{"id":11939,"date":"2017-05-17T15:40:51","date_gmt":"2017-05-17T13:40:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=11939"},"modified":"2018-03-29T10:33:52","modified_gmt":"2018-03-29T08:33:52","slug":"brighton-seagulls-goes-premier-league","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=11939","title":{"rendered":"London to Brighton &#8211; Seagulls go Premier League"},"content":{"rendered":"<p>Brighton. Na klar, Quadrophenia. Oder Queen. Das w\u00e4re doch mal ein Ausflug wert, von London fahren an die vierzig Bahnen t\u00e4glich an das Seebad an der K\u00fcste des \u00c4rmelkanals und eine davon wird unsere sein. Noch am Abend zuvor hatten wir uns f\u00fcr jeweils 27, 50 Pfund zwei Tickets f\u00fcr die Hin- und R\u00fcckfahrt nach Brighton geholt &#8211; bei freier Wahl der Zeit.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Und so nehmen wir gegen halb zehn die Bahn Richtung K\u00fcste und lassen London hinter uns. Wir sitzen und schauen aus dem Fenster, unsere F\u00fc\u00dfe sind uns daf\u00fcr \u00e4u\u00dferst dankbar. Neben uns quasselt eine Reisegruppe vergn\u00fcgt in den Tag, wir passieren London Gatwick und rollen durchs Land. Circa 90 Kilometer liegen wischen London und Brighton, es ist ein Ausflug in eine andere Welt, ein Tag am Meer wartet und was gibt es gr\u00f6\u00dferes als dies? Je n\u00e4her wir Brighton kommen, desto leuchtender scheint die Sonne. In London ist der Sonnenschein tendenziell ja eher fl\u00fcssig. Als wir den Bahnhof erreichen, weht uns schon ein frischer Wind um die Nase, Seeluft durchwirbelt die Haare, und so erstehen wir noch ehe wir die K\u00fcste erreichen eine M\u00fctze bzw. einen Haarreif. Vom Bahnhof geht es geradewegs zum Wasser, trotz dem Sonntag ist, haben etliche L\u00e4den ge\u00f6ffnet, das Treiben aber ist \u00fcberschaubar. Vom Ufer aus f\u00fchrt das Brighton Pier ins Wasser, M\u00f6wen steigen auf, die Seagulls, die auch dem \u00f6rtlichen Fu\u00dfballclub Brighton &amp; Hove Albion seinen Spitznamen gegeben haben. Und f\u00fcr die Anh\u00e4nger des Clubs ist heute ein gro\u00dfer Tag. Vor wenigen Wochen sind die Seagulls erstmals in die Premier League aufgestiegen und die Anzeichen verdichten sich, dass dieser Triumph heute gro\u00df gefeiert wird. An einer Ecke versammeln sich Stewards in ihren grellen leuchtgelben Westen, Gitter bilden eine Gasse, durch die wom\u00f6glich sp\u00e4ter die Mannschaft fahren wird. \u00dcberall wehen blaue Fahnen, tragen die Leute blaue Trikots und werben f\u00fcr American Express, den hiesigen Hauptsponsor.<\/p>\n<p>Wir werfen einen Blick auf die See, wandern am kiesbedeckten Ufer entlang und biegen sp\u00e4ter ab in die Lanes, kleine G\u00e4sschen mit L\u00e4dchen und Restaurants. Ein blauer Fr\u00fchlingshimmel wacht \u00fcber den Tag, zwei Jungs machen Musik, die Menschen sitzen vor den Caf\u00e9s und beobachten das Treiben. An einer Ecke bleiben wir stehen, ein Musiker produziert einen wie zum Sonnentag gemachten Tranceklang mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hang_(Musikinstrument)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hang,<\/a> pedalbetriebener Bassbox und einer Art Didgeridoo &#8211; man k\u00f6nnte lange zuh\u00f6ren. Dann knattern aufgemotzte Vespas und Lambrettas ans uns vor\u00fcber, Tausende Lampen anmontiert, Who Aufkleber auf den Gef\u00e4hrten, die