{"id":12321,"date":"2017-10-25T14:23:09","date_gmt":"2017-10-25T12:23:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=12321"},"modified":"2017-10-25T14:24:55","modified_gmt":"2017-10-25T12:24:55","slug":"die-eintracht-in-schweinfurt-feat-schnuedel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=12321","title":{"rendered":"Die Eintracht in Schweinfurt &#8211; feat. Schn\u00fcdel"},"content":{"rendered":"<p>Nach 15 Jahren spielt die Eintracht wieder mal in einem Pflichtspiel in Schweinfurt. Standesgem\u00e4\u00df beginnt die Fahrt am Moseleck, jedoch weniger aus feuchtfr\u00f6hlichen, eher aus pragmatischen Gr\u00fcnden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Diesmal treffen sich f\u00fcr die Fahrt zum Spiel der zweiten Pokalrunde beim 1. FC Schweinfurt: Die Pia, der Basti_Red, der rote Dacia und ich an einem der trubeligsten Orte Frankfurts im Bahnhofsviertel. Es hupt. Immer. Wir lassen uns nicht gro\u00df st\u00f6ren und steuern \u00fcber Sachsenhausen Richtung A3, dezent im Hintergrund mit dabei: Manu Chao, TV Smith oder die Chameleons, es scheint ein trockener Tag zu werden, die Uhr schl\u00e4gt bald drei. Anpfiff der Partie ist um 20:45, genug Zeit also f\u00fcr eine gem\u00fctliche Fahrt durch den Spessart. Hinter Aschaffenburg, hinter den gro\u00dfen Einhausungen, geht es bei H\u00f6sbach auf die Landstra\u00dfe, die wir bis kurz vor Schweinfurt nicht mehr verlassen werden. Wir rollen gem\u00e4chlich durch den Waldherbst, durch gelbbraungr\u00fcne Baumalleen; auf den Stra\u00dfen ist nichts los, das Gros ist auf den Autobahnen unterwegs, zwischen Baustelllen und Mittelspurschleichern. Kurz vor Lohr allerdings ist die Landstra\u00dfe gesperrt, wir folgen der Umleitung und erreichen nach wenigen Kilometern dennoch Lohr, verlassen kurz die B26, passieren Steinbach und Wiesenfeld und alsbald erreichen wir Karlstadt. Wieder auf der B26 n\u00e4hern wir uns rasch Schweinfurt. Die letzten Kilometer geht es auf die A70 und nach knapp 130 Minuten landen wir in der Innenstadt, parken am Spitalseeplatz und entern die City: Hurra, Hurra, die Frankfurter &#8230; Main gibt&#8217;s hier auch.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst spricht uns der Fahrer eines gepflegten Wagens an, ob wir das Stadion suchen w\u00fcrden, der Knopf im Ohr scheint uns verd\u00e4chtig, wir ziehen weiter.&nbsp; An einem Imbiss am Rande der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone trifft sich die Jugend in Schwarz, bei n\u00e4herem Hinsehen mit gr\u00fcnen Einsprengseln, wir ziehen weiter, suchen eine Wirtschaft rund um den Marktplatz. Das Stadtbild ist gepr\u00e4gt von m\u00e4chtigen Geb\u00e4uden, wie dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Altes_Rathaus_(Schweinfurt)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">historischen Rathaus<\/a> der Renaissance, in der Stadt selbst ist es ruhig. Ein gem\u00e4chlicher Feierabend legt sich \u00fcber den Tag, die Menschen vor Ort sind auf den ersten Blick freundlich und aufgeschlossen. Da im Brauhaus alle Pl\u00e4tze reserviert sind, landen wir bei einem Kroaten in unmittelbarer N\u00e4he. Wir sind die ersten im Laden, doch kaum sitzen wir, f\u00fcllt sich das Restaurant.