{"id":11909,"date":"2017-05-17T13:48:43","date_gmt":"2017-05-17T11:48:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=11909"},"modified":"2018-03-29T09:55:50","modified_gmt":"2018-03-29T07:55:50","slug":"london-2017-risk-to-exist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=11909","title":{"rendered":"London 2017 &#8211; Risk to Exist"},"content":{"rendered":"<p>London City Airport, Rush hour, die DLR und die Tubes brechend voll, dicht an dicht gedr\u00e4ngt beginnt der Arbeitstag f\u00fcr die Einen, ein Kurzurlaub f\u00fcr die Anderen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Waren wir die vergangenen Jahre stets im November in England, <a href=\"http:\/\/www.carterusm.co.uk\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Carter USM<\/a> gaben die Zeit vor, so sollten nun <a href=\"http:\/\/www.andalsothetrees.co.uk\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">And also the trees<\/a> in der O2 Islington Academy spielen, neue Location also und da wir schon Freitags anreisten, schossen wir noch zwei Tickets f\u00fcr <a href=\"http:\/\/maximopark.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Maximo Park<\/a> in der Royal Festival Hall f\u00fcr den Abend. Zum vierten Mal stiegen wir im Enrico Hotel im Warwick Way ab, f\u00fcr unsere Zwecke perfekt zwischen Themse und Victoria Station in Pimlico gelegen, sauber und relativ g\u00fcnstig. Ein paar Schritte weiter kurz vor der Vauxhall Bridge Road liegt der kleine Tachbrook Market, ein paar St\u00e4nde, ein paar L\u00e4den, \u00fcberschaubarer Alltag in London. Nur ein paar Meter Richtung Victoria Station tobt das Leben, Baustellen, Trollies, Glash\u00e4user, Buckingham Palace, Verkehr.<\/p>\n<p>Unser erster Weg f\u00fchrt uns \u00fcber den St James Park in das Ticket Center Stargreen an der Ecke zur Oxford Street, die \u00dcbergabe der schon lange bezahlten Karten f\u00fcr das Konzert in Islington klappt tadellos. Moderne rote Doppeldeckerbusse schieben sich durch die Stra\u00dfen, wir aber lassen das Gewimmel hinter uns und tauchen ein in den tadellos gepflegten Regents Park, Heerscharen von G\u00e4rtnern halten die Anlage in Schuss, Fahrradfahren ist hier verboten. Ich habe es vor Jahren schon einmal gesagt, in London ist viel verboten. Daf\u00fcr beobachten dich Kameras auf Schritt und Tritt.<\/p>\n<p>Hinter dem Zoo, der den Regents Park begrenzt, f\u00fchrt ein Kanal Richtung Camden, Hausboote d\u00fcmpeln am Ufer, wir nehmen die Stufen hoch zum Camden Market, essen koreanisch und schieben uns zwischen St\u00e4nden und Menschen an einer Amy Whitehouse Statue durch die Wege. Wenn du zwanzig bist, k\u00f6nnte es hier paradiesisch sein, man trifft sogar ab und an Engl\u00e4nder, wir aber laufen am Kanal entlang und erklimmen Primrose Hill, eine gr\u00fcne Erh\u00f6hung mitten in der Stadt mit einem fantastischem Ausblick. Irgendeiner steht immer im Bild, Generation Selfie allenthalben. Dennoch verstr\u00f6mt dieser Ort eine Ruhe, ja, eine gewisse spirituelle Magie. Unten im Regents Park spielen Kids Cricket. An der Baker Street nehmen wir die Tube, steigen am Green Park um Richtung Pimlico. Die Victoria Line f\u00e4hrt weiter bis nach Brixton, die Anzahl der Touristen und der Wei\u00dfen nimmt ab der Victoria Station rapide ab. Hinten im S\u00fcden leben vorwiegend Schwarze, wobei es wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit ist, bis auch Brixton gentrifiziert wird und dem neuen London einverleibt wird.