Fahrer mit gr\u00fcnen Jacken &#8211; wie es das Klischee es will. Viele von ihnen waren zu Zeiten von Quadrophenia jung, jetzt sind sie in die Jahre gekommen, der Spirit aber ist geblieben, wenn auch vielleicht nur an diesem Tag. Das Dr\u00f6hnen eines laufenden Motor des Eiswagens vertreibt uns von der Musik, zuvor hole ich mir noch eine CD. Henry Shanks hei\u00dft der Musiker, er kommt aus Neuseeland und reist musizierend um die Welt &#8211; den Leuten gef\u00e4llt es, sie spenden und kaufen die CD; es sei ihm geg\u00f6nnt und gute Reise weiterhin.<\/p>\n<p>Wir spazieren \u00fcber das Brighton Pier, M\u00f6wen steigen auf, warten auf Kr\u00fcmel, w\u00e4hrend etliche Restaurants auf Kundschaft hoffen, dazwischen eine Art Casino mit buntem Bespa\u00dfungsallerlei, welches wir gekonnt links liegen lassen, obgleich ein Schild verk\u00fcndet, dass der Weg durch die G\u00e4nge der einzige ans Ende des Piers sei. Ist er nat\u00fcrlich nicht. Am Ende des Piers wartet ein Rummelplatz auf den Nachwuchs zu dem wir nicht mehr geh\u00f6ren und so wandern wir zur\u00fcck und legen uns nach einer Weile wie so manch anderer auf den Kiesstrand und lassen uns die Sonne auf die Nase scheinen. Langsam fallen die \u00c4uglein zu, die Gedanken verlangsamen sich, das Meeresrauschen ist auf einmal in deinem Kopf und die Au\u00dfenwelt f\u00e4llt ab, da ist nichts mehr au\u00dfer den Wellen, der Sonne und dem Gef\u00fchl, dass die Zeit genau jetzt h\u00e4tte still stehen k\u00f6nnte. Aber die Zeit denkt nicht mal im Ansatz an so etwas, pl\u00f6tzlich mengen sich die Wellen mit Stimmengewirr, und so erwache ich aus meinem Zustand und falle zur\u00fcck in die Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Die Uferstra\u00dfe f\u00fcllt sich zusehends mit Schlachtenbummlern, die den Aufstieg der Seagulls feiern wollen, \u00fcberall entspannte blau-wei\u00dfe Stimmung in freudiger Erwartung, w\u00e4hrend wir in den Lanes ein Restaurant suchen und im Bohemia f\u00fcndig werden, welches fantastische Fish&#8217;n&#8217;Chips serviert. Wir treiben durch die Gassen, treffen die Rollergang erneut, am Ufer, die Vorbereitungen f\u00fcr den fr\u00fchen Abend laufen auf entspannten Hochtouren, Polizisten tragen Brighton &amp; Hove F\u00e4hnchen und unten an den K\u00fcstenrestaurants sitzen Hunderte bei Chips und Bier, vom Kind zum Greis, vom Akademiker zum Althauer und lassen sich die Sonne auf den Pelz scheinen. Nach einem weiteren Bummel durch die G\u00e4sschen verabschieden wir uns vom Meer und \u00fcberlassen die Stadt denen, denen sie geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Es sind diese Tage, da passt einfach alles, das Wetter, der Ort, die Stimmung, der Soundtrack und so verlassen wir mit einem Abendzug Brighton und rollen ohne nennenswerten Stop zur\u00fcck nach London. Je n\u00e4her wir kommen, desto fl\u00fcssiger wird die Sonne, aber als wir von der Victoria Station ausgespuckt werden, bleibt es trocken.<\/p>\n<p>Wir sp\u00fcren die M\u00fcdigkeit, fahren aber abends nochmal r\u00fcber zur Brick Lane, knipsen Graffitis und schieben Nans oder Chiapatas, Reis, Lamm oder Chutneys in den hungrigen Magen. Hier ist wieder buntes Gewimmel, Reisegr\u00fcppchen werden durch die Stra\u00dfen gef\u00fchrt, h\u00f6ren Geschichten und Geschichte der Stra\u00dfenkunst, f\u00fcr uns aber ist der Abend zu Ende. M\u00fcde und voller Erlebnisse sitzen wir in der U-Bahn und fahren zur letzten Nacht ins Hotel.