{"id":11865,"date":"2017-01-16T20:08:31","date_gmt":"2017-01-16T19:08:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=11865"},"modified":"2018-06-29T07:45:58","modified_gmt":"2018-06-29T05:45:58","slug":"mein-fussball-ist-im-arsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=11865","title":{"rendered":"Mein Fu\u00dfball ist im Arsch"},"content":{"rendered":"<p>Reden wir doch einmal genau dar\u00fcber. Den Blog &#8222;Beves Welt&#8220; gibt in dieser Form seit 2011, also ziemlich genau seit f\u00fcnf Jahren, davor war der Vorl\u00e4ufer seit 2008 <a href=\"https:\/\/beverungen.blogspot.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier <\/a>zu finden, der kleine Bruder <a href=\"https:\/\/beverungen.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>. Angefangen hat alles eigentlich 2001 im Forum der Eintracht, sp\u00e4ter dann die Fortsetzung in der <a href=\"http:\/\/www.fan-geht-vor.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fan geht vor<\/a> &#8211; die Zeiten haben sich gewaltig ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Damals stand die Eintracht im Zentrum meines Geschehens, sowohl analog als auch digital. Facebook und Twitter waren noch nicht erfunden, Berichte von Ausw\u00e4rtsfahrten gab es in Fanzines zu lesen, ich war zumindest bei der Eintracht einer der ersten, der \u00fcber das Internet mit l\u00e4ngeren Texten eine &#8211; damals noch \u00fcberschaubare &#8211; Masse an Gleichgesinnten erreichte. Wer online war, der nutzte ein Modem, die Flatrate war noch nicht erfunden, entsprechend kostspielig war das Ganze &#8211; und entsprechend sorgsam nutzte man die M\u00f6glichkeit des Netzes, eine wunderbar anarchische Zeit der Kommunikation. Neben der sogenannten &#8222;aktiven Fanszene&#8220;, die auch damals noch \u00fcberschaubar war und zu Beginn des neuen Milleniums durch die Gr\u00fcndungen der UF und etwas sp\u00e4ter der Fan- und&nbsp; F\u00f6rderabteilung gepr\u00e4gt wurde, verband das Eintrachtforum zun\u00e4chst virtuell und kurz danach auch sehr reell weitere Eintrachtfans, w\u00e4hrend die Eintracht kurz darauf vor dem Lizenzentzug und dem Absturz aus dem Profifu\u00dfball stand.<\/p>\n<p>2002 wurde ich Stadionsprecher der Amateure, deren Stimme ich neun Jahre lang war &#8211; als Nachfolger von Kurt E. Schmidt, der uns 2013 am Tag vor dem Spiel gegen Bordeaux f\u00fcr immer verlassen hat. Etliche Jahre stand ich auch f\u00fcr die U19 am Mikro. Etwas sp\u00e4ter moderierte ich gemeinsam mit Dirk Chung und Patrick Widera eintrachtfans.tv &#8211; ein Magazin auf Rhein Main TV, welches von Eintrachtfans f\u00fcr Eintrachtfans produziert wurde, wiederum etwas sp\u00e4ter \u00f6ffnete das Eintracht Museum seine Pforten, vom ersten Tag an (der sich im November 2017 zum 1o. Male j\u00e4hrt) war ich dabei, moderierte unz\u00e4hlige Veranstaltungen, schrieb auch dar\u00fcber meine Texte. Seit 2011 moderierte ich zudem mit (nunmehr) wechselnden Partnern die von uns gegr\u00fcndete Waldtrib\u00fcne vor jedem Heimspiel. Zudem publizierte ich bis zur Einstellung im Dezember 2016 regelm\u00e4\u00dfig in der Diva, dem Magazin f\u00fcr Mitglieder der Eintracht, bzw der Fu\u00dfball sowie der Fan- und F\u00f6rderabteilung.