{"id":10763,"date":"2015-11-23T10:34:01","date_gmt":"2015-11-23T09:34:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.beveswelt.de\/?p=10763"},"modified":"2015-11-23T11:03:55","modified_gmt":"2015-11-23T10:03:55","slug":"so-hatten-wir-uns-das-nicht-vorgestellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beveswelt.de\/?p=10763","title":{"rendered":"So hatten wir uns das nicht vorgestellt"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Grau. Und k\u00fchl. Es gibt Tage, die sind einfach so naja. Fr\u00fch ging es los zum Heimspiel der Eintracht gegen Leverkusen, war allerdings nicht notwendig, in der Stadt war nichts los und auch der Einlass war unspektakul\u00e4r. Bin ja immer fr\u00fch da. Vorbei die Tage, als man sich noch gepflegt am Gleisdreieck ein Sch\u00f6ppchen g\u00f6nnte, die Arbeit ruft und da ist eine Stockn\u00fcchternheit von Vorteil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit 2011 gibt es sie nun, die Waldtrib\u00fcne mit Geschichten und Geschichtchen rund um das jeweilige Spiel und man kann sagen, dass wir durchaus ein Stammpublikum haben. Trotz des nasskalten Wetters harrten jede Menge Fans aus, um uns w\u00e4hrend der 45 Minuten zu begleiten. Doch manchmal klappt es nicht so wie wir uns das vorgestellt haben &#8211; das kennen wir ja von unserem Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz vor Waldtrib\u00fcnenanpfiff erreicht mich eine Mail von Frauke, sie h\u00e4ngt in den Seilen und kann nicht kommen. Damit fing es also schon einmal an, mein Co-Moderatorin f\u00e4llt aus, doch ich stand aber Gott sei&#8217;s gedankt nicht im Regen, die B\u00fchne ist \u00fcberdacht. Die n\u00e4chste Meldung flattert nur wenig sp\u00e4ter auf meinen imagin\u00e4ren Schreibtisch: Auch unsere Leverkusener G\u00e4ste vom schwul-lesbischen Fanclub Bayer04 Junxx kommen nicht, sie stecken im Stau. Viel Zeit dar\u00fcber nachzudenken habe ich nicht. Schon erklingt unsere Erkennungsmelodie, A banda von Herb Alpert und ich moderiere die Veranstaltung an. Verlass ist auf Doc Hermann, dem Meister der eintr\u00e4chtlichen Sammelaktivit\u00e4ten, der zu jedem Spiel einige kleine Anekdoten vorzutragen wei\u00df. So auch heute &#8211; und wir erinnern uns an Titelgewinne 1985 und 2010, als der Eintracht-Nachwuchs in Finalspielen um die Deutsche Meisterschaft jeweils die Kicker von Bayer04 besiegen konnte. Der Einfachheit halber bleibt Doc bei mir oben, so bin ich nicht mehr mutterseelenalleine, als die Macher des FC Z\u00fcrich Museums zu uns auf die B\u00fchne kommen, die sich auf einem Groundhopping-Wochenende in Deutschland befinden. Sandhausen, Frankfurt und Kaiserslautern so lauten ihre Stationen &#8211; und sie haben jede Menge zu erz\u00e4hlen. Das m\u00fcssen sie auch, denn unser n\u00e4chster Gast, der gelb gesperrte Haris Seferovic ist nicht in Sicht. Pia irrt in den Katakomben herum, um unsere Nummer neun aufzutreiben und wir babbeln uns oben durch die Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gab ja durchaus einige Begegnungen zwischen der Eintracht und dem FCZ und auch einige Spieler waren f\u00fcr beide Seiten aktiv. Elsener, G\u00fcntens<del>b<\/del>perger oder Scheppe Kraus zum Beispiel. Von Seferovic keine Spur. Ich befrage die Jungs nach ehemaligen schweizer Eintrachtlern, dem Bauernbub Schwegler oder Benni Huggel. Barnetta, Spycher, Dietrich. Bei Dietrich m\u00fcssen sie passen &#8211; aber der kam ja auch schon in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu uns. Und dann kam er endlich, der Haris &#8211; und oh Freunde, selten habe ich einen lustloseren Gast auf der B\u00fchne begr\u00fc\u00dft. Aber wir sind Profis, wir lassen uns nichts anmerken, stellen Fragen, lauschen den Antworten und \u00fcberreichen Bembel. Das k\u00f6nnen wir.