Freunde des Eintracht Museums kennen sie, die Veranstaltungsreihe „Tradition zum Anfassen“, die wir seit 2008 gemeinsam mit der Fufa durchführen. Und gestern ging es zum dritten Mal auf Tour: Nach Homberg und Gießen waren wir nun in Stadtallendorf zu Gast. Mit dabei: Günter Keifler, Richard Weber, Rolf Heller, Christoph Preuß und Stepi.

Alleine die Hinfahrt war spaßig, zwar ging es im Eintracht-Jeep gleich nach dem Stadion in den A5-Stau, aber mit Matze und Stepi im Auto wird es ja nie langweilig. Und wir landeten pünktlich vor der Stadthalle in Stadtallendorf, rund 120 Kilometer liegen zwischen hier und Frankfurt, eine Strecke, die der hiesige EFC bei jedem Heimspiel zu meistern hat. Und der EFC Adlerhorst Stadtallendorf fungierte auch als Gastgeber, während das Eintracht Museum und die Fufa als Veranstalter auftraten.

Der kleine Saal war schon mit dem großen EFC-Banner geschmückt, den die Stadtallendörfer anlässlich ihre 25jährigen Bestehens anfertigten und wie immer hier, war die Orga tiptop. Sogar kleine Schnapsfläschchen mit einem Aufkleber ob des anstehenden Pokalfinales wurden präsentiert. Und natürlich wurde es ein bunter Abend, sogar der Bürgermeister war vor Ort.

Richard Weber und Günter Keifler stießen seinerzeit beide aus Marburg zur Eintracht, Weber noch zu Oberligazeiten, Keifler Mitte/Ende der 60er, gemeinsam gespielt bei der SGE hatten sie allerdings nie, als Weber ging, kam Keifler – beide jedoch zog es nach ihrer Zeit bei der Eintracht wieder nach Marburg zurück, wo sie auch heute noch wohnen – für sie war der Abend quasi ein Heimspiel.

Der Übergang von der Oberliga zur neuen Bundesliga zeigte sich nicht zuletzt am veränderten und intensiviertem Training, nun mussten auch die Meister von 59 unter Trainer Paul Osswald die Spikes schnüren und 400 Meter sprinten, was nicht jedem behagte. Immerhin belegte die Eintracht in der ersten Ligasaison den dritten Platz. Für Weber besonders beeindruckend waren im positiven Sinn ein Sieg bei 1860 München, einem Gegner, bei dem sich die SGE tradionell schwer tat. Negatives Highlight war die 0:7 Klatsche gegen den KSC, bis heute die höchste Heimniederlage der Frankfurter Bundesligahistorie. Schwer beeindruckt hat den damaligen Studenten Weber auch ein Spiel gegen den HSV, nicht nur dass die Eintracht die Hamburger besiegen konnte, es war das Spiel, bei dem sich Uwe Seeler die Achillessehne gerissen hatte. „Es war, als hallte ein Schuss durch das Stadion“.

Keiflers Karriere war in jungen Jahren geprägt durch etliche Einsätze in DFB-Auswahlmannschaften, darunter ein Spiel im ausverkauften Wembley-Stadion gegen England. „95.000 Zuschauer, das vergisst du nicht.“ Allerdings stand seine Zeit bei der Eintracht unter keinem glücklichem Stern. Kaum hatte er sich in die Mannschaft gespielt, warfen ihn schwere Verletzungen am Knie ein ums andere Mal zurück, ein langer Leidensweg begann – ehe er 1970/71 seine Karriere beenden musste, kaum 22 Jahre alt. So ging es für den gelernten Technischen Zeichner zurück nach Marburg. Als er vor seinem Wechsel zur Eintracht noch andere Angebote vorliegen hatte, riet ihm ein befreundeter Notar, auf jeden Fall als Hesse zur SGE zu wechseln und sagte Keifler seine Unterstützung zu. Und so kam es dann auch. Die Eintracht aber stand ihm auch während seiner langwierigen Verletzung zur Seite – und bei seiner Hochzeit war das gesamte Team zu Gast. Horst Heese schlief sogar bei Keiflers Schwiegermutter. Natürlich in einem separaten Raum.