<\/p>\n<p>Jahrelang versuchte ich den Spagat zwischen meinem Fandasein und den offiziellen Anforderungen zu meistern, sprich gleicherma\u00dfen klar zu texten wie auch die Eintracht zu repr\u00e4sentieren. Unz\u00e4hlige Texte entstanden in all den Jahren, \u00fcber Ausw\u00e4rtsfahrten und Einsch\u00e4tzungen, \u00fcber Begegnungen und Veranstaltungen und dazu recherchierte vorwiegend historische Geschichten, sie d\u00fcrften B\u00fccher f\u00fcllen. Unz\u00e4hlige Gespr\u00e4che wurden in all den Jahren gef\u00fchrt, mit einstigen Gr\u00f6\u00dfen, allen voran Alfred Pfaff, J\u00fcrgen Grabowski, Bernd H\u00f6lzenbein oder Tony Yeboah, den ich sogar einmal f\u00fcr das Projekt &#8222;Im Ged\u00e4chtnis bleiben&#8220; im Rahmen eines Filmes zur Einweihung des<em> Tony Yeboah Hauses<\/em> in Niederrad \u00fcber eine Stunde lang auf Englisch interviewte &#8211; ein Ergebnis davon k\u00f6nnt ihr euch <a href=\"http:\/\/www.tonyyeboahhaus.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier <\/a>anschauen.<\/p>\n<p>Aber auch mit weniger bekannten daf\u00fcr umso unterhaltsameren G\u00e4sten kam ich vor allem auf der Waldtrib\u00fcne ins Gespr\u00e4ch, G\u00e4ste aus den Fanszenen der Vereine, gegen die die Eintracht an diesen Tagen spielte. Ich habe unz\u00e4hlige Leute in all den Jahren kennen gelernt, unz\u00e4hlige Kilometer auf den Highways abgerissen, in Bussen, im Golf (silbern) oder wie 2006 oder 2013\/14 auch im Flugzeug. Ich hab den ganzen Schei\u00df mit allem drum und dran geliebt.<\/p>\n<p>Die Anzahl der Worte ist nicht zu z\u00e4hlen, doch sie sind &#8211; nicht nur aber auch &#8211; im Blog seit Beginn des vergangenen Jahres weniger geworden, und dies hat Gr\u00fcnde. Und diese Gr\u00fcnde haben mit dem Blog oder dem Internet nichts zu tun hat, gleichwohl aber mit der Eintracht. Zumindest im Rahmen. F\u00fcr mich ist nichts mehr so, wie es gewesen ist, da ist etwas unwiderruflich zerbrochen, den alten Beve gibt es nicht mehr. Details geh\u00f6ren hier nicht hin, aber ihr solltet im Ansatz wissen, weshalb hier kaum noch etwas \u00fcber das steht, was der Ausgangspunkt von allem gewesen ist, \u00fcber Eintracht Frankfurt. Es hat nichts mit dem Vorstand oder dem Pr\u00e4sidium zu tun, niemand hat sich von ganz oben je in mein Tun reingeh\u00e4ngt, mich geg\u00e4ngelt &#8211; und daf\u00fcr bin ich sehr dankbar, den ein oder anderen Anlass h\u00e4tte es ja durchaus gegeben oder wie es mein einstiger Chef, der Fu\u00dfballphilosoph H. Bruchhagen formulierte: <em>Beve, sie lesen zuviel im Internet. <\/em>Auch ist meine gro\u00dfe Ausw\u00e4rtszeit f\u00fcrs Erste vorbei. Zu teuer, zu gleich, zu viele Fahnen im Gesicht, zu viele Fanboxen, zu viel Trallala von allen Seiten. Europa w\u00e4re nochmal was. Oder wenn keiner mehr hingeht. Dann bin ich wieder da. Mein Barcelona hei\u00dft Bochum.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich ist der Fu\u00dfball im Arsch, dies ist ein weiterer Punkt &#8211; der alte Beve h\u00e4tte dagegen angeschrieben. Alle F\u00fchrer von den Institutionen, welche die Fu\u00dfballfans in den vergangenen Jahren drangsaliert haben, sind mittlerweile unehrenhaft ihrer \u00c4mter enthoben worden, ob Blatter\/Fifa, ob Platini\/Uefa, ob Niersbach\/DFB. Der Pr\u00e4sident des m\u00e4chtigsten Vereins Deutschlands sa\u00df im Knast, all die, die jahrelang kleinste