{"id":12348,"date":"2017-10-26T10:54:36","date_gmt":"2017-10-26T08:54:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=12348"},"modified":"2017-10-27T11:01:21","modified_gmt":"2017-10-27T09:01:21","slug":"michael-schenker-in-offenbach-capitol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=12348","title":{"rendered":"Michael Schenker in Offenbach, Capitol."},"content":{"rendered":"<p>Ende der 70er, Anfang der 80er waren wir ja gro\u00dfe Metal Fans, Judas Priest, Saxon, AC\/DC mit Bon Scott, Iron Maiden, Mot\u00f6rhead, Van Halen bretterten in unseren Kinderzimmern die Poster von den W\u00e4nden. Viele der Bands gastierten damals in der Stadthalle in Offenbach, sp\u00e4ter nannten sie den Sound &#8222;New Wave of British Heavy Metal&#8220;.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6rten nat\u00fcrlich UFO mit dem Live Album &#8222;Strangers in the night&#8220; oder, na klar, Phil Lynnot mit Thin Lizzy. Kurz darauf gab mir diese Musik nicht mehr viel. Lemmy liebe ich bis heute, Thin Lizzy oder UFO geht auch immer, aber das ganze Gitarrengeschrubbe mit Gepose und wehenden M\u00e4hnen hatte seine Zeit in der Zeit. Michael Schenker, der mit 16 bei den Scorpions spielte, sp\u00e4ter dann bei UFO, war damals ja das &#8222;Wunderkind&#8220; mit seiner Flying V Gitarre. Im Leben nicht w\u00e4re ich auf die Idee gekommen, 60 \u00d6cken f\u00fcr das Konzert im Capitol auszugeben &#8211; aber wie es der Zufall so will, bin ich dann doch dort gelandet. Mit H\u00f6ke. Unser erstes Konzert war Anfang 1979 Queen in der Festhalle, wir kennen uns also schon ganz sch\u00f6n lange &#8211; und haben im Capitol ein weiteres Kapitel unserer Freundschaft geschrieben, das war toll.<\/p>\n<p>Vom Frankfurter Nordend bringt mich die Bahn mit Umsteigen in 20 Minuten ans Ledermuseum &#8211; das ist ein Ding. Ein Roadbier, ein paar Meter laufen und da bin ich. Ein paar Minuten sp\u00e4ter kommt H\u00f6ke. Fr\u00fcher waren wir ja schon mittags an den Hallen, tranken Appelkorn und erlebten gro\u00dfe Abende. Und manchmal hie\u00df es: &#8222;Papa, kannst uns abholen?&#8220;, weil keine Bahn mehr fuhr. Ja, wir konnten damals ohne Handy kommunizieren und kamen irgendwie \u00fcberall hin.<\/p>\n<p>Das Capitol ist eine sch\u00f6ne Location, ich glaube, sie haben das Ding Mitte der 90er f\u00fcr das Tommy Musical aufgepeppt, seither war ich genau zwei Mal hier, Element of Crime habe ich gesehen und Tocotronic. Jetzt hocken wir das erste Mal im Oberrang. Vor dem Konzert ist Sitzen eine prima Sache, vor allem, da mein R\u00fccken von der Hexe getroffen wurde. Aber Rockmusik im Sitzen ohne Kippenqualm ist wie Handk\u00e4s ohne Musik. Nun gut, sie ziehen ja jetzt auch Fahrradhelme auf, um \u00e4lter zu werden &#8211; ohne zu wissen, weshalb sie \u00e4lter werden wollen. Also nicht ihr, die anderen. Dann guckt man halt vom Oberrang zu, wie die anderen leben.<\/p>\n<p>Es beginnt eine Vorband aus Stuttgart, klassischer Metal, rein optisch k\u00f6nnten die Jungs auch ne Indieband sein, irritierend nur, dass die gro\u00dfe Lampe im Saal durchgehend leuchtet. Das ist etwas sch\u00e4big, die gro\u00dfe Atmosph\u00e4re kommt nicht auf, aber sie geben alles und ziehen am End die Leute doch in ihren Bann. Mehrmals begr\u00fc\u00dft der S\u00e4nger Offenbach, er meint nicht mich. Bei einer Kippenpause treffe ich drau\u00dfen einen Mann mit einer &#8222;Frankfurt&#8220; Jacke, er hat genau so gelitten wie ich.