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Morgen f\u00fchrt uns \u00fcber den Hyde Park noch ins Natural History Museum, Schulklassen schieben sich in die Seiteneing\u00e4nge, man erkennt schnell, woher sie kommen, die fast rein wei\u00dfen Klassen aus der City, die fast rein schwarzen Klassen aus Brixton. Ein wei\u00dfes M\u00e4dchen h\u00e4lt einen schwarzen Jungen an der Hand. M\u00f6gen sie sich nie verlieren. Wie wir, die jetzt Richtung Picadilly Circus aufbrechen. Diesmal nehmen wir den Bus und landen am Trafalgar Square, laufen ein paar Meter zum Lillywhite und weiter hoch nach Covent Garden. Einem letzten Imbiss im Jubilee Market folgt ein letzter Weg ins Hotel. Kurz darauf wandern wir samt Gep\u00e4ck hoch zur Victoria Station, nehmen die Tube, nachdem wir routiniert die Oystercard zu bedienen wussten, steigen bei Westminster um, desgleichen noch einmal in Canning Town und landen auf eine letzte Cigarette am London City Airport, wir sind gut in der Zeit, hatten schon zuvor online eingecheckt und kein Gep\u00e4ck zum Aufgeben. Was soll da schon schief gehen?<\/p>\n<p>Auf der Anzeigetafel f\u00e4llt Pia auf, dass ein Flieger schon um 19:10 geht, statt um 19:40 wie geplant. Aber es ist nicht unsere Flugnummer. Seltsam, zwei Flieger auf der gleichen Strecke binnen 30 Minuten &#8211; aber London ist gro\u00df und Frankfurt ein klassischer Airport. Pia \u00fcberlegt, ob wir fragen sollen, mit der fr\u00fcheren Maschine fliegen zu k\u00f6nnen &#8211; aber ach was, die halbe Stunde. Und so f\u00e4llt ihr Blick auf ihr Handy, auf die Bordkarte.<\/p>\n<p>London Heathrow.<\/p>\n<p>&#8222;Bitte?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Wir m\u00fcssen an den Flughafen London Heathrow!&#8220;<\/p>\n<p>Ich sehe bei mir nach.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich: Unser R\u00fcckflug geht in nicht ganz zwei Stunden von dem Flughafen am anderen Ende der Stadt. Zwischen Hysterie und Panik versuchen wir ruhig zu bleiben. Jetzt noch halbwegs p\u00fcnktlich Heathrow zu erreichen ist unmachbar. Wir haben es nach zig Fl\u00fcgen diesmal v\u00f6llig verbaselt. Ein freundlicher Herr am Schalter checkt M\u00f6glichkeiten zur Umbuchung. Nach einer Weile die gute Nachricht: Es sind noch Pl\u00e4tze in der 19:10 Maschine frei. Die schlechte folgt auf dem Fu\u00df: Es kostet 250 Pfund.<\/p>\n<p>F\u00fcr jeden von uns.<\/p>\n<p>Wir haben keine Wahl, und vor allem keine Zeit. Als wir versuchen, die Tickets online zu buchen, streikt die Kreditkartenautorisierung, also lassen wir den freundlichen Herrn am Schalter die Fl\u00fcge buchen. Kostet f\u00fcnfzehn Pfund extra.<\/p>\n<p>F\u00fcr jeden von uns.<\/p>\n<p>Immerhin, es klappt, wir eilen zum Gate und m\u00fcssen noch ein paar Minuten aufs Boarding warten, und haben Gl\u00fcck, dass eine freundliche junge Frau mit uns einen Platz tauscht, auf dass wir nebeneinander sitzen k\u00f6nnen. Und so heben wir ab in den Londoner Abend, irgendwas ist ja immer, wir sind gesund und wir kommen heim. Und so war es dann auch. Und es h\u00e4tte schlimmer kommen k\u00f6nnen. Was man ja auch nicht vergessen darf. Look Right!<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brighton. Na klar, Quadrophenia. 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