<\/p>\n<p>Nach einer kurzen Ruhepause geht es f\u00fcr uns zu Fu\u00df \u00fcber die Vauxhall Bridge ans s\u00fcdliche Ufer. Vor Jahren wurden wir auf der Stra\u00dfe mal mit einer Dose Bier in der Hand r\u00fcde in den Senkel gestellt, jetzt f\u00fchrt der hiesige Laden \u00fcberhaupt kein Bier mehr. Es braucht zwei Anl\u00e4ufe, bis wir auf einer Bank an der Southbank sitzen und versch\u00e4mt an einer Dose Carlsberg nuckeln, gef\u00fchlt wie ein Junkie am Frankfurter Bahnhof. Am London Eye stehen die Menschen Schlange, wartend auf eine Rundreise bis auf 135 Meter H\u00f6he. Wenige Meter dahinter verbirgt sich die Royal Festival Hall, an die sich ein kleiner Markt anschmiegt, es dampft und brutzelt, wir aber holen noch zwei Dosen Bier in einem Kiosk und lassen uns sicherheitshalber noch eine T\u00fcte geben. Auf ein Konzert einer Indieband weist nicht viel hin, nach ein paar Minuten in der Sonne betreten wir die Halle, suchen den Eingang zum Konzertraum, fragen hier, fragen dort. Das lustigste ist die Fahrt mit dem Aufzug in die f\u00fcnfte Etage, bzw. die jeweilige Ansage in einem melodi\u00f6sen SingSang. Nach einigem Hin und Her finden wir den f\u00fcr uns bestimmten Einlass. Niemand scannt unsere Karte, niemand durchsucht unsere Taschen, h\u00f6chst erstaunlich anl\u00e4sslich des sonst vorherrschenden Sicherheitsbestrebens. Die Vorband, Pins, spielt schon &#8211; und wir nehmen Platz. Die Halle ist vollbestuhlt, wir sitzen am Eck und haben einen guten Blick &#8211; und sind ob der vielen gelaufenen Kilometer nicht b\u00f6se ob des Sitzplatzes. Dann kommen Maximo Park mit einem gut beh\u00fcteten Paul Smith und glasklarem Sound auf die B\u00fchne. Sie fordern die Menge auf zu stehen, zu tanzen, das Publikum folgt willig und freut sich w\u00e4hrend der folgenden 90 Minuten an vielen Songs der neuen Platte, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mStNOUpGcw4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Risk to Exist<\/a> und einigen \u00e4lteren Hits. Vor der Zugabe gehe ich auf der Terrasse noch eine Cigarette rauchen, illegal zwar, aber keineswegs isolierend, ich bin nicht der einzige. Rauchend sehe ich in die beleuchtete Londoner Nacht, Big Ben, House of Parliaments, Themse. Ein toller Ausblick nach einem sch\u00f6nen Konzert. Nach drei weiteren Songs machen wir uns auf den Heimweg, der lange Tag hat an der Kraft gezehrt, die Schritte fallen schwer &#8211; und nach 35 gelaufenen Kilometern und vielen Eindr\u00fccken fallen wir todm\u00fcde in die Kojen.<\/p>\n<p><em>Throw your arms around me<\/em><br \/>\n<em> Before the waves all swallow me<\/em><\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Morgen f\u00fchrt uns nach einem halbwegs vern\u00fcnftigen Fr\u00fchst\u00fcck \u00fcber die Chelsea Bridge Richtung Battersea Power Station, das alte Kraftwerk, das nicht zuletzt das Cover von &#8222;<a href=\"https:\/\/images.genius.com\/e11f96e5d1392e886c221ad94baece10.1000x1000x1.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Animals<\/a>&#8220; von Pink Floyd ziert. In den 80er Jahren stillgelegt, wechselte das imposante Geb\u00e4ude mit den markanten Schornsteinen mehrfach den Besitzer, jetzt wird nach Jahren umgebaut, den alten Blick gibt es nicht mehr, Kr\u00e4ne ragen in die Luft. \u00dcberhaupt wird ganz London umgebaut, hier am s\u00fcdlichen Ufer, wo einst die Werften und Industrie zu Hause waren, wachsen exklusive Appartements dicht an dicht in die H\u00f6he, so exklusiv, dass man hier keine Kinder spielen lassen m\u00f6chte. Weiter hinten, im Battersea Park ist es ruhig &#8211; sieht man einmal von den Flugzeugen ab, die langsam Heathrow ansteuern. Hunde wackeln durch den Park, irgendwo wird gekickt.<\/p>\n<p>Wir wandern am s\u00fcdlichen Ufer entlang Richtung Borough Market, schieben uns am London Eye vorbei, bewundern Paul, der mit einer charmant witzigen Performance die Passanten unterh\u00e4lt und dabei den kleinen Joshua mit einbindet. Schlagfertig kommentiert Paul die Vorbeischlendernden, fordert zwei M\u00e4nner auf, sich an der Hand zu halten, wir h\u00e4tten ja schlie\u00dflich 2017 und kommentiert den Weg zweier M\u00fctter mit Kinderwagen wie ein Autorennen. Kurz danach passieren wir die Royal Festival Hall. Eben stand ich noch dort auf der Terrasse, jetzt ist das was noch vor uns lag schon Erinnerung, so rast die Zeit und wir taumeln mit.