Verkehr und der Zeit zwischen 1933 und 1945. Und zur Aufarbeitung dieser Jahre w\u00e4hrend der Frankfurter Auschwitz Prozesse, Fritz Bauer wird eh zuwenig gew\u00fcrdigt. Kaiser Karl der Gro\u00dfe, der uns all die Jahre vor dem Museum begr\u00fc\u00dfte, steht nun trocken. Dahinter ein Poster der Bahn: Alle reden vom Wetter, wir nicht.<\/p>\n<p>Ist &#8222;Frankfurt einst&#8220; ein Sammelsurium, ein vollgestopftes Wohnzimmer, in dem du dich verlaufen kannst und doch immer vor Dingen h\u00e4ngen bleibst, die dich besch\u00e4ftigen, zuweilen scheinbar strukturlos, zuweilen finster, so ist &#8222;Frankfurt jetzt&#8220; licht. Unten die Ernst May K\u00fcche, oben das <a href=\"https:\/\/historisches-museum-frankfurt.de\/de\/stadtlabor?language=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stadtlabor <\/a>&#8211; wobei ich das gegenw\u00e4rtigste der Gegenwart zun\u00e4chst ausklammere. Zig Frankfurter sehen dich an, du siehst sie an. Sie h\u00e4ngen gerahmt an den W\u00e4nden, fotografiert im heimischen Wohnzimmer, fein zurecht gemacht oder in Socken, ein intimer Blick in die \u00e4u\u00dfere Seele der Menschen.<\/p>\n<p>Frankfurt, Stadt des Verkehrs, des Handels, des Buches, des Widerstandes, des Geistes, der Tat und bei den Nazis des Handwerks. Vieles findet im Museum seinen Spiegel, \u00fcber alles kann man streiten, jedoch nicht hier und jetzt, jetzt und hier gilt es zu begreifen, zu sehen, wahrzunehmen, zu erkennen. Das \u00fcberfordert einen kleinen Geist wie mich. Dann geht der Feueralarm los. Ist das jetzt Teil des Konzeptes oder echt? Er ist echt, aber wir haben Gl\u00fcck, die Feuerwehr gibt den Ort wieder frei. Fehlalarm. Selbstverst\u00e4ndlich ist auch die Eintracht im Museum pr\u00e4sent: Ein zerbrochenes Apfelweinglas von der Gr\u00fcndung der Viktoria, es ist echt, genau so wie der nebenan stehende Kuchen von J.F. Kennedy. Na, fast. Also nicht wirklich. Eher nicht. Dazu sehen wir Heinz Ulzheimer beim Staffellauf, die Single vom Endspiel 59 (wobei hier das Cover noch umgedreht werden muss), eine Familie im Eintrachtrikot sowie Arena und Riederwald. Weitere Hinweise auf die SGE sind gerne willkommen.<\/p>\n<p>Das Gigantischste aber ist: Das neue Stadtmodell. Hermann Helle und seit Team haben in knapp zwei Jahren Planung und Umsetzung ein Wimmelfrankfurt geschaffen, das dich stundenlang besch\u00e4ftigen kann. Aus Tausenden Alltagsgegenst\u00e4nden wurde sie geformt, die Stadt, aus Klob\u00fcrsten der Stadtwald, aus Spritzen und Thermometern H\u00f6chst und aus einer Art Mausefalle der Preungesheimer Knast. Der Betrachter steht quasi im Main und blickt auf die Stadt, dahinter Sachsenhausen, Oberrad, der Flughafen und das Stadion. Auch der Goetheturm steht hier noch. Wer genau hinh\u00f6rt, der h\u00f6rt die Anfeuerungsrufe der Eintrachtfans.<\/p>\n<p>Die EZB ist gef\u00fcllt mit Geldschnipseln, der Pavillon im Bethmannpark, ein Spielzeugmodell, die A661 ist ein Bergsteigerseil, das sich \u00fcber das Gel\u00e4nde schl\u00e4ngelt, hier leuchtet die Festhalle, da die Alte Oper, w\u00e4hrend die Dippemess in vollem Gange ist. Weiter hinten im Riederwald liegt der alte Sportplatz der Eintracht, noch ohne das neue Leistungszentrum. Fehlt nur noch meine H\u00e4ngematte im Garten ein paar Meter weiter hinten. Und die Menschen stehen im Main, zeigen auf das Modell: &#8222;Da hinten ist die Berger Stra\u00dfe, und das die neue Bilbliothek, \u00e4h nein, das ist die Uni. Und dahinten ist Kalbach, da wohnen M\u00fcllers. Oder Meiers.&#8220;<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte ewig hier verweilen, Detail reiht sich an Detail, Messer und Gabel am Lohrberg, hier kann man gut essen. Eine Antenne, klar, was sonst, ist der Fernsehturm, die Commerzbank ein Zollstock, Mensch \u00e4rger dich nicht der Boden nah der Messe. Und am Beispiel des Pavillons und des Goetheturms, die beide einem Feuerteufel zum Opfer fielen, sehen wir, dass dieses Modell so gegenw\u00e4rtig es auch ist, schon jetzt ein Frankfurt zeigt, welches es so nicht mehr gibt.<\/p>\n<p>Einen Besuch wert, so denn noch Kraft ist, ist der Rententurm am Mainkai, hier atmen die Steine Geschichte, neu ist die Uhr. Er ist \u00fcber die Ausstellung direkt zu erreichen, aus dem Fenster schauend sehe ich die Frankfurter \u00fcber den Eisernen Steg schlendern. Frische Luft, gute Idee. Und Wiederkommen auch. Nat\u00fcrlich wurde auch schon \u00fcber das erst k\u00fcrzliche Museum berichtet. Hier die <a href=\"http:\/\/www.fr.de\/frankfurt\/frankfurt-genial-gelungen-das-museum-a-1364717\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">FR<\/a>, dort die <a href=\"http:\/\/www.fnp.de\/lokales\/frankfurt\/Neues-Historisches-Museum-Ein-Gewinn-fuer-die-Frankfurter-Altstadt;art675,2635782\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">FNP <\/a>und <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/historisches-museum-frankfurt-eroeffnet-neuen-bau-15234700.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">FAZ <\/a>und hier noch <a href=\"https:\/\/www.das-vierte-zimmer.de\/histmussmcffm\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Das vierte Zimmer<\/a>. Und sie sind v\u00f6llig zu Recht voll des Lobes.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frankfurt kann ja viel, was Frankfurt normalerweise nicht kann, ist Meister werden und \u00f6ffentliche Pl\u00e4tze oder Geb\u00e4ude gestalten. Zumindest meistens. 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