{"id":12294,"date":"2017-10-24T11:52:17","date_gmt":"2017-10-24T09:52:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=12294"},"modified":"2017-10-26T01:26:59","modified_gmt":"2017-10-25T23:26:59","slug":"die-oysterband-in-aschaffenburg-colos-saal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=12294","title":{"rendered":"Die Oysterband in Aschaffenburg &#8211; Colos-Saal"},"content":{"rendered":"<p>Es war im Sommer 1992, Nach einem wochenlangen Trip an der Antlantikk\u00fcste mit Aufenthalten in Lequeitio oder La Coruna, in Lissabon oder der Bucht von Santo Andr\u00e9, parkt der alte Diesel auf dem Weg zum Cabo de Sao Vicente, dem s\u00fcdwestlichen Zipfel Portugals.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Was liegen f\u00fcr Wochen hinter mir. In Bergerac ist mir ein Vorgl\u00fchsteuergerr\u00e4t durchgebrannt, bei Seignosse erneut. Kurz darauf wurden zwei Scheiben eingeschlagen, das Autoradio und auch das Fahrrad geklaut, in Lequeitio fuhr mir dann jemand hinten drauf, die Anh\u00e4ngerkupplung verhinderte Schlimmeres &#8211; und jetzt war ich dennoch am Ziel meiner Reise. Ich lief die staubige Stra\u00dfe entlang, der Wind pfiff mir um die Ohren und im Walkman lief eher zuf\u00e4llig von der Oysterband<em><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=nDp_jdU-sEc\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Love Vigilantes<\/a>,<\/em> ein Cover von New Order. Einer dieser Momente, in der ein Song mit der \u00e4u\u00dferen Welt verschmilzt und der f\u00fcr den Rest des Lebens beim Anh\u00f6ren unvermittelt an diesen in die Zeit gemei\u00dfelten Moment erinnert. Ein Moment der Freiheit, ein Moment, der allen \u00c4rger vergessen macht und die Anstrengungen zuvor als notwendige Voraussetzung f\u00fcr diese Unvergesslichkeit eines Gotteskusses scheinen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>23 Jahre sp\u00e4ter liege ich in der H\u00e4ngematte meiner kleinen H\u00fctte in Koh Payam, eine Insel in der Andamanischen See anderthalb Bootsstunden vom Festland Thailands entfernt. Ich schaue auf das Wasser, im Hintergrund verschwimmt Myanmar. Im Sonnenlicht glitzern die Wellen wie Diamanten auf dem Wasser. An jedem Tag auf der Insel h\u00f6re ich neben Chilloutgeblubber nur zwei Songs, der eine ist <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=dbwgnoDisGE\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">A Clowns heart,<\/a> der andere <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=RZqhLmhxWlA\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Diamonds on the Water<\/a>, beide ebenfalls von der <a href=\"http:\/\/www.oysterband.co.uk\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Oysterband<\/a>. <a href=\"https:\/\/www.beveswelt.de\/?cat=1736\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Thailand<\/a>, gro\u00dfe Tage damals.<\/p>\n<p>Jetzt mal wieder live, im Aschaffenburger <a href=\"https:\/\/colos-saal.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Colos-Saal,<\/a> das letzte Deutschlandkonzert der 40j\u00e4hrigen Geburtstagstour. 40 Jahre, gro\u00dfer Gott, da spielt doch Peter Kraus oder Conny Froboess, Peter Alexander oder so. Nein, es ist unsere Zeit, die gleichfalls vergangen ist. Alte Helden also, alte Erinnerungen. Im Saal stehen f\u00fcr die Zuschauer Stehtische und Barhocker auf dem Parkett, das langsam eintrudelnde Publikum setzt sich, in Ehren ergraut, das Leben hat sich in die K\u00f6rper, die Gesichter gefressen, das wilde Leben hat nicht statt gefunden oder seinen Tribut gefordert, die Tr\u00e4ume sind angenagt, ein Spiegel eines Selbst, der daran gemahnt, einerseits in W\u00fcrde zu altern aber auch daran, weiter hungrig nach Leben, Erfahrungen, nach Bewegung zu sein &#8211; dem Tod entkommst du sowieso nicht, also stirb nicht vor der Zeit. Die ganze Vorsicht, R\u00fccksicht, das ganze Gesundseinwollen macht einen ja ganz krank. Br\u00e4sige Zufriedenheit sowieso. Eine Zigarette vor dem Eingang, ein Kellerbier dazu.<\/p>\n<p>Dass es keine Vorband gibt, scheint von Beginn an klar, die Instrumentierung auf der B\u00fchne spricht B\u00e4nde &#8211; und ziemlich p\u00fcnktlich gegen 20 Uhr, geht es los, die Herren betreten die B\u00fchne. Nahezu von Beginn an vor 40 Jahren dabei: John Jones, Gesang, Ian Telfer, Geige und <del>Andy<\/del> Alan Prosser, Gitarre &#8211; seit vier Jahren fehlt Chopper, der \u00fcber 20 Jahre den Bass bediente. Die Jungs sind mit uns gealtert, keine Frage, die Frage aber ist, ob sich der Schatten der Verg\u00e4nglichkeit, der \u00fcber der Szenerie liegt, w\u00e4hrend des Konzertes verfl\u00fcchtigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>I am the fountain of affection<\/em><br \/>\n<em>The instrument of joy<\/em><br \/>\n<em>To keep the good times rolling<\/em><br \/>\n<em>I&#8217;m the boy, I&#8217;m the boy<\/em><br \/>\n<em>I say the world will be our oyster<\/em><br \/>\n<em>You can put your trust in me<\/em><br \/>\n<em>We&#8217;ll keep the good times rolling<\/em><br \/>\n<em>Wait and see, wait and see<\/em><br \/>\n<em>Wait and see&#8230;<\/em><\/p>\n<p>Einige junge Leute sind auch hier, der Saal f\u00fcllt sich auch jetzt noch, eine j\u00fcngere Frau h\u00fcpft vor uns wie ein Gummiball gut gelaunt zu den Kl\u00e4ngen von &#8222;When I&#8217;m up, I can&#8217;t get down&#8220;, die Herren freuen sich, die Damen schauen neidisch, da tanzt das Leben, w\u00e4hrend uns schon das Stehen schwer f\u00e4llt. Aber der Saal singt, wippt, wackelt, wie einst in der alten Batschkapp, damals als wir vom Flaschenpfand Altbier kauften und in den Konzerts\u00e4len noch geraucht werden durfte, als jeder Blickkontakt ein Versprechen auf eine Ewigkeit war, welches nie eingehalten wurde und die Tr\u00e4ume gro\u00df wie ein voller Mond am Meeresnachthimmel waren, die Lyrics dazu. lieferten unsere Bands, auch die Oysterband. Folk, Sehnsucht, Punk, Indie.