<\/p>\n<p>Sodann brechen wir auf Richtung <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Willy-Sachs-Stadion#Kontroverse_um_den_Stadionnamen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Willy-Sachs-Stadion<\/a>, es d\u00fcrfte das einzige Stadion in Deutschland sein, welches nach einem hochrangigem SS-Mitglied benannt ist, dies scheint man hier locker zu sehen, schlie\u00dflich lie\u00df Willy Sachs einst etliche Taler f\u00fcr die Stadt springen. Zun\u00e4chst sieht wenig bis nichts nach Fu\u00dfball aus, doch nach wenigen Minuten erreichen wir die Bundesstra\u00dfe, die zum Stadion f\u00fchrt, und nun stauen sich auch die Autos. In einiger Entfernung gl\u00e4nzt das Flutlicht &#8211; und kaum dachten wir, wir h\u00e4tten es geschafft, werden die Kurveng\u00e4ste rund um das Stadiongel\u00e4nde mit Trainings- und Tennispl\u00e4tzen geleitet, ein Fu\u00dfmarsch, der l\u00e4nger scheint, als der Weg von der Stadt bis zum Haupteingang, die letzten Meter sind unbeleuchtet. Am Eingang selbst herrscht ein ordentliches Gedr\u00e4nge, noch ist die Masse \u00fcberschaubar, aber ein einziger Eingang f\u00fcr alle f\u00fchrt kurz vor den Ordnern zu einem Anflug von Massenpanik. Da ist es eine herausragende Idee der Polizei, mit mehreren Leuten gegen den Strom zu dr\u00fccken, um hindurch zu gelangen, es wird ungem\u00fctlich. Aber wir \u00fcberleben den Einlass und blicken in ein Oldschool-Stadion, in dem der Geist der F\u00fcnfziger Jahre atmet. Flutlichtmasten bestrahlen den Rasen, die un\u00fcberdachten Kurven f\u00fcgen sich mit der ebenfalls un\u00fcberdachten Gegengerade zu einem harmonischem Oval, einzig die Haupttrib\u00fcne bietet vor optionalem Regen Schutz. Vor meinem geistigen Auge sehe ich Jahrzehnte vor mir tausende M\u00e4nner in M\u00e4ntel und H\u00fcten mit gespannten Regenschirmen hier stehen, umrandet von B\u00e4umen skandieren sie &#8222;Willy Sachs&#8220; welcher huldvoll und trunken in seiner Uniform von der Haupttrib\u00fcne aus winkt.<\/p>\n<p>Im Stehplatzbereich wird es langsam sehr voll, immer mehr dr\u00e4ngen hinein, die H\u00fctte wird voll, die maximale Kartenkapazit\u00e4t von 15.060 wurde ausgesch\u00f6pft, dabei sind zwei Bl\u00f6cke als Puffer frei gelassen. Der Stadionsprecher weist unerm\u00fcdlich darauf hin, dass auf einer Stufe zwei Reihen stehen k\u00f6nnen. Irgendwann hat irgend jemand ein Einsehen, ein gesperrter Block wird ge\u00f6ffnet, die Lage entspannt sich. Der harte Kern der Schweinfurter steht in der Gegengerade.<\/p>\n<p>Kaum laufen die Mannschaften ein, schwenkt unsere Kurve hunderte F\u00e4hnchen, Bengalos flammen auf, Kassenrollen flattern auf die Laufbahn, Silvesterrakten steigen in den Nachthimmel von Schweinfurt. Pyro in der Nacht hat ja immer den Vorteil, dass man auch in der Dunkelheit ein paar gescheite Fotos hin bekommt. Die brennenden Kassenr\u00f6llchen werden von der Feuerwehr beherzt gel\u00f6scht. Alsdann beginnt sowohl das Spiel als auch auf den R\u00e4ngen ein buntes Programm mit traditionellem Liedgut. Es ist immer was los beim Fu\u00dfball, mit blo\u00dfen gucken kommst du hier nicht durch. H\u00e4nde hoch, H\u00e4nde runter, Wechselgesang hier, Schweinfurt-Schweine, N\u00fcrnberg-Schweine, Singen, Klatschen, das geht Schlag auf Schlag. Daf\u00fcr dauert es dann zuweilen etwas l\u00e4nger bis auff\u00e4llt, dass die Eintracht ein Tor geschossen hat, Hall\u00e9r hat&#8217;s gemacht, doch in der Folge friemelt sich Schweinfurt ins Spiel und kommt sogar zu Chancen. Die Anzeigetafel blinkt immer wieder vor Aufregung \u00fcber Ecken oder Zuschauerzahlen, zuweilen fordern zwei animierte H\u00e4nde zu gepflegtem Applaus auf &#8211; wie einst bei den Anf\u00e4ngen der Digitalisierung.<\/p>\n<p>Die Stimmung der Umstehenden ist gelassen, manchmal schiebt sich der ein oder andere mit drei, vier Bechern Bier problemlos durch die Leute, der Stadionsprecher spricht vom Jahrhundertspiel und w\u00e4hrend der Halbzeit gibt Stepi den Pausenclown und schie\u00dft&nbsp; leere Bierkisten von einer Bierbank.