Thailand, Ko Phayam, 6:30. Fünf Thai-Frauen und ein Nachwuchskrabbler tummeln sich am Strand, es gibt einiges zu erzählen, Junior spielt im Wasser. Ein schönes Bild an einem Sommermeermorgen. Ich schaue von meiner Hängematte aus zu. Das wollte ich zwar nicht, aber der frühe Vogel fängt den Wurm. Ich möchte allerdings auch keine Würmer fangen, aber ich bin wach. Ein kleiner Gecko schaut mir beim Frühstück zu.

Erstaunlicher Weise fallen mir doch immer wieder ein paar Dinge auf, so sitze ich heute ausnahmsweise bei einem Kaffee, statt Thai Tea, und schreibe sie auf. Da haben wir doch alle etwas davon, an diesem Ostersonntag mit einem 2:2 der Eintracht im Rücken. In Thailand bin ich bislang sieglos. Aber gut, so ist das halt.

Wenn ich mit dem Roller über die Insel fahre, fällt mir auf, dass der Duft von Cashewnüssen nicht mehr so präsent ist, wie in den ersten Tagen, der Duft fehlt mir. Mittlerweile ist es hier etwas belebter, als in der ersten Zeit, ich habe den Eindruck, dass sich die Osterferien leicht bemerkbar machen, es kommen mehr Urlauber hier her, weniger Traveller. Nun gibt es zwar keinen definierten Charakterunterschied zwischen beiden, jeder kann alles und zurück sein, aber mir scheint, Urlauber sind meist weniger interessiert an den Dingen, die um sie herum geschehen, an Dingen, die mit ihnen geschehen. Sie leben meist komfortabler, lassen es sich nach ihrem Gusto gut gehen, entfliehen dem Alltag von zuhause, um erholt in diesen zurück zu kehren. Traveller scheinen neugieriger auf Erscheinungen und Veränderungen, nehmen von Zeit zu Zeit Unannehmlichkeiten auf sich, um etwas zu erreichen und leben schlichter, vielleicht sogar bewusster – und kalkulieren meist knapper. Natürlich kann es genau so anders herum sein, ich beschreibe nur eine Tendenz. Mit Travellern kommt man leichter ins Gespräch, sie grüßen eher grundlos, Urlauber sind sich selbst Grund genug, es sei denn, sie finden ein Pendant, mit dem es sich trefflich Volleyball spielen lässt. Die Insel stellt sich darauf ein. Neue Resorts auch im Inneren sprießen, größer, komfortabler als die einfachen Mattenbungalows, mit einem breitgefächerten Unterhaltungsangebot. Teure Ausflüge auf dem Speeboot gehören dazu. Dabei ist gerade die permanente Präsenz des Meeres, die ursprüngliche Stille, das Atmen des Inselgeistes, das für mich Wesentliche, genau hier zu sein.

Die Bar- und Restaurantangebote sind vielfältig, es gibt einfache Thaihüttchen mit typischen einfachen Gerichten, es gibt einige sehr nette Orte, die europäisch-thai betrieben werden, mit einfachen Sitzgelegenheiten, bunten Holzschildchen und einem Om an der Wand, es gibt größere Restaurants, manche sogar mit einem Langnese Schild davor. So gut wie nicht jedoch, gibt es die kleinen Wägelchen, die vor Ort eine Mahlzeit anbieten, wie es für Bangkok typisch ist.

Was ich bislang noch nicht entdeckt habe, sind Orte der Prostitution, die berühmt berüchtigten Ladyboys und auffällig übermäßigen Alkoholkonsum, wobei ich bislang noch keinen Abend in einer der Bars verbracht habe. Ich zwitscher zuhause ja auch ganz gerne mal einen, an der Konsti, im Backstage oder im Feinstaub, hier aber würde mir der Alkohol die Sinne für die Erscheinungen, die Geräusche der Geckos, Zikaden, Meereswellen trüben, so fällt es leicht, darauf zu verzichten.

Die Briefmarken sind zwei Baht teurer als auf dem Festland, obgleich der Wert, 15 Baht, der gleiche ist. Ich kaufe solche Dinge stets in einem kleinen Shop auf dem Weg zum Long Beach, der jede Menge, auch praktische Dinge bereit hält. Und wenn die Briefmarken oder sonstige Sachen ausgegangen sind, steht eine Fahrt zum Festland an, wer ein eigenes Boot besitzt, schippert bei Bedarf nach Ranong, ansonsten fährt man mit dem Normal Boat und besorgt sich die Waren. Das kostet Zeit. Eilig sollte man es hier nicht haben, wer es eilig hat, wird unglücklich.

Auch nach etlichen Tagen hier, gehören die Sonnenuntergänge zum Schönsten, was ich je gesehen habe, ein jeder unterschiedlich, ein Farbspektrum von blassblau und pastellrosa bis hin zu leuchtblau, sonnenrot, wolkengrau, sommergelb, und buntorange. Ein Adler kreist kurz am Himmel, dessen Farben sich ineinander vermengen, bis die Nacht dunkelt. Am intensivsten erscheint das Farbspektakel, wenn der Sonnenball verschwunden ist und das nachtblau sich in den Himmel schiebt. Heute ist Vollmond, leider wandern einige Wolken umher, die Nacht ist nicht sternenklar, aber schön und warm und freundlich. Ich mache einen Strandspaziergang, setze mich auf eine Schaukel, die in den Bäumen vor einem nicht bewohnten Resort hängt und schaukle sachte in die Nacht, das Meer brandet leise an den Strand. Das Resort macht eigentlich einen schlichten aber netten Eindruck, nur die Nachtleuchten an den Hütten und Wegen leuchten grell ins Dunkel. Es juckt mich, bunte Folien um die Lampen zu wickeln, die aber natürlich nicht dabei habe.

Sobald die Lichtlein der Restaurants verloschen sind, tappse ich ins Meer. Man geht hier nicht unter, treibt bewegungslos im Wasser, aus der Hippy Bar am anderen Ende der Bucht wummern leise die Bässe der Vollmondparty. So ich untertauche, höre ich sie nicht. Es macht Freude, bei Flut zu schwimmen, die Felsen im Wasser sind bedeckt und gefahrlos. Am Nachmittag sah ich ein Pärchen bei Ebbe ins Wasser spazieren, kurze Zeit später humpelte sie an Land, wie ich einst ob meines Cuts am Fuß, der mir kaum mehr Probleme bereitet. Vielleicht hat sie sich geschnitten, vielleicht ist sie auf einen Seeigel getreten, die Betreiber der Resorts dürften dies kennen und entsprechende Mittel bereit haben.

Wie jeden Abend brause ich mir mit der Handbrause im Bad den Sand von den Füßen. Pia hatte heute ihren ersten Auftritt auf der Waldtribüne, es scheint gut gelaufen, ich denke an sie, an unsere Wohnung und den Garten, der jetzt natürlich viel Arbeit macht. Noch zwei Wochen, dann bin ich wieder da, solange muss sie alleine die Stellung halten. Und ich freue mich, wieder zuhause zu sein, obgleich ein Stück von mir dort geblieben und ein Stück von Pia bei mir ist.

Ich wünsche euch allen frohe Ostern.