<\/p>\n<p>Der Borough Market, eigentlich ein toller Ort zum Essen und Gucken ist gnadenlos \u00fcberf\u00fcllt, wir sind kurz davor die Orientierung zu verlieren und verlassen hungrig das Gewimmel. Rettung bietet der kleine Markt hinter der Festival Hall, vor allem Nahrung. Wir nehmen die Tube an der Tower Bridge bis Waterloo, marschieren zum Markt und fahren weiter nach Pimlico. Bei einem Tee resp. Kaffee begleiten wir die Eintracht via Live Ticker durch den Spieltag. Nach der 2:0 F\u00fchrung tippe ich auf ein Unentschieden, es wurde dann ein 2:4. Eintracht 2017? Dann lieber Musik &#8211; und so brechen wir auf nach Islington und fallen aus der Angel Station in eine f\u00fcr uns neue Welt. Die Konzerthalle befindet sich versteckt in einem Einkaufszentrum, au\u00dferhalb befinden wir uns endlich wieder in einer normalen Welt. Stra\u00dfen, Gesch\u00e4fte in denen Dinge verkauft werden, die Anwohner zum Leben brauchen, keine Souvenirs, keine Glasfassaden. Ein Markt wird gerade zusammen ger\u00e4umt, die Menschen hier haben Migrantenstatus. Und es gibt sogar German Doner Kebab.<\/p>\n<p>Auf dem Konzertprogramm stehen heute neben And also the trees als Hauptact noch <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Cult_with_No_Name\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Cult with no name<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.inthenursery.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">In the Nursery<\/a>. F\u00fcr knappe 20 Pfund eine ansprechende Gelegenheit. Diesmal werden wir auch kontrolliert, das Publikum steht, Bier wird \u00fcber den Tresen gereicht und es gibt drau\u00dfen eine Raucherecke. Als ich diese nutze, treffe ich Simon How Jones, S\u00e4nger der Trees, den ich in Hamburg gefragt hatte, ob sie in London &#8222;Jacob Fleet&#8220; spielen w\u00fcrden. Damals im Winter wollte er es sich \u00fcberlegen, aber es wurde nichts draus wie er mir augenzwinkernd erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Cult with no name liefern ein prima Gig ab &#8211; und es gibt f\u00fcr Pia im Anschluss sogar noch eine CD mit Widmung. In the Nursery folgen zu laut mit miesem Sound und dann sahen wir zum x-ten Mal die Band, die mich seit \u00fcber 25 Jahren begleitet, oder besser ich sie &#8211; und es ist ein jedes Mal ein gro\u00dfartiges Erlebnis &#8211; und wie jedes Mal verzichten sie auch heuer auf Songs der Platten, die mir am besten gefallen, man kann nicht alles haben. H\u00f6hepunkt wie so oft ist der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=1lPNn2MMclo\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Slow Pulse Boy <\/a>mit dem virtuosen Justin Jones an der Gitarre. M\u00fcde, aber gl\u00fccklich rauschen wir gegen 23 Uhr durch die Londoner Nacht. Da sind wir eben erst angekommen und nun liegen schon zwei Highlights hinter uns. Aber es sollte noch ein Tag am Meer folgen. Morgen geht&#8217;s nach Brighton.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>London City Airport, Rush hour, die DLR und die Tubes brechend voll, dicht an dicht gedr\u00e4ngt beginnt der Arbeitstag f\u00fcr die Einen, ein Kurzurlaub f\u00fcr die Anderen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":11937,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[19,2175,10],"tags":[29,2052,2054,2056,2048,947,2047,2049,2055,2050,2051,2053],"class_list":["post-11909","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-auswarts","category-london","category-photographie","tag-and-also-the-trees","tag-battersea-power-station","tag-cult-with-no-name","tag-in-the-nursery","tag-islington","tag-london","tag-maximo-park","tag-pimlico","tag-pins","tag-primrose-hill","tag-regents-park","tag-royal-festival-hall","post-preview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11909","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11909"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11909\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11938,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11909\/revisions\/11938"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/11937"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11909"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11909"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.beveswelt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11909"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}