Das ist unser Land, unser Land
doch es gehört nicht dir und mir
denn dieses unser Land
ist fest in andrer Hand
und außen vor
da stehen wir!

….

… sang Hans Hartz vor Jahrzehnten. Und er sang nicht von Asylsuchenden, von Flüchtlingen und auch nicht von Ostdeutschland. Das war damals Teil der DDR, Ausland, Zone. Er sang von solchen Leuten, von Haien und Maklern, und wie sie alle heißen. Die mit Samsonite ins Ausland gehen, vorm Bankfach stehen – oh wie schön ist es zu reisen. Da waren die weißen Tauben schon müde. Hans Hartz ist schon lange verstorben, unser Land gehört uns immer noch nicht – auch wenn ich mein Leben lang nie von meinem Land gesprochen habe. Die Botschaft war klar: Hier die Multis und mafiösen – dort die anderen, die Ausgebooteten, Besitzlosen, der kleine Mann, die kleine Frau, das alltägliche Unbehagen gepaart mit der Wohnzimmermitmenschlichkeit der Schwachen.

Wie konnte es damals so weit kommen? So fragten wir uns. Dieses Damals, das war Hitlerdeutschland, Auschwitz, totale Vernichtung. Wir begriffen die Antwort abstrakt, so richtig begreifen konnten wir es nicht, trotz der Tatsache, dass etliche der einstigen Täter schon lange wieder in Amt und Würden waren, trotz des Wissens, dass sich die Justiz lange mehr als schwer mit der Bestrafung getan hat. Rechts von der CDU war ein ungehobeltes Niemandsland, wer dort spielte hatte trotz gelegentlich kollektivem Aufflattern seltsamer Haltung seinen Anspruch auf Respekt oder Würde verwirkt. Es waren die Alten, die Ewiggestrigen und eine Handvoll Verwirrte.

Ausländerfeindlichkeit aber gab es schon immer, und weil die Juden gerade ausgegangen waren, so standen die Gastarbeiter im Fokus, erst Italiener, dann die Türken, Spaghettifresser, Knoblauchfresser, machen wir uns nichts vor, auch und gerade in der Bundesrepublik. Du kommst hier nicht rein – Standard in Diskotheken. Religion spielte kaum eine Rolle, es war die Fremdheit, wobei der Italiener spätestens seit die Türken kamen immer mehr einer von uns wurde. Er kocht ja auch gut.

Als die DDR wie der gesamte Osten wankte und die Leute auf die Straßen gingen, hieß es: Wir sind das Volk. Klare Ansage: Wir lassen euch von Oben nicht vorschreiben, was wir zu tun und zu lassen haben. Okay, aus Wir sind das Volk wurde dann Wir sind ein Volk – auf den Ruf nach Freiheit folgte der Ruf nach Bananen. Heute rufen sie wieder: Wir sind das Volk. Und meinen damit Wir – und nicht der Neger.

Es ist ja auch schwer, den ganzen Dschungel von Politik und Wirtschaft, von Verteilung der Gelder und Vetternwirtschaft, von Export und Ausbeutung zu durchdringen, zu hinterfragen, dieses Beziehungsgeflecht derer, die Armut durch Hartz4 zementieren und Reichtum durch Steuergesetz und Subvention fördern. Lügenpresse rufen sie mit Schaum vor dem Mund. Lügenpresse. Natürlich Lügenpresse. Die BILD war niemals etwas anderes – doch es geht nicht mehr darum, dass die Mächtigen und ihre Machenschaften auch für seriöse Journalisten nicht bis schwer zu Durchdringen sind, dass sie von mächtigen Medienagenturen und Pressesprecher mit Unwahrheiten gefüttert werden, dass für vernünftige Recherche weder Zeit noch Geld vorhanden ist. Wenn sie heute Lügenpresse rufen, meinen sie schlicht: Schandtaten der Neger werden nicht benannt. Ich möchte da nicht mitrufen.

Die Ereignisse des vergangenen Wochenendes, Clausnitz, Bautzen, der Auftritt und vor allem die Rechtfertigung der Polizei sind weitere negative Höhepunkte eines Prozesses, der nicht mehr beunruhigt. Seit längerem liefert der geistige Hintergrund und das wirkliche Verhalten des vermeintlichen Volkes klare Antworten, wie es damals soweit kommen konnte. Wenn einhundert Arschlöcher einen Flüchtlingsbus blockieren, wenn der Leiter des Flüchtlingheimes Mitglied in der Arschlochpartei ist, dessen Bruder die Arschlöcher koordiniert und der Polizeipräsident nicht die Arschlöcher sanktioniert, sondern die Opfer und der Innenminister diesem Recht gibt, dann weißt du Bescheid. Wenn nach Ankündigung in Bautzen ein Flüchtlingsheim brennt, feixende Arschlöcher davor, Feuerwehren am Löschen behindert werden, dann weißt du Bescheid. Da reichen keine Lichterketten mehr, keine digitale Empörung. Doch was tun?

Dazu passt dann irgendwie auch, dass aufgrund meiner Reise nach Auschwitz und dem damit verbundenen digitalem Verhalten mir von TripAdvisor eine personalisierte Werbung präsentiert wird, die zynischer nicht sein kann. Ich weiß, systembedingt. Keiner hat Verantwortung. Ist halt so.

Wählen sie nicht einfach eine beliebige Unterkunft in Oswiecim (Auschwitz). Schauen sie sich die Meinungen der Reisenden an. Ich sehe ein Foto des Einganges zum Vernichtungslager in Auschwitz-Birkenau. Text: Das Top-Hotel in Oswiecim?

osNein. Die Seite gefällt mir nicht. Ganz und gar nicht.