Christoph Preuß, heutiger Teammanager der Eintracht, konnte ebenfalls das Lied des verletzungsbedingten Leidensweges singen, welches auch ihn zur vorzeitigen Aufgabe seiner Fußballerkarriere zwang. Großen Momenten, wie etwa das Erzielen des Siegtreffers gegen die Bayern per Fallrückzieher, welcher sogar zum Tor des Monats gewählt wurde, folgten später einsame Stunden in der Reha. Zwar kam es noch zu einem Comeback, aber nach einigen Minuten gegen den Club, war für ihn klar: Das wars. Einem kurzen Intermezzo in der IT-Abteilung der Eintracht folgte ein Traineeprogramm und das Studium zum Sportmanagement. Seit 2012 ist Preußi, wie er von allen gerufen wird, nun für das Lizenzspielerteam verantwortlich – und freut sich wie alle auf das Pokalfinale, in dem er die verletzungsgebeutelte Eintracht durchaus nicht chancenlos sieht.

Rolf Heller, langjähriger Abteilungsleiter Fußball und Präsident der Eintracht zwischen 1996 und 2000 ist Ehrenmitglied des EFC Stadtallendorf. Schon beim 10-jährigen Jubiläum des EFCs war er hier zu Gast. Diesmal saß er neben Stepi – den er 1996, als die Eintracht quasi auf einem Abstiegsplatz der zweiten Liga stand, entlassen musste. „Ich ging in die Kabine und sagte: Stepi, das war’s“. Stepi nahm es heute mit Humor und am Ende der Veranstaltung saßen sie beide Arm in Arm nebeneinander. Natürlich hatten beide viel zu erzählen, so von der Amtseinführung Hellers, als bei der Eintracht keiner Präsident werden wollte. Ohms Zeit war nach dem Abstieg vorbei, der Kurzzeitpräsident Otto war mit Schatzmeister Thate schon nach wenigen Tagen Geschichte und Peter Rhein, der als Nachfolger gekürt werden sollte, fiel aufgrund einer obskuren Begebenheit (über die ich hier den Mantel des Schweigens lege) kurzfristig aus dem Rennen. Letztlich fiel die Wahl auf Rolf Heller, der gemeinsam mit Gaetano Patella und Horst Ehrmantraut den Karren aus dem Dreck zog. Allerdings war zum Zeitpunkt des legendären 5:1 gegen den 1.FC Kaiserslautern Ehrmantraut schon wieder des Amtes enthoben. Als der Versuch mit Reinhold Fanz gänzlich daneben ging, verpflichtete Heller Jörg Berger am Verwaltungsrat vorbei, ein Schachzug, der aufging.

Stepi war ja gleich dreimal bei der Eintracht in Amt und Würden. 1976 kam er als Spieler zur Eintracht, teilte sich mit Gerd Trinklein ein Zimmer. Und während der eine für Getränke sorgte, packte Stepi die Stange Marlboro auf den Tisch. Legendäre Jahre am Riederwald, die Eintracht blieb 22 Spiele ungeschlagen – und am Ende kosteten läppische Unentschieden gegen Tennis Borussia oder Bochum die bei Amtsantritt Gyula Lorants nicht für möglich gehaltene Meisterschaft. Damals galt noch die Zweiausländerregelung, welche besagte, dass nicht mehr als zwei Ausländer im Kader stehen dürfen. Ein Platz war durch Pezzey besetzt, der andere durch Stepi, Und als die Eintracht Interesse am Schweizer Stürmer Ruedi Elsener signalisierte, war Stepis Zeit als Spieler bei der Eintracht abgelaufen. Die Ironie des Schicksals aber wollte es, dass nur ein Jahr später Elsener dem Koreaner Bum Kun Cha weichen musste. Stepi wechselte nach Worms – und flog gegen Offenbach vom Platz.

Großes Lob erhielt Stepi von Rolf Heller über seine Moderation der Pressekonferenz nach dem Rostockspiel, bei der er sachlich blieb und dem Schiedsrichter keine Vorwürfe machte. Interessant der Hinweis zum Stichwort Kameradschaft: „Wenn du richtig erfolgreich sein willst, bleibt die Kameradschaft im Hintergrund“, so Stepi, schließlich will ja jeder selbst spielen – dies sei bei allen erfolgreichen Teams so.

Natürlich konnten wir bei so vielen Gästen und Höhepunkten viele Themen nur anreißen, vergnüglich und unterhaltsam war es aber allemal. Und selbstverständlich hatten wir zur Feier des Tages extra den Pokal aus Frankfurt angeschleppt. Da kann also nichts mehr schief gehen …