Ziemlich genau vor einem Jahr hatten Pia und ich auf Korfu geheiratet – jetzt war es an der Zeit, auf die Insel zurückzukehren. Diesmal allerdings ein paar Tage später als gewohnt – die Länderspielpause gab den Zeitrahmen vor. Leider wurde unser Condor-Flug nach hinten verschoben, sodass es bei der Landung schon langsam dunkelte – und der erste Urlaubstag quasi vorbei war, noch ehe er begonnen hatte.

Wir wurden vom Shuttle der Mietwagenbetreiber ordnungsgemäß eingesammelt und holten unseren Fiat Panda einige hundert Meter vom Flughafen entfernt ab. Die Übergabe war unkompliziert, und schon rollten wir durch zähflüssigen Verkehr in den Süden Korfus, vorbei an Gewimmel und Gewusel, an Hotelanlagen und Straßenstränden, an Meeresblicken in der Dunkelheit. Immer wieder wurden wir von knatternden Rollern überholt, bis wir hinter Messongi über eine Brücke holperten und langsam in unserem Revier ankamen. Auffällig waren die Müllmengen am Straßenrand. Korfu hat immer ein Müllproblem – aber diesmal ein besonders großes. Nicht nur, dass die Mülltonnen überquollen; auch daneben stapelten sich die Säcke turmhoch.

Da wir schon recht spät dran waren, holten wir kein Wasser mehr im kleinen Markt bei Eleni, sondern fuhren schnurstracks in unsere Unterkunft an der Straße zwischen der Ortschaft und dem Strand. Georgia begrüßte uns herzlich und drückte uns den Schlüssel in die Hand. Wir warfen unsere Habseligkeiten in den Flur und rollten weiter zur Taverne unten am Meer. Dort gab es zwar ein großes „Hallo“, aber nichts Warmes mehr zu essen. Aber Ani brachte uns noch einen Bauernsalat, Brot, Wein und Wasser – und wir schnauften erst einmal durch.

Am folgenden Morgen brachen wir auf, um einzukaufen, und stellten dabei fest, dass es den Minimarkt, in dem wir jahrelang Brot, Feuerzeuge, Honig und Moskitospiralen gekauft hatten, nicht mehr gab. Zwar existiert im Ort noch ein weiterer Minimarkt, aber dieser war mir über die Jahre ans Herz gewachsen. Jetzt waren die Tiefkühltruhe mit Eis und der Getränkekühlschrank vor dem Laden verschwunden und die Fenster vergittert. Traurig fuhren wir weiter und stellten fest, dass der Panda weder über Bluetooth verfügte noch einen AUX-Anschluss an Bord hatte. So kam dann meine eigene kleine Box zum Einsatz. Ich hätte es mir komfortabler gewünscht.

Es war der Tag, an dem es erstmals seit drei Monaten auf der Insel regnete. So unternahmen wir nach dem Einkaufen eine kleine Tour mit dem Panda und saßen nachmittags in unseren Zimmern und lasen, draußen prasselte der Regen auf die Insel. Immerhin konnten wir den Abend für einen Spaziergang an den Strand nutzen und kehrten bei Stella ein.

Mit den Tagen fanden wir immer mehr in den Urlaubsflow, begrüßten alte Bekannte und mussten zugleich feststellen, dass neben dem Minimarkt im Ort auch der nette Souvenirladen Ionios Anemos in Chlomos nicht mehr existierte – der Besitzer hatte seine Ankündigung wahr gemacht. Heimlich schraubten wir einen der vielen hölzernen Wegweiser als Erinnerungsstück ab. Nie mehr „Fresh wooden fish“. Auch die Taverne Fantasia bei Spartera hatte ihre Pforten geschlossen. Dafür hatten einige neue Luxusimmobilien ihre Pforten für Touristen geöffnet.

So ist das, wenn man Orte über viele Jahre hinweg immer wieder besucht: Man erlebt die Vergänglichkeit alles Irdischen hautnah.

Doch diese Wandlung bringt auch Positives mit sich; erstmals seit langer Zeit fuhr wieder eine Fähre regelmäßig vom Hafen Lefkimmis nach Korfu Stadt – und das Beste war, dass die Online Fahrkarte nur ein Drittel vom Preis vor Ort kostete. Als wir ein paar Tage später an der Küste entlang tuckerten, begleitete uns ein Regenbogen über dem Meer. Und so standen wir wenig später ziemlich genau ein Jahr nach unserer Hochzeit erneut an an der alten Townhall in Korfu. Weiter unten am alten Fort war der Eintritt zur Feier des Tages kostenlos. 

Ein paar Tage später machten wir die Tour erneut, besuchten eine alten Seifenmanufaktur und trieben durch die Gassen, die jetzt, Anfang Oktober, nicht ganz so überfüllt waren wie im Sommer. Eigentlich wäre es an der Zeit, mal ein paar Tage im Winter hier zu verbringen. Dann sind hier auch weniger Kreuzfahrtschiffe, diese Plage der Meere.

Die restlichen Tage vergingen wie im Flug, auch der Müllstreik kam zu einem Ende. Wir gondelten morgens durch die Insel, badeten nachmittags im Meer und ließen uns den Sand um die Nase wehen, wanderten durch schattige Olivenwälder, brieten Garnelen und sahen der Sonne beim Untergehen zu. Hinter dem Strand ist noch ein kleiner Hafen, da treibt sich außer den Fischern kaum jemand rum, dort bin ich gerne.  Auch am letzten Abend, bevor wir bei Stella noch einmal zu Abend aßen und uns dann von ihr und Ani verabschiedeten. Wir mussten hoch und heilig versprechen, wiederzukommen. Von Georgia und Vassily hatten wir uns schon nachmittags herzlich verabschiedet.

Morgens dann eine letzte Fahrt über die Insel, bevor wir unseren Panda beim Verleiher höchst unkompliziert wieder abgaben. Falls ihr mal einen Mietwagen auf Korf braucht, A2S ist zu empfehlen – wobei bislang auch bei anderen Vermietern immer alles glatt gegangen ist, sieht man einmal davon ab, dass wir vor zwei Jahren auf Taxikosten sitzen geblieben sind, da die Batterie den Geist aufgegeben hatte. Aber irgendwas ist ja immer. 

Der Flieger hob pünktlich ab und schwebte stressfrei Richtung Frankfurt, unser Gepäck rollte zeitnah vom Band, wir erwischten die S-Bahn und auch die Straßenbahn just in time und trotteten entspannt in unsere Straße, wo uns Baulärm empfing. Und dort, wo unser Dacia geparkt hatte, wurden nun Glasfaserkabel verlegt. Der Urlaub war zu Ende.