<\/p>\n<p>Sie spielen im ersten Set die komplette <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Holy_Bandits\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Holy Bandits&#8220;<\/a> von 1993, Telfer an der Geige in Schottenkarohosen mit unverkennbarem schottischem Akzent bei den wenigen aber klugen Ansagen, die er macht. Der Hinweis auf den Merchandising Stand mit den Worten &#8222;expensive Nonsens&#8220;. Die Mimik von John Jones hat in den Jahren gelitten &#8211; so es denn eine gibt, aber der Gesang ist klar wie stets &#8211; <del>Andy<\/del> Alan Prosser an der Gitarre hat sichtlich Spa\u00df,. Adrian Oxaal am Cello bleibt meist im Hintergrund, ebenso wie am Bass Al Scott. Den Jungen <em>(Pete Flood)<\/em> am Schlagzeug kenne ich nicht. Und so reisen wir durch die Songs, die noch immer mitrei\u00dfend klingen, von mir aus h\u00e4tten sie das Album zwar nicht komplett durchspielen m\u00fcssen, aber f\u00fcr viele ist es wohl DAS Album der Band schlechthin, das Publikum freut&#8217;s und zieht m\u00e4chtig mit. Emotionaler H\u00f6hepunkt vielleicht&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=krxMi-fVQZA\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">A fire is burning<\/a>, aber textsicher ist der Saal bei jedem Song.<\/p>\n<p>Nach einer guten dreiviertel Stunde gibt es die erste Pause, dann geht es mit einem Potpourri bekannter Songs weiter, nach 40 jahren und einer hier \u00fcberschaubaren aber treuen Fangemeinde ist f\u00fcr jede\/n etwas dabei und einem Jedem, einer Jeden fehlt etwas, mir am Ende <em>Diamonds<\/em> und <em>A clowns heart<\/em> &#8211; aber wir sind hier nicht beim Wunschkonzert und zuweilen vergessen wir die Zeit. Nat\u00fcrlich riecht derjenige am Strengsten, der am Dichtesten neben mir steht, aber seine Versuche zu fotografieren rei\u00dfen es raus. Mit mehrfachen Kameras respektive Handys ausger\u00fcstet, blitzt er die Hinterk\u00f6pfe der Vorderen; ja er schafft es sogar ein mehrmin\u00fctiges v\u00f6llig unscharfes Video zu drehen. ich wei\u00df dies, da ich es genau vor Augen hatte. Da d\u00fcrften dann auch die Bilder, die eine Menschenmasse mit winzigster B\u00fchne im Hintergrund zeigen, auch nicht mehr ins Gewicht fallen. Durch ein Loch in der nach oben gehaltenen Abdeckh\u00fclle des Handys erkenne ich Ian Telfer, den Geiger. DAS ist doch sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Langweilig wird es an diesem Abend nicht, die Geschichten vom Unterwegssein, vom Ankommen und Losziehen, von Fl\u00fcssen zwischen uns, die nie das Meer erreichen, entfalten noch immer ihre Kraft &#8211; und beim n\u00e4chsten Konzert werden die meisten wiederkommen, so es die eigene Kraft zul\u00e4sst. Sie tragen dann die T-Shirts, die sie heute gekauft haben und zelebrieren mit der Oysterband einen weiteren Ausflug in die Vergangenheit, die in der Gegenwart angekommen ist, die Musik aber bleibt sowieso unsterblich.<\/p>\n<p class=\"style5\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>A clowns heart and a mandolin<\/em><br \/>\n<em>Crazy hearted fools sings as one<\/em><br \/>\n<em>We tear these old walls down<\/em><br \/>\n<em>And we bring back, bring back the sun<\/em><\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war im Sommer 1992, Nach einem wochenlangen Trip an der Antlantikk\u00fcste mit Aufenthalten in Lequeitio oder La Coruna, in Lissabon oder der Bucht von Santo Andr\u00e9, parkt der alte Diesel auf dem Weg zum Cabo de Sao Vicente, dem s\u00fcdwestlichen Zipfel Portugals.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":12315,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[19,10,883,12],"tags":[1593,2112,2111,991,1707,2113],"class_list":["post-12294","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-auswarts","category-photographie","category-soundtrack","category-wortwelt","tag-aschaffenburg","tag-colos-saal","tag-oysterband","tag-portugal","tag-thailand","tag-vergaenglichkeit","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12294","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12294"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12294\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12347,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12294\/revisions\/12347"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/12315"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12294"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12294"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12294"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}