Vergehen von missliebigen Doppelhaltern bis Pyro aufs Sch\u00e4rfste gegei\u00dfelt haben, haben den Fu\u00dfball ruiniert und sich vor aller Augen die Taschen vollgestopft und an jedem noch so kleinen Deal mitverdient. Sie wollten&nbsp; vordergr\u00fcndig eine antiseptische Kasperleveranstaltung &#8211; und sie haben sie bekommen. Die Kampagne &#8222;Keine Macht den Drogen&#8220; wird ihnen pr\u00e4sentiert von Bitburger, flankiert von chinesischen Wegwerftoastern, die sie uns als Merchandise \u00fcberteuert andrehen wollen. Marke, Produkt, Ware. Daf\u00fcr habe ich mir doch nicht mit vierzehn auf den Hartpl\u00e4tzen des Kreises die Knie aufgesch\u00fcrft. Da war Leidenschaft, Kameradschaft und sp\u00e4ter der Kasten Bier in der Kabine. Nachts um f\u00fcnf im Trainingslager auf den Tischen getanzt, um drei Stunden sp\u00e4ter durch den Wald zu hecheln und die Kippen auszukotzen. Wir wollten kicken wie Grabowski, feiern wie Basler und nicht aussehen wie der Karriereplan von Philipp Lahm. Wenn es mittlerweile hei\u00dft: <em>Weck den Ronaldo in dir<\/em>, hol ich den Schlindwein raus.<\/p>\n<p>Die, die das Sommerm\u00e4rchen gekauft haben, f\u00fcr das wir uns im Vorfeld verpr\u00fcgeln lassen mussten, leuchten nicht mehr. Ihre Hinterlassenschaft aber, der Fu\u00dfball mit der hochgepushten Gelddruckmaschine Championsleague, mit Leipzig im bezahlten Fu\u00dfball, mit einer WM in Katar und einer mit 48 Mannschaften, mit Spielern die sich binnen dreier Jahre mit drei verschiedenen Trikots ablichten lassen und daf\u00fcr jedes Jahr zig Millionen einstecken und auch mit einer erb\u00e4rmlich versagenden \u00f6ffentlich rechtlichen Medienlandschaft, die zuweilen zwar kritische Berichte abliefert, ansonsten aber um jeden Platz in den VIP-Logen k\u00e4mpft, um den Zugang zu den Speisekarten mit Goldrand, sie alle haben ein bunt angemaltes Illusionsspektakel hinterlassen und vor allem finanziert, in dem sie sich nicht zuletzt f\u00fcr keine Anbiederung zu schade waren, und damit meine ich nicht die Journalisten der FNP oder der FR, die seit Jahren damit zu k\u00e4mpfen haben, einen Interviewtermin zu bekommen.<\/p>\n<p>Sie haben es geschafft, dass die gro\u00dfe Sportart Fu\u00dfball nur noch eine Nutte ist, die sich jedem Meistbietenden an den Hals geworfen hat, ohne darauf zu achten, welche Krankheit sie sich einf\u00e4ngt. Jeder Rotz wird zum &#8222;El Classico&#8220; aufgeblasen und sie achten streng darauf, in vorauseilendem Gehorsam noch ehe der Hahn drei Mal gekr\u00e4ht hat &#8222;Rote Bullen&#8220; zu sagen. Ist doch wurscht, morgen kr\u00e4ht der Hahn eh nicht mehr und wer dann noch dabei ist, verdient sich wenn auch keine goldenen Ohren so zumindest ein schickes Jackett mit &#8222;SKY&#8220; Aufn\u00e4her. Diese distanzlose M\u00fcllerhohensteinisierung des Fu\u00dfballs begann mit T\u00f6pperwien, komm mir keiner mit &#8222;Fr\u00fcher war alles besser&#8220;. Aber man konnte zumindest guten Gewissens noch den Europapokal der Landesmeister gucken, auch wenn die Eintracht nicht dabei war. Das war Fu\u00dfball mit Sperenzchen. Heute geht es um Sperenzchen mit etwas Fu\u00dfball. Und die Werbeindustrie fl\u00fcstert uns die Texte. Und sie stopfen sich die Taschen, kennen kein Ma\u00df, kein Ziel und \u00fcberdrehen immer weiter. S\u00e4uglinge mit Berater? Kein Problem. Der wird mal ein ganz Gro\u00dfer.