<\/p>\n<p>In Halbzeit zwei haben die &#8222;<a href=\"https:\/\/www.swity.de\/2017\/07\/22\/warum-wir-schweinfurter-schnuedel-heissen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schn\u00fcdel<\/a>&#8222;, wie sich die Schweinfurter nennen eine Riesenchance zum Ausgleich, versemmeln aber und alsbald \u00fcbernimmt die Eintracht das Kommando. Erneut Hall\u00e9r sowie Wolf und Blum schie\u00dfen einen ungef\u00e4hrdeten Sieg heraus, derweil auch die &#8222;Schn\u00fcdelultras&#8220; ein kleines Feuerwerk abbrennen. Gemeinsam wird dann noch der DfB gefeiert, doch die Verbr\u00fcderung der Fanlager w\u00e4hrt nur kurz, um dem Anspruch der Frankfurter Arroganz gerecht zu werden, hei\u00dft es dann wieder: Schweinfurt-Schweine. Ihr d\u00fcrft zwar kurz mit uns spielen, aber dann wieder ab in den K\u00e4fig. <em>Schn\u00fcdel <\/em>ist \u00fcbrigens das Lederb\u00e4ndchen, welches die alten Fu\u00dfb\u00e4lle an Stelle eines Ventils zusammenhielt. &#8222;Steht auf, wenn ihr Schn\u00fcdel seid&#8220; hei\u00dft es dann auch von uns, eine Ironie, die nicht jedem in der Kurve gef\u00e4llt.<\/p>\n<p>Nach 90 Minuten ist der Pflichtsieg unter Dach und Fach, die Mannschaft wird gefeiert, der Fu\u00dfmarsch beginnt. Dummerweise ist der Ausgang jetzt halbiert, es gibt noch weniger Platz zum Durchkommen, aber auch diese H\u00fcrde wird gemeistert und nach einigen Gude hier und Gude da, fallen wir in einen Shuttlebus, der uns wieder zum Marktplatz bringt. Nach ein paar Kilometern auf der Autobahn halten wir uns wieder an die Landstra\u00dfe, sausen mit Fernlicht durch den finsteren und einsamen Spessart, kein Mensch, aber auch kein R\u00e4uber ist nach Mitternacht unterwegs, wir verfranzen uns hinter Lohr und kaum sind wir auf der Autobahn, f\u00e4llt der Regen auf die Baustellen, die LKWs dr\u00e4ngen dicht an dicht und die Realit\u00e4t hat uns wieder.<\/p>\n<p>Gegen halb zwei erreichen wir Sachsenhausen, ein Wegweiser weist noch immer zum Goetheturm. An der Eckenheimer entlassen wir Basti und wenige Minuten sp\u00e4ter umkurven wir das Nordend auf der Suche nach einem Parkplatz, ein lustiges Unterfangen in dunkler Nacht &#8211; doch irgendwo ist immer ein Pl\u00e4tzchen f\u00fcr den Dacia frei &#8211; und so findet auch dieser charmante Ausflug ein Ende, wie alles ein Ende findet. Vielleicht mache ich ja im n\u00e4chsten Leben einen Fris\u00f6rsalon auf und nenne ihn: Hairbert.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach 15 Jahren spielt die Eintracht wieder mal in einem Pflichtspiel in Schweinfurt. Standesgem\u00e4\u00df beginnt die Fahrt am Moseleck, jedoch weniger aus feuchtfr\u00f6hlichen, eher aus pragmatischen Gr\u00fcnden.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":12322,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[19,9],"tags":[2117,2116,1332,1823,413,2114,2118,2115],"class_list":["post-12321","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-auswarts","category-eintracht-frankfurt","tag-1-fc-schweinfurt-05","tag-basti_red","tag-dacia","tag-eintracht-frankfurt","tag-pia","tag-schnuedel","tag-spessart","tag-willy-sachs","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12321","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12321"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12321\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12344,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12321\/revisions\/12344"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/12322"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12321"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12321"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12321"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}