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fu\u00dfball. Die Eintracht steht hinten drin, Leverkusen macht das Spiel, nach etwas mehr als einer viertel Stunde stehen 0:5 Ecken auf dem Videow\u00fcrfel. Castaignos muss verletzt raus, f\u00fcr ihn kommt Chandler. Und wenig sp\u00e4ter f\u00e4llt das Tor f\u00fcr die Werkself zur verdienten F\u00fchrung. Sekunden zuvor startete die Eintracht einen Angriff. Also versuchte es. Besser gesagt: Hatten wir den Ball. Hradeckys Aufbauspiel zu Medojevic f\u00fchrte zu Ballbesitz von Bayer, ein schnittiger Ball nach innen, Hradecky rutscht knapp am Leder vorbei, Abraham trifft die Kugel auch nicht, daf\u00fcr aber Chicharito. Unverdient ist die F\u00fchrung nicht, unn\u00f6tig allemal. Fortan entwickelte sich eine Partie, in der vor allem Kampl heraus ragte, die Eintracht schien willens aber unf\u00e4hig zu sein, den zuvor gebeutelten Leverkusenern ad\u00e4quate Gegenwehr zu leisten und so hie\u00df es folgerichtig 0:2. Erneut Chicharito &#8211; dieser jedoch stand zuvor im Abseits. Als Stendera kurz vor dem Pausenpfiff einen Freisto\u00df in den 16er zimmerte und Medojevic die Kugel zum Anschlusstreffer ins Netz wuchtete, keimte Hoffnung auf. Die Hoffnung auf mehr in H\u00e4lfte eins allerdings machte Schiedsrichter Aytekin zunichte, der \u00fcberp\u00fcnktlich zum Pausentee bat. Trinkt man eigentlich noch Pausentee?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der zweiten H\u00e4lfte zeigte die keineswegs \u00fcberragende Werkself dem biederen Frankfurtern wo der Frosch die Locken hat, Stendera, Zambrano oder Abraham hielten dagegen, der schwarz-rote Rest bereitete sich gedanklich auf das n\u00e4chste Wochenende vor. Ich betrachtete die flackernde Werbebande, die Kurve mantrate mich in einen Herbstnachmittagszustand, nahezu meditierend erlebte ich das 1:3 durch Calhanoglou. Zwar hatte Aigner noch zwei Chancen, die er \u00fcber den Kasten h\u00e4mmerte &#8211; aber ernsthaft hat wohl niemand mehr daran geglaubt, dass die Eintracht hier noch irgend etwas rei\u00dft. Abpfiff. Abgang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Spiel fuhren wir noch einige Kilometer raus aus Frankfurt, Freunde feierten Geburtstag. Aus dem Autoradio erklang der Soundtrack zur jetzigen Saison, die Fehlfarben schrammelten: <em>So hatten wir uns das nicht vorgestellt. <\/em>Sp\u00e4ter stand ich in einer gro\u00dfen Halle auf einer Empore, blickte nach unten. Dort leuchteten etliche Oldtimer wie Matchboxautos ins Neonlicht. Es war das sch\u00f6nste Bild des Abends. Ganz zum Schluss schneite ich noch in der Bembelbar im Backstage vorbei, die Familie trank sich das Spiel aus den Knochen, mir reichte ein Absacker. N\u00e4chste Woche also Mainz. Das schenke ich mir aus bekannten Gr\u00fcnden. Manchmal freut man sich schon im November auf die Sommerpause. Das Beitragsbild \u00fcbrigens hat nur symbolischen Charakter.<\/p>\n<h1 style=\"text-align: justify;\"><\/h1>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grau. Und k\u00fchl. Es gibt Tage, die sind einfach so naja. 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