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist die Eintracht in diesen Tagen eine bemerkenswerte Ausnahme, hier achten sie auf vertr\u00e4gliche Eintrittspreise, auf eine halbwegs stilvolle Inszenierung, auf Rahmenbedingungen, die nicht mit dem ganz gro\u00dfen Irrsinn mithalten wollen. Sei es aus reiner Notwendigkeit, aber auch die Hintergr\u00fcnde der Verantwortlichen verweisen darauf, dass Erkenntnisse ma\u00dfgeblich f\u00fcr Entscheidungen sind und nicht die nackte Not. Sie m\u00fcssen ja irgendwie mithalten, da f\u00fchrt kein Weg daran vorbei. Leipzig hat die T\u00fcr in Deutschland weit aufgesto\u00dfen, es zieht gewaltig.<\/p>\n<p>Die Stadien in Europa? Sehen alle gleich aus. Zumindest die gro\u00dfen. Zumindest von innen. Ronaldo kickt f\u00fcr Real, Messi f\u00fcr Barcelona. Beim ganzen Rest musst du Woche f\u00fcr Woche gucken, ob sie jetzt gerade in Manchester oder in Paris gelandet sind. Oder in China. Ist ja auch so ein Markt. \u00dcberhaupt: Asien. Heute fangen die Spiele zu Zeiten an, in denen wir damals ins Bett sind. Und um die Stadien laufen die gleichen Leute mit den gleichen Schals, diesen rotwei\u00dfen oder blauwei\u00dfen Kunsstofflappen und legen ohne zu murren f\u00fcnfzig, sechzig, siebzig oder gleich hundert Euro auf den Tisch, um noch beim letzten &#8222;El Idiotico&#8220; dabei sein zu k\u00f6nnen. Und wenn am Horizont ein Spiel auftaucht, welches den Namen auch verdient hat, dann stehen die Fanszenen, die aktiven, oftmals auch noch Gewehr bei Fu\u00df, um noch den letzten Sargnagel rein zu kloppen. Remmidemmi bis einer weint. Oder filmt. Drei Tage sp\u00e4ter gucken dann alle ganz bedr\u00f6ppelt. Die, die 90 Minuten lang konsequent <em>Hurensohn<\/em> durchbr\u00fcllen, brechen in Tr\u00e4nen aus, wenn jemand sich erdreistet, das Ganze als Gesocks zu bezeichnen. Jo mei, klar Gesocks, fr\u00fcher h\u00e4tten wir stolz T-Shirts gemacht, heute setzen wir uns in Talkshows und weinen uns bei Lanz aus, der so kritisch gucken kann. Oder besser noch: Unser Lanz hei\u00dft Facebook. Macht euch mal Gedanken, weshalb von Reiner Wendt nichts mehr zum Fu\u00dfball kommt. Das Ding ist durch. Aber wir haben ja nichts besseres zu tun, als tagein tagaus die Maschine zu f\u00fcttern. Selfie hier, Twitter dort, Will Grigg&#8217;s on fire, Island, toll gell, und die Iren singen so sch\u00f6n und wenn die Eintracht Championsleague spielt, sind wir stolz wie Bolle und zahlen alles. Und lesen alles. Und bloggen, und podcasten, und gehen hin. Es sind ja nicht die anderen. Es sind wir. Du. Ich. Katar? Ach komm, jetzt ist es ja auch egal&#8230;<\/p>\n<p>Machen wir uns nichts vor, der Fu\u00dfball ist im Arsch und wer sich weiterhin nen halben Liter bleifreie Industriepl\u00f6rre f\u00fcr f\u00fcnf Euro hinter die Binde kippt, der hat es auch nicht besser verdient. Es gibt keinen richtigen Fu\u00dfball im falschen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reden wir doch einmal genau dar\u00fcber. Den Blog &#8222;Beves Welt&#8220; gibt in dieser Form seit 2011, also ziemlich genau seit f\u00fcnf Jahren, davor war der Vorl\u00e4ufer seit 2008 hier zu finden, der kleine Bruder hier. 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