Dies ist der Beginn einer zauberhaften Geschichte. Zarte Elfen, zerfurchte Zauberer, spinnwebverhangene Höhleneingänge und schneebedeckte Baumäste, die aussehen als griffen sie gleich nach dem vom Leben gezeichneter Wanderer – all dies wird hier hier nicht vorkommen, soviel kann ich jetzt schon verraten.

Ich, der allwissende Erzähler, der ahnungslos in der warmen Stube bei einem Glas Tee sitzt und hinaus in die Winterkälte schaut, welche die Stadt fest im Griff hat. Klein-Bommel und Groß-Bommel haben sich soeben auf den Winterweg gemacht, Klein-Bommel in die Schule und Groß-Bommel zur Arbeit, so will es des Lebens Brauch.

Aber bevor hier die ganz großen Geschichten erzählt werden, von Leidenschaft und Verrat, von Vergänglichkeit und von Träumen, so groß wie die Stadt für Klein-Bommel scheint, will ich – ja muss ich sogar, euch die beiden vorstellen, denn so gebietet es nicht nur der Anstand, sondern gleichermaßen auch die Tradition des geschriebenen Wortes, welche höchst sensibel eine Einleitung verlangt, auf dass ihr da draußen auch ganz genau wisst, mit wem wir es zu tun haben. Nicht, dass gleich wieder ein Lehrer um die Ecke springt und mit erhobenem Zeigefinger die fehlende Einleitung anmahnt und mit rotem Stift an der Seite des großen Heftes des ewigen Werdens rumschmiert. Wie sieht das denn aus würde Klein-Bommel sagen und mit was? Mit Recht.

Also fangen wir ganz von vorne an. Als Klein-Bommel auf die Welt kam, war er noch sehr jung. In seinem Mund steckte ein Lutscher und statt einer rechten Hand befand sich dort ein kleines Kästchen, welches auf wundersame Weise bunte Bilder zeigen konnte. Wenn Klein-Bommel mit der linken Hand drauf drückte, bewegten sich die Bilder und Klein-Bommel jauchzte und war brav wie Groß-Bommel an dem Tag, an dem erstmals der Nikolaus kommen sollte. Das ist schon ganz lange her, da war selbst Klein-Bommel noch ein – zugegeben putzmunterer – Gedanke im Universum. Groß-Bommel war übrigens dabei, als Klein-Bommel das Licht der Welt erblickte. Und als Groß-Bommel selbst den Mutterschoß einst verlassen hatte, war sie gleichfalls noch sehr jung. Da merkt man gleich, dass die beiden zusammen gehören.

Der Versuch, Klein-Bommels Lutscher operativ zu entfernen, scheiterte erbärmlich, der Kleine schrie und strampelte, dass die Ärzte ein Einsehen hatten und so kommt es, dass ein Lutscher im Mund bis heute ein sicheres Erkennungmerkmal von Klein-Bommel ist. Das kleine Kästchen am Arm aber wurde recht bald gegen eine rechte Hand eingetauscht, was Klein-Bommel gar nicht behagte. So kommt es abermals bis heute, dass er – sobald ein solches Kästchen in der Nähe ist – dieses wie ferngesteuert anvisiert und fortan von diesem nicht mehr zu trennen ist. Es sei denn, es gibt Schokolade. Oder ein größeres Kästchen. Oder der liebe Gott kommt angeschwebt und säuselt: Zähneputzen und ab ins Bett. Da kann Klein-Bommel ganz schön grummelig werden. Erstaunlicherweise sieht der liebe Gott dann aus wie Groß-Bommel.

Ganz im Ernst, Groß-Bommel ist der Erfinder von Klein-Bommel und merkte schon bald, dass die eigene Erfindung sich so etwas wie einen eigenen Willen entwickelt, so ähnlich wie ein Auto. Nur wo ein Auto Benzin braucht, läuft Klein-Bommel mit Eis. Statt Öl braucht er Gummibärchen, um ordentlich zu funktionieren und statt einer Inspektion geht es zum Friseur. Und manchmal findet der Friseur in den Haaren von Klein-Bommel Figürchen aus Überraschungseiern. Das ist lustig. Und was für ein Auto Sand im Getriebe ist, das ist für Klein-Bommel Pfeffer im Essen. Während jedoch ein Auto sofort Sand im Getriebe bemerkt und ruckelt und stottert, so muss Klein-Bommel Pfeffer entweder sehen oder wissen, dass Pfeffer im Essen verbraten wurde. Das ist ein mords Unterschied und somit ist auch klar, dass Klein-Bommel gar kein Auto ist. Obwohl er ruckelt wie ein Großer, sobald nur ein einziges winziges Pfefferkörnchen auf den Nudeln zu erspähen ist. Ansonsten läuft er wie geschmiert. Zumindest, wenn er kein Kästchen in den Händen hält.

So, das wars für den Anfang, ihr sollt den Tag ja nicht lesend vertrödeln, sondern was anständiges lernen oder rechtschaffen arbeiten, auf dass die große schöne Welt weiterhin gleichmäßig ihre Runden dreht. Obwohl, wenn man näher hinsieht, dann ruckelt die große schöne Welt, als hätte sie heute morgen Pfeffer in den Nudeln gehabt. Ja eigentlich ruckelt sie, als hätte sie jeden Morgen Pfeffer in den Nudeln – aber das ist ein andere Geschichte und wird sicherlich eines schönen Tages erzählt werden. Denn Geschichten müssen erzählt werden, denn sonst weiß ja niemand was passiert ist und das wäre verdammt schade, oder?