<\/p>\n<p>Nach einer kurzen Umbaupause kommt dann die Band von Michael Schenker. Chris Glen am Bass steht w\u00e4hrend der gesamten Show wie ein Fels in der Brandung, ein Ventilator verweht die langen Haare. Michael Schenker, der Hungerhaken, kniedelt an seiner Flying V wie eh und je, leider steht er am Rand der B\u00fchne, von uns aus kaum zu sehen. Klar, bei den ersten T\u00f6nen stehe ich auf. Um zu sehen, zu wippen, zu tanzen. Hinter mir t\u00f6nt es sofort: &#8222;Hinsetzen&#8220;. Es war kein Steward, wie ich es aus England kenne, es war ein Konzertbesucher, Typ Hells Angels, b\u00f6ser Blick. Ich denke mir &#8222;Leck mich&#8220;. Also laut habe ich das gedacht, aber bevor die Sache eskaliert und ich mit abklingendem Hexenschuss den k\u00fcrzeren ziehe, schwinge ich mich eine Reihe nach hinten. Im Oberrang sitzen alle. Kerle, die sind j\u00fcnger als ich, was soll denn da noch kommen? Klar, wenn&#8217;s nicht geht, geht&#8217;s nicht &#8211; aber allein die Musik l\u00e4sst dich doch zucken, deshalb bin ich doch hier. Gekr\u00fcmmt kann ich ja sp\u00e4ter noch in der Bahn hocken. Sie sitzen da, noch nicht einmal der Kopf wippt. Lieber Gott, schick mich ins Jenseits, bevor ich so drauf komme.<\/p>\n<p>Was soll&#8217;s, drei S\u00e4nger wechseln sich ab, Gary Barden, Graham Bonnet und Robin McAuley. Vor allem Letzterer macht seine Sache klasse, Metal Frontman der alten Schule, lange M\u00e4hne, L\u00f6cher in den Hosen und ne Kette dran. Graham Bonnet war schon das Ende von Rainbow. Mit ihm kannst du bestimmt ein Bier trinken und dich \u00fcber Gott und die Welt unterhalten, aber S\u00e4nger einer Rockband ist er f\u00fcr meinen Geschmack nicht, war er nie und wird&#8217;s auch nicht. Gary Barden ist mehr so der Handwerker im langen Hemd, k\u00f6nnte auch f\u00fcr Journey oder so singen. Michael Schenker kniedelt. Und kniedelt. Und lacht manchmal. Der Kerl war schon mit 16 wie sein Bruder Rudolf bei den Scorpions, sp\u00e4ter dann bei UFO. Ende der 70er waren die Scorpions ja klasse, die Tokyo Tapes eine Hammer Liveplatte. Heute er\u00f6ffnen sie die Expo und ich lasse die Roll\u00e4den runter. Wind of Change, eines der schlimmsten Lieder aller Zeiten. Aber Schenkers Michael ist echt ne Legende. Er kniedelt.<\/p>\n<p>Gegen Ende kommen dann ein paar alte UFO Bretter, Doctor, Doctor, so eine Art &#8222;Paranoid&#8220;, Klassiker der Klassiker. Vor ein paar Jahren haben wir ja UFO im Steinbruch gesehen, eine Handvoll Zuschauer und leider ohne Schenker, aber das war auch klasse. Kein Firlefanz, simply Rock. Und auch heute sind Lights Out oder die letzte Zugabe, Natural Thing, die Killersongs. Rock Bottom kniedeln sie ne gute Viertelstunde lang, ich hole Bier und als ich wieder komme, sind sie genau so dabei, wie in dem Moment als ich ging.<\/p>\n<p>Irgendwann ist die Show zu Ende, es war gut, mit H\u00f6ke hier gewesen zu sein, wir haben wieder etwas erlebt und k\u00f6nnen sp\u00e4ter dar\u00fcber babbeln. Ein Bier sp\u00e4ter f\u00e4hrt er mich zur S-Bahn. Als ich die Treppen hinunter marschiere, steht die Bahn abfahrbereit da, eine junge Frau h\u00e4lt l\u00e4ssig ein Bein in die Lichtschranke, ich falle die T\u00fcr hinein, sie schlie\u00dft sich. Ein paar Minuten sp\u00e4ter warte ich an der Konsti auf die Stra\u00dfenbahn, Heimspiel. Eine gegenw\u00e4rtige Zeitreise liegt hinter mir. Mein R\u00fccken schmerzt. Weiter machen, was sonst?<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ende der 70er, Anfang der 80er waren wir ja gro\u00dfe Metal Fans, Judas Priest, Saxon, AC\/DC mit Bon Scott, Iron Maiden, Mot\u00f6rhead, Van Halen bretterten in unseren Kinderzimmern die Poster von den W\u00e4nden. 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